3.9.2   Fahrwiderstand eines Fahrzeugs

3.9.2.1   Allgemeines

Mit den nachstehend beschriebenen Verfahren soll der Fahrwiderstand eines Fahrzeugs, das mit konstanter Geschwindigkeit auf der Straße fährt, gemessen und dieser Widerstand bei einer Prüfung auf dem Fahrleistungsprüfstand gemäß den Bedingungen nach Nummer 3.9.1.2 simuliert werden. Der Technische Dienst kann andere Verfahren zur Bestimmung des Fahrwiderstands zulassen.**)
Fußnote **)
Die Anforderung werden im Verkehrsblatt veröffentlicht.

3.9.2.2   Beschreibung der Fahrbahn

Die Fahrbahn muss horizontal und lang genug sein, um die nachstehend genannten Messungen durchführen zu können. Die Neigung muss auf ± 0,1 Prozent konstant sein und darf 1,5 Prozent nicht überschreiten.

3.9.2.3   Meteorologische Bedingungen

Während der Prüfung darf die durchschnittliche Windgeschwindigkeit 3 m/s nicht überschreiten bei Windböen von weniger als 5 m/s. Außerdem muss die Windkomponente in Querrichtung zur Fahrbahn weniger als 2 m/s betragen. Die Windgeschwindigkeit ist 0,7 m über der Fahrbahn zu messen.
Die Straße muss trocken sein
Die Luftdichte während der Prüfung darf um nicht mehr als ± 7,5 Prozent von den Bezugsbedingungen P = 100 kPa und t = 293,2 K abweichen.

3.9.2.4   Zustand und Vorbereitung des Prüffahrzeugs

3.9.2.4.1
Das Fahrzeug muss sich in normalem Fahr- und Einstellungszustand befinden. Es ist zu prüfen, ob das Fahrzeug hinsichtlich der nachgenannten Punkte den Angaben des Herstellers für die betreffende Verwendung entspricht:
  1. Räder, Zierkappen, Reifen (Marke, Typ, Druck)
  2. Geometrie der Vorderachse
  3. Einstellung der Bremsen (Beseitigung von Störeinflüssen)
  4. Schmierung der Vorder- und Hinterachse
  5. Einstellung der Radaufhängung und des Fahrzeugniveaus
  6. usw.
3.9.2.4.2
Das Fahrzeug ist mindestens bis zu seiner Bezugsmasse zu beladen. Das Fahrzeugniveau muss so eingestellt sein, dass sich der Beladungsschwerpunkt in der Mitte zwischen den „R“-Punkten der äußeren Vordersitze und auf einer durch diese Punkte verlaufenden Geraden befindet.
3.9.2.4.3
Bei Prüfungen auf der Fahrbahn sind die Fenster zu schließen. Eventuelle Abdeckungen für Klimaanlagen, Scheinwerfer usw. müssen sich in den Stellungen befinden, die sich bei ausgeschalteten Einrichtungen ergeben.
3.9.2.4.4
Unmittelbar vor der Prüfung muss das Fahrzeug auf geeignete Weise auf normale Betriebstemperatur gebracht werden.

3.9.2.5   Messverfahren für die Energieänderung beim Auslaufversuch

3.9.2.5.1   Auf der Fahrbahn
3.9.2.5.1.1   Messgeräte und zulässige Messfehler
Die Zeitmessung darf mit einem Fehler von nicht mehr als 0,1 Sekunden, die Geschwindigkeit mit einem Fehler von nicht mehr als 2 Prozent behaftet sein.
3.9.2.5.1.2   Prüfverfahren
  1. Das Fahrzeug ist auf eine Geschwindigkeit zu bringen, die mehr als 10 km/h über der gewählten Prüfgeschwindigkeit v liegt.
  2. Das Getriebe ist in Leerlaufstellung zu bringen.
  3. Gemessen wird die Verzögerungszeit t1 des Fahrzeugs von der Geschwindigkeit v2 = (v + Δv) km/h bis v1 = (v – Δv) km/h, wobei Δv 5 km/h.
  4. Durchführung der gleichen Prüfung in der anderen Richtung zur Bestimmung von t2.
  5. Bestimmung des Mittelwerts T1 aus t1 und t2.
  6. Diese Prüfung ist so oft zu wiederholen, dass die statistische Genauigkeit (p) für den Mittelwert

    Formel

    gleich oder kleiner 2 % ist (p ≤ 2 %).
    Die statistische Genauigkeit wird definiert durch:

    Formel

    dabei bedeuten:
    t:
    Koeffizient entsprechend nachstehender Tabelle
    n:
    Anzahl der Prüfungen
    s:
    Standardabweichung,     Formel
    n456789
    t3,22,82,62,52,42,3

    Formel

    1,61,251,060,940,850,77
    n101112131415
    t2,32,22,22,22,22,2

    Formel

    0,730,660,640,610,590,57
  7. Berechnung der Leistung nach der Formel:

    Formel

    dabei bedeuten:
    P:
    Leistung in kW
    v:
    Prüfgeschwindigkeit in m/s
    Δv:
    Abweichung von der Geschwindigkeit v in m/s
    M:
    Bezugsmasse in kg
    T:
    Zeit in Sekunden
3.9.2.5.2   Auf dem Prüfstand
3.9.2.5.2.1   Messgeräte und zulässige Messfehler
Es sind die gleichen Geräte wie bei der Prüfung auf der Fahrbahn zu verwenden.
3.9.2.5.2.2   Prüfverfahren
  1. Das Fahrzeug wird auf den Fahrleistungsprüfstand gebracht.
  2. Der Reifendruck (kalt) der Antriebsräder ist auf den für den Prüfstand erforderlichen Wert zu bringen.
  3. Einstellen der äquivalenten Schwungmasse I des Prüfstands. Fahrzeug und Prüfstand sind durch ein geeignetes Verfahren auf Betriebstemperatur zu bringen.
  4. Durchführung der beschriebenen Maßnahmen nach Nummer 3.9.2.5.1.2 Buchstabe a bis c, f und g, wobei in der Formel g M durch I ersetzt wird.
  5. Einstellen der Prüfstandsbremse nach Nummer 3.9.1.
3.9.2.5.3
Andere gleichwertige Messverfahren für die Energieänderung beim Auslaufversuch können nach Zustimmung des Technischen Dienstes angewandt werden.

3.9.2.6   Messverfahren für das Drehmoment bei konstanter Geschwindigkeit

3.9.2.6.1   Auf der Fahrbahn
3.9.2.6.1.1   Messgeräte und zulässige Messfehler
  1. Das Drehmoment muss mit einem Messgerät einer Genauigkeit von 2 Prozent gemessen werden,
  2. die Geschwindigkeit muss auf 2 Prozent genau bestimmt werden.
3.9.2.6.1.2   Prüfverfahren
  1. Das Fahrzeug ist auf die gewählte konstante Geschwindigkeit V zu bringen.
  2. Das Drehmoment C(t) und die Geschwindigkeit sind während der Dauer von mindestens zehn Sekunden mit einem Instrument der Klasse 1000 gemäß ISO-Norm Nummer 970 aufzuzeichnen.
  3. Die Veränderungen des Drehmoments C(t) und der Geschwindigkeit in Abhängigkeit von der Zeit dürfen in jeder Sekunde der Aufzeichnungszeit 5 Prozent nicht überschreiten.
  4. Das maßgebliche Drehmoment Ct1 ist das mittlere Drehmoment, ermittelt nach folgender Formel:

    Formel

  5. Durchführung der Prüfung in der anderen Fahrtrichtung zur Bestimmung von Ct2.
  6. Ermittlung des Mittelwerts Ct aus den beiden Werten für das Drehmoment Ct1 und Ct2.
3.9.2.6.2   Auf dem Prüfstand
3.9.2.6.2.1   Messgeräte und zulässige Messfehler
Es sind die gleichen Geräte wie bei der Prüfung auf der Fahrbahn zu verwenden.
3.9.2.6.2.2   Prüfverfahren
  1. Durchführung der unter Nummer 3.9.2.5.2.2 Buchstabe a bis d beschriebenen Maßnahmen.
  2. Durchführung der unter Nummer 3.9.2.6.1.2 Buchstabe a bis d beschriebenen Maßnahmen.
  3. Einstellung der Prüfstandbremse nach Nummer 3.9.1.