Anhang 2
Empfehlungen gemäß § 21 Absatz 6 Nummer 2 BetrSichV für die nach dem Stand der Technik sichere Verwendung von Personen-Umlaufaufzügen gemäß Anhang 2 Abschnitt 2 Nummer 2 Buchstabe c BetrSichV

Personen-Umlaufaufzüge entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik und können aufgrund ihrer Technologie auch nicht dahingehend nachgerüstet werden. Im Einzelfall können jedoch technische Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Verringerung der Gefährdung führen. Kann die Sicherheit der Benutzer von Personen-Umlaufaufzügen durch technische Maßnahmen nicht gewährleistet werden, sind organisatorische Schutzmaßnahmen erforderlich. Gemäß § 12 Absatz 1 BetrSichV hat der Arbeitgeber die Beschäftigten hinsichtlich erforderlicher Schutzmaßnahmen und Verhaltensregelungen zu unterweisen. Gemäß Anhang 1 Nummer 4.4 BetrSichV darf der Arbeitgeber Personen-Umlaufaufzüge von anderen Personen als Beschäftigten nur verwenden lassen, wenn er geeignete Maßnahmen zum Schutz anderer Personen vor Gefährdungen durch Personen-Umlaufaufzüge trifft. Soweit technische Schutzmaßnahmen nicht möglich sind oder nicht ausreichen, hat der Arbeitgeber den erforderlichen Schutz dieser Personen durch andere Maßnahmen sicherzustellen; insbesondere hat er den anderen Personen mögliche Gefährdungen bei der Verwendung von Personen-Umlaufaufzügen bekannt zu machen, die notwendigen Verhaltensregeln für die Benutzung festzulegen und die erforderlichen Vorkehrungen dafür zu treffen, dass diese Verhaltensregeln von den anderen Personen beachtet werden. Entsprechende Bekanntmachungen können zum Beispiel durch Beschilderungen mit Warnhinweisen und leicht nachvollziehbaren Verhaltensregeln gemacht werden. Bauartbedingt bleiben jedoch bei Personen-Umlaufaufzügen immer Restrisiken bestehen, die vom Arbeitgeber bezüglich des sicheren Betriebes zu berücksichtigen sind. Vorkehrungen zur Kontrolle der Beachtung der Maßnahmen können beispielsweise Videoüberwachung oder stichprobenhafte Kontrollen der tatsächlichen Benutzung des Personen-Umlaufaufzuges durch vorhandenes Personal (z. B. vorhandene Sicherheitsbeauftragte) des Arbeitgebers sein.
Zusätzliche Anforderungen aus dem Baurecht (z. B. Brandschutz) sind hiervon nicht abgedeckt.
Die in der Tabelle genannten empfohlenen technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen gelten, sofern nicht anders gekennzeichnet, komplementär. Sie ergänzen einander, organisatorische Schutzmaßnahmen setzen auf den technischen Schutzmaßnahmen auf.
Sofern Schutzmaßnahmen mit a), b), c) ff. gekennzeichnet sind, sind diese jeweils ersatzweise empfohlen.
Nr.Gefährdung
Gefährdungssituation
Empfohlene technische SchutzmaßnahmenEmpfohlene organisatorische Schutzmaßnahmen
1Quetsch-, Stoß-, Scher- und Absturzgefahren durch nicht bestimmungsgemäße Nutzung und durch unvermeidbare Restgefährdungen von Personen-UmlaufaufzügenBauliche Begrenzung des Zu­gangs­be­reichs (z. B. Dreh­kreuz) zum Personen-Um­lauf­auf­zug zur Ver­hin­de­rung der Be­nut­zung mit sper­ri­gen Gegen­stän­den und von nicht zu­gangs­be­rech­tig­ten Per­sonen (z. B. Personen mit Gehhilfe)
Anbringung von Hinweisen auf den nächstgelegenen Personen- oder Lastenaufzug an jedem Schachtzugang
Deutlich sichtbare Anbringung von Verhaltensregeln, auch in Form von Symbolen und Piktogrammen, an jedem Schachtzugang
  • Keine Nutzung für Per­sonen mit ein­ge­schränk­ter Mo­bi­li­tät und Wahr­neh­mung
  • Nutzung für Kinder nur in Be­glei­tung Er­wachsener
  • Kein Transport von Lasten und sperrigen Gegen­ständen
  • Hinweise auf die vor­han­de­nen Per­sonen- und Lasten­auf­züge
Einrichtung einer Zugangskontrolle durch eine beauftragte Person mit Unterweisung der Benutzer, wenn die Warnhinweise nicht hinreichend berücksichtigt werden
2Quetschgefahren bei dem Versuch, den Umlaufaufzug im Bereich der unteren Umsetzstelle zu verlassenVerkleidung der Schacht­vor­der­wand unter dem untersten Zu­gang zu den ab­wärts­be­weg­ten Fahr­kör­ben in mindes­tens der Breite der Fahr­korb­zu­gänge und einer Länge von min­des­tens 0,8 m nach unten ab der Schwelle des untersten Schacht­zu­gangs, bei der der Druck auf die Ver­klei­dung eine Ein­rich­tung ak­ti­viert, die den Um­lauf­auf­zug still­setzt 
3Quetschgefahren bei dem Versuch, den Umlaufaufzug im Bereich der oberen Umsetzstelle zu verlassen
  • Hori­zon­tale Klappe an der Ober­kante des obersten Schacht­zu­gangs zu den auf­wärts be­weg­ten Fahr­kör­ben
  • Aus­len­kung der Klappe von mehr als 30 Grad ak­ti­viert eine Ein­rich­tung, die den Um­lauf­auf­zug still­setzt
 
4Gefahr des Eingeschlossenseins nach StillsetzungSignaleinrichtung, die nach Stillsetzung des Umlaufaufzugs eine beauftragte Person entsprechend Notfallplan gemäß BetrSichV umgehend alarmiert 
5Gefahr durch Ein­ge­schlossen­sein, Stolper-, Quetsch- und Scher­ge­fahren bei der Per­so­nen­be­freiung und Wieder­in­be­trieb­nahme
  • Schlüssel­schalter zur Wieder­in­be­trieb­setzung des Um­lauf­auf­zugs an einem Schacht­zu­gang (in der Regel um Haupt­zu­gangs­ge­schoss)
  • Vor­rich­tun­gen zur Be­fes­ti­gung von Ab­sperr­ein­rich­tun­gen an den Schacht­zu­gängen
Nach Stillsetzung
  • Be­freiung Ein­ge­schlosse­ner ent­sprechend dem Not­fall­plan gemäß Anhang 1 Nummer 4.1 BetrSichV
  • Siche­rung der Schacht­zu­gänge ge­gen Be­tre­ten durch eine be­auf­trage Per­son
Ver­wen­dung von Ab­sperr­ein­rich­tun­gen mit ein­deu­ti­gen Sym­bo­len, die das Verbot des Zu­tritts aus­reichend kennt­lich machen (z. B. „Einfahrt ver­bo­ten“ gemäß Straßen­ver­kehrs­ord­nung)
Wieder­in­be­trieb­nahme erst nachdem eine be­auf­tragte Person die sichere Be­nutz­bar­keit der An­lage fest­ge­stellt hat
Be­reit­stellung der Ab­sperr­ein­rich­tungen an einem für die be­auf­tragte Per­son zu­gäng­lichen Ort
6Schnittgefahren und elektrischer Schlag durch
  • zer­störte Ab­deckun­gen aus Glas oder
  • Glas­scher­ben von zer­stör­ten Ab­deckun­gen von Leuch­ten und Schil­dern aus Glas
  • Fehlen (nach Zer­stö­rung) von Ab­deckun­gen von Leuch­ten und be­leuch­te­ten Schil­dern aus Glas in den Um­setz­be­reichen
  • Ein­bau von Ver­bund­sicher­heits­glä­sern in einer Stärke von min­des­tens 6 mm
  • Siche­rung der Glas­schei­ben gegen Heraus­fallen und Heraus­drücken
 
7Stoß-, Quetsch- und Schergefahren beim Betreten und Verlassen des FahrkorbsHöhe der Schachtzugänge nicht weniger als 2,6 m und nicht mehr als 2,8 m 
8Rutschgefahren beim Verlassen oder Betreten des Fahrkorbs
Ebenheit und Planheit der Schacht­zu­gänge
Rutsch­hem­men­der Fuß­boden­belag in einer Tiefe von 0,75 m bis zur Tritt­kante
 
9Quetsch- und Stolpergefahren beim Betreten und Verlassen des Fahrkorbs
  • Seit­liche Hand­griffe in den Schacht­zu­gän­gen
  • Hand­griffe an bei­den En­den mit einem Win­kel von etwa 45 Grad zur Wand ab­ge­bo­gen
  • Länge des ver­ti­ka­len ge­raden Teil der Hand­griffe ent­spricht un­ge­fähr dem in 1,5 s zu­rück­ge­leg­ten Fahr­weg des Fahr­korbes
  • Lichter Ab­stand zur Wand 0,05 m bis 0,08 m
  • Mitte der Hand­griffe in etwa 1,10 m Höhe über dem Fuß­boden
  • Ho­ri­zon­ta­ler Ab­stand zwischen den Hand­griffen der Schacht­zu­gänge und denen der Fahr­körbe von ca. 0,30 m
 
10Quetsch-, Scher- und Stolpergefahren beim Versagen eines Bremskreises bei NotbremsungElektrisch lüftbare, selbsttätig wirkende Zweikreisbremse am Triebwerk, die den Aufzug auch bei Ausfall eines Bremskreises ausschließlich mechanisch verzögert 
11Stolper- und Stoßgefahren sowie Gefahren durch Einschluss bei plötzlichem Anhalten bei Havarie eines Fahrkorbs
  1. Füh­rungs­flächen in den Um­setz­stellen, die ein Aus­wei­chen der Fahr­körbe nach hinten um mehr als 20 mm ver­hin­dern
  2. Ein­rich­tun­gen, die den Um­lauf­auf­zug bei Aus­wei­chen der Fahr­körbe in den Umsetz­stellen nach hinten um mehr als 20 mm still­setzen
 
12Stolper-, Stoß- und Quetschgefahren infolge von Irritation und/oder VerwechslungDauerhafte und elektrisch be­leuch­tete Be­schrif­tung der Schacht­vor­der­wand in einer Schrift­größe von mindestens 40 mm vor dem letzten Schacht­zu­gang in jeder Fahrt­rich­tung
„Letztes Stockwerk, Weiterfahrt ungefährlich“
  • Be­zeich­nung der Stock­werke vom Fahr­korb aus les­bar
  • Stock­werks­be­zeich­nung aus­ge­leuch­tet
  • Deut­lich er­kenn­bare und gut sicht­bare Kenn­zeich­nung der Not­brems­schal­ter an den Schacht­zu­gän­gen mit „Not­bremse“ oder „Not-Stopp“
13Stolpergefahren
Beleuchtungsstärke an den Trittkanten der Schachtzugänge mindestens 150 lx
Beleuchtungsstärke der Trittkante der Kabinen im Bereich der Zugänge mindestens 50 lx
 
14Stoß-, Quetsch- und Scher­ge­fah­ren durch Ha­varie des Um­lauf­auf­zu­ges in­folge Ver­sa­gens der Füh­rungs­schienen und Ketten­führun­gen man­gels In­stand­hal­tung und Prü­fung
Ein­bau einer Klappe (In­spek­tions­klappe) in die Decke eines Fahr­korbs (In­spek­tions­fahr­korb), die von innen nur mit einem be­son­de­ren Schlüssel zu öffnen ist und somit die Kon­trolle von Bau­teilen im Fahr­schacht er­mög­licht (In­spek­tions­fahr­korb).
Ein­bau eines Haupt­strom-Not­end­schalters mit Zug­seil- oder Ketten­be­tä­ti­gung ohne selbst­tätige Rück­stellung im Trieb­werks­raum (der vor­han­dene Haupt­schalter darf bei Eig­nung diese Funk­tion über­nehmen).
Füh­rung des Zug­seils bzw. der Zug­kette durch den Schacht so, dass dieser Haupt­strom-Not­end­schalter von dem ln­spek­tions­fahr­korb aus an jedem Punkt der Fahr­bahn be­tätigt wer­den kann.
Me­cha­ni­sche Schnitt­stelle für eine Ein­rich­tung am In­spek­tions­fahr­korb, die über das Zug­seil bzw. die Zug­kette den Haupt­strom-Not­end­schalter bei Ab­wärts­fahrt über einem an dem Zug­glied an­ge­brach­ten festen An­schlag vor dem un­te­ren Um­setz­punkt zwangs­läufig be­tätigt.
Be­fehls­ge­ber im Trieb­werks­raum neben jeder Fahr­bahn, wobei je­weils nur ein Be­fehls­ge­ber be­triebs­be­reit ist, die auf eine ln­spek­tions­steue­rung ohne Selbst­haltung wir­ken und alle vor­han­de­nen Not­brems­schalter bei ln­spek­tions­steue­rung wirk­sam b­elassen.
Be­reit­stellung einer Stand­fläche aus­reichender Größe für die In­spek­tions­fahr­ten am Betriebs­ort, welche bei In­spek­tions­fahr­ten den Ab­stand zur Fahr­korb­decke auf ca. 1,2 m reduziert
An­brin­gen der Ein­rich­tung zum zwangs­läu­fi­gen Be­tä­ti­gen des Haupt­strom-Not­end­schalters vor dem unteren Um­setz­punkt während der In­spek­tions­fahrt
Hin­weis­schild, welches nach dem Öffnen der In­spek­tions­klappe mit fol­gen­der Auf­schrift sicht­bar ist:
  1. Ein­rich­tung am ln­spek­tions­fahr­korb am Zug­seil(-kette) be­fes­ti­gen
  2. Ar­bei­ten nur bei stehen­dem Fahr­korb aus­führen
  3. Wäh­rend des Fahrens nicht über die Fahr­korb­fläche hinaus­beu­gen
  4. Bei Ge­fahr Zug­seil(-kette) ziehen
  5. Vor der un­te­ren Um­setz­stelle bei stehen­dem Fahr­korb die Ein­rich­tung vom Zug­glied lö­sen
  6. Fahr­korb­decke ver­schließen, Auf­zug ver­las­sen
Her­stellung einer zu­ver­lässige Ver­stän­di­gungs­mög­lich­keit (z. B. Sprech­funk) zwischen dem ln­spek­tions­fahr­korb und dem Trieb­werks­raum
An­brin­gung einer Be­triebs­an­wei­sung für Ar­beiten im Schacht im Trieb­werks­raum und am ln­spektions­fahr­korb
15Quetsch-, Stoß- und Scher­ge­fahren während Prüfung und In­stand­haltungEin­rich­tung (nicht zwin­gend orts­fest mon­tiert) zum Still­setzen des Um­lauf­auf­zu­ges, die aus jeder Po­si­tion in der Schacht­grube, bei den Antriebs- und Um­lenk­rä­dern sowie im Trieb­werks­raum, die während der Prüfung und In­stand­haltung ein­ge­nom­men werden muss, ein sicheres Still­setzen der An­lage durch die be­troffene Per­son er­mög­licht. 
16
Quetsch-, Stoß-, Scher- und Ab­sturz­ge­fahren durch nicht be­stimmungs­ge­mäße Nutzung und durch un­ver­meid­bare Rest­ge­fähr­dungen von Per­sonen-Um­lauf­auf­zügen
Ge­fahr durch Ein­ge­schlossen­sein, Stolper-, Quetsch- und Scher­ge­fahren bei der Per­so­nen­be­freiung und Wieder­in­be­trieb­nahme
 Be­auf­tra­gung einer Person (siehe 2.2), die während des Be­triebes des Personen-Um­lauf­auf­zu­ges stän­dig an­we­send und er­reich­bar ist, die zeit­nah auf Not­rufe und Stö­run­gen rea­gie­ren kann, Per­so­nen­be­freiung durch­führt, die Auf­zugs­an­lage be­auf­sich­tigt und regel­mä­ßig die be­stimmungs­ge­mäße Nutzung kon­trolliert