Anhang 1
Empfehlungen gemäß § 21 Absatz 6 Nummer 2 BetrSichV für die nach dem Stand der Technik sichere Verwendung von Personen- und Lastenaufzügen gemäß Anhang 2 Abschnitt 2 Nummer 2 Buchstabe a BetrSichV

Sofern Schutzmaßnahmen mit a), b), c) ff. gekennzeichnet sind, sind diese jeweils alternativ empfohlen.
Nr.Gefährdung/ GefährdungssituationEmpfohlene technische Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik bei der Verwendung von Aufzugsanlagen
(§ 4 Absatz 1 BetrSichV)
Empfohlene organisatorische Schutzmaßnahmen (§ 4 Absatz 2 BetrSichV)Hinweis für Anlagen, die nach TRA 200 oder DIN EN 81-1:1998 oder DIN EN 81-2:1998 errichtet worden sind
1Stolpergefahr beim Betreten und Verlassen des Fahrkorbs durch Unbündigkeit der Fahrkorbschwelle zur SchachttürschwelleAnhaltegenauigkeit von ±10 mm und Nach­regu­lierungs­ge­nauig­keit von ±20 mm durch:
Nur möglich in Bereichen mit ein­ge­schränk­tem Be­nutzer­kreis: Warn­hinweis „Achtung Stufe“ mit Kenn­zeich­nung der Gefahren­stelle
Nicht zulässig bei be­hin­der­ten­ge­rech­ten Auf­zügen
Risiko in der Regel niedrig bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
a)
b)
c)
geregelten Antrieb
Nachstelleinrichtung
geregeltes Ventil
2Quetsch- und Scher­ge­fahren durch fehlende oder un­zu­läng­liche Ab­trennung der Fahr­bahn des Gegen- bzw. Aus­gleichs­ge­wichtsAbtrennung der Fahrbahn des Gegen- bzw. Ausgleichsgewichts bis 2 m über Schachtgrubensohle und in der Breite des Gegen- bzw. Ausgleichsgewichts
Warnhinweis mit Kennzeichnung der Gefahrenstelle
Nur möglich, wenn bereits eine Abtrennung vorhanden ist, die in Höhe und/oder Breite nicht ausreichend ist.
Gefährdung nicht vorhanden, Abtrennung war bereits gefordert
3Quetsch- und Scher­ge­fahren in der Schacht­grube durch be­nach­barte Auf­zugs­an­lagena)Abtrennung von einer Höhe von maximal 0,3 m über dem Boden der Schachtgrube bis zu einer Höhe von 2,50 m über dem Niveau der untersten HaltestelleWarnhinweis mit Kennzeichnung der GefahrenstelleKeine Gefährdung bei Anlagen nach DIN EN 81-1/2, Abtrennung war bereits gefordert
b)Einrichtung zum automatischen Abschalten des Nachbaraufzugs bei Arbeiten in der SchachtgrubeNur möglich, wenn bereits eine Abtrennung vorhanden ist, die in Höhe und/oder Breite nicht ausreichend ist.
4Quetsch- und Schergefahren im Schacht durch benachbarte Auf­zugs­an­la­gen bei feh­len­den oder un­zu­läng­lichen Ab­trennun­gen bei mehreren Auf­zügen im selben Schacht und weniger als 0,5 m Abstand zwischen der Innenkante der Um­weh­rung auf dem Fahr­korb­dach und be­weg­lichen Teilen des Nach­bar­auf­zugsa)Abtrennung über die volle Höhe des Schachts Keine Gefährdung bei Anlagen nach DIN EN 81-1/2, Abtrennung war bereits bei Abständen zwischen Fahr­korb­außen­kante und be­weg­lichen Teilen unter 500 mm gefordert
b)Umwehrung auf dem Fahrkorbdach mit einem Abstand zwischen Innenkante der Umwehrung und beweglichen Teilen des Nachbaraufzugs von mehr als 0,5 m – Achtung: Bereich außerhalb der Umwehrung muss nicht betretbar gestaltet werden!
c)Einrichtung zum automatischen Abschalten des Nachbaraufzugs bzw. der Nachbaraufzüge bei Arbeiten im Fahrschacht
5Quetschgefahr in der Schachtgrube und im Schachtkopf bei Aufenthalt von Personen in der Schachtgrube oder auf dem Fahrkorbdach durch zu geringe SchutzräumeHerstellung ausreichender Schutzräume durch: Risiko niedrig bei Schutzräumen nach TRA 200 oder DIN EN 81-1/2
a)Minimierung der Überfahrwege
b)Schutzeinrichtungen zur Herstellung temporärer Schutzräume
6Stolper- und Ab­sturz­ge­fahren beim Zu­gang zur Schacht­grubea)Schacht­gruben­zu­gangs­tür unterhalb der unter­sten Halte­stelle mit Ein­rich­tung zum auto­ma­ti­schen Still­setzen des Auf­zugs beim Öffnen der Schacht­gruben­zu­gangs­tür Risiko hoch für TRA 200 Anlagen bis Baujahr 1992, bei denen erst ab 1,5 m Grubentiefe eine Abstiegseinrichtung gefordert war; Niedriges Risiko bei Anlagen nach TRA 200 ab Baujahr 1992 und Anlagen nach DIN EN 81-1/2
b)Montage einer ortsfesten Leiter zum Abstieg in die Schachtgrube aus der untersten Haltestelle
7Quetsch-, Scher- und Einzugsgefahren in der Schachtgrube oder im Rollenraum durch sich bewegende Teile des AufzugsNotbremsschalter in der Schachtgrube und im Rollenraum Keine Gefährdung bei Anlagen nach DIN EN 81-1/2, Notbremsschalter war bereits gefordert
8Stoß-, Stolper-, Quetsch- und Scher­ge­fah­ren durch feh­len­de Wahr­nehm­bar­keit von Ge­fähr­dungen durch fehlende oder un­zu­läng­liche Schacht­be­leuch­tungBeleuchtung der Arbeits­bereiche in der Schacht­grube und auf dem Fahr­korb­dach mit mindestens 50 lx Risiko niedrig, wenn die Schachtbeleuchtung den Anforderungen nach TRA 200 oder DIN EN 81-1/2 entspricht
9Absturzgefahr durch zerstörtes Glas in Schachttüren bzw. Quetsch- und Schergefahren bei Eingriff in den Schacht durch zerstörtes Glas von Sichtfenstern in den Schachttürena)Verbundsicherheitsglas mit sicherer Befestigung und Kennzeichnung Höhe des Risikos in Ab­hän­gig­keit von Größe und Art des Glases sowie Um­ge­bungs­be­din­gun­gen (Van­da­lis­mus) prüfen
Risiko bei Drahtglas niedrig
b)Schließung der Sicht­fenster und Installation einer Fahrkorb-An­wesen­heits­an­zeige
c)DIBt-zugelassener Splitterschutz
10Stoß-, Einzugs- und Quetsch­ge­fahren durch fehlende oder un­zu­läng­liche Schutz­ein­rich­tun­gen an kraft­be­tä­tig­ten TürenSchutzeinrichtungen der Türen Risiko mittel bei Anlagen mit Schließ­kraft­be­gren­zung 150 N und mit Licht­schranke und Be­gren­zung der ki­ne­ti­schen Ener­gie auf 10 J, außer bei An­lagen, die von Be­hin­der­ten oder alten/ge­brech­lichen Per­so­nen be­nutzt werden
Änderung der Be­we­gungs­rich­tung der Türen beim Schließ­vor­gang nach Er­kennen einer Per­son/Ge­gen­stand im Tür­be­reich (z. B. Licht­gitter)
Begrenzung von Schließ­kraft auf 150 N und ki­ne­ti­scher Ener­gie auf 10 J
Verhinderung des Einzugs von Kinderhänden, z. B. durch:Bei Glastüren Risiko niedrig bei Anlagen nach DIN EN 81-1/2 mit Schutz­maß­nahmen gegen das Ein­ziehen von Kinder­händen
a)Undurchsichtigkeit des Glases bis zu einer Höhe von 1,1 m
b)Einrichtungen zur Er­ken­nung von Fin­gern im Ein­zugs­be­reich bis zu einer Höhe von 1,6 m
c)Reduzierung des Spalts zwischen den Türblättern und dem Rahmen auf 4 mm bis zu einer Höhe von 1,6 m
11Absturz-, Quetsch- und Scher­ge­fah­ren durch un­sichere Ver­riege­lungs­ein­rich­tung der Schacht­türEinrichtung zur sicheren Ver­riege­lung und Über­wachung der Schließ­stellung der Schacht­türen und Ver­hin­de­rung der Öff­nung, wenn sich kein Fahr­korb an der Halte­stelle be­fin­det Keine Gefährdung bei Anlagen nach TRA 200 oder DIN EN 81-1/2 (sofern Zu­schlag­bar­keit von Schacht­schiebe- und Dreh­türen, Not­ent­rie­ge­lung und Fehl­schließ­siche­rung ge­mein­sam vorhanden)
12Absturzgefahr in den Schacht durch Fehlen der automatischen Selbst­schließ­ein­rich­tung an Schiebe­türenEinrichtung (z. B. durch Fe­der oder Ge­wicht) zur Sicher­stellung des auto­ma­ti­schen Schließens der Schacht­tür, wenn diese vorher ma­nuell mit Not­ent­rie­ge­lung ge­öffnet wurde Keine Gefährdung bei Anlagen nach TRA 200 ab Ausgabe 1982 und Anlagen nach DIN EN 81-1/2, Schließ­ein­rich­tung war bereits ge­for­dert
13Absturzgefahr in den Schacht während der Personenbefreiung durch unzureichende Länge der Schürze unterhalb des FahrkorbsSchürze mit einer wirksamen Länge von 0,75 m und einer Breite entsprechend der zugeordneten Schacht­türen­breite unter­halb des Fahr­korbs Keine Gefährdung bei Anlagen nach TRA 200 ab Ausgabe 1982 und Anlagen nach DIN EN 81-2, lange Schürze war bereits gefordert
14Quetsch-, Scher- und Ein­zugs­ge­fah­ren durch feh­len­de Fahr­korb­ab­schluss­türena)Kraftbetätigte FahrkorbtürenZusätzlich zu technischer Maßnahme c)
Nur bei Lasten­auf­zügen mit aus­schließ­licher Ver­wen­dung durch ein­ge­wie­sene Per­sonen:
Ein­wei­sung in die be­son­deren Gefährdungen der Per­so­nen, die Zugang zum Lasten­auf­zug haben.
Auf die EmpfBS 1114 Ziffer 4.5 wird verwiesen.
 
b)Handbetätigte Fahrkorbtüren
c)Nur bei Lastenaufzügen mit aus­schließ­licher Ver­wen­dung durch ein­ge­wiesene Personen: Ein­rich­tung zum auto­ma­ti­schen Still­setzen des Lasten­auf­zugs bei Ein­dringen eines Gegen­standes in den Detektions­be­reich eines Sicher­heits-Licht­gitters, welches den Fahr­korb­zu­gang über­wacht
15Absturzgefahr durch fehlende oder un­zu­läng­liche Um­weh­rung (Geländer und Fußleiste) auf dem Fahrkorbdach bei Abstand über 0,30 m zwischen Außen­kante Fahr­korb­dach und Schacht­wanda)Feststehende oder klapp­bare Um­weh­rung des Fahr­korb­daches:
0,70 m hoch bei einem freien Ab­stand bis zu 0,50 m zur Schacht­wand,
1,10 m hoch bei einem freien Abstand über 0,50 m zur Schacht­wand
 
Risiko hoch bei Wandabstand > 0,85 m und Geländer < 1,1 m und bei Wand­ab­stand > 0,3 m ohne Geländer
Niedriges Risiko bei Anlagen nach DIN EN 81-1/2
b)Verringerung des Ab­stan­des zwischen dem äußeren Rand des Fahr­korb­dachs und der an­gren­zen­den Schacht­wand auf nicht mehr als 0,30 m
Fuß­leiste (ist in allen Fällen auch ohne Um­weh­rung er­for­der­lich)
 
16Absturz-, Stolper-, Quetsch- und Scher­ge­fah­ren durch fehlen­den Schutz vor un­kon­trollier­ten Auf- oder Ab­wärts­be­we­gun­gen des Fahr­korbs mit ge­öffne­ten Türen und Über­ge­schwin­dig­keit des Fahr­korbes in Auf­wärts­rich­tung bei elektrisch an­ge­trie­benen Auf­zü­genSchutzeinrichtung gegen unbeabsichtigte Bewegung des Fahrkorbs Risiko hoch bei:
  • Anlagen nach TRA 200 vor Ausgabe 1992 mit statisch unbestimmten Lagerungen oder
  • Anlagen mit Ein­kreis­bremse
Risiko mittel bei Anlagen mit statisch bestimmter Lagerung und Zwei­kreis­bremse
Weitere Ri­si­ko­re­du­zie­rung durch Zwei­kreis­bremse mit Über­wachung
Schutz­ein­rich­tung gegen Über­ge­schwin­dig­keit des Fahr­kor­bes in Auf­wärts­rich­tung
17Absturz-, Stolper-, Quetsch- und Scher­ge­fahren durch fehlen­den oder un­zu­läng­lichen Schutz gegen Ab­sturz, Über­ge­schwin­dig­keit und Ab­sin­ken bei hy­drau­lisch an­ge­trie­benen Auf­zügenEin­rich­tun­gen oder Kom­bi­na­tionen von Ein­rich­tungen und deren Be­tä­ti­gun­gen als Schutz gegen Ab­sturz, Über­ge­schwin­dig­keit und eine un­be­ab­sich­tigte Be­we­gung des Fahr­korbs Risiko niedrig bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
18Gefährdung durch zu große Verzögerung (negative Be­schleu­ni­gun­gen in Ver­ti­kal­rich­tung) in den End­lagen durch fehlen­de oder un­zu­läng­liche PufferPuffer in den Endlagen, die die Verzögerungen auf geeignete Werte reduzieren Risiko niedrig bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
19Absturzgefahr in den Schacht durch nicht verriegelte Fahrkorbtür bei großem Abstand zwischen Fahrkorbtür und Schachtwanda)Abstand zwischen Schachtwand und Fahrkorbschwelle auf weniger als 0,15 m reduzieren Risiko niedrig bis mittel (abhängig vom Benutzerkreis [kleine Personen, Kinder]) bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
b)Fahrkorbtürverriegelung, die ein Aufschieben der Türen außerhalb der Entriegelungszone verhindert
20Quetsch- und Scher­ge­fah­ren durch nicht sicheres Ab­schal­ten des An­triebs bei An­sprechen einer Schutz­ein­rich­tungEinrichtung zur Sicher­stellung der re­dun­dan­ten Unter­brechung der Strom­ver­sor­gung des Antriebs (z. B. min­des­tens zwei von­einan­der un­ab­hän­gige Haupt­schütze) Risiko niedrig bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
21Elektrischer Schlag durch unzulänglichen Schutz gegen elektrischen Schlag und/oder fehlende An­gaben auf den Kenn­zeich­nungen elektri­scher Ein­rich­tun­genElektrische Einrichtungen mit Verkleidungen mit einem Schutzgrad von mindestens IP 2X Risiko niedrig bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
Kennzeichnungen der elektrischen Einrichtungen mit einschlägigen Warnhinweisen
22Quetsch-, Scher- und Einzugs­gefahren im Ar­beits­be­reich des Fahr­korb­dachs durch feh­len­de In­spek­tions­steue­rung und/oder Not­brems­schal­ter auf dem Fahr­korb­dachInspektionssteuerung Risiko niedrig bei Anlagen nach TRA 200 und DIN EN 81-1/2
Notbremsschalter
Hinweis: Nicht berücksichtigte hohe Risiken aus DIN EN 81-80:2004:
  • Vollwandige Schachtumwehrung (Risiko niedrig bei Drahtglas, eventuell mittel bei anderen Glasarten bei sehr alten Anlagen)
  • Teilumwehrter Schacht (Einzelfälle bei sehr alten Anlagen müssen im Einzelfall betrachtet werden)
  • Schließeinrichtungen und Überwachung der Zugangstür zur Schachtgrube (über Punkt 6 mit abgedeckt)
  • Schürze unter Schachttürschwelle (nur bei sehr alten Anlagen)
  • Sicherer Zugang zu Triebwerks- und Rollenraum (in Deutschland eher mittleres oder niedriges Risiko)
  • Unterschiedliche Ebenen und Vertiefungen im Triebwerksraum (in Deutschland eher mittleres oder niedriges Risiko)
  • Ausreichende Beleuchtung im Triebwerks- und Rollenraum (in Deutschland mittleres oder niedriges Risiko)
  • Vollwandige Schacht- und/oder Fahrkorbtüren (nur bei sehr alten Anlagen)
  • Festigkeit der Schachttürbefestigungen (in Deutschland eher nicht relevant)
  • Notentriegelung der Schachttüren (in Deutschland eher nicht relevant)
  • Unerreichbarkeit der Schachttürverriegelung (nur bei sehr alten Anlagen)
  • Kompatible und sichere Funktion von Geschwindigkeitsbegrenzer und Fangvorrichtung (in Deutschland nicht relevant)
  • Einrichtungen für den Notbetrieb (in Deutschland nicht relevant)
  • Notrufeinrichtung (über BetrSichV abgedeckt)