3.3   Übertragungswege und tätigkeitsbezogene Gefährdungen

3.3.1

Je nach Übertragungsweg unterscheidet man
  • Kontaktinfektionen durch das Eindringen von Krankheitserregern über Haut sowie Schleimhäute:
    • direkte Kontakte: Übertragung von Krankheitserregern von einem kolonisierten/infizierten Menschen (oder Tier) durch direkten Körperkontakt (Berührung) oder durch direkten Kontakt zu infektiösen Körperflüssigkeiten, z. B. Spritzer ins Auge,
    • oder
    • indirekte Kontakte: Übertragung durch kontaminierte Gegenstände. Infektionen, z. B. durch Nahrungsaufnahme bei mangelnder Händehygiene.
  • Luftübertragene Infektionen durch das Einatmen erregerhaltigen Materials in die Lunge bzw. nach Auftreffen der luftgetragenen Erreger auf die Schleimhäute des oberen Atemtraktes in Form von:
    • Tröpfchen (Anhusten, Anniesen) bzw. Tröpfchenkernen oder
    • sonstigen Aerosolen, z. B. durch Nutzung rotierender Instrumente, in der Hochfrequenz-, Laserchirurgie oder bei Druckluft- bzw. Dampfdruckverfahren,
  • Verletzungsbedingte Infektionen durch Eindringen von Krankheitserregern in den Körper (parenteral) durch:
    • Stich- und Schnittverletzungen oder
    • Bisse und Kratzer von Menschen und Tieren, Insektenstiche.

3.3.2

Bei der Beurteilung tätigkeitsbezogener Gefährdungen sind insbesondere die mit der Tätigkeit verknüpften Expositionsmöglichkeiten in Verbindung mit den spezifischen Übertragungswegen möglicherweise vorhandener Krankheitserreger zu bewerten. So besteht für Beschäftigte, die Personen mit blutübertragbaren Infektionserkrankungen untersuchen, behandeln oder pflegen, ein erhöhtes Infektionsrisiko bei Tätigkeiten mit Kontakten zu Blut, insbesondere wenn diese verletzungsbedingt, z. B. durch Nadelstichverletzungen, auftreten können. Dagegen ist eine Gefährdung durch luftübertragene Krankheitserreger, z. B. bei Manipulationen in Mund, Nase, Rachenbereich oder Gesicht, von entsprechend infektiösen Patienten gegeben.
Gegebenenfalls können auch mehrere Übertragungswege in Betracht kommen. Manche Krankheitserreger sind aufgrund ihrer niedrigen Infektionsdosis oder hohen Virulenz sehr leicht übertragbar, z. B. Noroviren.
In der Tabelle 1 sind beispielhaft Vorkommen und Übertragungswege einiger Infektionserreger mit Tätigkeitsbeispielen aufgelistet.
Tabelle 1 Vorkommen und Übertragungswege einiger Infektionserreger mit Tätigkeitsbeispielen (nicht abschließend)
MaterialInfektions­erregerRisiko­gruppeÜber­tragungs­wege
gemäß Nummer 3.3.1
bei­spiel­hafte Tätig­keiten
Blut
Hepatitis-B-Virus (HBV)
3(**)
verletzungsbedingt, ggf. Kontakt zu Schleimhaut oder vorgeschädigter HautOperationen;
Legen parenteraler Zugänge;
Blutentnahmen
Hepatitis-C-Virus (HCV)
3(**)
Humanes Immundefizienz-Virus (HIV)
3(**)
Wund­sekret, Drainage­flüssig­keitStaphylococcus sp.2KontaktWundversorgung, Verbandwechsel, Drainageversorgung
Atemweg­sekret (Sputum; Tra­cheal­se­kret; Bron­cho­alveoläre Lavage)
Saisonale Influenza-Viren
2
luftübertragen, KontaktAbsaugen; Tracheotomieren; Intubieren; Extubieren, Hustenprovokation (Physikalische Therapie, Inhalation)
Corynebacterium diphtheriae
2
Streptococcus pyogenes
2
Haemophilus spp.
2
Mycobacterium tuberculosis- Komplex
3
Mageninhalt, Erbrochenes
Noroviren
2
luftübertragen, KontaktGastroskopie; pfle­ge­rische Maß­nahmen
Rotaviren
2
Stuhl
Noroviren
2
KontaktOperationen am Darm;
Rekto-, Koloskopie; Materialgewinnung;
pflegerische Maßnahmen
Rotaviren
2
Salmonella enteritidis
2
Salmonella Typhi
3(**)
Campylobacter spp.
2
Clostridium difficile
2
Hepatitis-A-Virus (HAV)
2
Hepatitis-E-Virus (HEV)
2
Im Internetauftritt des Robert Koch-Instituts finden sich in der Rubrik „Infektionskrankheiten A-Z“ nähere Informationen zu einzelnen Erregern von Infektionskrankheiten sowie in dem erregerspezifischen „RKI-Ratgeber für Ärzte“ auch Fachinformationen zu tätigkeitsbezogenen Gefährdungen.