4   Auswahl geeigneter PSA

4.1   Kopf-, Augen- und Gesichtsschutz

Zum Schutz des Kopfes gegen Anstoßen, pendelnde, herab- bzw. umfallende oder wegfliegende Gegenstände ist für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung ein Schutzhelm zur Verfügung zu stellen.
Entsprechend DIN EN 1789 „Rettungsdienstfahrzeuge und deren Ausrüstung“ sollen Notfallkrankenwagen und Rettungswagen mit Helmen entsprechend DIN EN 14052 ausgestattet sein.
Auf Grundlage qualifizierter Gefährdungsbeurteilungen sollte jedoch einem Schutzhelm nach DIN EN 443 „Feuerwehrhelme“ bzw. DIN EN 16473 „Feuerwehrhelme – Helme für technische Rettung“ mit Kinnriemen, Gesichts- und Nackenschutz der Vorzug gegeben werden:
  • Des Gesichtsschutzes (Visier) bedarf es, weil bei der Rettungstätigkeit mit Funkenflug oder mit wegfliegenden Teilen (z. B. beim Einschlagen einer Scheibe) zu rechnen ist.
  • Der Nackenschutz ist erforderlich, da zwischen dem Kragen der Schutzkleidung und dem Helmende anderenfalls kein Schutz, z. B. gegen Glassplitter oder Funkenflug, besteht.
Unbeschadet des Visiers sollten zum Schutz der Augen, z. B. gegen Verspritzen von infektiöser Flüssigkeit, für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung eine Schutzbrille mit indirekter Belüftung und seitlichem Spritzschutz auf den Einsatzfahrzeugen vorgehalten werden.
Aus Gründen der Hygiene und im Hinblick auf die anzustrebende persönliche Verantwortlichkeit der tragenden Person für den Helm bzw. der ordnungsgemäßen Pflege sollte dieser der jeweiligen Person persönlich zugeordnet sein. Wird dagegen auf dem Einsatzfahrzeug die notwendige Anzahl von Helmen für die Besatzung durch mehrere Personen (wechselnde Besatzung, Schichtdienst) benutzt, müssen entsprechende Hygienemaßnahmen eine Übertragung von Mikroorganismen verhindern, z. B. durch Verwendung von unter dem Helm zu tragenden Papierschonmützen.

4.2   Schutzkleidung

Die Schutzkleidung im Rettungsdienst bewirkt insbesondere, dass
  • keine Krankheitserreger auf Versicherte einwirken oder unkontrolliert verschleppt werden,
  • Versicherte vor Witterungseinflüssen geschützt werden,
  • Versicherte gegen leichte mechanische Einwirkungen geschützt werden,
  • Versicherte beim Einsatz im Verkehrsraum auch in ausreichender Entfernung und bei Dunkelheit erkannt werden.
Daher ist bei der Auswahl von Schutzkleidung für den Rettungsdienst darauf zu achten, dass Jacken und Hosen Arme und Beine vollständig überdecken.
Die Hosen für den Rettungsdienst können im Kniebereich mit flüssigkeitsdichten Materialien, z. B. in Form von beschichteten Materialabschnitten auf der Hose oder durch dichte Materialien in innen liegenden Taschen im Kniebereich, versehen werden.
Die flüssigkeitsdichten Materialien sind nicht als Knieschutz für Arbeiten in kniender Haltung vorgesehen sondern sollen den Durchtritt von Flüssigkeiten bei diesen Arbeiten verhindern. Die Materialien müssen beständig gegen desinfizierende Waschverfahren sein.

4.2.1   Schutz vor klimatischen Einwirkungen

Die Schutzkleidung muss die tragende Person gegen Einwirkung von z. B. Nässe, Wind und Umgebungskälte schützen. Dies erhält deren Gesundheit und spart Kosten, die auf Grund erkältungsbedingten Arbeitsausfalls entstehen können. Das bedingt, dass die Schutzkleidung aus Materialien besteht, die wasserdicht sind und dennoch einen Wasserdampfaustausch ermöglichen. In der DIN EN 343 „Schutzkleidung – Schutz gegen Regen“ sind die Anforderungen an eine solche Schutzkleidung beschrieben. Deren wichtigste Kriterien sind die Wasserdichtigkeit (Wasserdurchgangswiderstand) und die Wasserdampfdurchlässigkeit (Wasserdampfdurchgangswiderstand).
Die Wasserdichtigkeit der Kleidung muss Klasse 3 (siehe Tabelle 1) erfüllen. Die Wasserdichtigkeit bezieht sich sowohl auf die Fläche als auch auf die Nähte. Diese müssen mit einem speziellen Klebeband verschweißt sein, um so eine vollständige und dauerhafte Wasserdichtigkeit gewährleisten zu können.
Die Wasserdampfdurchlässigkeit muss Klasse 3 (siehe Tabelle 2) erfüllen.
Die „Atmungsaktivität“ wird durch den Wasserdampfdurchgangswiderstand (Ret) beschrieben. Je höher der Widerstand eines Materials ist, desto weniger lässt es den beim Schwitzen entstehenden Wasserdampf nach außen entweichen. Es entsteht Staunässe und die Trägerin und der Träger fühlt sich unangenehm „verschwitzt“. Das bedeutet, je kleiner der Ret-Wert ist, desto besser ist die „Atmungsaktivität“.
Darüber hinaus wird empfohlen, dass die Rettungsdienstjacke mit einer optional einzippbaren Innenjacke zur thermischen Isolation ausgestattet ist. Dies verhindert in der kühlen Jahreszeit ein unbehagliches Gefühl des Auskühlens insbesondere bei geringer körperlichen Aktivität.
Da Regelungen zu den Anforderungen an ein optional getragenes Isolationsfutter nicht mehr in der DIN EN 343 enthalten sind, greifen die Anforderungen dieser DGUV Regel beim Isolationsfutter auf die DIN EN 14058 „Schutzkleidung – Kleidungsstücke zum Schutz gegen kühle Umgebungen“ zurück. Wesentlichstes Kriterium dieser Norm ist der Wärmedurchgangswiderstand Rct, der ein Maß für die Isolationswirkung des abtrennbaren Thermofutters darstellt. Je höher der Widerstand, desto besser ist die Isolationswirkung.
Für Rettungsdienstkleidung sollte ein heraustrennbares Isolationsfutter mit nachfolgenden bekleidungsphysiologischen Eigenschaften zum Einsatz kommen:
Wärmedurchgangswiderstand
Rct > 0,07 m2 K/W
Bei Einhaltung dieses Wertes kann eine leichte körperliche Tätigkeit über 1 Stunde bei –5 °C ohne Beeinträchtigung des Tragekomforts ausgeführt werden. Bei fehlender körperlicher Tätigkeit oder tieferen Temperaturen müssen zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung der thermischen Isolation erfolgen.
Tabelle 1 Klassifikation des Wasserdurchgangswiderstandes
Wasserdurchgangswiderstand
Wp
Klasse
123
Messprobe ist zu prüfen   
– Material vor der VorbehandlungWp ≥ 8000 Pakeine Prüfung erforderlichkeine Prüfung erforderlich*
– Material nach jeder Vorbehandlung
(siehe 5.1.3.2 bis 5.1.3.5)
keine Prüfung erforderlichWp ≥ 8000 PaWp ≥ 13000 Pa
– Nähte vor der VorbehandlungWp ≥ 8000 PaWp ≥ 8000 PaWp ≥ 13000 Pa
Tabelle 2 Klassifikation des Wasserdampfdurchgangswiderstandes
Wasserdampfdurchgangswiderstand
Ret
Klasse
1*23
m2 · Pa
W
Ret über 4020 < Ret ≤ 40Ret ≤ 20
Tragekomforts ausgeführt werden. Bei fehlender körperlicher Tätigkeit oder tieferen Temperaturen müssen zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung der thermischen Isolation erfolgen.
Zur Gewährleistung eines guten Tragekomforts der Rettungsdienstjacke in Verbindung mit dem Isolationsfutter ist auch der Wasserdampfdurchgangsindex des Isolationsfutters (imt = 60 · Rct/Ret) zu beachteten. Dieser errechnet sich aus den gemessenen Werten für den Wärmedurchgangswiderstand Rct und dem Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret und sollte mindestens 0,15 betragen.
Fußnote *
Keine Prüfung erforderlich, da der ungünstigste Fall in Klasse 2 und 3 nach der Vorbehandlung eintritt. Anmerkung: Für jede Klasse werden mehrere Anforderungen erfüllt.
Fußnote *
Warnung: Klasse 1 hat eine begrenzte Tragdauer, siehe Anhang A DIN EN 343:2010

4.2.2   Begrenzter Schutz vor Hitze und Flammen

Die Rettungsdienstschutzkleidung ist nicht geeignet, einen Schutz vor Flammeneinwirkung zu gewährleisten. Ohne Atemschutz und weitere Schutzausrüstungen darf sich niemand direkten Flammen oder Brandrauch aussetzen.
Eine PSA im Sinne dieser DGUV Regel (insbesondere Punkt 2.3 Gefährdungsbeurteilung) bietet keinen Schutz bei Rettung aus brennenden Objekten.
Dennoch muss die Schutzkleidung im Rettungsdienst als Mindestanforderung den Anhang 4 erfüllen.

4.2.3   Schutz vor Gefahren beim Einsatz im öffentlichen Verkehrsraum

Versicherte im Rettungsdienst sind am Einsatzort nach Gefährdungsbeurteilung passive Verkehrsteilnehmer, die nicht mit dem Straßenverkehr beschäftigt sind sondern ihre Aufmerksamkeit auf die Rettungstätigkeit lenken müssen. Liegt die Geschwindigkeit des Straßenverkehrs oberhalb von 60 km/h, ist Warnkleidungsklasse 3 zu tragen.
Als Schutzkleidung kommen Jacken sowie Anzüge aus Jacke und Hose in Betracht. Entspricht eine eingesetzte Jacke allein bereits der Klasse 3 nach DIN EN ISO 20471, Tabelle 1, sind an die dazu eingesetzte Hose keine weiteren Anforderungen hinsichtlich der Warnwirkung zu stellen.
Tabelle 3 Mindestfläche des sichtbaren Materials in m2
Anmerkung: Die Klasse der Kleidung richtet sich nach der kleinsten Fläche des sichtbaren Materials.
MaterialKleidung Klasse 1Kleidung Klasse 2Kleidung Klasse 3
Hintergrundmaterial0,140,500,80
retroreflektierendes Material0,100,130,20
Material mit kombinierten Eigenschaften0,20n. a.n. a.
Jacken mit abtrennbaren Ärmeln erfüllen die Anforderungen an Schutzkleidung im Rettungsdienst nicht. Fehlende, falsch abgelegte oder unauffindbare Einzelteile setzen die gesamte Schutzfunktion der Jacke herab.
Die Schutzkleidung ist in jedem Fall geschlossen zu tragen und darf nicht überdeckt werden, damit die Rundumsichtbarkeit jederzeit gegeben ist.
Warnkleidung, deren Warnwirkung durch Verschmutzung, Alterung oder Abnahme der Leuchtkraft der verwendeten Materialien nicht mehr ausreicht, muss gegen neue Warnkleidung ausgetauscht werden.
Zur besseren Sichtbarkeit der Helfer bei Einsätzen im Straßenverkehr muss Warnkleidung nach DIN EN ISO 20471 „Hochsichtbare Warnkleidung“ getragen werden. Folgende Anforderungsmerkmale sind daher auch in der kleinsten zur Verfügung gestellten Konfektionsgröße zu beachten:
  • Ausreichende Menge Hintergrund- und Reflexmaterial zur Erfüllung der Klasse 2 ist zwingend erforderlich.
  • Die Nutzung von Warnkleidung der Klasse 3 durch den Einsatz von Jacke oder Kombination von Jacke und Hose wird ausdrücklich empfohlen.
Die Rettungsdienstkleidung darf nicht durch nachträgliche Veränderungen (z. B. Applikationen, Logos) geändert werden, da so die ursprünglich ermittelte Mindestfläche zum Erreichen der Klassifizierung vermindert wird.
Zugelassene Farben des textilen Hintergrundmaterials gemäß DIN EN ISO 20471, Tabelle 3 sind ausschließlich fluoreszierendes Rot, Orange-Rot, und Gelb. Typischerweise verwendete fluoreszierende Farben siehe Abb. 1 und 2.
Retroreflektierendes Material
Das retroreflektierende Material muss die Anforderungen der DIN EN ISO 20471 erfüllen. Hinsichtlich der Leistungsanforderungen an die Retroreflexion nach Prüfbeanspruchung ist zu beachten, dass die Anforderungen an den spezifischen Rückstrahlwert nach Wäsche (Punkt 7.5.2) stets nach industrieller Pflege gemäß DIN EN ISO 15797 (Wasch- und Trocknungszyklen) sowie der vorgeschriebenen desinfizierenden Wäsche erfüllt werden müssen.
Da bei gebückter Haltung die waagrechten Streifen im Bauchbereich z. B. durch Gegenstände wie die Trage verdeckt werden können, muss bezüglich der Anordnung der Reflexstreifen auf die Kombination von waagrechten mit senkrechten Streifen (so genannte Schulterbänder) geachtet werden. Die hier abgebildeten Beispiele für Ausführungen von Warnkleidung für den Rettungsdienst (Jacken, Hose) stellen nur eine kleine Übersicht der momentan auf dem Markt angebotenen Schutzkleidung dar.
Abb. 1 Fluoreszierendes Rot
 Fluoreszierendes Rot
Abb. 2 Fluoreszierendes Gelb
 Fluoreszierendes Gelb

4.3   Handschutz

Auch die Auswahl des richtigen Handschutzes hat auf der Grundlage einer qualifizierten Gefährdungsbeurteilung zu erfolgen.
Entsprechend DIN EN 1789 „Rettungsdienstfahrzeuge und deren Ausrüstung“ gehören Einmalhandschuhe nach DIN EN 420 zur Grundausstattung des Fahrzeugs. Diese Norm regelt die Prüfanforderungen, die allgemeinen Anforderungen und Gestaltungsgrundsätze für Schutzhandschuhe.
Laut Ergebnis der im Rettungsdienst durchgeführten Gefährdungsbeurteilungen sollten flüssigkeitsdichte Einmalhandschuhe nach DIN EN 455 verwendet werden (siehe auch den folgenden Abschnitt 4.5 „Schutz vor Infektionen“).
Besteht bei bestimmten Rettungstätigkeiten die Gefahr, sich z. B. an Glassplittern oder scharfen Blechkanten zu schneiden, schützen geeignete Handschuhe mit mechanischen Schutzeigenschaften entsprechend der Norm DIN EN 388. Es ist insbesondere darauf zu achten, dass die Handschuhe einen guten Wert für die Durchstichkraft (mindestens LS 3 erforderlich) und eine hohe Schnittfestigkeit (mindestens LS 2 erforderlich) aufweisen.
Abb. 3 Verbesserte Nachtauffälligkeit durch zusätzliche Vertikalstreifen. Die Horizontalstreifen können durch Gegenstände oder beim Bücken verdeckt werden.
 Verbesserte Nachtauffälligkeit durch zusätzliche Vertikalstreifen. Die Horizontalstreifen können durch Gegenstände oder beim Bücken verdeckt werden.
Abb. 4 Unterschiedliche Umsetzungen der Anforderungen laut DIN EN ISO 20471
 Unterschiedliche Umsetzungen der Anforderungen laut DIN EN ISO 20471

4.4   Fußschutz

Zum Schutz vor Verletzungen durch Umknicken, Ausrutschen, Vertreten oder gegen mechanische oder chemische Einwirkungen sollen Versicherte auf Rettungsdienstfahrzeugen und Krankenkraftwagen Sicherheitsschuhe mindestens der Kategorie S 2 Typ B mit rutschhemmender Sohle tragen.
Sicherheitsschuhe („S“) sind Schuhe nach DIN EN ISO 20345 „Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe“ für den gewerblichen Gebrauch mit Zehenkappen für hohe Belastungen – im Unterschied zu Berufsschuhen, die keine Zehenkappen haben müssen. Diese Empfehlung entspricht der in DIN EN 1789 „Rettungsdienstfahrzeuge und deren Ausrüstung – Krankenkraftwagen“ geforderten Mindestausrüstung.
Fußschutz der Kategorie „2“ sind nach herkömmlicher Schuhfertigungsmethode hergestellte Schuhe, z. B. Lederschuhe mit geschlossenem Fersenbereich, Antistatik, Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich und zusätzlichen Anforderungen an den Wasserdurchtritt und die Wasseraufnahme (Kennzeichnung „WRU“).
Der Schuh muss einen mindestens knöchelhohen Schaft der Form „B“ haben, um dem Fuß einen guten Halt zu geben.
Da die große Anzahl der Sturzunfälle durch Ausrutschen entsteht, ist eine rutschhemmende Sohle erforderlich. Die Schuhe sollten entsprechend DIN EN ISO 13287 die Anforderungen an die Rutschhemmung der Klassifizierung „SRC“ erfüllen (Rutschhemmung auf Boden aus Keramikfliesen mit SLS (Natriumlaurylsulfatlösung) und auf Stahlboden mit Glycerol).
Der Sicherheitsschuh muss ein anatomisch ausgebildetes Fußbett aufweisen.
Bei besonderen Gefährdungen, z. B. wiederholten Rettungseinsätzen auf Baustellen oder Industrieanlagen, sollte der Schuh eine höhere Durchtrittsicherheit gegen Stichverletzungen der Fußsohle durch Hineintreten in spitze Gegenstände haben. Dann ist ein Schuh S 3 geboten.

4.5   Schutz vor Infektionen

Allgemeines
Die TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“ konkretisiert im Rahmen ihres Anwendungsbereichs die Anforderungen der Biostoffverordnung. Bei Einhaltung der Technischen Regeln kann die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnung erfüllt sind. Wählt die Unternehmerin bzw. der Unternehmer eine andere Lösung, muss damit mindestens die gleiche Sicherheit und der gleiche Gesundheitsschutz für die Versicherten erreicht werden.
Nach der Biostoffverordnung sind Tätigkeiten im Rettungsdienst in Abhängigkeit der von ihnen ausgehenden Gefährdungen einer Schutzstufe zuzuordnen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen festzulegen. Dabei müssen neben den allgemein vorhandenen Infektionsgefährdungen zusätzlich die in bestimmten Bereichen vorhandenen spezifischen Gefährdungen berücksichtigt werden.
Da eine Infektiosität (z. B. wie bei Noroviren oder enterohämorrhagischen E. coli (EHEC)) von Patienten nicht sicher auszuschließen ist, sind Tätigkeiten, bei denen es regelmäßig und in größerem Umfang zum Kontakt mit Körperflüssigkeiten, -ausscheidungen oder -gewebe kommen kann, gemäß TRBA 250 in der Regel Schutzstufe 2 zuzuordnen. Daher sind für die Versicherten vom Unternehmen nachfolgend aufgeführte persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung zu stellen.
Begriffsbestimmungen
Arbeitskleidung ist eine Kleidung, die anstelle oder in Ergänzung der Privatkleidung bei der Arbeit getragen wird. Sie hat keine spezifische Schutzfunktion gegen schädigende Einflüsse. Zur Arbeitskleidung zählt auch Berufskleidung. Sie ist eine berufsspezifische Arbeitskleidung, die als Standes- oder Dienstkleidung, z. B. Uniform, getragen wird. Sie ist keine Kleidung mit spezifischer Schutzfunktion.
Schutzkleidung ist jede Kleidung, die dazu bestimmt ist, Versicherte vor schädigenden Einwirkungen bei der Arbeit oder deren Arbeits- oder Privatkleidung vor der Kontamination durch biologische Arbeitsstoffe zu schützen (z. B. Einwegoverall).
Schutzkleidung soll gemäß der DGUV Regel 112-189 „Benutzung von Schutzkleidung“ mindestens die Vorderseite des Rumpfes bedecken und wirkungsvoll verhindern, dass darunter getragene Kleidung verschmutzt oder kontaminiert wird. Die Widerstandsfähigkeit gegen Permeation von Infektionserregern wird durch Prüfungen nach DIN EN 14126 nachgewiesen. Die Materialien werden in sechs Leistungsklassen eingeteilt. Je höher die Klasse, desto widerstandsfähiger ist das Material. Die Leistungsklasse ist entsprechend des Schutzziels zu wählen.
Hinsichtlich der erforderlichen PSA sind abhängig von der Art der Infektionserreger, Dienstanweisungen schriftlich in einem Hygieneplan niederzulegen und in Einsatzfahrzeugen mitzuführen.
Hinweis:
Die Schutzkleidung oder auch Arbeitskleidung ist regelmäßig sowie bei Bedarf, d. h. bei sichtbarer Verschmutzung zu wechseln und zu reinigen. Sie gilt als infektionsverdächtige Wäsche, da sie mit Krankheitserregern kontaminiert sein kann. Die hierzu benötigten Mittel sind durch den Unternehmer zur Verfügung zu stellen und entsprechende Verfahren anzubieten. Die Farbe der Hygieneschutzbekleidung bzw. Arbeitsbekleidung ist dabei nicht beliebig, bei sehr dunkler Schutzbekleidung kann eine Verschmutzung (Kontamination) nicht sofort erkannt werden.
Zusätzlich zur Arbeits- und Schutzkleidung können Einwegkombinationen, z. B. Schutzschürzen, ggf. Overalls sowie Mehrwegkombinationen zum Einsatz kommen. Nach jeder Verwendung muss hierfür eine sachgerechte Entsorgung oder ein desinfizierendes Aufbereitungsverfahren sichergestellt werden.
Flüssigkeitsdichte Einmalhandschuhe nach DIN EN 455 Teile 1–3 „Medizinische Handschuhe zum einmaligen Gebrauch“ müssen durch den Unternehmer in ausreichender Zahl zur Verfügung gestellt werden. Eine ausreichende Dichtigkeit ist gegeben, wenn ein AQL (Accepted Quality Level) von < 1,5 angegeben ist.
Augen- oder Gesichtsschutz (Schutzbrillen mit seitlichem Spritzschutz, z. B. nach DIN EN 166) sind zu verwenden, wenn mit Verspritzen oder Versprühen infektiöser oder potenziell infektiöser Materialien oder Flüssigkeiten zu rechnen ist und technische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz darstellen.
Zusätzlich zu den übrigen persönlichen Schutzausrüstungen sind den Versicherten im Fall der Möglichkeit einer aerogenen Übertragung von biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 3 gemäß BioStoffV (z. B. offene Lungen-TBC) als Atemschutz mindestens partikelfiltrierende Halbmasken FFP2 zur Verfügung zu stellen. Bei der Benutzung ist auf den korrekten Dichtsitz des Atemschutzes zu achten. Im Zusammenhang mit der Nutzung sind die Regelungen zur arbeitsmedizinischen Vorsorge zu beachten (DGUV Regel 112-190 „Benutzung von Atemschutzgeräten“, DGUV Information 240-260 „Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge“).
In jedem Fahrzeug muss die vorgenannte PSA in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen, zum Einsatzort mitgeführt werden können und leicht anzulegen sein.
Notfallrettung
Tätigkeiten in der Notfallrettung sind in der Regel der Schutzstufe 2, gegebenenfalls 3, gemäß TRBA 250 zugeordnet.
Es sind feste flüssigkeitsdichte und allergenarme Einmalhandschuhe (z. B. nach DIN EN 455) zu tragen sowie flüssigkeitsdichte Schürzen, wenn damit zu rechnen ist, dass die Kleidung durchnässt wird.
Augen- oder Gesichtsschutz ist immer dann zu verwenden, wenn mit Verspritzen oder Versprühen infektiöser oder potenziell infektiöser Materialien oder Flüssigkeiten zu rechnen ist.
Bei Verdacht auf eine Infektion, die durch Aerosole oder Tröpfchen übertragen werden kann, ist zusätzlich zu den übrigen persönlichen Schutzausrüstungen mindestens eine partikelfiltrierende Halbmaske FFP2 zu tragen. Bei der Benutzung ist auf den korrekten Dichtsitz der Halbmaske zu achten.
Krankentransport
Tätigkeiten im Krankentransport sind entsprechend der jeweils im Einzelfall durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung der Schutzstufe 1, 2 oder 3 zuzuordnen.
a)
Bei Patienten mit bekannter Infektion, die jedoch nicht durch die beim Transport üblichen Kontakte übertragen werden kann (z. B. Patienten mit Virus-Hepatitis, HIV-positive Patienten ohne klinische Zeichen von AIDS, Patienten mit einer geschlossenen Lungentuberkulose), dient die PSA vor allem der Vorsorge während des Transports. Es sind Einmalhandschuhe (z. B. nach DIN EN 455) und ein Schutzkittel bei Kontaminationsgefahr zu tragen. Flüssigkeitsdichte Schürzen sind zu verwenden, wenn damit zu rechnen ist, dass die Kleidung durchnässt wird. Ggf. ist eine Schutzbrille zu tragen, wenn mit dem Verspritzen von erregerhaltigem Material zu rechnen ist.
Besteht bei der Patientin oder dem Patienten eine Infektion, die durch Aerosole oder Tröpfchen übertragen werden kann, sind Einmalhandschuhe (z. B. nach DIN EN 455), Schutzkittel und eine partikelfiltrierende Halbmaske zu tragen (FFP).
b)
Beim Krankentransport (Verlegungstransport) von Patienten, bei denen die Diagnose äthiologisch gesichert ist, an hochkontagiösen und gefährlichen Infektionskrankheiten zu leiden, müssen die Maßnahmen gezielt in Absprache mit der veranlassenden Stelle festgelegt werden. Hier wird Ganzkörperschutz (z. B. Overall), Augenschutz und eine partikelfiltrierende Halbmaske FFP3 (umluftabhängig), gegebenenfalls ein umluftunabhängiges Atemschutzgerät benötigt.
Fußnote TRBA 250
Hinweis zum Querverweis:
Die gewünschte Publikation wurde am 22.06.2016 abgelöst. Die neuen Inhalte weichen deutlich von den alten Inhalten ab.
Hier geht's weiter zur Publikation TRBA 450.

4.6   Waschbarkeit und Desinfektion

Schutzkleidung bzw. Arbeitskleidung von Rettungsdienstpersonal kann mit Infektionserregern kontaminiert sein. Die Feststellung, in wieweit eine Kontamination mit infektiösem Material erfolgt ist, wird nach der jeweiligen Einsatzsituation vom Personal vor Ort entschieden.
Zum generellen Schutz vor Kontamination Dritter darf die Schutzkleidung nicht zu Hause gewaschen werden (siehe TRBA 250). Der Einsatz von Waschmaschinen auf Rettungswachen ist auf Grund der einzuhaltenden Anforderungen gemäß RKI-Vorgaben (Robert Koch-Institut) „Anforderungen der Hygiene an die Wäsche aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes“ und Bedingungen für die Vergabe von Wäsche an „Gewerbliche Wäschereien“ nur schwer umsetzbar.
Der Vorteil, die Schutzkleidung bzw. Arbeitskleidung in gewerblichen Wäschereien reinigen zu lassen, liegt in den validierbaren Aufbereitungsverfahren, da die Wasch- und Trocknungsvorgänge (Pflegebedingungen) eine verlässliche Gleichartigkeit versprechen und ggf. eine zusätzliche Behandlung (z. B. Imprägnierung, Instandsetzung) der Schutzkleidung dort vorgenommen werden kann.
Schutzkleidung (z. B. Jacke, heraustrennbares Isolationsfutter, Hose) und auch Arbeitskleidung für das Rettungsdienstpersonal muss so beschaffen sein, dass sie im Falle einer Kontamination mit Mikroorganismen, von denen eine Infektionsgefährdung ausgehen kann, desinfizierbar ist. Aus diesem Grund soll die Schutzkleidung bzw. Arbeitskleidung für desinfizierende Waschverfahren nach RKI-Liste geeignet sein.
Der Konfektionär muss Desinfektionsverfahren gemäß RKI-Liste (Wirkungsbereiche A und B, siehe Anhang 2) empfehlen.
Da die Schutzwirkung der Bekleidung durch den Waschvorgang beeinträchtigt wird, soll die Wiederaufbereitung (Waschen, Trocknen und Nachimprägnieren) möglichst durch eine nach RAL 992-2 eingestufte gewerbliche Wäscherei erfolgen, die nach den Vorgaben der RKI-Empfehlung arbeitet.
Eine Sterilität regulärer Schutzkleidung ist nicht erforderlich.

4.7   Kennzeichnung und Herstellerinformation

4.7.1   Allgemeine Anforderungen

Allgemeine Anforderungen an die Kennzeichnung von Schutzkleidung sind in DIN EN ISO 13688 „Schutzkleidung – Allgemeine Anforderungen“ enthalten.

4.7.2   Beispiel für die Etikettierung

Das Etikett muss mindestens so lange wie das Kleidungsstück selber halten, d. h. lesbar sein.
Der Schutzkleidung muss eine Herstellerinformation nach DIN EN ISO 13688 mit unter anderem folgenden Mindestinformationen beiliegen:
  • Angaben, wie das Bekleidungsstück getragen, an- und ausgezogen wird (falls nötig)
  • Warnung vor fehlerhaftem Gebrauch
  • Grenzen des Gebrauchs
  • Lagerung und maximale Periode für die Kontrolle
  • Pflegeanweisung sowie vollständige Anweisung zum Waschen, chemischen Reinigen und Dekontaminieren
  • falls besondere Anforderungen an die Höchstzahl der Pflegeprozesse bestehen, ist diese nach dem Wort „max.“ neben dem Pflegeetikett anzugeben
  • Angabe zum chlorfreien Waschen des Produktes

4.8   Weitere Empfehlungen

In der Praxis kommen gelegentlich als Vorsorge gegen Schäden der Lendenwirbelsäule Rückenschutzteile, sogenannter Stützgürtel, zur Anwendung. Weder handelt es sich bei einem solchen Stützgürtel um eine PSA noch eignet sich dieser zum Tragen für alle Personen – z. B. nicht für solche mit Bluthochdruck oder Herzbeschwerden. Soweit Stützgürtel getragen werden, sollte dies ausschließlich nach vorheriger arbeitsmedizinischer Beratung erfolgen.
Mindestinformationen auf einer korrekten Produktkennzeichnung
K. Mustermann
Weg 13
12345 Musterstadt
Name bzw. nachvollziehbare Form zur Identifizierung des Herstellers
Rettungsdienstjacke
Artikel 4673-3764
Eindeutige Bezeichnung des Bekleidungsteils
CE-Zeichen zur Erklärung der Konformität mit der PSA-Richtlinie 89/686/EWG
Piktogramm zur Kennzeichnung der Funktion „Hochsichtbare Warnkleidung“. Die Zahl neben dem Piktogramm definiert die Warnklasse in Abhängigkeit der Menge sichtbaren Hintergrund- und Reflexmaterials gemäß Tabelle 1 der DIN EN ISO 20471 (Klasse 3 = höchste Sichtbarkeit).
Piktogramm zur Kennzeichnung der Funktion „Schutz gegen Regen“. Die Zahlen neben dem Piktogramm informieren über die Klasse der Wasserdichtheit (oben) und der Wasserdampfdurchlässigkeit (unten).
Größenangabe gemäß DIN EN ISO 13688.

Des­in­fek­tions­wasch­ver­fahren nach RKI Wir­kungs­bereich A + B
Pflegekennzeichen gemäß DIN EN ISO 30023. Das Pflegesymbol „Industrielle Wäsche“ informiert den Fachbetrieb über das anzuwendende Pflegeverfahren, da die Schutzkleidung zum generellen Schutz vor Kontamination Dritter nicht zu Hause gewaschen werden darf.
Mit diesem Piktogramm gibt der Hersteller an, dass seine Anweisungen und Hinweise in der Informationsbroschüre zu berücksichtigen sind.