3.1.2   Gefahrstoffe und Feuchtarbeit in der Gebäudereinigung

Bei der Gebäudereinigung können Ihre Beschäftigten durch den Einsatz von Reinigungs-, Desinfektions- und Pflegemitteln oder durch Tätigkeiten, bei denen Stäube bzw. Aerosole freigesetzt werden, in Kontakt mit Gefahrstoffen kommen. Die Gefahr für Sicherheit und Gesundheit können Sie am effektivsten durch die Verwendung unbedenklicherer Arbeitsstoffe oder Arbeitsverfahren reduzieren oder sogar vermeiden.
Abb. 5 Reiniger aufsprühen
 Reiniger aufsprühen
Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
 
Abb. 6 Graffiti entfernen
 Graffiti entfernen
Piktogramm für Information
Weitere Informationen
  • Spezielle Informationen zu den Gefahrstoffen sind in Sicherheitsdatenblättern der Hersteller zu finden.
  • Gefahrstoffdatenbanksysteme (z. B. WINGIS unter www.wingis.de)
  • Baustein-Merkheft der BG BAU, Abrufnr. der BG BAU 406 „Gebäudereiniger“
Abb. 7 Auftragen mit umgekrempelten Stulpen
 Auftragen mit umgekrempelten Stulpen
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Gefahrstoffe können durch direkten Kontakt Schäden verursachen oder über die Atemwege, die Haut oder durch Verschlucken in den Körper gelangen.
Bei den Gefahrstoffen kann man unterscheiden zwischen solchen, die durch Arbeitsverfahren freigesetzt werden (Stäube, Aerosole), und Gefahrstoffen, die als Reinigungs- und Pflegemittel eingesetzt werden.
Gefährdungen durch Reinigungs- und Pflegemittel
  • Allergie auslösende Stoffe (z. B. Aldehyde in Desinfektionsreinigern);
  • reizende oder ätzende Stoffe (z. B. Säuren in Sanitärreinigern oder Alkalien in Grundreinigern);
  • lösemittelhaltige Produkte (z. B. Abbeizer und Graffiti-Entferner, Holz- und Steinpflegemittel).
Gefährdung durch Arbeiten im feuchten Milieu (Feuchtarbeit)
Gefährdungen durch Stäube oder Aerosole, z. B.
  • bei der Baureinigung
  • beim Sprühen von Reinigungsmitteln
  • beim Hochdruckreinigen
Abb. 8 Geschädigte Haut an der Handinnenseite
 Geschädigte Haut an der Handinnenseite
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Allgemeines
Bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen ist zunächst zu prüfen, ob Gefahrstoffe substituiert (ersetzt) werden können. Ist dies nicht möglich, sind technische Schutzmaßnahmen zu ergreifen, bevor organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen (TOP-Prinzip) in Betracht kommen.
Als Unternehmerin und Unternehmer sind Sie für die Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) verantwortlich. Die Einhaltung der AGW ist eine Voraussetzung dafür, dass der Gesundheitsschutz Ihrer Beschäftigten gewährleistet ist.
Für Gefahrstoffe, für die kein AGW existiert, ist das Minimierungsgebot anzuwenden, d.h. die Gefahrstoffe müssen unter Berücksichtigung des TOP-Prinzips und des Standes der Technik so weit wie möglich reduziert werden.
Zudem müssen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung auch die Aufnahme über die Haut berücksichtigen, sowie gegebenenfalls die Brand- und Explosionsgefährdungen prüfen.
Arm- und Handschmuck dürfen bei der Arbeit nicht getragen werden.
Maßnahmen bei der Verwendung von Reinigungs- und Pflegemitteln
  • Arbeitsverfahren und Produkte so auswählen, dass die gesundheitliche Gefährdung der Beschäftigten so gering wie möglich ist;
  • Produkte nicht in Pausen-, Aufenthaltsräumen oder Verkehrswegen lagern;
  • Nahrungs- oder Genussmittel nur so aufbewahren, dass sie nicht mit Reinigungs- oder Pflegemitteln in Kontakt kommen;
  • Reinigungs- und Pflegemittel möglichst im Originalgebinde lagern. Gebinde müssen verschlossen sein. Werden Gebinde mit mehr als 20 l Fassungsvolumen gelagert, sind Auffangwannen erforderlich. Auch beim Umfüllen sollten Originalgebinde verwendet werden. Werden andere (geeignete) Gebinde benutzt, sind diese wie das Originalgebinde zu kennzeichnen;
  • keine Getränkeflaschen verwenden;
  • beim Umfüllen Dosier- oder Zapfvorrichtungen verwenden;
  • Schutzbrillen oder -schirme benutzen, wenn die Gefahr des Verspritzens besteht.
Reinigungs- und Pflegemittel dürfen in der Regel nicht gemischt werden. Das gilt auch für die Entsorgung von Restmengen.
Abb. 9 Umfüllen von Konzentraten
 Umfüllen von Konzentraten
Beim Ansetzen der Reinigungsflotte ist grundsätzlich kaltes Wasser zu verwenden, um das verstärkte Auftreten von Dämpfen zu vermeiden. Das Reinigungsmittel sollte dem Wasser zugegeben werden, nicht umgekehrt.
Überdosierungen sind zu vermeiden und Dosiersysteme (z. B. Dosierflaschen, Dosieranlagen) sollten benutzt werden. Gegebenenfalls sollte Atemschutz verwendet werden.
Zeichnung: Daumen nach oben
Hinweise erhalten Sie in WINGIS.
Bei Kontakt mit Reinigungs- und Pflegemitteln müssen Schutzhandschuhe getragen werden, jedoch keine Einmalhandschuhe aus Latex.
Nach der Arbeit und vor den Pausen sollten die Hände gewaschen und Hautpflegemittel aufgetragen werden.
Betriebsanweisungen
Liegt eine Gefährdung durch Gefahrstoffe vor, muss vor Beginn der Arbeiten eine Betriebsanweisung erstellt werden. Die Gefahrstoffdatenbank „WINGIS“ bietet Entwürfe für Betriebsanweisungen in vielen Sprachen. Hier finden Sie auch Hinweise, in welchen Fällen keine Betriebsanweisung erforderlich ist.
Es ist nicht notwendig, für jedes einzelne Produkt eine eigenständige Betriebsanweisung zu erstellen. Mit dem „GISCODE“ werden Reinigungs- und Pflegemittel zu Produktgruppen zusammengefasst, die vergleichbare Gefährdungen aufweisen und demzufolge identische Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln erfordern. Dadurch können Sie die Vielzahl einzelner Produkt-Betriebsanweisungen auf wenige Produktgruppen-Betriebsanweisungen reduzieren. Die Hersteller geben den GISCODE in ihren Sicherheitsdatenblättern, Technischen Merkblättern und auf den Gebindeetiketten an.
Unterweisung
Ein Schwerpunkt der Unterweisung beim Umgang mit Gefahrstoffen muss die Vermittlung der gesundheitsgefährdenden Wirkung der Gefahrstoffe und der notwendigen Schutzmaßnahmen darstellen.
Grundlage der Unterweisung ist die Betriebsanweisung.
Abb. 10 Betriebsanweisung
 Betriebsanweisung
Beschäftigungsbeschränkungen
Sie dürfen Jugendliche ab 15 Jahren nur Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausführen lassen, wenn diese zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich sind, der Arbeitsplatzgrenzwert unterschritten wird und eine fachkundige Aufsicht sowie die betriebsärztliche oder sicherheitstechnische Betreuung gewährleistet sind.
Schwangere oder stillende Frauen dürfen keine Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben, die für sie oder ihr Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellen. Eine unverantwortbare Gefährdung liegt beispielsweise bei schwangeren Frauen vor, wenn Tätigkeiten mit fruchtschädigenden, Gefahrstoffen ausgeübt werden oder wenn bei einer Tätigkeit der Arbeitsplatzgrenzwert überschritten wird.
Maßnahmen bei Feuchtarbeit
Es sollte ein Wechsel von Nass- und Trockenreinigung stattfinden.
Bei Feuchtarbeit oder beim Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe von regelmäßig mehr als zwei Stunden bis vier Stunden je Tag ist arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten.
Bei Feuchtarbeit oder beim Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe von regelmäßig vier Stunden oder mehr je Tag ist arbeitsmedizinische Vorsorge zu veranlassen.
Maßnahmen gegen Gefährdungen durch Stäube bzw. Aerosole
Einsatz von
  • Bau-Entstaubern zur Baureinigung statt Kehren;
  • emissionsarmen Hochdruckreinigern (Hochdruckreiniger mit Reinigungshaube und Absaugung);
  • Niederdruckstrahlgeräten;
  • Gegebenenfalls Atemschutz
Fußnote TRGS 559
Hinweis zum Querverweis:
Die gewünschte Publikation wurde am 01.04.2020 abgelöst. Die neuen Inhalte weichen deutlich von den alten Inhalten ab.
Hier geht's weiter zur Publikation TRGS 559.