3.1   Grundsätzliche Maßnahmen und Gefährdungen

3.1.1   Absturz

Auf höher gelegenen Arbeitsplätzen und Verkehrswegen besteht bei Reinigungsarbeiten die Möglichkeit des Absturzes von Personen auf eine tiefer gelegene Fläche oder einen Gegenstand. Als Absturz gilt aber auch das Durchbrechen durch eine nicht tragfähige Fläche oder das Hineinfallen sowie das Versinken in flüssigen oder körnigen Stoffen. Als Absturzkante wird dabei die Kante an einem Arbeitsmittel oder einer baulichen Anlage bezeichnet, über die eine Person abstürzen kann. Eine Absturzkante ist auch der Übergang von einer tragfähigen zu einer nicht tragfähigen Fläche.
Abb. 1 Einsatz von PSAgA bei Fensterreinigung
 Einsatz von PSAgA bei Fensterreinigung
Abb. 2 PSAgA auf Glasdächern
 PSAgA auf Glasdächern
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Rechtliche Grundlagen
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Weitere Informationen
  • DIN 4426, Stand Januar 2017 „Einrichtungen zur Instandhaltung baulicher Anlagen – Sicherheitstechnische Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege – Planung und Ausführung“
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Bei Reinigungsarbeiten auf höher gelegenen Arbeitsplätzen ohne entsprechende Schutzmaßnahmen besteht grundsätzlich Absturzgefahr. Unfälle mit bleibenden Beeinträchtigungen der Gesundheit können schon beim Absturz aus geringen Höhen die Folge sein. Achten Sie bei der Nutzung von höher gelegenen Arbeitsplätzen oder Verkehrswegen insbesondere auf die folgenden Gefährdungen:
  • Absturz nach innen und außen
  • Durchsturz aufgrund unzureichender Tragfähigkeit
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Allgemeine Anforderungen
Sorgen Sie dafür, dass Arbeitsplätze und Verkehrswege bei Reinigungsarbeiten so eingerichtet werden, dass die Gefährdungen durch Absturz von Personen vermieden werden. Ziehen Sie technische Maßnahmen, die einen Absturz verhindern (z. B. Geländer) den organisatorischen Maßnahmen oder der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) vor. Legen Sie die Maßnahmen gegen Absturz von Personen in Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest.
Bei Arbeitsplätzen oder Verkehrswegen an oder über Wasser oder anderen festen oder flüssigen Stoffen, in denen man versinken kann, sind ab 0 m Höhe Maßnahmen gegen Absturz erforderlich. Für Arbeiten wie Glas- und Fassadenreinigungsarbeiten sind grundsätzlich ab 2 m Absturzhöhe Maßnahmen vorzusehen.
Für die Verwendung von Leitern sind die oben genannten Maße nicht maßgebend. Weiteres ist dem Kapitel Leitern zu entnehmen.
Abb. 3 Mobiles Schutzgeländer in Fensterrahmen
 Mobiles Schutzgeländer in Fensterrahmen
Ausführung der Absturzsicherung
Sorgen Sie dafür, dass Umwehrungen, z. B. Brüstungen, Geländer, Gitter oder Seitenschutz, entsprechend der Nutzung so ausgebildet sind, dass sie den zu erwartenden Belastungen standhalten und ein Hinüber- oder Hindurchfallen von Beschäftigten verhindern.
Die Umwehrungen müssen grundsätzlich mindestens 1,00 m hoch sein. Diese Forderung ist auch erfüllt, wenn Seitenschutz angebracht ist, der dem örtlich geltenden Baurecht entspricht. Die Höhe der Umwehrungen darf bei Brüstungen bis auf 0,80 m verringert werden, wenn die Tiefe mindestens 0,20 m beträgt, zum Beispiel eine 0,20 m breite Fensterbank.
Zeichnung: Daumen nach oben
Falls bei der Fensterreinigung von innen die Höhe der Brüstung nicht ausreichend ist, können u. a. mobile Schutzgeländer verwendet werden.
Auf Baustellen und Gerüsten müssen Umwehrungen immer mindestens 1,0 m hoch sein.
Lassen sich keine Absturzsicherungen einrichten, sind nachrangig persönliche Schutzausrüstungen gegen Absturz als individuelle Schutzmaßnahme zu verwenden.
Beachten Sie, dass bei der Verwendung von PSAgA weiterführende Maßnahmen notwendig sind, z. B. Einweisung, spezielle Unterweisung mit praktischer Übung, Rettungskonzept.
Legen Sie vor Beginn der Arbeiten die geeigneten Anschlagpunkte fest und sorgen Sie dafür, dass die PSAgA benutzt wird.
Berücksichtigen Sie vor der Verwendung der PSAgA, dass mögliche Hindernisse (z. B. Maschinen) den erforderlichen Freiraum einschränken und damit zu Verletzungen durch Aufprall führen oder das Verbindungssystem beschädigen können.
Auf flach geneigten Flächen kann auf Absturzsicherungen verzichtet werden, wenn der Gefahrenbereich 2,0 m von der Kante entfernt zum Beispiel mit einer Kette abgesperrt ist.
Bodenöffnungen sind gegen Hineintreten und Absturz zu sichern. Dies kann durch Einbau tragfähiger und unverschiebbarer Abdeckungen oder durch Seitenschutz erfolgen.
Sicherung gegen Durchsturz
Bei Arbeiten auf Glasflächen oder auf anderen lichtdurchlässigen Flächen muss der Nachweis der Begehbarkeit vorliegen. Dies gilt allgemein für Flächen, bei denen die Tragfähigkeit nicht vorausgesetzt werden kann.
Ist die Tragfähigkeit nicht gegeben oder lässt sie sich nicht nachweisen, sorgen Sie dafür, dass die Gefahr des Durchstürzens verringert wird. Dies kann zum Beispiel durch lastverteilende Beläge in Kombination mit Absturzsicherung (z. B. Seitenschutz) erreicht werden, von denen aus dann die Arbeiten sicher durchgeführt werden können.
Für Arbeiten und Verkehrswege im Gefahrenbereich (Abstand ≤ 2,0 m) von nicht durchtrittsicheren Lichtkuppeln und Lichtbändern ist sicherzustellen, dass durch Absperrungen oder Abdeckungen ein Absturz verhindert wird. Hierauf kann verzichtet werden, wenn der Aufsatzkranz des nicht durchtrittsicheren Bauteils, z. B. der Lichtkuppel, mindestens 0,50 m über die Dachfläche hinausragt.
Abb. 4 Sicherung Lichtkuppel

Sicherung Lichtkuppel

3.1.2   Gefahrstoffe und Feuchtarbeit in der Gebäudereinigung

Bei der Gebäudereinigung können Ihre Beschäftigten durch den Einsatz von Reinigungs-, Desinfektions- und Pflegemitteln oder durch Tätigkeiten, bei denen Stäube bzw. Aerosole freigesetzt werden, in Kontakt mit Gefahrstoffen kommen. Die Gefahr für Sicherheit und Gesundheit können Sie am effektivsten durch die Verwendung unbedenklicherer Arbeitsstoffe oder Arbeitsverfahren reduzieren oder sogar vermeiden.
Abb. 5 Reiniger aufsprühen
 Reiniger aufsprühen
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Rechtliche Grundlagen
 
Abb. 6 Graffiti entfernen
 Graffiti entfernen
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Weitere Informationen
  • Spezielle Informationen zu den Gefahrstoffen sind in Sicherheitsdatenblättern der Hersteller zu finden.
  • Gefahrstoffdatenbanksysteme (z. B. WINGIS unter www.wingis.de)
  • Baustein-Merkheft der BG BAU, Abrufnr. der BG BAU 406 „Gebäudereiniger“
Abb. 7 Auftragen mit umgekrempelten Stulpen
 Auftragen mit umgekrempelten Stulpen
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Gefahrstoffe können durch direkten Kontakt Schäden verursachen oder über die Atemwege, die Haut oder durch Verschlucken in den Körper gelangen.
Bei den Gefahrstoffen kann man unterscheiden zwischen solchen, die durch Arbeitsverfahren freigesetzt werden (Stäube, Aerosole), und Gefahrstoffen, die als Reinigungs- und Pflegemittel eingesetzt werden.
Gefährdungen durch Reinigungs- und Pflegemittel
  • Allergie auslösende Stoffe (z. B. Aldehyde in Desinfektionsreinigern);
  • reizende oder ätzende Stoffe (z. B. Säuren in Sanitärreinigern oder Alkalien in Grundreinigern);
  • lösemittelhaltige Produkte (z. B. Abbeizer und Graffiti-Entferner, Holz- und Steinpflegemittel).
Gefährdung durch Arbeiten im feuchten Milieu (Feuchtarbeit)
Gefährdungen durch Stäube oder Aerosole, z. B.
  • bei der Baureinigung
  • beim Sprühen von Reinigungsmitteln
  • beim Hochdruckreinigen
Abb. 8 Geschädigte Haut an der Handinnenseite
 Geschädigte Haut an der Handinnenseite
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Allgemeines
Bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen ist zunächst zu prüfen, ob Gefahrstoffe substituiert (ersetzt) werden können. Ist dies nicht möglich, sind technische Schutzmaßnahmen zu ergreifen, bevor organisatorische oder persönliche Schutzmaßnahmen (TOP-Prinzip) in Betracht kommen.
Als Unternehmerin und Unternehmer sind Sie für die Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) verantwortlich. Die Einhaltung der AGW ist eine Voraussetzung dafür, dass der Gesundheitsschutz Ihrer Beschäftigten gewährleistet ist.
Für Gefahrstoffe, für die kein AGW existiert, ist das Minimierungsgebot anzuwenden, d.h. die Gefahrstoffe müssen unter Berücksichtigung des TOP-Prinzips und des Standes der Technik so weit wie möglich reduziert werden.
Zudem müssen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung auch die Aufnahme über die Haut berücksichtigen, sowie gegebenenfalls die Brand- und Explosionsgefährdungen prüfen.
Arm- und Handschmuck dürfen bei der Arbeit nicht getragen werden.
Maßnahmen bei der Verwendung von Reinigungs- und Pflegemitteln
  • Arbeitsverfahren und Produkte so auswählen, dass die gesundheitliche Gefährdung der Beschäftigten so gering wie möglich ist;
  • Produkte nicht in Pausen-, Aufenthaltsräumen oder Verkehrswegen lagern;
  • Nahrungs- oder Genussmittel nur so aufbewahren, dass sie nicht mit Reinigungs- oder Pflegemitteln in Kontakt kommen;
  • Reinigungs- und Pflegemittel möglichst im Originalgebinde lagern. Gebinde müssen verschlossen sein. Werden Gebinde mit mehr als 20 l Fassungsvolumen gelagert, sind Auffangwannen erforderlich. Auch beim Umfüllen sollten Originalgebinde verwendet werden. Werden andere (geeignete) Gebinde benutzt, sind diese wie das Originalgebinde zu kennzeichnen;
  • keine Getränkeflaschen verwenden;
  • beim Umfüllen Dosier- oder Zapfvorrichtungen verwenden;
  • Schutzbrillen oder -schirme benutzen, wenn die Gefahr des Verspritzens besteht.
Reinigungs- und Pflegemittel dürfen in der Regel nicht gemischt werden. Das gilt auch für die Entsorgung von Restmengen.
Abb. 9 Umfüllen von Konzentraten
 Umfüllen von Konzentraten
Beim Ansetzen der Reinigungsflotte ist grundsätzlich kaltes Wasser zu verwenden, um das verstärkte Auftreten von Dämpfen zu vermeiden. Das Reinigungsmittel sollte dem Wasser zugegeben werden, nicht umgekehrt.
Überdosierungen sind zu vermeiden und Dosiersysteme (z. B. Dosierflaschen, Dosieranlagen) sollten benutzt werden. Gegebenenfalls sollte Atemschutz verwendet werden.
Zeichnung: Daumen nach oben
Hinweise erhalten Sie in WINGIS.
Bei Kontakt mit Reinigungs- und Pflegemitteln müssen Schutzhandschuhe getragen werden, jedoch keine Einmalhandschuhe aus Latex.
Nach der Arbeit und vor den Pausen sollten die Hände gewaschen und Hautpflegemittel aufgetragen werden.
Betriebsanweisungen
Liegt eine Gefährdung durch Gefahrstoffe vor, muss vor Beginn der Arbeiten eine Betriebsanweisung erstellt werden. Die Gefahrstoffdatenbank „WINGIS“ bietet Entwürfe für Betriebsanweisungen in vielen Sprachen. Hier finden Sie auch Hinweise, in welchen Fällen keine Betriebsanweisung erforderlich ist.
Es ist nicht notwendig, für jedes einzelne Produkt eine eigenständige Betriebsanweisung zu erstellen. Mit dem „GISCODE“ werden Reinigungs- und Pflegemittel zu Produktgruppen zusammengefasst, die vergleichbare Gefährdungen aufweisen und demzufolge identische Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln erfordern. Dadurch können Sie die Vielzahl einzelner Produkt-Betriebsanweisungen auf wenige Produktgruppen-Betriebsanweisungen reduzieren. Die Hersteller geben den GISCODE in ihren Sicherheitsdatenblättern, Technischen Merkblättern und auf den Gebindeetiketten an.
Unterweisung
Ein Schwerpunkt der Unterweisung beim Umgang mit Gefahrstoffen muss die Vermittlung der gesundheitsgefährdenden Wirkung der Gefahrstoffe und der notwendigen Schutzmaßnahmen darstellen.
Grundlage der Unterweisung ist die Betriebsanweisung.
Abb. 10 Betriebsanweisung
 Betriebsanweisung
Beschäftigungsbeschränkungen
Sie dürfen Jugendliche ab 15 Jahren nur Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausführen lassen, wenn diese zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich sind, der Arbeitsplatzgrenzwert unterschritten wird und eine fachkundige Aufsicht sowie die betriebsärztliche oder sicherheitstechnische Betreuung gewährleistet sind.
Schwangere oder stillende Frauen dürfen keine Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausüben, die für sie oder ihr Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellen. Eine unverantwortbare Gefährdung liegt beispielsweise bei schwangeren Frauen vor, wenn Tätigkeiten mit fruchtschädigenden, Gefahrstoffen ausgeübt werden oder wenn bei einer Tätigkeit der Arbeitsplatzgrenzwert überschritten wird.
Maßnahmen bei Feuchtarbeit
Es sollte ein Wechsel von Nass- und Trockenreinigung stattfinden.
Bei Feuchtarbeit oder beim Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe von regelmäßig mehr als zwei Stunden bis vier Stunden je Tag ist arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten.
Bei Feuchtarbeit oder beim Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe von regelmäßig vier Stunden oder mehr je Tag ist arbeitsmedizinische Vorsorge zu veranlassen.
Maßnahmen gegen Gefährdungen durch Stäube bzw. Aerosole
Einsatz von
  • Bau-Entstaubern zur Baureinigung statt Kehren;
  • emissionsarmen Hochdruckreinigern (Hochdruckreiniger mit Reinigungshaube und Absaugung);
  • Niederdruckstrahlgeräten;
  • Gegebenenfalls Atemschutz
Fußnote TRGS 559
Hinweis zum Querverweis:
Die gewünschte Publikation wurde am 01.04.2020 abgelöst. Die neuen Inhalte weichen deutlich von den alten Inhalten ab.
Hier geht's weiter zur Publikation TRGS 559.

3.1.3   Elektrischer Strom/Elektrische Gefährdung

Elektrische Wechselspannungen von mehr als 50 Volt stellen immer eine potenzielle Gefahr dar, da sie bei Kontakt mit dem menschlichen Körper Durchströmungen mit tödlichem Ausgang verursachen können. Ein Kontakt mit elektrischer Spannung ist auf verschiedene Art und Weise möglich. Im Arbeitsbereich sind elektrische Freileitungen oder elektrische Anlagen in Gebäuden anzutreffen, von denen eine Gefährdung ausgehen kann. Weiterhin können Gefährdungen durch Fehler in elektrischen Anlagen, unzureichende Schutzmaßnahmen oder ungeeignete Arbeitsmittel entstehen.
Abb. 11 Schutzadapter für Schutzisolierte Geräte

Schutzadapter für Schutzisolierte Geräte
Abb. 12 Anschluss eines Betriebsmittels nur an geprüfter Steckdose
 Anschluss eines Betriebsmittels nur an geprüfter Steckdose
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Rechtliche Grundlagen
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Weitere Informationen
  • Baustein-Merkheft der BG BAU, Abrufnr. der BG BAU 406 „Gebäudereiniger“
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Achten Sie bei Reinigungsarbeiten insbesondere auf elektrische Gefährdungen wie
  • Körperdurchströmungen und Lichtbögen.
Diese Gefährdungen können hervorgerufen werden durch:
  • Arbeiten mit ungeeigneten oder beschädigten Arbeitsmitteln
  • Nutzung von Steckdosen mit ungeeigneten oder fehlenden Fehlerstromschutzeinrichtungen
  • Arbeiten mit nassen Reinigungstextilien in der Nähe von Steckdosen oder Schaltern
  • Unzureichend gesicherte oder beschädigte elektrische Anlagen, z. B. Photovoltaikanlagen oder aus Wand und Decke hängende Leitungen
  • Kontakt bzw. Unterschreitung von Mindestabständen zu Freileitungen
Abb. 13 PRCD-S im Einsatz
 PRCD-S im Einsatz
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Anschlusspunkte
Verwenden Sie zum Betrieb Ihrer elektrischen Arbeitsmittel nur Anschlusspunkte mit 30 mA – Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD auch „FI-Schalter“ genannt). Klären Sie mit Ihrer Auftraggeberin bzw. Ihrem Auftraggeber, ob Ihnen entsprechende Anschlusspunkte zur Verfügung gestellt werden.
Zeichnung: Daumen nach oben
Alternativ können ortsveränderliche (Portable) Schutzeinrichtungen, z. B. PRCD-S oder bei schutzisolierten Geräten PRCD, verwendet werden.
Elektrische Betriebsmittel
Verwenden Sie nur elektrische Betriebsmittel, die für den gewerblichen Einsatz geeignet sind und der Beanspruchung am Arbeitsplatz genügen.
Zeichnung: Daumen nach oben
Verwenden Sie vorzugsweise Handgeräte der Schutzklasse II, welche auch für den rauen Betrieb geeignet sind und ebenfalls einen ausreichenden Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit aufweisen.
Setzen sie nur Verlängerungsleitungen der Bauart H07RN-F oder H07BQ-F ein.
Beschaffen Sie Leitungsroller (Kabeltrommeln) aus Kunststoff bei denen der Trage- und Kurbelgriff isoliert ist.
Kabeltrommeln sollten mindestens die Schutzart IP 44 erfüllen.
Zeichnung: Daumen nach oben
Einen sehr guten Schutz gegen elektrische Gefährdungen bieten Akkumaschinen.
Abb. 14 Mögliche Kennzeichnungen elektrischer Geräte
 Mögliche Kennzeichnungen elektrischer Geräte
Abb. 15 Prüfkennzeichnung für elektrische Geräte

Prüfkennzeichnung für elektrische Geräte
Prüfen Sie regelmäßig die Betriebsmittel und setzen Sie nur unbeschädigte Betriebsmittel ein. Prüfungen sind zu dokumentieren.
Prüfungen werden von Elektrofachkräften durchgeführt. Stehen für die Mess- und Prüfaufgaben geeignete Mess- und Prüfgeräte zur Verfügung, dürfen auch elektrotechnisch unterwiesene Personen unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft prüfen.
Photovoltaikanlagen
Stellen Sie sicher, dass bei Arbeiten in der Nähe von Photovoltaikanlagen diese nicht berührt oder betreten werden.
Führen Sie keine Arbeiten im Bereich von Photovoltaikanlagen durch, bevor nicht Elektrofachkräfte eindeutige Arbeitsanweisungen und Freigabe erteilt haben. Führen Sie Reinigungsarbeiten an Photovoltaikanlagen nur durch, wenn nachgewiesen ist, dass diese keine elektrischen Fehler (z. B. Isolationsfehler zur Unterkonstruktion) aufweisen.
Abb. 16 Reinigung von Photovoltaikanlagen mit entmineralisiertem Wasser
 Reinigung von Photovoltaikanlagen mit entmineralisiertem Wasser
Steckdosen, Schalter und Beleuchtungskörper
Achten Sie darauf, dass beim Nassreinigen kein Wasser in Steckdosen, Schalter oder Beleuchtungskörper laufen kann.
Reinigen Sie alle Leuchtkörper nur im ausgeschalteten Zustand.
Abb. 17 Richtiges Ziehen des Steckers
 Richtiges Ziehen des Steckers
Mindestabstände zu Freileitungen
Wenn in der Nähe von elektrischen Freileitungen gearbeitet werden muss, stellen Sie sicher, dass
  • der Mindestabstand von 5 m zu den Freileitungen weder mit Körperteilen noch Arbeitsgeräten unterschritten wird
In Abhängigkeit zur Nennspannung ist ein geringerer Abstand möglich. Nehmen Sie dazu Kontakt zur netzbetreibenden Firma auf und stimmen Sie Maßnahmen gegen das direkte Berühren ab.

3.1.4   Ergonomie

Körperliche Belastungen der Beschäftigten sind auch in der Gebäudereinigung von Bedeutung. Die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen und -mitteln kann Erkrankungen verhindern, die Gesundheit sowie die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten fördern und die Produktivität des Unternehmens steigern.
Abb. 18 Unergonomisches Arbeiten
 Unergonomisches Arbeiten
Abb. 19 Ergonomische Haltung
 Ergonomische Haltung
Abb. 20 Unergonomisches Arbeiten
 Unergonomisches Arbeiten
Abb. 21 Ergonomische Haltung
 Ergonomische Haltung
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Weitere Informationen
  • DGUV Information 206-007 „So geht´s mit Ideen-Treffen“
  • DGUV Information 208-033 „Belastungen für Rücken und Gelenke – was geht mich das an?“
  • BG BAU-Broschüre „Ergonomie am Bau – Damit es leichter geht“ Abruf-Nr. BG BAU 625
  • BG BAU-Broschüre „Ergonomie am Bau – Das kann jeder tun!“ Abruf-Nr. BG BAU 625.1
  • Fachthema Gebäudereiniger-Handwerk, „Sicher und gesund im Beruf“ Abruf-Nr. BG BAU 705.11
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Folgende körperliche Belastungen können zu Gesundheitsschäden der Wirbelsäule, der Gelenke und der Muskulatur führen und somit die Gesundheit der Beschäftigten negativ beeinflussen:
  • Arbeiten in Zwangshaltungen (Bücken, Knien, Hocken, Arbeiten über Schulterniveau)
  • Arbeiten mit gleichförmigen Bewegungsabläufen, insbesondere bei erhöhter Kraftanstrengung (z. B. Reinigung von großflächigen Böden und Wänden, Fassadenreinigung mit Stangensystemen)
  • Bewegungsarmut durch lang andauerndes Sitzen beim Führen von Maschinen
  • Heben, Halten und Tragen von schweren Lasten oder Bewegen von Einrichtungsgegenständen ohne geeignete Hilfsmittel
Abb. 22 Transport unergonomisch
 Transport unergonomisch
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Zur Vermeidung der Belastungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen empfiehlt es sich, Maschinen, Geräte, Arbeitsmittel und -verfahren nach ergonomischen Gesichtspunkten auszuwählen.
Beispiele:
  • Einsatz von Randreinigungsgeräten mit Stiel
  • Einsatz von teleskopierbaren Arbeitsmittel
  • Wassereinfüllhilfen
  • Einsatz von Handfegern mit langem Stiel
  • Einsatz von Verladerampe
  • Einsatz von Systemwagen (für beengte Verhältnisse, z. B. in Putzkammern oder Aufzügen gibt es kleine Systemwagen)
Abb. 23 alternativ mit Systemwagen
 alternativ mit Systemwagen
Arbeitsabläufe
Organisieren Sie Arbeitsabläufe nach ergonomischen Gesichtspunkten.
Sorgen Sie dafür, dass ein regelmäßiger Wechsel der Arbeitshaltungen oder auch der Arbeitstätigkeiten erfolgt. Verteilen Sie unvermeidbare Belastungen auf mehrere Beschäftigte, z. B. stangengeführtes Reinigungssystem.
Verhalten
Weisen Sie Ihre Belegschaft in ergonomische Arbeitsverfahren, Maschinen und Geräte ein, z. B. in die Längeneinstellung des Teleskopstiels. Neues bedarf der bewussten Übung.
Zeichnung: Daumen nach oben
Lassen Sie die Beschäftigten wirbelsäulengerechte Bewegungsabläufe sowie Hebe- und Tragetechniken erlernen.
Abb. 24 Ergonomischer Transport schwerer Lasten
 Ergonomischer Transport schwerer Lasten
Abb. 25 Rückenschädigendes Wischen
 Rückenschädigendes Wischen
Abb. 26 Wirbelsäulengerechte Bewegung
 Wirbelsäulengerechte Bewegung

3.1.5   Psychische Belastungen

Die psychische Belastung der Beschäftigten verändert sich auch in der Gebäudereinigung aufgrund neuer Arbeitsanforderungen. Im Arbeitsalltag sind eng gesetzte Zeitvorgaben einzuhalten, das Arbeitstempo steigt bei gleichzeitig hohen Qualitätsansprüchen an das Arbeitsergebnis. Die Arbeitsgestaltung muss unter Berücksichtigung der psychischen Belastungsfaktoren so gewählt werden, dass die Beschäftigungsfähigkeit der Belegschaft und somit die Produktivität des Unternehmens erhalten bleibt.
Abb. 28 Stärken des Zusammenhalts

Stärken des Zusammenhalts
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Rechtliche Grundlagen
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Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Psychische Belastung ist neutral definiert als „die Gesamtheit aller Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“ (gemäß DIN EN ISO 10075-1:2018-01). Diese Einflussfaktoren wirken sich individuell auf den Beschäftigten aus und können ihn positiv beanspruchen (z. B. aktivieren, herausfordern) oder ihn negativ beanspruchen (z. B. überfordern, unterfordern).
Unter Belastung versteht man objektive, von außen auf den Menschen einwirkende Faktoren wie z. B. Lärm, Zeitdruck oder widersprüchliche Erwartungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Abb. 29 Entspannte Unterweisung

Entspannte Unterweisung
Unter Beanspruchung versteht man die subjektiven (individuellen) Folgen dieser Belastung.
Gefährdungen für die Gesundheit der Belegschaft resultieren aus den Folgen der negativen psychischen Beanspruchung (Fehlbeanspruchung). In diesem Fall werden einzelne Belastungsfaktoren (z. B. Zeitdruck, Unterbrechungen im Arbeitsablauf) zum Stressor und die Beanspruchung der Person äußert sich als Stressreaktion. Dauerhafter Stress kann sich psychisch und dadurch auch körperlich auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten auswirken.
Arbeitsbedingte psychische Belastung kann, je nach Art der Tätigkeit (z. B. Objektleitung, Reinigungskraft), entstehen durch Einflüsse aus der
  • Arbeitsaufgabe, z. B.
    • zu wenig Handlungsspielraum
    • Monotonie der Aufgaben
    • hoher Entscheidungsdruck
    • fehlende Informationen zu Anforderungen und Erwartungen
    • unklare Anforderungen an Objektleitung, die zudem von unterschiedlichen Seiten gestellt werden
  • Arbeitsorganisation, z. B.
    • Zeitdruck
    • Nachtarbeit
    • häufige Arbeitsunterbrechungen
    • häufiger kurzfristiger Ausfall von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Arbeitsumgebung, z. B.
    • Alleinarbeit
    • ekelerregende Verschmutzungen
oder auch aus den
  • sozialen Beziehungen, z. B.
    • Betriebsklima, Konflikte unter Beschäftigten oder mit Vorgesetzten
    • Fehlende Anerkennung im Betrieb
    • Konflikte mit der Kundschaft
    • fehlende gesellschaftliche Wertschätzung
  • Der Grad der Gefährdung variiert in Abhängigkeit von
    • Art, Häufigkeit und Intensität der auftretenden Fehlbelastung/Stressoren
    • individuellen Leistungsvoraussetzungen und (Stress-)Bewältigungsstrategien der Person, auch Ressourcen genannt,
    • Gegebenheiten im Betrieb im Hinblick auf die Arbeitsgestaltung und -organisation.
Zeichnung: Zahnräder
Maßnahmen
  • Optimierung der Belastungsfaktoren hinsichtlich der Arbeitsaufgabe/-inhalt
    • Erhöhung des Handlungsspielraumes bzgl. Arbeitsverfahren, Reihenfolge der Tätigkeiten etc.
    • eindeutige Entscheidungswege und Kompetenzen
  • Eine optimierte Arbeitsorganisation
    • Vertretungsmanagement
    • Tourenplanung
    • flexible Arbeitszeiten
    • Ursachen für Unterbrechungen beseitigen
    • Aspekte der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Arbeitszeiteinteilung/Objektverteilung berücksichtigen
    • Bei Nachtarbeit kürzere Arbeitsabschnitte zwischen den Pausen
  • Eine optimierte Arbeitsumgebung
    • Teamarbeit oder Leistungserbringung während der Nutzungszeit
    • Bereitstellung von geeigneten Arbeitsgeräten und -maschinen
  • Förderung der sozialen Beziehungen
    • positives Feedback geben
    • Kritik konstruktiv und in angemessener Form äußern
    • persönliche Ansprache ermöglichen (z. B. Namensschilder)
Zeichnung: Daumen nach oben
Stärkung der Ressourcen (Verhaltensprävention) z. B.
  • durch Einarbeitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Schulungsangebote
  • Fortbildung zur Wissenserweiterung (z. B. Konfliktmanagement, Produktschulung, Förderung der Sozialkompetenzen, Stressbewältigung)
Abb. 30 Stressabbau

Stressabbau

3.1.6   Persönliche Schutzausrüstungen

Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) sind immer dann bereitzustellen und zu benutzen, wenn die technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgeschöpft sind und eine Restgefährdung verbleibt, die durch PSA weiter minimiert werden kann. Im Fall des Umganges mit Gefahrstoffen ist vorher außerdem die Substitution zu prüfen. PSA müssen für die jeweiligen Arbeitsbedingungen geeignet sein, den Beschäftigten zur Verfügung stehen und die Kosten für PSA dürfen den Beschäftigten nicht auferlegt werden.
Abb. 30 PSA bei Hochdruckreinigung
 PSA bei Hochdruckreinigung
Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
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Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
PSA schützen bei den jeweils auszuführenden Arbeiten vor den Restgefährdungen, welche durch technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen nicht ausreichend minimiert werden können.
Dies können sein:
  • Physikalische Gefährdungen, z. B. Absturz, Lärm
  • Chemische Gefährdungen, z. B. Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel
  • Biostoffe, z. B. Infektionen durch Krankheitserreger
Gefährdungen können auch durch unsachgemäße Bereitstellung und falsche Benutzung von PSA entstehen, Beispiele:
  • falsche Auswahl von PSA
  • Verwendung mehrerer PSA-Arten, welche nicht aufeinander abgestimmt sind
  • verschmutzte, beschädigte oder abgeänderte PSA
  • falsche Konfektionsgröße, abgelaufene Gebrauchsdauer,
  • PSA werden nicht den Herstellerangaben entsprechend verwendet
  • unsachgemäßes Anlegen der PSA
  • eigenmächtige Veränderungen der PSA
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Gefährdungsbeurteilung
Voraussetzung für die Auswahl von geeigneten PSA ist die Kenntnis aller am Arbeitsplatz auftretenden Gefährdungen. Dazu gehören auch Gefährdungen, die durch die Tätigkeiten entstehen bzw. die durch die Arbeitsumgebung gegeben sind.
Abb. 31, 32 Sicherheitsschuh S3
 Sicherheitsschuh S3
Wenn mehrere PSA zur Minimierung vieler Gefährdungen gleichzeitig verwendet werden müssen, achten Sie darauf, dass die PSA aufeinander abgestimmt sind und zusammen verwendet werden dürfen (z. B. Helm mit integrierter Schutzbrille und Kapselgehörschutz).
Achten Sie darauf, dass die Gebrauchseigenschaften der PSA auf die Tätigkeit abgestimmt sind und die Beschäftigten durch die PSA nicht unnötig behindert werden.
Abb. 34 PSA beim Sprühen

PSA beim Sprühen
Beschaffung/Bereitstellung
Beschaffen Sie nur PSA, die mit einer CE-Kennzeichnung versehen sind und über Herstellerinformationen verfügen.
PSA müssen den Beschäftigten individuell passen. Auffanggurte, die nicht auf die Körperform abgestimmt sind oder Schutzhelme, die zu klein oder zu groß sind, beeinträchtigen die Schutzwirkung bzw. führen zu zusätzlichen Gefährdungen. Stellen Sie sicher, dass eine ausreichende Anzahl von PSA für den Zeitraum der Tätigkeit zur Verfügung steht.
Abb. 33 CE-Kennzeichnung

CE-Kennzeichnung
Zeichnung: Faust mit Daumen nach oben
Hören Sie die Beschäftigten an, bevor Sie PSA zur Verfügung stellen. Die Tragebereitschaft von PSA ist erfahrungsgemäß größer, wenn die Beschäftigten bei der Auswahl der PSA beteiligt werden (ggf. Anprobe).
Benutzung
Weisen Sie die Beschäftigten an, die PSA bestimmungsgemäß zu benutzen. Dabei ist es hilfreich, auch praktische Übungen durchzuführen. Für einige PSA sind praktische Übungen vorgeschrieben, z. B. PSA gegen Absturz, Atemschutz, Chemikalienschutzhandschuhe.
PSA müssen vor jedem Einsatz auf mögliche Mängel hin in Augenschein genommen werden.
Ordnungsgemäßer Zustand
Sorgen Sie dafür, dass die Überprüfung der Gebrauchstauglichkeit der PSA nach den Angaben der Herstellerinformationen durchgeführt wird. PSA gegen Absturz sind zudem mindestens einmal jährlich durch Sachkundige zu prüfen.