2.2   Was für die Branche gilt

Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
 
Piktogramm für Information
Weitere Informationen
  • DGUV Information 212-139 „Notrufmöglichkeiten für allein arbeitende Personen“
  • Merkblatt Kanülenstichverletzungen (DGUV Regel 101-017 „Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen“, Merkblatt Anhang 4)
  • Baustein-Merkheft “Gebäudereinigung“, BG BAU Abr. Nr. 406
Zeichnung: Person mit Schutzhelm und Krawatte
Sicherheitsbeauftragte
Sicherheitsbeauftragte (kurz Sibe) haben die Aufgabe, Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bei der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu unterstützen. Sie sollen darauf achten, ob betriebliche Schutzvorrichtungen und Schutzmaßnahmen ausreichen und liefern wertvolle Hinweise auf die sichere Gestaltung von Arbeitsplätzen. Sicherheitsbeauftragte haben in dieser Funktion keine Weisungsbefugnis.
Grundsätzlich sollte die Auswahl der Sibe aus dem Kreis der Beschäftigten/Reinigungskräfte bzw. Vorarbeiterinnen und Vorarbeitern erfolgen. Aufgrund der Struktur in Gebäudereinigungsbetrieben kommt für die Bestellung zu Sibe für Kleinstobjekte häufig nur die jeweilige Objektleitung in Frage.
Soweit dies im Hinblick auf die Betriebsart und die damit verbundenen Unfall – und Gesundheitsgefahren sowie unter Berücksichtigung betrieblicher Belange erforderlich ist, haben Sie den Sicherheitsbeauftragten Ihres Unternehmens Gelegenheit zu geben, an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen teilzunehmen.
Bestimmen Sie die erforderliche Anzahl der Sicherheitsbeauftragten anhand der folgenden Kriterien:
  • Im Unternehmen bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren
  • Räumliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
  • Zeitliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
  • Fachliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
  • Anzahl der Beschäftigten
Bei der Berechnung unterstützen Sie Ihre SIFA und Ihre BG oder UK; ein Berechnungsbeispiel finden Sie im Anhang.
Zeichnung: Lastwagen
Ihre Firma als Fremdfirma beim Kundenobjekt
Sie halten sich als Unternehmen auf fremden Betriebsgeländen auf! Hier können besondere Gefährdungen durch Gefahrstoffe, Maschinen, Anlagen oder innerbetrieblichen Verkehr vorhanden sein.
Ihre Auftraggeberin bzw. Ihr Auftraggeber muss
  • Sie über die betriebsspezifischen Gefährdungen informieren,
  • Sie dabei unterstützen, entsprechende Schutzmaßnahmen festzulegen,
  • sicherstellen, dass die Beschäftigten von Fremdfirmen in Bezug auf die Sicherheits- und Gesundheitsrisiken während der Arbeit beim Kundenobjekt angemessen unterwiesen sind.
Sie müssen
  • auf der Grundlage der Informationen der Fremdfirma die erforderlichen Regelungen treffen; Ihre Beschäftigten (auch Springer) müssen die betrieblichen Arbeitsschutzregelungen des Kundenbetriebes kennen und beachten;
  • die Arbeiten so koordinieren, dass Ihre Arbeitskräfte durch ihre Tätigkeit keine Dritten gefährden, z. B. durch rutschige Böden, Reinigungschemikalien oder Stolperfallen.
Abstimmung mit der Kundschaft
Sie benötigen angemessene Aufenthaltsräume und davon getrennte Materiallager, die es ermöglichen, Reinigungs- und Pflegemittel in festgelegten Bereichen oder Schränken, übersichtlich geordnet in verschlossenen Behältern (möglichst Originalgebinde, Originalverpackungen beziehungsweise in gekennzeichneten Behältern oder Verpackung), zu lagern. Sollen entzündbare Flüssigkeiten gelagert werden, ist die Gefahrstoffverordnung zu berücksichtigen. An absturzgefährdeten Arbeitsplätzen müssen Anschlagpunkte für Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) vorhanden sein.
Elektrische Anlagen und zur Verfügung gestellte bauliche Einrichtungen wie Fassaden- Befahranlagen erfordern regelmäßige Prüfungen.
Auch außerhalb der Arbeitszeiten der Auftraggebenden müssen die Beleuchtung für Verkehrswege und Arbeitsplätze sowie die Anschlüsse für alle Medien (Wasser, Strom, Abwasser), funktionsfähig sein.
Zeichnung: Handfläche mit einem Kreuz in der Mitte
Erste Hilfe im Objekt

Die allgemeinen Anforderungen an die Erste Hilfe beinhalten in der Gebäudereinigung einige Besonderheiten:
  • Klären Sie, ob Sie auf das Erste Hilfematerial der Auftraggebenden zurückgreifen können. Das ist insbesondere erforderlich, wenn Ihren Beschäftigten kein eigener Raum zur Aufbewahrung zur Verfügung steht.
  • Es ist nicht zielführend, einen Verbandkasten im Reinigungswagen mitzuführen. Aber das Erste Hilfematerial sollte sich nah am Arbeitsplatz befinden
  • Verletzungen, die durch Spritzen oder Kanülen verursacht sind, müssen in jedem Fall dokumentiert werden, da bei einer Infektion weitere Gesundheitsschäden entstehen können. Betroffene Personen sollten umgehend eine Durchgangsärztin oder einen Durchgangsarzt aufsuchen.
  • Beschäftigte, die sich allein in einem Betriebsbereich aufhalten, müssen einen Notruf absetzen können, z. B. über die Telekommunikationsanlage im Kundenobjekt oder mit einem Mobiltelefon.
  • Falls Ihre Beschäftigten keine entsprechende Ausbildung haben, klären Sie mit dem auftraggebenden Betrieb ab, ob seine Ersthelferinnen und Ersthelfer auch Ihrem Betrieb zur Verfügung stehen und die vorhandenen Sanitätseinrichtungen und Erste-Hilfe-Materialien genutzt werden können.
  • Legen Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung einen Plan fest, der den Ablauf bei Verletzungen mit potenzieller Infektionsgefahr regelt. Beraten Sie sich dazu mit Ihrer Betriebsärztin bzw. Ihrem Betriebsarzt.
Der Plan kann Folgendes beinhalten:
  • Sofortmaßnahmen der betroffenen Person sowie der Erste-Hilfe-Leistenden
  • Kontaktdaten nahegelegener Durchgangsärztinnen und -ärzte
  • Melde- und Dokumentationsverfahren
  • Hautdesinfektionsmittel
Zeichnung: Daumen nach oben
Hilfe bietet das Merkblatt Kanülenstichverletzungen (DGUV Regel 101-017 „Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen“, Merkblatt Anhang 4).
Weitergehende Maßnahmen sind abhängig von der Gefährdungsstufe ggfs. in Abstimmung mit der Auftraggeberin bzw. dem Auftraggeber festzulegen.
Ersthelferinnen und Ersthelfer müssen nicht zu Ihrem Betrieb gehören. Klären Sie mit dem auftraggebenden Betrieb, ob seine Ersthelferinnen und Ersthelfer auch Ihrem Betrieb zur Verfügung stehen und Sie die vorhandene Sanitätseinrichtungen und Erste-Hilfe-Materialien nutzen können.
Zeichnung: Feuerlöscher
Brandschutz- und Notfallmaßnahmen
Die in Abschnitt 2.1 beschriebenen Anforderungen gelten nur für Ihre Betriebsgebäude.
In den Objekten haben die Auftraggebenden für die Brandschutz- und Notfallmaßnahmen gesorgt. Ihre Aufgabe besteht darin, Ihre Beschäftigten im Rahmen der objektspezifischen Unterweisung mit diesen vertraut zu machen.
Gefährdungen durch Lärm
  • Bereits ab dem unteren Auslösewert von 80 dB (A) besteht eine mögliche Lärmgefährdung. Solche Lärmpegel sind am ehesten bei der Fassaden- und Industriereinigung zu erwarten.
  • In der Gebäudereinigung können folgende Bedingungen ein lärmbedingtes Gesundheitsrisiko darstellen:
  • Lärmintensive Arbeitsverfahren, lärmintensive Arbeitsmittel wie Hochdruckreinigungsgeräte
  • Umgebungslärm, der durch lärmintensive Maschinen oder Arbeiten des Auftraggebenden entsteht oder der durch andere zeitgleich tätige Betriebe erzeugt wird
Sorgen Sie dafür, dass Sie Arbeitsmittel, z. B. Hochdruckreiniger, mit möglichst geringem Schalldruckpegel in dB(A) bereitstellen. Informationen erhalten Sie bei Ihren Lieferanten bzw. aus der Betriebsanleitung.
Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten bereits ab Erreichen des unteren Auslösewertes von 80 dB (A) über das Thema Lärm und über die Verwendung von geeignetem Gehörschutz. Ab 80 dB (A) ist den Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten und ab 85 dB (A) ist diese zu veranlassen.
Zeichnung: Person mit Stethoskop
Spezielle Arbeitsmedizinische Maßnahmen
Arbeiten Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bereichen mit besonderer Infektionsgefahr (Krankenhäuser, Einrichtungen der Tiermedizin, Pflegeeinrichtungen), sind neben der „Ersten Hilfe“ auch besondere arbeitsmedizinische Maßnahmen (z. B. Impfangebote) zu organisieren.
Hautreinigung und Hautpflege
Bei Reinigungsarbeiten erfolgt in der Regel eine Hautbelastung durch Gefahrstoffe und/oder das Tragen von enganliegenden Handschuhen. Deshalb ist auf eine besondere Pflege der Haut zu achten. Ggf. ist ein Hautschutzplan (Hautreinigung/Hautpflege) zu erstellen. Beim längeren Tragen von dicht abschließenden Handschuhen hat sich das Tragen von Baumwollhandschuhen unter dem eigentlichen Schutzhandschuh zum Aufnehmen des Schweißes bewährt.
Stellen Sie sicher, dass Waschgelegenheiten sowie geeignete und möglichst milde Hautreinigungsmittel zur Verfügung stehen.
Hände sollten nach der Reinigung sorgfältig, auch in den Fingerzwischenräumen abgetrocknet werden. Die Hautreinigung sollte zum Arbeitsende, bei Pausenbeginn und bei Verschmutzung erfolgen. Die Hautreinigung stellt immer eine Hautbelastung dar und ist auf das erforderliche Maß zu reduzieren. Nach der Reinigung der Haut sollte diese mit einem Hautpflegemittel eingecremt werden.
Planungspflichten der der Bauherren bzw. Planenden
Bauherren und Planende werden durch entsprechende Gesetze, Baustellenverordnung und Bauordnungen verpflichtet, alle baulichen und technischen Vorrichtungen so zu planen, dass Reinigungsarbeiten an und in Gebäuden ohne Gefährdung ausgeführt werden können. Die dafür erforderlichen sicherheitstechnischen Einrichtungen für Gebäudereinigungsarbeiten müssen in der „Unterlage für spätere Arbeiten“ zusammengestellt sein. Diese ist dem Bauenden bzw. der Betreiberfirma zu übergeben.
Die Unterlage soll insbesondere enthalten:
  • Angaben über den Zugang zu den Arbeitsplätzen,
  • Angaben zur Erreichbarkeit der zu reinigenden Flächen, auch unter dem Aspekt der Absturzgefahr sowie
  • Hinweise zum sicheren Arbeiten sowie zur richtigen Nutzung der Arbeitsmittel enthalten sein.
Die Unterlage dient der sicheren und gesundheitsgerechten Durchführung der Reinigungsarbeiten. Fordern Sie diese daher bei Ihrer Kundschaft ein.
Betriebliche Organisation im Objekt
Fassen Sie alle relevanten Informationen zur Gewährleistung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in der Objektmappe zusammen. (Siehe hierzu die Checklisten im Anhang)
Mutterschutz
Im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen müssen Sie vor Aufnahme der Tätigkeit die Gefährdungen nach Art, Ausmaß und Dauer beurteilen, denen eine schwangere oder stillende Frau oder ihr Kind ausgesetzt sein könnten oder sind. Unter Berücksichtigung des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung ist zu ermitteln, ob für diesen Personenkreis voraussichtlich keine Schutzmaßnahmen erforderlich sein werden, eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen erforderlich sein wird oder eine Fortführung der Tätigkeit der Frau an diesem Arbeitsplatz nicht möglich sein kann. Sie dürfen eine schwangere oder stillende Frau nur diejenigen Tätigkeiten ausüben lassen, für die Sie die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen haben.
Ferner müssen Sie die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass Gefährdungen einer schwangeren oder stillenden Frau oder ihres Kindes möglichst vermieden werden und eine unverantwortbare Gefährdung ausgeschlossen wird.