2   Grundlagen für den Arbeitsschutz

2.1   Was für alle gilt!

Von der betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung über die Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung bis hin zur Ersten Hilfe: Wer die Sicherheit und Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systematisch in allen Prozessen berücksichtigt und diese dabei beteiligt, schafft eine solide Basis für einen gut organisierten Arbeitsschutz.
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Rechtliche Grundlagen
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Weitere Informationen
Als Unternehmerin oder Unternehmer sind Sie für die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Beschäftigten in Ihrem Unternehmen verantwortlich. Dazu verpflichtet Sie das Arbeitsschutzgesetz. Doch es gibt viele weitere gute Gründe, warum Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in Ihrem Unternehmen wichtig sein sollten. So sind Beschäftigte, die in einer sicheren und gesunden Umgebung arbeiten, nicht nur weniger häufig krank, sie arbeiten auch engagierter und motivierter. Mehr noch: Investitionen in den Arbeitsschutz lohnen sich für Unternehmen nachweislich auch ökonomisch.
Die gesetzliche Unfallversicherung unterstützt Sie bei der Einrichtung des Arbeitsschutzes in Ihrem Unternehmen. Der erste Schritt: Setzen Sie die grundsätzlichen Präventionsmaßnahmen um, die auf den folgenden Seiten beschrieben sind. Sie bieten Ihnen die beste Grundlage für einen gut organisierten Arbeitsschutz und stellen die Weichen für weitere wichtige Präventionsmaßnahmen in Ihrem Unternehmen.
Zeichnung: Hände geben
Verantwortung und Aufgabenübertragung
Die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Beschäftigten liegt bei Ihnen als Unternehmerin oder Unternehmer. Das heißt, dass Sie die Arbeiten in Ihrem Betrieb so organisieren müssen, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird und die Belastung Ihrer Beschäftigten nicht über deren individuelle Leistungsfähigkeit hinausgeht.
Diese Aufgabe können Sie auch schriftlich an andere zuverlässige und fachkundige Personen im Unternehmen übertragen. Sie sind jedoch dazu verpflichtet, regelmäßig zu prüfen, ob diese Personen ihre Aufgabe erfüllen. Legen Sie bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen fest. Insbesondere nach einem Arbeitsunfall oder nach Auftreten einer Berufskrankheit müssen deren Ursachen ermittelt und die Arbeitsschutzmaßnahmen angepasst werden.
Zeichnung: Person mit Stethoskop
Betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung
Unterstützung bei der Einrichtung von sicheren und gesunden Arbeitsplätzen erhalten Sie von den Fachkräften für Arbeitssicherheit, Betriebsärztinnen und Betriebsärzten sowie Ihrem Unfallversicherungsträger. Die DGUV Vorschrift 2 gibt vor, in welchem Umfang Sie diese betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung gewährleisten müssen.
Zeichnung: Person mit Schutzhelm und Krawatte
Sicherheitsbeauftragte
Arbeiten in Ihrem Unternehmen mehr als 20 Beschäftigte, müssen Sie zusätzlich Sicherheitsbeauftragte bestellen. Sicherheitsbeauftragte sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres Unternehmens, die Sie ehrenamtlich neben ihren eigentlichen Aufgaben bei der Verbesserung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes unterstützen. Sie achten z. B. darauf, dass Schutzvorrichtungen und -ausrüstungen vorhanden sind und weisen ihre Kolleginnen und Kollegen auf sicherheits- oder gesundheitswidriges Verhalten hin. So geben sie Ihnen verlässliche Anregungen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes.
Zeichnung: Urkunde
Qualifikation für den Arbeitsschutz
Wirksamer Arbeitsschutz erfordert fundiertes Wissen. Stellen Sie daher sicher, dass alle Personen in Ihrem Unternehmen, die mit Aufgaben im Arbeitsschutz betraut sind, ausreichend qualifiziert sind. Geben Sie diesen Personen die Möglichkeit, an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung bieten hierzu vielfältige Seminare sowie Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten an.
Zeichnung: Lupe
Beurteilung der Arbeitsbedingungen und Dokumentation (Gefährdungsbeurteilung)
Wenn die Gefahren für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz nicht bekannt sind, kann sich auch niemand davor schützen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Arbeitsschutzes ist daher die Beurteilung der Arbeitsbedingungen, auch „Gefährdungsbeurteilung“ genannt. Diese hat das Ziel, für jeden Arbeitsplatz in Ihrem Unternehmen mögliche Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Beschäftigten festzustellen und Maßnahmen zur Beseitigung dieser Gefährdungen festzulegen. Beurteilen Sie dabei sowohl die körperlichen als auch die psychischen Belastungen Ihrer Beschäftigten. Beachten Sie Beschäftigungsbeschränkungen und -verbote, z. B. für Jugendliche, Schwangere und stillende Mütter, insbesondere im Hinblick auf schwere körperliche Arbeiten sowie den Umgang mit Gefahrstoffen. Es gilt: Gefahren müssen immer direkt an der Quelle beseitigt oder vermindert werden. Wo dies nicht vollständig möglich ist, müssen Sie Schutzmaßnahmen nach dem T-O-P-Prinzip ergreifen.
Das heißt, Sie müssen zuerst technische (T), dann organisatorische (O) und erst zuletzt personenbezogene (P) Maßnahmen festlegen und durchführen. Mit der anschließenden Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung kommen Sie nicht nur Ihrer Nachweispflicht nach, sondern erhalten auch eine Übersicht der Arbeitsschutzmaßnahmen in Ihrem Unternehmen. So lassen sich auch Entwicklungen nachvollziehen und Erfolge aufzeigen.
Zeichnung: Äskulapstab
Arbeitsmedizinische Maßnahmen
Ein unverzichtbarer Baustein im Arbeitsschutz Ihres Unternehmens ist die arbeitsmedizinische Prävention. Dazu gehören die Beteiligung des Betriebsarztes oder der Betriebsärztin an der Gefährdungsbeurteilung, die Durchführung der allgemeinen arbeitsmedizinischen Beratung sowie die arbeitsmedizinische Vorsorge mit individueller arbeitsmedizinischer Beratung der Beschäftigten. Ergibt die Vorsorge, dass bestimmte Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ergriffen werden müssen, so müssen Sie diese für die betroffenen Beschäftigten in die Wege leiten.
Zeichnung: Person mit Sprechblase
Unterweisung
Ihre Beschäftigten können nur dann sicher und gesund arbeiten, wenn sie über die Gefährdungen an ihrem Arbeitsplatz sowie ihre Pflichten im Arbeitsschutz informiert sind und die erforderlichen Maßnahmen und betrieblichen Regeln kennen. Hierzu gehören auch die Betriebsanweisungen. Deshalb ist es wichtig, dass Ihre Beschäftigten eine Unterweisung möglichst an ihrem Arbeitsplatz erhalten. Diese kann durch Sie selbst oder eine von Ihnen beauftragte zuverlässige und fachkundige Person durchgeführt werden. Setzen Sie Beschäftigte aus Zeitarbeitsunternehmen ein, müssen Sie diese so unterweisen wie Ihre eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Betriebsärztin, -arzt oder Fachkraft für Arbeitssicherheit können hierbei unterstützen. Die Unterweisung muss mindestens einmal jährlich erfolgen und dokumentiert werden. Bei Jugendlichen ist dies halbjährlich erforderlich. Zusätzlich müssen Sie für Ihre Beschäftigten eine Unterweisung sicherstellen
  • vor Aufnahme einer Tätigkeit,
  • bei Zuweisung einer anderen Tätigkeit,
  • bei Veränderungen im Aufgabenbereich und Veränderungen in den Arbeitsabläufen.
Zeichnung: Blitz
Gefährliche Arbeiten
Manche Arbeiten in Ihrem Unternehmen sind besonders gefährlich für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sorgen Sie in solchen Fällen dafür, dass eine zuverlässige, mit der Arbeit vertraute Person die Aufsicht führt. Ist nur eine Person allein mit einer gefährlichen Arbeit betraut, so sind Sie verpflichtet, für geeignete technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen zu sorgen, z. B. Kontrollgänge einer zweiten Person, zeitlich abgestimmte Telefon-/Funkmeldesysteme oder Personen-Notsignal-Anlagen. Ihr Unfallversicherungsträger berät Sie dazu gerne.
Zeichnung: Buch
Zugang zu Vorschriften und Regeln
Machen Sie die für Ihr Unternehmen relevanten Unfallverhütungsvorschriften sowie die einschlägigen staatlichen Vorschriften und Regeln an geeigneter Stelle für alle zugänglich. So sorgen Sie nicht nur dafür, dass Ihre Beschäftigten über die notwendigen Präventionsmaßnahmen informiert werden, Sie zeigen ihnen auch, dass Sie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ernst nehmen. Bei Fragen zum Vorschriften- und Regelwerk hilft Ihnen Ihr Unfallversicherungsträger weiter.
Zeichnung: Kopf mit Schutzhelm
Persönliche Schutzausrüstungen
Wenn durch technische und organisatorische Maßnahmen Gefährdungen für Ihre Beschäftigten nicht ausgeschlossen werden können, sind Sie als Unternehmerin oder Unternehmer verpflichtet, ihnen kostenfrei persönliche Schutzausrüstungen (PSA) zur Verfügung zu stellen. Bei der Beschaffung ist darauf zu achten, dass die PSA mit einer CE-Kennzeichnung versehen ist. Welche PSA dabei für welche Arbeitsbedingungen und Beschäftigten die richtige ist, leitet sich aus der Gefährdungsbeurteilung ab. Vor der Bereitstellung sind Sie verpflichtet, die Beschäftigten anzuhören.
Zur Sicherstellung des Schutzziels ist es wichtig, dass die Beschäftigten die PSA entsprechend der Gebrauchsanleitung und unter Berücksichtigung bestehender Tragezeitbegrenzungen und Gebrauchsdauern bestimmungsgemäß benutzen, regelmäßig auf ihren ordnungsgemäßen Zustand prüfen und Ihnen festgestellte Mängel unverzüglich melden. Die bestimmungsgemäße Benutzung der PSA muss den Beschäftigten im Rahmen von Unterweisungen vermittelt werden. Durch die Organisation von Wartungs-, Reparatur- und Ersatzmaßnahmen sowie durch ordnungsgemäße Lagerung tragen Sie dafür Sorge, dass die persönlichen Schutzausrüstungen während der gesamten Nutzungsdauer gut funktionieren und sich in hygienisch einwandfreiem Zustand befinden.
Werden in Ihrem Unternehmen PSA zum Schutz gegen tödliche Gefahren oder bleibende Gesundheitsschäden eingesetzt (z. B. PSA gegen Absturz, Atemschutz), müssen zusätzliche Maßnahmen beachtet werden. So müssen Unterweisungen zur bestimmungsgemäßen Benutzung dieser PSA praktische Übungen beinhalten. Weitere Maßnahmen können z. B. die Planung und sachgerechte Durchführung von Rettungsmaßnahmen, Überprüfung der Ausrüstungen durch einen Sachkundigen oder die Erstellung von speziellen Betriebsanweisungen betreffen.
Mit Gebotszeichen zur Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung können Sie die Beschäftigten darauf hinweisen, an welchen Arbeitsplätzen PSA benutzt werden müssen.
Zeichnung: Feuerlöscher
Brandschutz- und Notfallmaßnahmen
Im Notfall müssen Sie und Ihre Beschäftigten schnell und zielgerichtet handeln können. Daher gehören die Organisation des betrieblichen Brandschutzes, aber auch die Vorbereitung auf sonstige Notfallmaßnahmen, wie zum Beispiel die geordnete Evakuierung Ihrer Arbeitsstätte, zum betrieblichen Arbeitsschutz. Lassen Sie daher so viele Beschäftigte wie möglich zu Brandschutzhelferinnen und Brandschutzhelfern ausbilden, empfehlenswert sind mindestens fünf Prozent der Belegschaft. Empfehlenswert ist auch die Bestellung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters zum Brandschutzbeauftragten. Das zahlt sich im Notfall aus. Damit Entstehungsbrände wirksam bekämpft werden können, müssen Sie Ihren Betrieb mit geeigneten Feuerlöscheinrichtungen, wie zum Beispiel tragbaren Feuerlöschern, ausstatten und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit deren Benutzung durch regelmäßige Unterweisung vertraut machen.
Zeichnung: Handfläche mit einem Kreuz in der Mitte
Erste Hilfe
Die Organisation der Ersten Hilfe in Ihrem Betrieb gehört zu Ihren Grundpflichten. Unter Erste Hilfe versteht man alle Maßnahmen, die bei Unfällen, akuten Erkrankungen, Vergiftungen und sonstigen Notfällen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes, eines Arztes oder einer Ärztin erforderlich sind. Dazu gehört zum Beispiel: Unfallstelle absichern, Verunglückte aus akuter Gefahr retten, Notruf veranlassen, lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen sowie Betroffene betreuen. Den Grundbedarf an Erste-Hilfe-Material decken der „Kleine Betriebsverbandkasten“ nach DIN 13157 bzw. der „Große Betriebsverbandkasten“ nach DIN 13169 ab. Zusätzlich können ergänzende Materialien aufgrund betriebsspezifischer Gefährdungen erforderlich sein.
Je nachdem wie viele Beschäftigte in Ihrem Unternehmen arbeiten, müssen Ersthelferinnen und Ersthelfer in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen. Diese Aufgabe können alle Beschäftigten übernehmen. Voraussetzung ist die erfolgreiche Fortbildung in einem Erste-Hilfe-Lehrgang und die regelmäßige Auffrischung alle zwei Jahre (Erste-Hilfe-Fortbildung). Die Lehrgangsgebühren werden von den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen getragen. Beachten Sie, dass auch im Schichtbetrieb und während der Urlaubszeit genügend Ersthelferinnen und -helfer anwesend sein müssen.
Fragezeichen
Wie viele Ersthelferinnen und Ersthelfer?
1. Bei 2 bis zu 20 anwesenden Versicherteneine Ersthelferin bzw. ein Ersthelfer
2. bei mehr als 20 anwesenden Versicherten 
a)in Verwaltungs- und Handelsbetriebe5 %,
b)in sonstige Betriebe10 %,
c)in Kindertageseinrichtungeneine Ersthelferin bzw. Ersthelfer je Kindergruppe,
d)in Hochschulen10 % der Versicherten nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 SGB VII
Zeichnung: Schraubenschlüssel mit Haken
Regelmäßige Prüfung der Arbeitsmittel
Schäden an Arbeitsmitteln können zu Unfällen führen. Daher müssen die in Ihrem Unternehmen eingesetzten Arbeitsmittel regelmäßig kontrolliert und je nach Arbeitsmittel geprüft werden. Vor der Verwendung eines Arbeitsmittels muss dieses durch Inaugenscheinnahme, ggf. durch eine Funktionskontrolle, auf offensichtliche Mängel kontrolliert werden, die so schnell entdeckt werden können. Neben diesen Kontrollen müssen Sie für wiederkehrende Prüfungen in angemessenen Zeitabständen sorgen. Wie, von wem und in welchen Abständen dies geschehen soll, beschreiben die TRBS 1201 und die TRBS 1203 (siehe Infobox „Rechtliche Grundlagen“). Im Einschichtbetrieb hat sich bei vielen Arbeitsmitteln ein Prüfabstand von einem Jahr bewährt. Die Ergebnisse der Prüfungen müssen Sie mindestens bis zur nächsten Prüfung aufbewahren.
Zeichnung: Taschenrechner
Planung und Beschaffung
Es lohnt sich, das Thema Sicherheit und Gesundheit von Anfang an in allen betrieblichen Prozessen zu berücksichtigen. Wenn Sie schon bei der Planung von Arbeitsstätten und Anlagen sowie dem Einkauf von Arbeitsmitteln und Arbeitsstoffen an die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Beschäftigten denken, erspart Ihnen dies (teure) Nachbesserungen.
Zeichnung: Rollstuhlfahrer
Barrierefreiheit
Denken Sie auch an die barrierefreie Gestaltung der Arbeitsräume in Ihrem Unternehmen. Barrierefreiheit kommt nicht nur Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung zugute, Ihre gesamte Belegschaft kann davon profitieren. So können zum Beispiel ausreichend breite Wege oder Armaturen, Lichtschalter und Türgriffe, die gut erreichbar sind, sowie trittsichere Bodenbeläge Unfallrisiken senken und zu weitaus geringeren Belastungen und Beanspruchungen führen.
Zeichnung einer hochspringenden Figur
Gesundheit im Betrieb
Gesundheit ist die wichtigste Voraussetzung, damit Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum Rentenalter beschäftigungs- und leistungsfähig bleiben. Frühzeitige Maßnahmen, die arbeitsbedingte physische und psychische Belastungen verringern helfen, zahlen sich doppelt aus – sowohl für die Beschäftigten als auch den Betrieb. Dazu gehören die Gestaltung sicherer und gesunder Arbeitsplätze und ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM). Auch die Stärkung eines gesundheitsbewussten Verhaltens Ihrer Beschäftigten und die Schaffung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen tragen zur Gesundheit Ihrer Beschäftigten bei. Ein Tipp: Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen oft am besten, was sie an ihrem Arbeitsplatz beeinträchtigt. Beziehen Sie sie daher in Ihre Überlegungen für Verbesserungsmaßnahmen mit ein. Das sorgt auch für motivierte Beschäftigte.
Zeichnung: LKW
Fremdfirmen, Lieferanten und Einsatz auf fremdem Betriebsgelände
Auf Ihrem Betriebsgelände halten sich Fremdfirmen und Lieferanten auf? Hier können ebenfalls besondere Gefährdungen entstehen. Treffen Sie die erforderlichen Regelungen und sorgen Sie dafür, dass diese Personen die betrieblichen Arbeitsschutzregelungen Ihres Unternehmens kennen und beachten. Arbeiten Sie bzw. Ihre Beschäftigten auf fremdem Betriebsgelände, gilt dies umgekehrt auch für Sie: Sorgen Sie auch in Sachen Arbeitssicherheit für eine ausreichende Abstimmung mit dem Unternehmen, auf dessen Betriebsgelände Sie im Einsatz sind.
Zeichnung einer Person, daneben eine Uhr
Integration von zeitlich befristet Beschäftigten
Die Arbeitsschutzanforderungen in Ihrem Unternehmen gelten für alle Beschäftigten – auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nur zeitweise in Ihrem Betrieb arbeiten, wie zum Beispiel Zeitarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer sowie Praktikantinnen und Praktikanten. Stellen Sie sicher, dass diese Personen ebenfalls in den betrieblichen Arbeitsschutz eingebunden sind.
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Allgemeine Informationen

2.2   Was für die Branche gilt

Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
 
Piktogramm für Information
Weitere Informationen
  • DGUV Information 212-139 „Notrufmöglichkeiten für allein arbeitende Personen“
  • Merkblatt Kanülenstichverletzungen (DGUV Regel 101-017 „Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen“, Merkblatt Anhang 4)
  • Baustein-Merkheft “Gebäudereinigung“, BG BAU Abr. Nr. 406
Zeichnung: Person mit Schutzhelm und Krawatte
Sicherheitsbeauftragte
Sicherheitsbeauftragte (kurz Sibe) haben die Aufgabe, Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bei der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu unterstützen. Sie sollen darauf achten, ob betriebliche Schutzvorrichtungen und Schutzmaßnahmen ausreichen und liefern wertvolle Hinweise auf die sichere Gestaltung von Arbeitsplätzen. Sicherheitsbeauftragte haben in dieser Funktion keine Weisungsbefugnis.
Grundsätzlich sollte die Auswahl der Sibe aus dem Kreis der Beschäftigten/Reinigungskräfte bzw. Vorarbeiterinnen und Vorarbeitern erfolgen. Aufgrund der Struktur in Gebäudereinigungsbetrieben kommt für die Bestellung zu Sibe für Kleinstobjekte häufig nur die jeweilige Objektleitung in Frage.
Soweit dies im Hinblick auf die Betriebsart und die damit verbundenen Unfall – und Gesundheitsgefahren sowie unter Berücksichtigung betrieblicher Belange erforderlich ist, haben Sie den Sicherheitsbeauftragten Ihres Unternehmens Gelegenheit zu geben, an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Berufsgenossenschaften oder Unfallkassen teilzunehmen.
Bestimmen Sie die erforderliche Anzahl der Sicherheitsbeauftragten anhand der folgenden Kriterien:
  • Im Unternehmen bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren
  • Räumliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
  • Zeitliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
  • Fachliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
  • Anzahl der Beschäftigten
Bei der Berechnung unterstützen Sie Ihre SIFA und Ihre BG oder UK; ein Berechnungsbeispiel finden Sie im Anhang.
Zeichnung: Lastwagen
Ihre Firma als Fremdfirma beim Kundenobjekt
Sie halten sich als Unternehmen auf fremden Betriebsgeländen auf! Hier können besondere Gefährdungen durch Gefahrstoffe, Maschinen, Anlagen oder innerbetrieblichen Verkehr vorhanden sein.
Ihre Auftraggeberin bzw. Ihr Auftraggeber muss
  • Sie über die betriebsspezifischen Gefährdungen informieren,
  • Sie dabei unterstützen, entsprechende Schutzmaßnahmen festzulegen,
  • sicherstellen, dass die Beschäftigten von Fremdfirmen in Bezug auf die Sicherheits- und Gesundheitsrisiken während der Arbeit beim Kundenobjekt angemessen unterwiesen sind.
Sie müssen
  • auf der Grundlage der Informationen der Fremdfirma die erforderlichen Regelungen treffen; Ihre Beschäftigten (auch Springer) müssen die betrieblichen Arbeitsschutzregelungen des Kundenbetriebes kennen und beachten;
  • die Arbeiten so koordinieren, dass Ihre Arbeitskräfte durch ihre Tätigkeit keine Dritten gefährden, z. B. durch rutschige Böden, Reinigungschemikalien oder Stolperfallen.
Abstimmung mit der Kundschaft
Sie benötigen angemessene Aufenthaltsräume und davon getrennte Materiallager, die es ermöglichen, Reinigungs- und Pflegemittel in festgelegten Bereichen oder Schränken, übersichtlich geordnet in verschlossenen Behältern (möglichst Originalgebinde, Originalverpackungen beziehungsweise in gekennzeichneten Behältern oder Verpackung), zu lagern. Sollen entzündbare Flüssigkeiten gelagert werden, ist die Gefahrstoffverordnung zu berücksichtigen. An absturzgefährdeten Arbeitsplätzen müssen Anschlagpunkte für Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) vorhanden sein.
Elektrische Anlagen und zur Verfügung gestellte bauliche Einrichtungen wie Fassaden- Befahranlagen erfordern regelmäßige Prüfungen.
Auch außerhalb der Arbeitszeiten der Auftraggebenden müssen die Beleuchtung für Verkehrswege und Arbeitsplätze sowie die Anschlüsse für alle Medien (Wasser, Strom, Abwasser), funktionsfähig sein.
Zeichnung: Handfläche mit einem Kreuz in der Mitte
Erste Hilfe im Objekt

Die allgemeinen Anforderungen an die Erste Hilfe beinhalten in der Gebäudereinigung einige Besonderheiten:
  • Klären Sie, ob Sie auf das Erste Hilfematerial der Auftraggebenden zurückgreifen können. Das ist insbesondere erforderlich, wenn Ihren Beschäftigten kein eigener Raum zur Aufbewahrung zur Verfügung steht.
  • Es ist nicht zielführend, einen Verbandkasten im Reinigungswagen mitzuführen. Aber das Erste Hilfematerial sollte sich nah am Arbeitsplatz befinden
  • Verletzungen, die durch Spritzen oder Kanülen verursacht sind, müssen in jedem Fall dokumentiert werden, da bei einer Infektion weitere Gesundheitsschäden entstehen können. Betroffene Personen sollten umgehend eine Durchgangsärztin oder einen Durchgangsarzt aufsuchen.
  • Beschäftigte, die sich allein in einem Betriebsbereich aufhalten, müssen einen Notruf absetzen können, z. B. über die Telekommunikationsanlage im Kundenobjekt oder mit einem Mobiltelefon.
  • Falls Ihre Beschäftigten keine entsprechende Ausbildung haben, klären Sie mit dem auftraggebenden Betrieb ab, ob seine Ersthelferinnen und Ersthelfer auch Ihrem Betrieb zur Verfügung stehen und die vorhandenen Sanitätseinrichtungen und Erste-Hilfe-Materialien genutzt werden können.
  • Legen Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung einen Plan fest, der den Ablauf bei Verletzungen mit potenzieller Infektionsgefahr regelt. Beraten Sie sich dazu mit Ihrer Betriebsärztin bzw. Ihrem Betriebsarzt.
Der Plan kann Folgendes beinhalten:
  • Sofortmaßnahmen der betroffenen Person sowie der Erste-Hilfe-Leistenden
  • Kontaktdaten nahegelegener Durchgangsärztinnen und -ärzte
  • Melde- und Dokumentationsverfahren
  • Hautdesinfektionsmittel
Zeichnung: Daumen nach oben
Hilfe bietet das Merkblatt Kanülenstichverletzungen (DGUV Regel 101-017 „Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen“, Merkblatt Anhang 4).
Weitergehende Maßnahmen sind abhängig von der Gefährdungsstufe ggfs. in Abstimmung mit der Auftraggeberin bzw. dem Auftraggeber festzulegen.
Ersthelferinnen und Ersthelfer müssen nicht zu Ihrem Betrieb gehören. Klären Sie mit dem auftraggebenden Betrieb, ob seine Ersthelferinnen und Ersthelfer auch Ihrem Betrieb zur Verfügung stehen und Sie die vorhandene Sanitätseinrichtungen und Erste-Hilfe-Materialien nutzen können.
Zeichnung: Feuerlöscher
Brandschutz- und Notfallmaßnahmen
Die in Abschnitt 2.1 beschriebenen Anforderungen gelten nur für Ihre Betriebsgebäude.
In den Objekten haben die Auftraggebenden für die Brandschutz- und Notfallmaßnahmen gesorgt. Ihre Aufgabe besteht darin, Ihre Beschäftigten im Rahmen der objektspezifischen Unterweisung mit diesen vertraut zu machen.
Gefährdungen durch Lärm
  • Bereits ab dem unteren Auslösewert von 80 dB (A) besteht eine mögliche Lärmgefährdung. Solche Lärmpegel sind am ehesten bei der Fassaden- und Industriereinigung zu erwarten.
  • In der Gebäudereinigung können folgende Bedingungen ein lärmbedingtes Gesundheitsrisiko darstellen:
  • Lärmintensive Arbeitsverfahren, lärmintensive Arbeitsmittel wie Hochdruckreinigungsgeräte
  • Umgebungslärm, der durch lärmintensive Maschinen oder Arbeiten des Auftraggebenden entsteht oder der durch andere zeitgleich tätige Betriebe erzeugt wird
Sorgen Sie dafür, dass Sie Arbeitsmittel, z. B. Hochdruckreiniger, mit möglichst geringem Schalldruckpegel in dB(A) bereitstellen. Informationen erhalten Sie bei Ihren Lieferanten bzw. aus der Betriebsanleitung.
Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten bereits ab Erreichen des unteren Auslösewertes von 80 dB (A) über das Thema Lärm und über die Verwendung von geeignetem Gehörschutz. Ab 80 dB (A) ist den Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten und ab 85 dB (A) ist diese zu veranlassen.
Zeichnung: Person mit Stethoskop
Spezielle Arbeitsmedizinische Maßnahmen
Arbeiten Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bereichen mit besonderer Infektionsgefahr (Krankenhäuser, Einrichtungen der Tiermedizin, Pflegeeinrichtungen), sind neben der „Ersten Hilfe“ auch besondere arbeitsmedizinische Maßnahmen (z. B. Impfangebote) zu organisieren.
Hautreinigung und Hautpflege
Bei Reinigungsarbeiten erfolgt in der Regel eine Hautbelastung durch Gefahrstoffe und/oder das Tragen von enganliegenden Handschuhen. Deshalb ist auf eine besondere Pflege der Haut zu achten. Ggf. ist ein Hautschutzplan (Hautreinigung/Hautpflege) zu erstellen. Beim längeren Tragen von dicht abschließenden Handschuhen hat sich das Tragen von Baumwollhandschuhen unter dem eigentlichen Schutzhandschuh zum Aufnehmen des Schweißes bewährt.
Stellen Sie sicher, dass Waschgelegenheiten sowie geeignete und möglichst milde Hautreinigungsmittel zur Verfügung stehen.
Hände sollten nach der Reinigung sorgfältig, auch in den Fingerzwischenräumen abgetrocknet werden. Die Hautreinigung sollte zum Arbeitsende, bei Pausenbeginn und bei Verschmutzung erfolgen. Die Hautreinigung stellt immer eine Hautbelastung dar und ist auf das erforderliche Maß zu reduzieren. Nach der Reinigung der Haut sollte diese mit einem Hautpflegemittel eingecremt werden.
Planungspflichten der der Bauherren bzw. Planenden
Bauherren und Planende werden durch entsprechende Gesetze, Baustellenverordnung und Bauordnungen verpflichtet, alle baulichen und technischen Vorrichtungen so zu planen, dass Reinigungsarbeiten an und in Gebäuden ohne Gefährdung ausgeführt werden können. Die dafür erforderlichen sicherheitstechnischen Einrichtungen für Gebäudereinigungsarbeiten müssen in der „Unterlage für spätere Arbeiten“ zusammengestellt sein. Diese ist dem Bauenden bzw. der Betreiberfirma zu übergeben.
Die Unterlage soll insbesondere enthalten:
  • Angaben über den Zugang zu den Arbeitsplätzen,
  • Angaben zur Erreichbarkeit der zu reinigenden Flächen, auch unter dem Aspekt der Absturzgefahr sowie
  • Hinweise zum sicheren Arbeiten sowie zur richtigen Nutzung der Arbeitsmittel enthalten sein.
Die Unterlage dient der sicheren und gesundheitsgerechten Durchführung der Reinigungsarbeiten. Fordern Sie diese daher bei Ihrer Kundschaft ein.
Betriebliche Organisation im Objekt
Fassen Sie alle relevanten Informationen zur Gewährleistung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in der Objektmappe zusammen. (Siehe hierzu die Checklisten im Anhang)
Mutterschutz
Im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen müssen Sie vor Aufnahme der Tätigkeit die Gefährdungen nach Art, Ausmaß und Dauer beurteilen, denen eine schwangere oder stillende Frau oder ihr Kind ausgesetzt sein könnten oder sind. Unter Berücksichtigung des Ergebnisses der Gefährdungsbeurteilung ist zu ermitteln, ob für diesen Personenkreis voraussichtlich keine Schutzmaßnahmen erforderlich sein werden, eine Umgestaltung der Arbeitsbedingungen erforderlich sein wird oder eine Fortführung der Tätigkeit der Frau an diesem Arbeitsplatz nicht möglich sein kann. Sie dürfen eine schwangere oder stillende Frau nur diejenigen Tätigkeiten ausüben lassen, für die Sie die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen haben.
Ferner müssen Sie die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass Gefährdungen einer schwangeren oder stillenden Frau oder ihres Kindes möglichst vermieden werden und eine unverantwortbare Gefährdung ausgeschlossen wird.