3.8   Industriereinigung

In der Industriereinigung werden Reinigungsleistungen an und im direkten Umfeld von Produktionsanlagen in Betrieben erbracht, in denen Güter und Waren industriell produziert oder verarbeitet werden. Gefährdungen ergeben sich insbesondere durch die Anlagen und Anlagenumgebung der Auftraggebenden.
Abb. 72 Reinigung Förderbandanlage
 Reinigung Förderbandanlage
Abb. 73 Anlage gegen Einschalten gesichert
 Anlage gegen Einschalten gesichert
Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
Piktogramm für Information
Weitere Informationen
  • DGUV Information 203-006 „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen“
  • DGUV Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“
  • DGUV Information 212-016 „Warnkleidung“
  • DGUV Information 213-002 „Hitzearbeit: Erkennen – beurteilen – schützen“
  • Fachthema „Hautschutz bei der Arbeit“, BG BAU Abr. Nr.: 717
  • Gefahrstoffdatenbanksysteme (z. B. WINGIS unter www.wingis.de)
  • Baustein-Merkheft der BG BAU, Abrufnr. 406: „Gebäudereiniger“
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Bei Reinigungsarbeiten an Produktionsanlagen selbst sowie in deren Umfeld können sich folgende Gefährdungen ergeben:
  • Stoßen, Einquetschen und Einziehen von Körperteilen in Maschinen, Schneiden an scharfkantigen Gegenständen
  • Angefahren- und Überfahren werden durch Betriebsverkehr
  • Gefahr des Absturzes bei Arbeiten in Höhen, z. B. von Maschinen
  • Stolpern, Rutschen, Stürzen auf glatten, feuchten Stand- und Laufflächen, auch auf Maschinen und Anlagen
  • Verätzungen, Vergiftungen, Brand- und Explosionsgefährdung durch Gefahrstoffe in Reinigungsmitteln oder aus dem Produktionsprozess
  • Stromschlag durch Berühren von spannungsführenden Teilen
  • Einschränkung durch räumliche Enge, z. B. Zwangshaltung, schwer zugängliche Bereiche
  • Lärm
  • Hitze (z. B. in Gießereien)
  • unzureichende bzw. fehlende Beleuchtung
  • Lärm durch laufende Anlagen
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Informationen zur sicheren Reinigung von Maschinen bzw. Anlagen entnehmen Sie der Betriebsanleitung der Herstellerfirma oder der Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung des Betriebes, in dem Sie tätig sind.
Stoßen, Quetschen, Schneiden
Vermeiden von manuellen Tätigkeiten durch Einsatz geeigneter Arbeitsverfahren, z. B. Strahlverfahren.
Stellen Sie sicher, dass Maschinen außer Betrieb gesetzt werden und die unbeabsichtigte Inbetriebnahme verhindert wird.
Teile, die vor unbeabsichtigter Bewegung gesichert werden sollen, blockieren.
Tragen von Schutzhandschuhen, die vor Schnittverletzungen schützen, z. B. Kettenhandschuhe in fleischverarbeitenden Betrieben bei Arbeiten an Cuttermessern.
Angefahren- und Überfahren werden
Tragen Sie dafür Sorge, dass gekennzeichnete Wege genutzt werden und ggf. Warnkleidung getragen wird.
Abb. 74 Gefährlicher Verkehrsweg
 Gefährlicher Verkehrsweg
Absturz
Führen Sie Reinigungsarbeiten von Arbeitsplätzen aus durch, die mit Seitenschutz gesichert sind. Oder verwenden Sie Arbeitsmittel wie Podestleitern, Fahrgerüste oder Arbeitsbühnen. Sollten Arbeiten unter Verwendung von PSA gegen Absturz ausgeführt werden müssen, prüfen Sie, ob geeignete Anschlagpunkte vorhanden sind.
Stolpern, Rutschen, Stürzen
Sorgen Sie dafür, dass Schuhwerk getragen wird, welches den Arbeitsplatzerfordernissen entspricht, z. B. im Hinblick auf Rutschhemmung, Chemikalienresistenz.
Gefahrstoffe
Der oder die Auftraggebende hat Sie über Gefahrstoffquellen in seinem Betrieb und spezifische Verhaltensregeln zu informieren. Kann eine Gefährdung Ihrer Beschäftigten durch solche Gefahrstoffe nicht ausgeschlossen werden, so sind bei der Durchführung Ihrer Gefährdungsbeurteilung und bei der Erstellung der Betriebsanweisung die Angaben des Betriebes, indem Sie tätig sind, zu berücksichtigen und die Schutzmaßnahmen mit ihm abzustimmen.
In der Industriereinigung kommen Reinigungsmittel zum Einsatz, die zu einer erhöhten Gefährdung führen können. Informieren Sie sich z. B. anhand der Angaben im Sicherheitsdatenblatt über die gefährlichen Eigenschaften des Produkts und die Vorgaben der Herstellerfirma zu Schutzmaßnahmen. Berücksichtigen Sie bei der Festlegung geeigneter Schutzmaßnahmen das angewendete Arbeitsverfahren (z. B. Sprühverfahren) sowie die Arbeitsumgebung und -bedingungen, z. B. Raumgröße, Lüftungsverhältnisse, Gefahrstoff- oder Zündquellen in der Umgebung.
Brand- und Explosionsgefährdung
Informieren Sie sich beim Auftraggebenden über mögliche betriebliche Brand- und Explosionsgefährdungen und unterweisen Sie ggf. Ihre Beschäftigten über die Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln.
Werden entzündbare Reinigungsmittel eingesetzt, sind die Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz mit den Auftraggebenden abzustimmen.
Maßnahmen können sein:
  • Verbot des Rauchens oder anderer Zündquellen, wie nicht explosionsgeschützte Werkzeuge oder Maschinen
  • Industrietücher, die zur Aufnahme von Ölen und Lösungsmitteln eingesetzt werden, in verschließbaren Metallbehältern sammeln und entsorgen
  • für ausreichende Belüftung sorgen
Strom
Zu reinigende Anlagen oder Maschinen in Absprache mit dem Kundenbetrieb vom speisenden Stromnetz trennen, z. B. durch Netzstecker ziehen oder mit dafür vorgesehenem Schalter ausschalten und vor unbeabsichtigter Wiederinbetriebnahme sichern.
Wählen Sie die elektrischen Betriebsmittel anhand der Anforderungen der Arbeitsumgebungen aus (z. B. ex-geschützt, strahlwassergeschützt, staubdicht).
Räumliche Enge
Planen Sie entsprechend der Aufgabe und des Einsatzes die Reinigungsarbeiten. Legen Sie alle relevanten Angaben schriftlich fest, also Angaben zu
  • den durchzuführenden Maßnahmen
  • den erforderlichen Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Schutz gegen Einziehen)
  • der Festsetzung von beweglichen Maschinenteilen
  • einzusetzender PSA
  • vorgesehenen Notfallmaßnahmen
  • Verantwortlichkeiten
Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten hinsichtlich der besonderen Gefährdungen und Vorsichtsmaßnahmen bei Arbeiten in räumlicher Enge, ggfs. auch anhand der Betriebsanleitungen von Anlagen.
Lärm
Sorgen Sie für ausreichende Gehörschutzmittel und veranlassen Sie die erforderlichen Lärmvorsorgen. Informationen zu den Lärmbereichen liefert der Betrieb, in dem Sie tätig werden.
Hitze
Eine ausreichende Getränkeaufnahme (mindestens 2,5 l täglich) trägt wesentlich zur Herabsetzung der Hitzebeanspruchung bei. Sorgen Sie dafür, dass häufiges Trinken möglich ist.
Beleuchtung
Prüfen Sie, ob eine ausreichend hohe Beleuchtungsstärke nach Art der Tätigkeit beziehungsweise des Raumes oder Bereiches vorhanden ist. Ist ein zusätzlicher Einsatz von Beleuchtungsmitteln erforderlich, sind diese nach den Einsatzbedingungen auszuwählen.