3.5   Glasreinigung

Die Glasreinigung beinhaltet sowohl die Reinigung von einzelnen Fenstern als auch von ganzen Glasfassaden und -dächern. Man unterscheidet zwischen der Reinigung der Glasscheiben, der Rahmen und der Falze. Gefährdungen können sich z. B. aus den Arbeitshöhen, den Arbeitsmaterialien und den eingesetzten Reinigungsmitteln ergeben.
Abb. 63 Reinigen mit entmineralisiertem Wasser
 Reinigen mit entmineralisiertem Wasser
Abb. 64 Zulässiger Standplatz Fensterbank
 Zulässiger Standplatz Fensterbank
Abb. 65 Befahranlage
 Befahranlage
Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
Piktogramm für Information
Weitere Informationen
  • DGUV Information 201-018 „Handbetriebene Arbeitssitze“
  • DGUV Information 203-006 „Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen“
  • DGUV Information 203-085 „Arbeiten unter der Sonne“
  • DGUV Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“
  • DGUV Information 208-019 „Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen“
  • Baustein-Merkheft „Gebäudereiniger“, BG BAU Abr. Nr. 406
  • DIN 4426:2017-01 „Einrichtungen zur Instandhaltung baulicher Anlagen – Sicherheitstechnische Anforderungen an Arbeitsplätze und Verkehrswege – Planung und Ausführung“
  • DIN EN 795:2012-10 „Persönliche Absturzschutzausrüstung – Anschlageinrichtungen“
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Bei der Glasreinigung können insbesondere folgende Gefährdungen auftreten:
  • Absturz von hochgelegenen Arbeitsplätzen wie Leitern, Dächer, Fensterbänke und Fassadenbefahranlagen
  • Durchsturz durch nicht begehbare Bauteile wie Glasdächer, Lichtplatten, Glaszwischendecken
  • Verletzungen durch Klingen in Glasschabern
  • Verletzungen durch herabfallende Arbeitsgeräte
  • Körperliche Belastung bei Arbeiten mit stangengeführten Glasreinigungssystemen
  • Reizung oder Entfettung der Haut durch Tätigkeiten mit Reinigungsmitteln
  • Gefährdung durch betrieblichen oder öffentlichen Fahrzeugverkehr
  • Klima (Kälte/Hitze)
Abb. 66 Reinigung vom Boden aus ohne Absturzgefahr
 Reinigung vom Boden aus ohne Absturzgefahr
Zeichnung: zwei Zahnräder
Maßnahmen
Absturz
Wählen Sie ein Arbeitsverfahren, bei dem keine Absturzgefahr besteht (Teleskopstangen, stangengeführtes Reinigungssystem).
Sorgen Sie dafür, dass Arbeiten auf hochgelegenen Arbeitsplätzen sicher ausgeführt werden. Fensterbänke dürfen nur betreten werden, wenn sie tragfähig und mindestens 25 cm breit sind. Absturzsicherungen (Seitenschutz/Umwehrung) können festinstalliert oder mobil sein. Sie müssen zudem grundsätzlich mindestens 1,00 m hoch sein. Diese Forderung ist auch erfüllt, wenn Seitenschutz angebracht ist, der dem örtlich geltenden Baurecht entspricht.
Die Höhe der Umwehrungen darf bei Brüstungen bis auf 0,80 m verringert werden, wenn die Tiefe mindestens 0,20 m beträgt.
Setzen Sie nur geprüfte Arbeitsmittel ein. Besonders geeignet sind Hubarbeitsbühnen oder Fahrgerüste. Achten Sie auf den sicheren Aufbau.
Beachten Sie insbesondere:
  • bei Hubarbeitsbühnen die schriftliche Beauftragung der fachkundigen Bediener bzw. Bedienerinnen,
  • bei Fahrgerüsten die erforderliche Prüfung durch eine zur Prüfung befähigte Person,
  • bei Fassadenbefahranlagen und Hubarbeitsbühnen nur eingewiesene Personen einsetzen,
  • bei handbetriebenen Arbeitssitzen ausschließlich Höhenarbeiterinnen und -arbeiter einsetzen,
  • bei Leitereinsätzen die Nutzungsbeschränkungen einhalten
Sorgen Sie dafür, dass der Bereich unterhalb von hochgelegenen Arbeitsplätzen gesichert ist. Wenn Absturzsicherungen (Umwehrung) aus arbeitstechnischen Gründen nicht möglich sind, soll Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) verwendet werden. Achten Sie darauf, dass nur geeignete und sachkundig geprüfte (mindestens einmal jährlich) PSAgA zum Einsatz kommt. Sie darf nur an tragfähigen Bauteilen (6 KN bei einer Person) oder geeigneten Anschlageinrichtungen (nach DIN EN 795) befestigt werden.
Sorgen Sie dafür, dass die Befestigungen für die PSAgA festgelegt sind und der Anseilschutz benutzt wird. Die Verbindungsmittel (Seile, Bänder) dürfen nicht über scharfe Kanten beansprucht werden. Führen Sie praktische Übungen zur bestimmungsgemäßen Verwendung der PSAgA und zur Rettung durch.
An Arbeitsplätzen und Verkehrswegen auf Dächern mit weniger als 22,5° Neigung kann auf Absturzsicherung verzichtet werden, wenn in mindestens 2 m Abstand von der Absturzkante eine Absperrung, z. B. mit einer Kette, angebracht ist. Glasdächer dürfen nur betreten werden, wenn diese nachweislich betretbar sind. An Öffnungen, Lichtkuppeln und Lichtbändern kann auf Absturzsicherungen verzichtet werden, wenn diese mehr als 50 cm aus der Fläche herausragen.
Für nicht betretbare Bauteile wie Lichtplatten, Staubdecken und Verglasungen müssen tragfähige Arbeitsplätze und Verkehrswege mit mindestens 50 cm Breite und Absturzsicherungen nach innen vorhanden sein.
Mechanische Gefährdung
Sorgen Sie beim Aufstellen und Betrieb der Hubarbeitsbühnen dafür, dass Quetschungen und Anstoßen vermieden werden.
Ersetzen Sie Glashobel möglichst durch Sicherheitsschaber.
Abb. 67 Entfernen eines Aufklebers mit Sicherheitsschaber
 Entfernen eines Aufklebers mit Sicherheitsschaber
Körperliche Belastung
Wirken Sie andauernden Belastungen wie bei Arbeiten mit stangengeführten Glasreinigungssystemen durch Wechsel der Abläufe entgegen.
Prüfen Sie den Einsatz ergonomischer Hilfen wie Tragegestelle und Prismenbrillen.
Umgang mit Reinigungsmitteln und Feuchtarbeit
Glasreiniger werden in der Regel stark verdünnt eingesetzt. Die Gefährdung durch Hautkontakt ist gering. Sprühprodukte (Pumpsprays), die nicht großflächig verwendet werden, kommen konzentriert zur Anwendung. Die unverdünnten Produkte können die Augen und die Haut reizen.
Bei Tätigkeiten mit unverdünnten Produkten und bei längerfristigen Tätigkeiten (über zwei Stunden pro Tag) mit verdünnten Reinigungsflotten, sollten Schutzhandschuhe (z. B. aus Naturlatex, Nitril oder Polychloropren) getragen werden. Wenn Hautkontakt durch den Einsatz von Werkzeugen wie Fensterwischer oder Einwascher verhindert wird, sind Schutzhandschuhe nicht erforderlich.
Das Tragen von Atemschutz ist bei der Glasreinigung – auch bei Pumpsprays – nicht erforderlich.
Verkehrsgefährdung
Holen Sie vor dem Einsatz von Arbeitsmitteln, wie Hubarbeitsbühnen oder Fahrgerüsten, in öffentlichen Verkehrsbereichen eine behördliche Genehmigung ein.
Stimmen Sie Sicherungsmaßnahmen – auch für den innerbetrieblichen Verkehr – mit dem oder der Auftraggebenden ab.
Stellen Sie sicher, dass Ihre Beschäftigten für Verkehrsbeteiligte immer gut sichtbar sind (Warnwesten).
Klima
Sorgen Sie bei Hitze für ausreichende Flüssigkeit; bei Sonneneinwirkung für UV-Schutz durch Kleidung und Sonnenschutzmittel.