3.1.5   Psychische Belastungen

Die psychische Belastung der Beschäftigten verändert sich auch in der Gebäudereinigung aufgrund neuer Arbeitsanforderungen. Im Arbeitsalltag sind eng gesetzte Zeitvorgaben einzuhalten, das Arbeitstempo steigt bei gleichzeitig hohen Qualitätsansprüchen an das Arbeitsergebnis. Die Arbeitsgestaltung muss unter Berücksichtigung der psychischen Belastungsfaktoren so gewählt werden, dass die Beschäftigungsfähigkeit der Belegschaft und somit die Produktivität des Unternehmens erhalten bleibt.
Abb. 28 Stärken des Zusammenhalts

Stärken des Zusammenhalts
Symbol: Paragraf
Rechtliche Grundlagen
Piktogramm für Information
Weitere Informationen
Zeichnung: Pylon
Gefährdungen
Psychische Belastung ist neutral definiert als „die Gesamtheit aller Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“ (gemäß DIN EN ISO 10075-1:2018-01). Diese Einflussfaktoren wirken sich individuell auf den Beschäftigten aus und können ihn positiv beanspruchen (z. B. aktivieren, herausfordern) oder ihn negativ beanspruchen (z. B. überfordern, unterfordern).
Unter Belastung versteht man objektive, von außen auf den Menschen einwirkende Faktoren wie z. B. Lärm, Zeitdruck oder widersprüchliche Erwartungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Abb. 29 Entspannte Unterweisung

Entspannte Unterweisung
Unter Beanspruchung versteht man die subjektiven (individuellen) Folgen dieser Belastung.
Gefährdungen für die Gesundheit der Belegschaft resultieren aus den Folgen der negativen psychischen Beanspruchung (Fehlbeanspruchung). In diesem Fall werden einzelne Belastungsfaktoren (z. B. Zeitdruck, Unterbrechungen im Arbeitsablauf) zum Stressor und die Beanspruchung der Person äußert sich als Stressreaktion. Dauerhafter Stress kann sich psychisch und dadurch auch körperlich auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten auswirken.
Arbeitsbedingte psychische Belastung kann, je nach Art der Tätigkeit (z. B. Objektleitung, Reinigungskraft), entstehen durch Einflüsse aus der
  • Arbeitsaufgabe, z. B.
    • zu wenig Handlungsspielraum
    • Monotonie der Aufgaben
    • hoher Entscheidungsdruck
    • fehlende Informationen zu Anforderungen und Erwartungen
    • unklare Anforderungen an Objektleitung, die zudem von unterschiedlichen Seiten gestellt werden
  • Arbeitsorganisation, z. B.
    • Zeitdruck
    • Nachtarbeit
    • häufige Arbeitsunterbrechungen
    • häufiger kurzfristiger Ausfall von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Arbeitsumgebung, z. B.
    • Alleinarbeit
    • ekelerregende Verschmutzungen
oder auch aus den
  • sozialen Beziehungen, z. B.
    • Betriebsklima, Konflikte unter Beschäftigten oder mit Vorgesetzten
    • Fehlende Anerkennung im Betrieb
    • Konflikte mit der Kundschaft
    • fehlende gesellschaftliche Wertschätzung
  • Der Grad der Gefährdung variiert in Abhängigkeit von
    • Art, Häufigkeit und Intensität der auftretenden Fehlbelastung/Stressoren
    • individuellen Leistungsvoraussetzungen und (Stress-)Bewältigungsstrategien der Person, auch Ressourcen genannt,
    • Gegebenheiten im Betrieb im Hinblick auf die Arbeitsgestaltung und -organisation.
Zeichnung: Zahnräder
Maßnahmen
  • Optimierung der Belastungsfaktoren hinsichtlich der Arbeitsaufgabe/-inhalt
    • Erhöhung des Handlungsspielraumes bzgl. Arbeitsverfahren, Reihenfolge der Tätigkeiten etc.
    • eindeutige Entscheidungswege und Kompetenzen
  • Eine optimierte Arbeitsorganisation
    • Vertretungsmanagement
    • Tourenplanung
    • flexible Arbeitszeiten
    • Ursachen für Unterbrechungen beseitigen
    • Aspekte der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Arbeitszeiteinteilung/Objektverteilung berücksichtigen
    • Bei Nachtarbeit kürzere Arbeitsabschnitte zwischen den Pausen
  • Eine optimierte Arbeitsumgebung
    • Teamarbeit oder Leistungserbringung während der Nutzungszeit
    • Bereitstellung von geeigneten Arbeitsgeräten und -maschinen
  • Förderung der sozialen Beziehungen
    • positives Feedback geben
    • Kritik konstruktiv und in angemessener Form äußern
    • persönliche Ansprache ermöglichen (z. B. Namensschilder)
Zeichnung: Daumen nach oben
Stärkung der Ressourcen (Verhaltensprävention) z. B.
  • durch Einarbeitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Schulungsangebote
  • Fortbildung zur Wissenserweiterung (z. B. Konfliktmanagement, Produktschulung, Förderung der Sozialkompetenzen, Stressbewältigung)
Abb. 30 Stressabbau

Stressabbau