3.7   Innerbetrieblicher Arbeitsschutz

3.7.1   Auswahl der Versicherten

Jeder Betrieb, in dem gefährliche oder besonders gefährliche Tiere gehalten werden, muss über eine ausreichende Anzahl von Tierpflegern, mindestens jedoch über einen während der Betriebszeit anwesenden Tierpfleger verfügen. Eine Abweichung hiervon ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig. Der zuständige Unfallversicherungsträger ist hiervon schriftlich zu benachrichtigen.
Die Ausnahme ist zu begrenzen auf die Person, den Betrieb und die zu betreuenden Tierarten. Grundvoraussetzung für die Abweichung ist eine langjährige Erfahrung des Versicherten und gleichwertige Kenntnisse bezogen auf die zu betreuende Tierart in diesem Betrieb.
Während der Arbeit in Bereichen mit gefährlichen oder besonders gefährlichen Tieren muss der Unternehmer oder ein von ihm bestellter Aufsicht Führender im Betrieb anwesend sein.
Aufsicht Führer ist, wer die Durchführung von Arbeiten zu überwachen und für die arbeitssichere Ausführung zu sorgen hat. Er muss hierfür ausreichende Kenntnisse und Erfahrung besitzen sowie weisungsbefugt sein.
In Bereichen, in denen gefährliche oder besonders gefährliche Tiere gehalten werden, dürfen nur Versicherte beschäftigt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.
Jugendliche können in Bereichen beschäftigt werden, in denen gefährliche oder besonders gefährliche Tiere gehalten werden, soweit dies zur Erreichung ihres Ausbildungszieles in der Berufsausbildung erforderlich ist und ihr Schutz durch die ständige Aufsicht eines Fachkundigen gewährleistet ist.
Für die Haltung von Gifttieren dürfen nur speziell ausgebildete Tierpfleger eingesetzt werden.

3.7.2   Erste Hilfe

Es ist dafür zu sorgen, dass für die Durchführung von Leistungen der Ersten Hilfe Ersthelfer in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen.
Abweichend von der vorgeschriebenen Mindestanzahl ist diese zu erhöhen, wenn z. B. durch die räumlichen Verhältnisse im Betrieb, zur Sicherstellung einer Ersten Hilfe dies erforderlich ist.
Eine höhere Anzahl kann z. B. bei weit auseinander liegenden Revieren erforderlich sein.
Offene Wunden sind sofort zu versorgen.
Zu den offenen Wunden zählen auch Kratzer und Schürfwunden.
Mit Arbeiten in der Haltung von Gifttieren dürfen nur Tierpfleger beschäftigt werden, die eine Ersthelferausbildung erhalten haben und zusätzlich für die Erstversorgung nach Gifteinwirkung unterwiesen sind.
Siehe auch Anhang 7 „Alarmplan Giftschlangenbiss“.
Bei der Ausbildung in der Ersten Hilfe sind zusätzliche Kenntnisse über die Erstversorgung bei Verletzungen, die aus besonderen Gefährdungen resultieren, zu vermitteln.
Besondere Gefährdungen resultieren z. B. aus folgenden Arbeiten:
  • Taucherarbeiten,
  • Umgang mit Chemikalien,
  • Arbeiten in Wasseraufbereitungsanlagen.

3.7.3   Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen sind in verständlicher Form und Sprache zu erstellen. Sie sollen mindestens enthalten:
  • Anwendungsbereich,
  • Gefahren für Mensch und Umwelt,
  • Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln,
  • Verhalten bei Störungen,
  • Verhalten bei Unfällen und Maßnahmen der Ersten Hilfe,
  • Prüfung, Wartung und Instandhaltung,
Hinweise zur Durchführung von Prüfungen sind in Abschnitt 3.7.6 enthalten.
  • Regelungen zum Genuss von Alkohol, Medikamenten und anderen berauschenden Mitteln.
Die Betriebsanweisungen sind den Versicherten bekannt zu machen und an geeigneten Stellen gut sichtbar auszulegen oder auszuhängen.
Die Versicherten haben die Betriebsanweisung zu beachten.
Beispiele für Betriebsanweisungen siehe Anhang 4, 5 und 6. Die Muster-Betriebsanweisungen sind den betrieblichen Gegebenheiten anzupassen!

3.7.4   Unterweisungen

Die Versicherten sind über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren sowie über die Maßnahmen zu ihrer Abwendung vor der Aufnahme der Beschäftigung und danach in angemessenen Zeitabständen, mindestens jedoch einmal jährlich zu unterweisen.
Zur Unterweisung gehören z. B. auch Brandschutzübungen und Übungen besonderer Alarmfälle. Betriebsanweisungen sind für Unterweisungen zu nutzen.
Die Unterweisungen sind schriftlich zu dokumentieren.
Es sollen Inhalt der Unterweisung und Teilnehmer an der Unterweisung dokumentiert werden.
Fußnote § 12 Biostoffverordnung
Hinweis zum Querverweis:
Die gewünschte Publikation wurde am 15.07.2013 abgelöst. Die neuen Inhalte weichen deutlich von den alten Inhalten ab.
Hier geht's weiter zur Publikation BioStoffV.
Fußnote § 9 Betriebssicherheitsverordnung
Hinweis zum Querverweis:
Die gewünschte Publikation wurde am 03.02.2015 abgelöst. Die neuen Inhalte weichen deutlich von den alten Inhalten ab.
Hier geht's weiter zur Publikation BetrSichV.

3.7.4   Besondere Regelungen für den Alarmfall

Es sind Alarmpläne aufzustellen, insbesondere für
  • das Verhalten bei Bränden,
  • das Einfangen freigekommener Tiere,
  • die Einwirkung von Tiergiften,
  • die Durchführung von Bergungsarbeiten bei Unfällen,
  • die Behebung von Fahrzeugdefekten in Durchfahrgehegen.
Die Alarmpläne regeln den Ablauf der zu treffenden Maßnahmen, den Einsatz der Personen und Mittel und berücksichtigen zusätzliche Gefahren. Erforderliche Maßnahmen sind tierspezifisch aufzuführen.
Die Alarmpläne sind mit den Hilfe bringenden Stellen, wie z. B. Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei abzustimmen und auf aktuellem Stand zu halten.
Voraussetzung für den geregelten Ablauf des Alarmplanes ist, dass der Unternehmer oder ein von ihm bestellter Aufsicht Führer jederzeit erreichbar ist.
Beispiele für Alarmpläne siehe Anhang 7, 8 und 9.
Es sind Einrichtungen vorzuhalten, damit im Alarmfall die Versicherten informiert werden können.
Die Art der Einrichtung, z. B. Sprechfunk, Mobilfunkgerät, Eurosignalempfänger, Lautsprecheranlage oder Leuchtzeichen ist abhängig von der Größe und Übersichtlichkeit des Betriebes.

3.7.6   Prüfungen, Kontrollen

Gehegeeinfriedungen der Sicherheitsstufe III, II, I, A, T und D sind täglich durch Sichtkontrollen zu prüfen.
Es ist dafür zu sorgen, dass in Gehegen der Sicherheitsstufe III, II, I, T und D Funktionskontrollen der Schließvorrichtungen, Schieber und Sicherungen regelmäßig durchgeführt werden.
Die Dokumentation der Prüfergebnisse in einem Prüfbuch wird empfohlen.
Festgestellte Mängel an Gehegeeinfriedungen, Schließvorrichtungen, Schiebern oder Sicherungen von Gehegen der Sicherheitsstufe III, II, I, A, T und D sind unverzüglich zu beseitigen.