4.2.4   Technische Lüftung

4.2.4.1

Durch technische Lüftung der Lösemitteldurchlauftrockner muss sichergestellt sein, dass bei vorschriftsmäßiger Beschickung und normalem störungsfreiem Betrieb einschließlich An- und Abfahren der Anlage – sowie gegebenenfalls Betrieb einer Waschanlage – im Trocknerkanal eine höchstzulässige Lösemitteldampfkonzentration von 50 % der UEG oder 20 g/m3 nicht überschritten wird. Die erforderliche Luftmenge bzw. die höchstzulässige Lösemittelmenge muss der in Anhang 1 aufgeführten Berechnungsgrundlage entsprechen. Für die Messpunkte müssen die Forderungen des Abschnittes 4.2.8 beachtet sein.
Dies wird erreicht, wenn Lösemitteldurchlauftrockner
  • ohne Drosselklappen in der Zu- und Abluft mit dem nach Anhang 1 ermittelten Mindestabluft-Volumenstrom betrieben werden,
  • mit Drosselklappen in der Zu- und Abluft und nicht verschließbaren Restöffnungen, z. B. Bypass bzw. Drosselklappenkonstruktion derart, dass der Leitungsquerschnitt sich nicht völlig verschließen lässt, nur so betrieben werden können, dass der nach Anhang 1 ermittelte Mindestabluft-Volumenstrom bei voll zugefahrenen Drosselklappen sichergestellt ist,
  • mit Drosselklappen in der Zu- und Abluft ohne Restöffnungen (völlig verschließbare Restöffnungen ohne Bypass) durch eine Gaswarneinrichtung nach Abschnitt 4.2.8 überwacht werden.
Die höchstzulässige Lösemitteldampfkonzentration wird nicht überschritten, wenn bei Lösemitteldurchlauftrocknern an Offsetmaschinen,
  • die mit Waschanlagen ausgerüstet sind, die Lösemittelmengen, die sowohl aus der Druckfarbe als auch aus dem Reinigungsvorgang (mit Waschanlage) in den Lösemitteldurchlauftrockner gelangen, bei der Berechnung berücksichtigt werden,
  • mit mehreren Lösemitteldurchlauftrockner-Sektionen unter verschiedenen Produktionsbedingungen das unterschiedliche Verhalten der in den Druckfarben enthaltenen Lösemittel und der beim Waschen und Reinigen benutzten Lösemittel berücksichtigt wird.

4.2.4.2

Der Bemessung der technischen Lüftung ist der Wert von 50 % der UEG zugrunde zu legen, wenn bekannt ist, welche Lösemittel in den Lösemitteldurchlauftrockner eingebracht werden.

4.2.4.3

Ist bei Lösemittelgemischen (Zubereitungen) die UEG nicht bekannt, muss zur Feststellung der geforderten Lüftung von der UEG des Lösemittels ausgegangen werden, dessen UEG den niedrigsten Wert hat.

4.2.4.4

Ist die UEG der Lösemittel nicht bekannt, muss die Lüftung unter Zugrundelegung der Lösemitteldampfkonzentration von maximal 20 g/m3 (20 °C; 1013 mbar) bemessen werden.

4.2.4.5

Bei Lösemitteldurchlauftrocknern mit Beheizung, z. B. Gasflammen im Umluftkanal, deren Heizflächen- oder Heizlufttemperatur oberhalb der Grenztemperatur liegt, darf die Lösemitteldampfkonzentration unmittelbar vor der Beheizung 25 % der UEG – auch bei Betriebsstörungen – nicht überschreiten können.

4.2.4.6

Die Wandungen der Trocknerkanäle und der Lüftungsleitungen des Lösemitteldurchlauftrockners müssen zur Durchführung von Kontrollmessungen mit verschließbaren Durchbrüchen (Öffnungen) versehen sein, die es gestatten, den Ort bzw. die Orte der repräsentativen Lösemitteldampfkonzentration festzustellen.
Siehe auch Abschnitt 4.2.8.2.

4.2.4.7

Die einzelnen Abluft- und Umluft-Volumenströme von Lösemitteldurchlauftrocknern müssen, soweit für den Explosionsschutz von Bedeutung, durch Strömungswächter überwacht sein. An integrierten Lösemitteldurchlauftrocknern von Druckmaschinen ist die Überwachung des statischen Druckes als Schutzmaßnahme ausreichend.
Strömungswächter sind z. B. Windfahnenrelais, Staudruckmesser.

4.2.4.8

Wird der Mindestabluft- oder Mindestumluft-Volumenstrom unterschritten oder die jeweilige betriebsmäßig höchstzulässige Lösemitteldampfkonzentration überschritten, muss dies durch eine Warneinrichtung akustisch und optisch deutlich wahrnehmbar angezeigt werden und die Beheizung muss sich selbsttätig abschalten. Ein zunächst eingeleiteter Langsamgang ist zulässig, wenn dadurch keine Gefahren auftreten. Die Abschaltung der Beheizung ist nicht erforderlich, wenn bei Beheizung mit einem Wärmeträger die Heizflächen- oder Heizlufttemperatur auch bei Betriebsstörungen die Grenztemperatur nicht überschreiten kann.

4.2.4.9

Transporteinrichtungen von Lösemitteldurchlauftrocknern dürfen nur eingeschaltet werden können, wenn Abluft- und Umluft-Volumenströme die Mindestwerte überschritten haben. Dies gilt nicht für das Einziehen trockener Bahnen.

4.2.4.10

Die technische Lüftung von Lösemitteldurchlauftrocknern muss so beschaffen sein, dass während des Betriebes an Stellen, an denen der Trocknerkanal über nicht verschließbare Öffnungen (Einlauf- und Auslauföffnungen) mit dem Arbeitsraum in Verbindung steht, stets ein Unterdruck herrscht.

4.2.4.11

An Lösemitteldurchlauftrocknern ist als Zuluft nur Frischluft zulässig. Abweichend hiervon darf auch Luft aus dem Aufstellungsraum sowie aus anderen Bereichen angesaugt werden, wenn unter Berücksichtigung einer möglichen Vorbelastung der Luft mit Lösemitteldämpfen die in Abschnitt 4.2.4.1 festgelegten Bedingungen eingehalten sind.

4.2.4.12

Lösemitteldurchlauftrockner müssen so eingerichtet sein, dass die Abgase der Beheizung und die lösemittelhaltige Abluft gefahrlos abgeführt werden. Abgas- und Abluftführungen müssen auf ihrem ganzen Weg voneinander getrennte Abzüge haben. Satz 2 gilt nicht bei direkter Beheizung sowie für eine nachgeschaltete Verbrennungs- bzw. Rückgewinnungsanlage.

4.2.4.13

Das Betätigen einer Not-Befehlseinrichtung darf nicht zum Unterbrechen des Abluft- oder Umluft-Volumenstromes führen, wenn durch das Unterbrechen die Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre zu erwarten ist. Dies gilt nicht für in Druckwerke integrierte Lösemitteldurchlauftrockner.