4.3   Ausrüstung

Zur Ausrüstung gehören alle Gegenstände, die zur Funktion des Arbeitsmittels zum szenischen Bewegen von Personen erforderlich sind. Diese Gegenstände müssen die erforderlichen Sicherheitsanforderungen nachhaltig erfüllen und dürfen die Funktion des Arbeitsmittels nicht negativ beeinflussen. Dies können z. B. Zubehörteile sowie Anschlagmittel und Personenaufnahmemittel sein.

4.3.1   Anschlagmittel

Anschlagmittel sind nicht zum maschinentechnischen Arbeitsmittel gehörende Einrichtungen, die eine Verbindung zwischen Lastaufnahmemittel (z. B. Laststange) und Last oder Lastaufnahmemittel und Personenaufnahmemittel (z. B. ein Flugkorsett) herstellen.
Abb. 3 Schienensystem und Laufwagen für manuelles Fliegen von Personen

Schienensystem und Laufwagen
für manuelles Fliegen von Personen
© Fa. HOAC
Allgemeine Anforderungen an Anschlagmittel:
  • alle Verbindungen müssen formschlüssig sein,
  • Anschlagmittel dürfen maximal mit der Hälfte der bekannten Tragfähigkeit (z. B. WLL) belastet werden, (wenn die Mindestbruchkraft angegeben ist, muss dieser Wert durch den erforderlichen Betriebskoeffizienten dividiert werden, um die maximal zulässige Tragfähigkeit zu erhalten),
  • Anschlagmittel, bei denen die Werte der Tragfähigkeit für das Halten von Lasten über Personen nachgewiesen sind, sind nach den Herstellerangaben zu verwenden,
  • Drahtseile müssen die Anforderungen nach DIN EN 12385-1, DIN EN 12385-2 und DIN EN 12385-4 erfüllen,
  • mit Kunststoff beschichtete Drahtseile dürfen nur mit besonderer Sorgfalt (z. B. Nachvollziehbarkeit für die Eignung) verwendet werden,
  • Seilendverbindungen dürfen nicht mit Drahtseilklemmen hergestellt werden,
  • Seilendverbindung müssen so ausgeführt sein, dass ihr Zustand durch Besichtigung prüfbar bleibt,
  • dynamische oder statische Chemiefaserseile müssen den Normen DIN EN 892 oder DIN EN 1891 entsprechen,
  • andere Kunstfaserseile (z. B. Aramid, Technora oder Dyneema) dürfen nur mit Nachweis der für den sicheren Einsatz erforderlichen Eigenschaften (z. B. Temperaturbeständigkeit) verwendet werden,
  • Bungeeseile sind mit einer Sekundärsicherung auszustatten. Hierzu eignet sich z. B. ein seilumfassender Strumpf, der beim Versagen des Bungeeseiles die maximale Fallhöhe und den Fangstoß sicher begrenzen.
Abb. 4 Schematische Darstellung eines maschinellen Antriebes für ein Flugwerk
 Schematische Darstellung eines maschinellen Antriebes für ein Flugwerk
© Fa TTS Syke
Darüber hinaus gilt, dass
  • Anschlagmittel aus Werkstoffen bestehen, deren Eigenschaften den Umgebungseinflüssen (z. B. hinsichtlich Temperatur, UV-Strahlung, Feuchtigkeit) sicher standhalten,
  • Drahtseilösen nur geeignet sind, wenn sie mit eingelegter Kausche versehen werden,
  • Seil- und Spannschlösser nur auf Zug beansprucht werden und gegen unbeabsichtigtes Lösen gesichert sind,
  • Rundstahlketten nur verwendet werden, wenn sie nach der Normenreihe der DIN EN 818 „Kurzgliedrige Rundstahlketten für Hebezwecke“ geprüft und entsprechend gekennzeichnet sind,
  • Anschlagmittel nicht über scharfe Kanten geführt sind,
  • selbstschließende, selbstverriegelnde oder manuell verriegelbare Verbindungselemente gemäß DIN EN 362 „Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Verbindungselemente“ verwendet werden,
  • Verbindungselemente nach DIN EN 354 „Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz; Verbindungsmittel“ verwendet werden,
  • Falldämpfer nach DIN EN 355 „Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz – Falldämpfer“ verwendet werden,
  • Verbindungselemente nach DIN EN 12275 „Bergsteigerausrüstung – Karabiner- Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren“ verwendet werden oder
  • für Notfälle geeignete Ausrüstung, z. B. nach DIN EN 341 „Persönliche Schutzausrüstung – Abseilgeräte zum Retten“ zur Verfügung steht.
Weitere Hinweise sind in der DGUV Information 215-313 „Lasten über Personen“ enthalten.

4.3.2   Personenaufnahmemittel

Als Personenaufnahmemittel werden beispielsweise Arbeitssitze, Auffanggurte, Rettungs-, Sicherungs-, Gleitschirmflieger-, Fallschirmspringer- oder Kletterausrüstungen eingesetzt, die ggf. für szenische Zwecke adaptiert und gegebenenfalls speziell für den Einsatz in der Branche hergestellt wurden. Dekorationsteile zum Fliegen von Personen (z. B. Gondeln, Schiffe, Ballonkörbe) gelten ebenfalls als Personenaufnahmemittel. Auch spezifische, für Stunts bei Film- und Fernsehproduktionen entwickelte Personengurte, können für den Einsatz in Flugwerken geeignet sein.
Bei der Auswahl des Personenaufnahmemittels ist die Eignung für die beim Flug vorgesehene Körperlage (z. B. aufrecht, liegend, Bauch- oder Seitenlage, ggf. auch Kopf tiefer als der Rumpf, Saltos) zu beachten. Für die verwendeten Ausrüstungen müssen Herstellerinformationen und ggf. Konformitätserklärungen des Herstellers z. B. entsprechend der Maschinenverordnung (9. ProdSV) vorliegen.
Abb. 5 Gurtzeug im Einsatz
 Gurtzeug im Einsatz
© Pedro Malinowski
Bei Sonderanfertigungen empfiehlt es sich, eine Beratung durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztin bzw. den Betriebsarzt in Anspruch zu nehmen. Die Eignung des Personenaufnahmemittels ist festzustellen und zu dokumentieren. Zur Auswahl von Personenaufnahmenmittel, siehe Anhang 5.
Die Herstellerinformationen (technische Unterlagen) sind zu berücksichtigen.
Aus dem Bergsport stammende Ausrüstungen müssen das UIAA-Safety Label (Union Internationale des Associations d´Alpinisme) tragen.
Materialien, die aus dem Luftsportbereich (z. B. Fallschirmspringer, Hängegleiter) stammen, sollten von einer durch das Luftfahrtbundesamt anerkannten Prüfstelle zugelassen sein.
Änderungen am Personenaufnahmemittel sowie ein Austausch von Einzelteilen gegen nicht vom Hersteller mitgelieferte Zubehörteile dürfen nur in Abstimmung mit dem Hersteller durchgeführt werden. Zusätzliche Näharbeiten, aber auch Farbaufträge am Personenaufnahmemittel, können die Festigkeit und die Gebrauchsfähigkeit schädigen.
Fluggeschirre, Flugkorsette und ggf. auch Gurtzeug sind in der Regel nicht geeignet, Stürze oder Sprünge aufzufangen. Ein freier Fall (ab 0,5 m Höhe) mit einem ungedämpften Auffangen durch das Gurtzeug muss aufgrund der hohen impulshaltigen Fangstoßkräfte, die bei ungünstigem Sitz des Gurtzeuges z. B. zu schweren Wirbelsäulenverletzungen führen können, ausgeschlossen sein. Durch den Einsatz von Falldämpfern entsprechend DIN EN 355 muss gewährleistet werden, dass die Fangstoßkraft 6 kN nicht übersteigt. Bei der Verwendung von falldämpfenden Elementen muss immer der freie Sturzraum beachtet werden, da diese sich, um Energie aufzunehmen, verlängern.
Der Einsatz von Personenaufnahmemitteln (z. B. Auffanggurte), die vom Verwender für szenische Zwecke adaptiert wurden, wird in der Regel von den zugehörigen Herstellerinformationen nicht erfasst. In diesem Fall ist die Eignung des Personenaufnahmemittels für den vorgesehenen Zweck von einer dafür qualifizierten und beauftragten Person zu bewerten, siehe auch Anhang 5.
Hinweis: Das ausgewählte Personenaufnahmemittel darf nur eingesetzt werden, wenn die mit Leitung und Aufsicht der Arbeiten beauftragte Bühnen- und Studiofachkraft im Rahmen der eigenständigen Wahrnehmung ihrer Führungs- und Fachverantwortung aus Sicherheitsgründen keine Einwände dagegen erhebt.
Abb. 6 Im Kostüm integriertes Gurtzeug
 Im Kostüm integriertes Gurtzeug
© Thomas M. Jauk, StagePicture