Anhang 8
Kriterien für die Ablegereife von Ausrüstungen

Faserseile
Anschlag-Faserseile sind während des Gebrauchs auf augenfällige Mängel hin zu beobachten. Werden folgende Mängel festgestellt, die die Sicherheit beeinträchtigen, sind die Anschlag-Faserseile der weiteren Benutzung zu entziehen (siehe DGUV Regel 109-006 „Gebrauch von Anschlag-Faserseilen“):
1. Bei Naturfaserseilen (Ma, Ha)
  • Bruch einer Litze,
  • mechanische Beschädigungen, starker Verschleiß oder Auflockerungen,
  • Herausfallen von Fasermehl beim Aufdrehen des Seiles,
  • Schäden infolge feuchter Lagerung oder Einwirkung aggressiver Stoffe,
  • Garnbrüche in großer Zahl, z. B. mehr als 10 % der Gesamtgarnzahl im am stärksten beschädigten Querschnitt,
  • Lockerung der Spleiße.
2. Bei Chemiefaserseilen (PA, PP, PES)
  • Bruch einer Litze,
  • Garnbrüche in großer Zahl, z. B. mehr als 10 % der Gesamtgarnzahl im am stärksten beschädigten Querschnitt,
  • starke Verformung infolge von Wärme, z. B. durch innere oder äußere Reibung, Wärmestrahlung,
  • Lockerung der Spleiße,
  • Schäden infolge der Einwirkung aggressiver Stoffe.
Gurtbänder aus Chemiefasern
Mängel am Gurtband
  • Einschnitte oder Garnbrüche von mehr als zehn Prozent des Band-Querschnittes
  • Kanteneinschnitte und Einkerbungen
  • Einschnitte über die gesamte Gurtbandbreite
  • Beschädigte Nähte oder eine Beschädigung der anderen Verbindungselemente
  • Wärmebedingte Verformungen des Gurtbandes (z. B. einseitige Längung durch Reibung oder Beleuchtungseinrichtungen)
  • Schäden, die durch aggressive Stoffe wie Chemikalien verursacht wurden (z. B. fühlbare Verhärtungen)
  • Beschädigung der Ummantelung oder der Vernähung bei Gurtbändern aus endlos gelegten Chemiefasern
  • Nicht vorhandenes/nicht lesbares Kennzeichenetikett
Mängel am Verbindungselement
  • Brüche oder Risse des Verbindungselementes
  • Eine Aufweitung des Hakenmauls, die mehr als fünf Prozent beträgt
  • Weitere grobe Verformungen des Verbindungselementes
  • Starke, funktionsbeeinträchtigende Korrosion des Verbindungselementes
Stahlseile und Seilendverbindungen
Generell müssen Seile dann abgelegt werden, wenn Zweifel an der Beurteilbarkeit der Ablegereife vorliegen. Zudem kann in diesen Fällen der Hersteller des Seiles zur weiteren Klärung hinzugezogen werden. Da Seile keine dauerfesten Elemente sind und somit eine begrenzte Lebensdauer besitzen, muss der Zustand der Seile in regelmäßigen Abständen überwacht werden. Hierbei ist auf Ablegekriterien zu achten, die in der DGUV Regel 109-005 „Gebrauch von Anschlag-Drahtseilen“ sowie im Detail in DIN ISO 4309:2013-06 „Krane – Drahtseile – Wartung und Instandhaltung, Inspektion und Ablage“ beschrieben sind.
Zudem ist vom Unternehmer bzw. die Unternehmerin zu prüfen, ob für seine vorliegende Seilanwendung zusätzliche Ablegekriterien, evtl. vom Hersteller des Seiltriebes, zu beachten sind. Sollte eines der im Folgenden genannten Ablegekriterien auftreten, so ist das Seil unverzüglich abzulegen. Sollte der Zustand eines Seiles, abweichend von den hier genannten Ablegekriterien, als gefährlich betrachtet werden, so ist das Seil unverzüglich abzulegen. Im Einzelnen gelten u. A. die folgenden Auffälligkeiten als Ablegekriterien:
  • Verstreut auftretende Drahtbrüche bis zum Erreichen der Ablegedrahtbruchzahlen nach DIN ISO  4309 – Auftreten von Drahtbruchnestern
  • Bruch einer Litze – Auftreten von mind. zwei Drahtbrüchen in den Litzentälern oder an Berührpunkten zwischen zwei Litzen innerhalb einer Schlaglänge
  • Korkenzieherartige Verformungen: Auf einem geraden Seilabschnitt, der niemals durch oder um eine Seilscheibe läuft oder auf eine Trommel aufwickelt, beträgt der Abstand zwischen einer geraden Fläche und der Unterseite der Helix 1/3 x d (Anm.: d = Seildurchmesser) oder mehr.
  • Korkenzieherartige Verformungen: Auf einem geraden Seilabschnitt, der durch eine Seilscheibe läuft oder auf eine Trommel aufwickelt, beträgt der Abstand zwischen einer geraden Fläche und der Unterseite der Helix 1/10 x d (Anm.: d = Seildurchmesser) oder mehr.
  • Korbbildung
  • Heraustretende oder verformte Einlage bzw. Litze
  • Austreten einzelner oder mehrerer Drähte aus dem Seil
  • Schlaufenbildung
  • Lokale Erhöhung des Seildurchmessers bei Seilen mit Stahleinlage um 5 % oder mehr oder bei Seilen mit Fasereinlage um 10 % oder mehr
  • Abgeplattete Seilabschnitte: Je nach Ausprägung der Abplattung ist eine Seilablage zu erwägen.
  • Verringerung des Seildurchmessers im Vgl. zum Durchmesser des neuen Seiles um mehr als 5 %. Voraussetzung hierfür ist eine gleichmäßige Verringerung des Durchmessers.
  • Klanke oder zugezogene Seilschlinge: Seile mit einer Klanke oder einer zugezogenen Seilschlinge sind unverzüglich abzulegen.
  • Knicke im Seil
  • Beschädigung durch Hitzeeinwirkung oder Lichtbögen; bläuliche Verfärbungen auf Grund von Hitzeeinwirkung; gebrochene oder geschmolzene Drähte auf Grund von Hitzeeinwirkung
  • Lockerung des gesamten Gefüges des Seiles
  • Korrosion: Drahtoberfläche ist korrodiert bzw. Korrosionsstaub tritt aus dem Seilinneren aus.
In der Praxis können innerhalb eines Seilabschnitts ein einzelnes Ablegekriterium oder mehrere Ablegekriterien erfüllt sein. Sind mehrere Ablegekriterien jeweils zu 100 % erfüllt, so ist das Seil unverzüglich abzulegen. Sind mehrere Ablegekriterien teilweise, aber nicht zu 100 % erfüllt, so muss vom Prüfer ein Schweregrad der jeweiligen Ablegereife in Prozent bestimmt werden. In diesem Fall müssen die einzelnen Schweregrade in Prozent aufsummiert werden. Ist die Summe der einzelnen Schweregrade der Ablegereife in Prozent größer oder gleich 100, so ist das Seil abzulegen. In Einzelfällen müssen unter Umständen, abweichend von den o. g. Ablegekriterien, strengere Maßstäbe für das Ablegen eines Seiles angesetzt werden. Dies kann vor allem bei gehäuftem Auftreten von Drahtbrüchen innerhalb einer Litze oder bei für das Seil ungünstigen Umgebungseinflüssen der Fall sein. Im Zweifelsfall sollte der Hersteller des Seiles oder ein Sachverständiger zur weiteren Klärung herangezogen werden.
Stahlketten
Nach Erreichen der nachfolgenden beispielhaften Kriterien aus DGUV Regel 109-004 „Rundstahlketten als Anschlagmittel in Feuerverzinkereien“ sind die Ketten der weiteren Benutzung zu entziehen:
  • Bruch eines Kettengliedes,
  • Anrisse, Oberflächenverletzungen oder festigkeitsbeeinträchtigende Korrosionsnarben von mehr als 10 % des noch vorhandenen Kettendurchmessers,
  • Längung, auch einzelner Kettenglieder, um mehr als 5 %,
  • Abnahme der Glieddicke an irgendeiner Stelle auf die nächstkleinere genormte Dicke,
  • Verformung eines Kettengliedes, z. B. Verbiegung um mehr als 10 % des noch vorhandenen Kettendurchmessers.