Anhang 4
Beispiel einer Gefährdungsbeurteilung für eine Versenkeinrichtung

Hinweis: Das nachfolgende Beispiel einer Gefährdungsbeurteilung für eine Versenkeinrichtung liefert ergänzende Hinweise zu den in Anhang 2 der DIN 56950-01 enthaltenen Beispielen zu Gefährdungen, Gefährdungssituationen und Gefährdungsereignisse an maschinentechnischen Einrichtungen und muss an die Gegebenheiten am Einsatzort angepasst werden.
Nr.GefährdungsfaktorKennzeichnende MerkmaleBeispiele möglicher Maßnahmen
1. Mechanische Gefährdungen
1.1Ungeschützt bewegte MaschinenteileFür Personen oder Material können bei Zugänglichkeit der Versenkeinrichtungen im Normalbetrieb oder bei Inspektionsarbeiten Quetsch-, Scher-, Schneid-, Aufwickel- und Einzugstellen entstehen.
  • Konstruktive Maßnahmen des Herstellers, wie z. B. Verkleidungen oder Umwehrung der Gefahrstellen fordern.
  • Fahren der Versenkeinrichtung nur bei Beobachtung der Gefahrstellen ermöglichen.
  • Einbau zusätzlicher Sicherungen, wie z. B. Scherkantensicherungen in Form von Schaltleisten oder Abweisern.
  • Ständige Möglichkeit des Anhaltens im Notfall sicherstellen.
  • Kennzeichnung der Gefahrstellen bei allen Beleuchtungsverhältnissen.
  • Organisatorische Maßnahmen, wie z. B. Begrenzung der Anzahl von Personen und Begrenzung der Abmaße des transportierten Materials.
  • Vorkehrungen gegen unbeabsichtigtes Anfahren treffen, wie z. B. Installation eines Schlüsselschalters, Eingrenzung der zum Fahren berechtigten Personen, Warnung beim Anfahren, freigehaltener Raum zum Schutz oder Aufenthalt des Inspektionspersonals.
  • Einweisung der die Versenkeinrichtung benutzenden Personen, Proben und Einüben des Nutzens. Erstellen und Bekanntmachen von
  • Betriebsanweisungen in verständlicher Form und Sprache.
  • Unterweisung des Bedienpersonals.
1.2Teile mit gefährlichen OberflächenVerletzungsgefahr an Ecken, Kanten, Spitzen
  • Konstruktive Maßnahmen des Herstellers einfordern.
  • Bei Inspektionsarbeiten nur ausreichend befähigtes Personal einsetzen, Schutzausrüstung (z. B. Handschuhe, Anstoßkappen) zur Verfügung stellen.
1.3Unkontrolliert bewegte TeileKippende, rollende oder von der Versenkeinrichtung herabfallende Teile
  • Festlegung zulässiger Eigenschaften der bewegten Teile (z. B. Vorhandensein einer Radbremse von Wagen).
  • Sicherung der Last (z. B. Verzurrung), Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit.
  • Ständige Beobachtung der Last.
1.4Sturz auf der EbeneAusrutschen, Stolpern, Umknicken, Fehltreten
  • Hubboden frei von Stolperstellen halten; Fugenmaß von 2 cm beachten.
  • Trittbereich ausreichend beleuchten.
  • Der Situation angemessenes Schuhwerk tragen.
  • Personen einweisen, Gebrauch proben/üben.
1.5AbsturzAbsturz von der Versenkeinrichtung oder der Umgebung
  • Konstruktive Maßnahmen des Herstellers, wie z. B. Absturzsicherungen am Hubboden, einfordern.
  • Absturzstellen an Versenkeinrichtungen bei Auf-, Ab- und Umbau und während der Veranstaltung mit geeigneten Sicherungen versehen oder absperren (z. B. Steckgeländer, Seile, Lasergitter o. Ä.).
  • Unbefugte Personen von der Bühne/Szenenfläche verweisen.
  • Für das rechtzeitige Schließen der Schieber sorgen.
  • Personen unterweisen/einweisen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
  Absturz, Versagen der Tragmittel oder der Triebwerke
  • Zulässige Nutzlasten beachten.
  • Tragmittel, insbesondere die verschleißbehafteten Tragmittel, und Triebwerke regelmäßig überprüfen lassen.
2. Elektrische Gefährdungen
2.1Gefährliche KörperströmeBerühren betriebsmäßig unter Spannung stehender Teile, Berühren leitfähiger Teile, die im Fehlerfall Spannung annehmen können, unzulässige Annäherung an spannungsführende Teile über 1 kV
  • Anschluss der Versenkeinrichtung an die elektrische Versorgung und Arbeiten an der elektrischen Anlage der Versenkeinrichtung nur durch Elektrofachkräfte vornehmen lassen.
  • Regelmäßige Überprüfung der elektrischen Anlage durch Elektrofachkräfte durchführen lassen (siehe auch DGUV Vorschrift 3 bzw. 4).
2.2StörlichtbogenIsolationsdurchbrüche durch Schalthandlungen unter Last, Überbrückungen, Überspannungen, Alterung, Verschmutzung, klimatische Bedingungen
  • Anschluss der Versenkeinrichtung an die elektrische Versorgung und Arbeiten an der elektrischen Anlage der Versenkeinrichtung nur durch Elektrofachkräfte vornehmen lassen.
  • Regelmäßige Überprüfung der elektrischen Anlage durch Elektrofachkräfte vornehmen lassen (siehe auch DGUV Vorschrift 3 bzw. 4).
  • Elektrische Anlage vor Feuchtigkeit oder Verschmutzung schützen.
2.3FeuchtigkeitEinsatz von Wasser im Rahmen einer Inszenierung
  • Bei einem großflächigen Einsatz von Wasser über Spielflächen mit elektrisch gesteuerten Versenkeinrichtungen sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich, wie z. B. Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom von ≤ 30 mA.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/ Wunschvorsorge) organisieren.
2.4Gefährliche KörperströmeÜbertragung gefährlicher Körperströme auf leitende Gegenstände
  • Für besondere Aufbauten auf Versenkeinrichtungen (z. B. zusätzliche Drehbühnen auf Podien) müssen besondere Schutzmaßnahmen, wie z. B. ein zusätzlicher örtlicher Potenzialausgleich, getroffen werden.
3. Gefahrstoffe
3.1Gase, Dämpfe, Aerosole, Flüssigkeiten, Feststoffe mit gefährlichen EigenschaftenExplosionsgefährliche, brandfördernde, hochentzündliche, leichtentzündliche, entzündliche, sehr giftige, giftige, gesundheitsschädliche, ätzende, reizende, sensibilisierende, krebserzeugende, fortpflanzungs­ge­fähr­den­de, erbgutverändernde oder umweltgefährliche Betriebsstoffe
  • Anhand der Herstellerunterlagen über mögliche Gefahrstoffe informieren, die als Betriebsstoffe, z. B. in den Triebwerken oder in der Hydraulik, eingesetzt sein könnten.
  • EG-Sicherheitsdatenblatt der Stoffe anfordern und die darin enthaltenen Schutzmaßnahmen treffen.
  • Betriebsanweisungen für den Umgang mit den Stoffen erlassen.
  • Personen, die mit dem Gefahrstoff Kontakt haben könnten, unterweisen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
4. Biologische Gefährdung
4.1Infektionsgefahr durch Mikroorganismen und VirenNicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen, deren Vorhandensein und Identität oft unerkannt bleiben.
  • Anhand der Herstellerunterlagen informieren, ob (z. B. auf Grund eines eingesetzten Kühlmittels, in dem sich Keime bilden können) eine biologische Gefährdung möglich ist. Gegebenenfalls Desinfektionsmittel einsetzen oder Medien regelmäßig austauschen.
  • Bühnenbereich sauber halten.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
5. Brand- und Explosionsgefährdung
5.1Brandgefährdung durch Feststoffe, Flüssigkeiten, GaseGgf. durch Gefahrstoffe (siehe oben) begünstigt.
  • Siehe 3.1
  • Die in der DGUV Vorschrift 17 bzw. 18 vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen (z. B. Verbot von Feuer und offenem Licht, Sauberkeit) einhalten.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
6. Thermische Gefährdungen
6.1Thermische GefährdungenKontakt mit heißen Medien
  • Anhand der Herstellerunterlagen informieren, ob betriebsbedingt bestimmte Teile der Versenkeinrichtung eine höhere Temperatur annehmen.
  • Bei Inspektionsarbeiten nur ausreichend befähigtes Personal einsetzen, ggf. Schutzausrüstung (z. B. geeignete Handschuhe) zur Verfügung stellen.
7. Gefährdungen durch spezielle physikalische Einwirkungen
7.1LärmLärmemission, störende (z. B. hoch- oder niederfrequente) Geräusche durch Antriebe oder Bewegungen
  • Lärmemissionsangabe des Herstellers einfordern.
  • Lärmquellen möglichst kapseln/einhausen.
  • Aufenthalt in Lärmbereichen möglichst vermeiden.
  • Persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung stellen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
7.2VibrationenSchädigung der Versenkeinrichtung durch Vibrationen, Ganzkörper- oder Teilkörperschwingungen beim Menschen
  • Durch Instandhaltung der Versenkeinrichtung, ihrer bewegten Teile und ihrer Steuerung für einen vibrationsarmen Betrieb sorgen.
  • Ggf. dämpfende Elemente einsetzen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
8. Gefährdung/Belastung durch Arbeitsumgebungsbedingungen
8.1KlimaWärme, Luftfeuchtigkeit und Luftgeschwindigkeit, insbesondere in den Betriebsräumen der Versenkeinrichtung
  • Lüftung, Begrenzung des Aufenthalts in den Betriebsräumen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebot/Wunschvorsorge) organisieren.
8.2BeleuchtungBeleuchtungsstärke, Blendung, Erkennbarkeit
  • Anpassen der Beleuchtungsstärke.
8.3Raumbedarf/Ver­kehrs­wegeAbmaße der Räume und der Verkehrswege in Abhängigkeit der durchzuführenden Arbeiten
  • Auslagern von Material.
  • Ausreichender Schutzraum unter der Versenkeinrichtung.
  • Verkehrswege freihalten.
9. Physische Belastung/Arbeitsschwere
9.1Physische Belastung/Arbeits­schwerehohe Körperkräfte, ungünstige Körperhaltung, einseitige Bewegungen, insbesondere bei Instandhaltungsarbeiten an der Versenkeinrichtung
  • Beurteilung durch Beobachten/Befragen der Beschäftigten ermitteln und ggf. durch technische/bauliche Maßnahmen (Einsatz von Maschinen, Hebevorrichtungen) oder organisatorische Maßnahmen (z. B. Erholungszeiten, Arbeitsplatzwechsel) Abhilfe schaffen.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
10. Wahrnehmbarkeit und Handhabbarkeit
10.1Informations­auf­nahmeSichtbarkeit und Hörbarkeit von Informationen, Unterscheidbarkeit von Informationen, Verständlichkeit von Zeichen, Symbolen, Piktogrammen, Sinnfälligkeit zwischen der Gestaltung der Informationsmittel und dem Inhalt der Information
  • Beurteilung durch Befragung/Beobachtung der Beschäftigten ermitteln.
  • Technische Maßnahmen, wie z. B. Erhöhung der Intensität des Signals (optisch, akustisch), Anbringen sinnfälliger Erläuterungen und angepasster Instrumente (analog/digital) durch den Hersteller.
  • Organisatorische Maßnahmen wie Reduzierung der Störinformationen (z B. Verringerung der Hintergrundlautstärke, Verständigung durch abgesprochene Signale).
  • Persönliche Maßnahmen wie z. B. Unterweisung, Schulung und Training der Beschäftigten im Umgang mit der Anlage.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.
10.2Wahrnehmungs­um­fangHäufigkeit und Bedeutung der Informationen, Zeit zur Reaktion
  • Beurteilung durch Befragung/Beobachtung der Beschäftigten ermitteln.
  • Technische Maßnahmen durch den Hersteller, wie z. B. die Ausblendung nicht dauerhaft benötigter Informationen.
  • Organisatorische Maßnahmen, wie z. B. Abbau von Zeitdruck, zeitliche Optimierung der Abläufe.
  • Persönliche Maßnahmen, wie z. B. Unterweisung, Schulung und Training der Beschäftigten im Umgang mit der Anlage.
10.3Erschwerte Handhabbarkeit von ArbeitsmittelnRückmeldung über die Betätigung der Stellelemente, Sinnfälligkeit zwischen der Bewegung und der ausgelösten Wirkung, Anordnung der Stellteile, unbeabsichtigte Bewegung
  • Beurteilung durch Befragung/Beobachtung der Beschäftigten ermitteln.
  • Technische Maßnahmen, wie z. B. ein Austausch oder eine Umgruppierung der Stellelemente durch den Hersteller.
  • Verwendung von zu quittierenden Schaltern oder von Schlüsselschaltern.
  • Vorrichtung (z. B. Abdeckhaube) zum Schutz vor unbeabsichtigter Betätigung anbringen.
  • Persönliche Maßnahmen wie z. B. Schulung und Training der Beschäftigten im Umgang mit der Anlage.
11. Psychische Belastungen
11.1Arbeitsaufgabe und organisatorischer RahmenVerantwortung für die Sicherheit von Personen, Störungen im Arbeitsablauf, ausreichende Qualifikation für den Umgang mit der Versenkeinrichtung
  • Beurteilung durch Befragung/Beobachtung der Beschäftigten ermitteln.
  • Technische Maßnahmen zur Erhöhung des Schutzes von beförderten Personen und Material (siehe oben).
  • Organisatorische Maßnahmen, wie z. B. durch geänderte Arbeitsabläufe.
  • Klare Regelungen von Verantwortlichkeiten.
  • Persönliche Maßnahmen, wie z. B. Schulung und Training der Beschäftigten im Umgang mit der Anlage.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (als Angebots/Wunschvorsorge) organisieren.