Anhang 2
Gefährdungsbeurteilung

Vor der Verwendung der Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen sind die auftretenden Gefährdungen zu beurteilen und daraus notwendige und geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Arbeitsmittel dürfen erst verwendet werden, wenn
  • eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde,
  • die dabei ermittelten Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik getroffen sind und
  • festgestellt ist, dass die Verwendung der Arbeitsmittel nach dem Stand der Technik sicher ist.
Die Gefährdungsbeurteilung sollte grundsätzlich in mehreren Schritten erfolgen:
1.
Ermittlung der besonderen szenischen Darstellung (z. B. Versenkung, Flugwerk), die beurteilt werden muss
2.
Auswahl von fachlich geeigneten Personen für die Gefährdungsbeurteilung
3.
Ermittlung der Gefährdungen
4.
Bewertung des Risikos
5.
Auswahl von fachlich und körperlich geeigneten Personen für die Verwendung
6.
Ableitung von Schutzzielen
7.
Auswahl, Umsetzung und Überprüfung der Schutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit
8.
Dokumentation
9.
Unterweisung auf Basis der Gefährdungsbeurteilung
10.
Wirksamkeitskontrolle und regelmäßige Überprüfung
Bei der Gefährdungsbeurteilung ist insbesondere Folgendes zu berücksichtigen:
Aus­ru­fe­zei­chen
Die Arbeitsmittel müssen
 
  • für die Art des szenischen Einsatzes zum Bewegen von Personen geeignet sein; hierzu ist die systematische Risikobeurteilung des Herstellers des Arbeitsmittels mit den daraus abgeleiteten arbeitsmittelbezogenen Sicherheitshinweisen hilfreich.
  • den gegebenen szenischen Einsatzbedingungen und den vorhersehbaren Beanspruchungen angepasst sein; hierzu ist die generelle Gefährdungsbeurteilung für die Veranstaltung und Produktion unter Berücksichtigung der szenischen Anforderungen hinzuzuziehen.
  • die konstruktiven Schutzmaßnahmen und Sicherheitseinrichtungen erfüllen und über die erforderlichen Befehlseinrichtungen betrieben werden.
  • die Gebrauchstauglichkeit einschließlich der ergonomischen, alters- und alternsgerechten Gestaltung,
  • die sicherheitsrelevanten, einschließlich der ergonomischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren, Arbeitsorganisation, Arbeitsablauf, Arbeitszeit und Arbeitsaufgabe,
  • die physischen und psychischen Belastungen der Beschäftigten, die bei der Verwendung auftreten,
  • vorhersehbare Betriebsstörungen und die Gefährdung bei Maßnahmen zu deren Beseitigung.
Die Gefährdungsbeurteilung soll bereits vor der Auswahl begonnen werden und sich auf die wesentlichen Gefährdungen beschränken sowie die tatsächlichen Verhältnisse berücksichtigen. Dabei ist die Eignung des Arbeitsmittels für die geplante szenische Verwendung, den szenischen Ablauf und die Arbeits- und Veranstaltungsorganisation zu berücksichtigen.
Für die Gefährdungsbeurteilung sind z. B. folgende Informationen hilfreich:
  • Gebrauchs- und Betriebsanleitungen sowie
  • Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Beurteilung bzw. Vorsorge.
Die Gefährdungsbeurteilung ist unverzüglich zu aktualisieren, wenn
  • sicherheitsrelevante Veränderungen der Arbeitsbedingungen einschließlich der Änderung von Arbeitsmitteln dies erfordern,
  • neue Informationen, insbesondere Erkenntnisse aus dem Unfallgeschehen oder aus der arbeitsmedizinischen Beurteilung bzw. Vorsorge, vorliegen oder
  • die Prüfung der Wirksamkeit ergeben hat, dass die festgelegten Schutzmaßnahmen nicht wirksam oder nicht ausreichend sind.
Auswahl von Schutzmaßnahmen
Wenn aufgrund einer ermittelten Gefährdung Maßnahmen zur Minimierung von Risiken erforderlich sind, sind geeignete Schutzmaßnahmen auszuwählen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass technische Schutzmaßnahmen Vorrang vor organisatorischen haben, diese haben wiederum Vorrang vor personenbezogenen Schutzmaßnahmen. Grundsätzlich ist die Verwendung einer persönlichen Schutzausrüstung für jeden Beschäftigten auf das erforderliche Minimum zu beschränken (z. B. bei Absturzgefahren).
Technische Schutzmaßnahmen
Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen müssen sicher verwendet werden können. Das Konstruieren, Montieren und Installieren, Bedienen, An- oder Abschalten oder Einstellen, Gebrauchen, Instandhalten, Reinigen, Prüfen, Umbauen, Erproben, Demontieren, Transportieren und Überwachen hat unter Berücksichtigung der sicherheitsrelevanten Aufstellungs- und Umgebungsbedingungen nach dem Stand der Technik zu erfolgen. Arbeitsmittel, auch die selbst hergestellten, müssen den für sie geltenden Rechtsvorschriften über Sicherheit und Gesundheitsschutz entsprechen. Die ausreichende statische und dynamische Festigkeit ist nachzuweisen.
Es ist insbesondere dafür zu sorgen, dass
  • Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen, ihre Teile und die Verbindungen untereinander den Belastungen aus inneren und äußeren Kräften standhalten,
  • Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen Sicherungen der Verbindungen gegen Selbstlockern oder Selbstlösen, gegebenenfalls selbst verriegelnde Verbindungssysteme enthalten, dies bedeutet,
    • falsches Zusammensetzen ist ausgeschlossen,
    • Einstellmöglichkeiten sind nur dort vorgesehen, wo es unumgänglich ist,
    • die Einstellung von Ausrüstungsgegenständen können jeweils gegen unbeabsichtigte Veränderung gesichert werden,
    • dass alle Zubehörteile für Überprüfungen zugänglich sind,
  • ein Absturz von Beschäftigten als auch von Arbeitsmitteln zum szenischen Bewegen von Personen sicher verhindert wird,
  • Gefahrstellen an betriebsbedingt bewegten Einrichtungen gesichert sind,
  • bewegliche Einrichtungen und Teile, die betriebsbedingt betreten werden, Schutzvorrichtungen haben und so beschaffen sind, dass ein gefahrloses Betreten, Agieren und Verlassen möglich ist,
  • Einrichtungen vorhanden sind, die bei Auftreten eines Fehlers die bewegten Lasten zum Stillstand bringen können,
  • Systeme, bei denen die Bewegungsabläufe von elektronischen oder elektronisch programmierbaren Steuerungen abhängig sind, so ausgeführt sein müssen, dass ein Ausfall von Hard- oder Software einer Steuerung nicht zu einer Gefährdungssituation führt. Hierzu gehören auch sichere Funkverbindungen. Hilfestellung zur Gestaltung von sicherheitsbezogenen Teilen von Steuerungen siehe DIN EN ISO 13849-1/-2 und DIN EN 61508 bzw. DIN EN 61784-3 für sicherheitsrelevante Datenübertragung z. B. über Funk.
  • Splitter- oder Bruchgefahr und herabfallende oder herausschleudernde Gegenstände vermieden werden bzw. entsprechende Schutzeinrichtungen vorhanden sind,
  • Schutzmaßnahmen gegen Gefährdungen durch z. B. heiße Scheinwerfer, scharfe Ecken und Kanten oder raue Oberflächen getroffen werden,
  • Ausrüstungsgegenstände (z. B. Führungsseile) so angebracht sind, dass Gefährdungen vermieden werden,
  • sichere Zugänge zu Arbeitsplätzen und an Arbeitsmitteln zum szenischen Bewegen von Personen gewährleistet sind und ein gefahrloser Aufenthalt dort möglich ist,
  • die Bewegung von Teilen des Bühnenbodens, von Stegen oder Aufbauten an deren Zugängen mit unverwechselbarem und deutlich wahrnehmbarem Signal angezeigt werden.
Es ist dafür zu sorgen, dass
  • Schutz- und Sicherheitseinrichtungen
    • stabil gebaut sind,
    • sicher in Position gehalten werden,
    • die Eingriffe, die für den Einbau oder den Austausch von Teilen sowie für Instandhaltungsarbeiten erforderlich sind, möglichst ohne Demontage der Schutzeinrichtungen zu bewerkstelligen sind,
    • keine zusätzlichen Gefährdungen verursachen,
    • funktionsfähig sind und nicht auf einfache Weise manipuliert oder umgangen werden können,
    • die Beobachtung und Durchführung des Arbeitszyklus nicht mehr als notwendig einschränken.
  • Befehlseinrichtungen, die Einfluss auf die sichere Verwendung der Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen haben,
    • als solche deutlich erkennbar, außerhalb des Gefahrenbereichs angeordnet und leicht und ohne Gefährdung schnell erreichbar sind; ihre Betätigung darf zu keiner zusätzlichen Gefährdung führen,
    • sicher beschaffen und auf vorhersehbare Störungen, Beanspruchungen und Zwänge ausgelegt sind,
    • gegen unbeabsichtigtes oder unbefugtes Betätigen gesichert sind,
    • der Befehl zum Stillsetzen eines Arbeitsmittels zum szenischen Bewegen von Personen muss gegenüber dem Befehl zum Ingangsetzen Vorrang haben,
    • nach Betätigen des Not-Halts muss eine Wiederanlaufsperre für Fahrbefehle vorhanden sein,
    • Befehlseinrichtungen müssen selbsttätig in Nullstellung zurückgehen.
Organisatorische Schutzmaßnahmen
Es ist dafür zu sorgen, dass
  • vom jeweiligen Bedienungsort aus feststellbar ist, ob sich Personen oder Hindernisse im Gefahrenbereich befinden, oder dem Ingangsetzen muss ein automatisch ansprechendes Sicherheitssystem vorgeschaltet sein, das das Ingangsetzen verhindert, solange sich Personen im Gefahrenbereich aufhalten. Ist dies nicht möglich, müssen ausreichende Möglichkeiten zur Verständigung und Warnung vor dem Ingangsetzen vorhanden sein.
  • wenn im Einzelfall aus zwingenden Gründen Gefahrstellen nicht gesichert werden können, gewährleistet wird, dass
    • zwischen festen und beweglichen Teilen ein ausreichender Abstand vorhanden ist oder
    • zwischen der Steuerstelle und den bewegten Teilen Sicht- oder Sprechverbindung besteht.
  • erforderliche Sicherheits- und Schutzabstände eingehalten werden,
  • vorhandene Schutzeinrichtungen und zur Verfügung gestellte persönliche Schutzausrüstungen verwendet werden,
  • Personen bei der Verwendung der Schutzeinrichtungen und -ausrüstungen und die Informationen aus der Gefährdungsbeurteilung, der Betriebsanweisung, der Unterweisung sowie Kennzeichnungen und Gefahrenhinweise beachten,
  • bei besonderen Betriebszuständen, Betriebsstörungen und Unfällen geeignete Maßnahmen zum Erhalt von Leben und Gesundheit von Personen (z. B. Erste Hilfe) getroffen werden,
  • Maßnahmen getroffen werden, die verhindern, dass die sichere Verwendung durch äußere Einwirkungen (z. B. Witterungsverhältnisse) beeinträchtigt wird,
  • Personen, die einer besonderen Gefährdung (z. B. des Bewegungsapparates, Lärm, Hautgefährdung) ausgesetzt sind, ist eine arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten (als Angebotsvorsorge),
  • Personen, die einen Zusammenhang zwischen Gesundheitsstörungen und ihrem Einsatz in der szenischen Darstellung annehmen, sollten die Möglichkeit haben, sich im Rahmen einer arbeitsmedizinischen Vorsorge als Wunschvorsorge bei der Betriebsärztin bzw.-dem Betriebsarzt beraten zu lassen (entsprechend § 11 Arbeitsschutzgesetz sowie der § 5a Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge).
Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen kontrollieren
Die Wirksamkeit der im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgelegten Schutzmaßnahmen einschließlich der Maßnahmen für Not- oder Gefahrenfälle ist regelmäßig zu überprüfen. Dabei ist der Stand der Technik zu berücksichtigen. Soweit erforderlich, sind die Schutzmaßnahmen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln entsprechend anzupassen.
Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren
Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung sind zu dokumentieren. Dabei sind mindestens anzugeben:
  • die Gefährdungen, die bei der Verwendung der Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen auftreten,
  • die zu ergreifenden technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen,
  • Art und Umfang der erforderlichen Prüfungen sowie die Fristen der wiederkehrenden Prüfungen und die für die Prüfung befähigte Person,
  • das Ergebnis der Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen.
Die Dokumentation dient auch als Basis für die regelmäßige Unterweisung der am szenischen Fliegen beteiligten Personen. Diese sind insbesondere über Gefahren und festgelegte Maßnahmen einschließlich Notfallmaßnahmen aufzuklären. Sie kann auch in elektronischer Form vorgenommen werden.
Die Anhänge 3 und 4 enthalten beispielhafte Gefährdungsbeurteilungen für Arbeitsmittel zum szenischen Bewegen von Personen (z. B. Flugwerk, Versenkeinrichtung).
Die einzelnen Schritte zum Nachweis der Eignung eines Flugwerkes als sicheres Arbeitsmittel sind dafür in schematischer Darstellung im Anhang 1 beispielhaft aufgeführt.