4.3.2   Personenaufnahmemittel

Als Personenaufnahmemittel werden beispielsweise Arbeitssitze, Auffanggurte, Rettungs-, Sicherungs-, Gleitschirmflieger-, Fallschirmspringer- oder Kletterausrüstungen eingesetzt, die ggf. für szenische Zwecke adaptiert und gegebenenfalls speziell für den Einsatz in der Branche hergestellt wurden. Dekorationsteile zum Fliegen von Personen (z. B. Gondeln, Schiffe, Ballonkörbe) gelten ebenfalls als Personenaufnahmemittel. Auch spezifische, für Stunts bei Film- und Fernsehproduktionen entwickelte Personengurte, können für den Einsatz in Flugwerken geeignet sein.
Bei der Auswahl des Personenaufnahmemittels ist die Eignung für die beim Flug vorgesehene Körperlage (z. B. aufrecht, liegend, Bauch- oder Seitenlage, ggf. auch Kopf tiefer als der Rumpf, Saltos) zu beachten. Für die verwendeten Ausrüstungen müssen Herstellerinformationen und ggf. Konformitätserklärungen des Herstellers z. B. entsprechend der Maschinenverordnung (9. ProdSV) vorliegen.
Abb. 5 Gurtzeug im Einsatz
 Gurtzeug im Einsatz
© Pedro Malinowski
Bei Sonderanfertigungen empfiehlt es sich, eine Beratung durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztin bzw. den Betriebsarzt in Anspruch zu nehmen. Die Eignung des Personenaufnahmemittels ist festzustellen und zu dokumentieren. Zur Auswahl von Personenaufnahmenmittel, siehe Anhang 5.
Die Herstellerinformationen (technische Unterlagen) sind zu berücksichtigen.
Aus dem Bergsport stammende Ausrüstungen müssen das UIAA-Safety Label (Union Internationale des Associations d´Alpinisme) tragen.
Materialien, die aus dem Luftsportbereich (z. B. Fallschirmspringer, Hängegleiter) stammen, sollten von einer durch das Luftfahrtbundesamt anerkannten Prüfstelle zugelassen sein.
Änderungen am Personenaufnahmemittel sowie ein Austausch von Einzelteilen gegen nicht vom Hersteller mitgelieferte Zubehörteile dürfen nur in Abstimmung mit dem Hersteller durchgeführt werden. Zusätzliche Näharbeiten, aber auch Farbaufträge am Personenaufnahmemittel, können die Festigkeit und die Gebrauchsfähigkeit schädigen.
Fluggeschirre, Flugkorsette und ggf. auch Gurtzeug sind in der Regel nicht geeignet, Stürze oder Sprünge aufzufangen. Ein freier Fall (ab 0,5 m Höhe) mit einem ungedämpften Auffangen durch das Gurtzeug muss aufgrund der hohen impulshaltigen Fangstoßkräfte, die bei ungünstigem Sitz des Gurtzeuges z. B. zu schweren Wirbelsäulenverletzungen führen können, ausgeschlossen sein. Durch den Einsatz von Falldämpfern entsprechend DIN EN 355 muss gewährleistet werden, dass die Fangstoßkraft 6 kN nicht übersteigt. Bei der Verwendung von falldämpfenden Elementen muss immer der freie Sturzraum beachtet werden, da diese sich, um Energie aufzunehmen, verlängern.
Der Einsatz von Personenaufnahmemitteln (z. B. Auffanggurte), die vom Verwender für szenische Zwecke adaptiert wurden, wird in der Regel von den zugehörigen Herstellerinformationen nicht erfasst. In diesem Fall ist die Eignung des Personenaufnahmemittels für den vorgesehenen Zweck von einer dafür qualifizierten und beauftragten Person zu bewerten, siehe auch Anhang 5.
Hinweis: Das ausgewählte Personenaufnahmemittel darf nur eingesetzt werden, wenn die mit Leitung und Aufsicht der Arbeiten beauftragte Bühnen- und Studiofachkraft im Rahmen der eigenständigen Wahrnehmung ihrer Führungs- und Fachverantwortung aus Sicherheitsgründen keine Einwände dagegen erhebt.
Abb. 6 Im Kostüm integriertes Gurtzeug
 Im Kostüm integriertes Gurtzeug
© Thomas M. Jauk, StagePicture