4   Arbeitssicherheit und Ergonomie

Im folgenden Kapitel finden sich die Belange, die den Umgang mit dem Fahrzeug in dessen Eigenschaft als Arbeitsmittel betreffen. Dazu gehören die Reduzierung von Belastungen (Stichwort: Konditionssicherheit), die Anpassung des Fahrerarbeitsplatzes mit sämtlichen Bedienelementen an den (fahrenden) Menschen und das sichere Besteigen und Verlassen des Fahrzeugs. Gerade Stürze beim Auf- und Absteigen gehören zu den häufigsten Unfällen, da z. B. beim Fehlen von geeigneten Aufstiegen notgedrungen eher unsichere Wege gewählt werden müssen, um in das bzw. aus dem Fahrzeug zu gelangen.
Jeder kennt sicherlich mindestens einen solchen Vorfall aus dem eigenen Betrieb oder aus dem Bekanntenkreis. Und wenn man sich vorstellt, dass dies mehrere hundert Kilometer vom Betrieb entfernt passiert? Natürlich steht die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Mittelpunkt. Aber auch die Kosten, um diese „Störung“ in der Logistikkette wieder auszubügeln, können enorm sein.

4.1   Kabineneinstiege sicher und komfortabel

Ob ein Kabineneinstieg sicher und ergonomisch optimal gestaltet ist, zeigt sich vor allem im Auslieferungsbereich, wo die Fahrerin oder der Fahrer täglich dutzende Male ein- und aussteigen muss. Erfahrungen sind hier bessere Bewertungsfaktoren als die Einhaltung minimal oder maximal zulässiger Abmessungen nach straßenverkehrs- oder unfallverhütungsrechtlichen Anforderungen. Dennoch muss es Grenzmaße geben, die einzuhalten sind.
Was zeichnet einen sicheren, komfortablen Einstieg aus?
  • Auftritte müssen großflächig (Breite, Tiefe) sein.
  • Auftritte müssen in hohem Maße rutschhemmend sein. Wenn sie außen liegen und „bewittert“ werden, müssen sie einen Verdrängungsraum aufweisen (Roste, Lochbleche), damit z. B. Schnee oder Eis durchgedrückt werden kann.
  • Mehrere übereinanderliegende Auftritte sollten Treppencharakteristik aufweisen (jeweils die untere Stufe ragt weiter heraus als die obere).
  • Stufen müssen untereinander und mit dem zu erreichenden Innenraum etwa in einer Vertikalebene liegen.
  • Gut erreichbare, greiffreundlich gestaltete Haltegriffe sind notwendig.
  • Ein sicherer Einstieg ist beleuchtet (automatisch bei Türöffnung).

4.2   Sicherer Frontaufstieg

Dass die Frontscheibe sauber sein muss, weiß jeder. Zum gründlichen Reinigen muss man sie aber auch vernünftig und sicher erreichen können. Normale Verschmutzung lässt sich mit Scheibenschwamm und Abstreifer am langen Stiel entfernen. Um festklebende Insekten und Eis bzw. Reif zu entfernen, muss man direkt an die Scheibe heran kommen. Beim Transporter, vor allem bei den heute weit verbreiteten Kurzhaubern, kann das problematisch, ja gefährlich werden, wenn dazu kein ergonomisch akzeptabler Aufstieg mit Haltemöglichkeit zur Verfügung steht. Hierfür müssen im Stoßfängerbereich eine breite bzw. zwei getrennte, ausreichend große und tiefe Auftrittöffnungen vorhanden sein. Die Trittflächen müssen hohe Rutschhemmung (hohen Reibwert) aufweisen.

4.3   Aufstieg heckseitig (ggf. ausziehbar)

Sicherer Heckauftritt
Sicherer Heckauftritt
Für Ein- und Aufstiege gibt es in der DGUV Vorschrift 70 und 71 „Fahrzeuge“ seit langer Zeit festgelegte Grenzmaße. So muss eine zusätzliche Aufstiegsstufe vorhanden sein, wenn die Ladefläche 500 mm oder höher über dem Boden liegt. Für häufig zu benutzende heckseitige Einstiege (z. B. in der KEP-Branche) und für solche, die in der Regel mit Lasten in der Hand benutzt werden, besteht der Bedarf nach einer Aufstiegsstufe schon bei Ladeflächenhöhen von 400 mm und ggf. darunter.
Anforderungen an Aufstiegsstufen bzw. -tritte am Heck:
  • Stufen/Tritte müssen ausreichende Breite haben; empfohlen werden etwa vier Fünftel der Fahrzeugbreite.
  • Sie müssen ausreichende Fußraumtiefe aufweisen; Mindestmaß: 150 mm, empfohlen 200 mm.
  • Hinterschneidung ist zu vermeiden, das heißt: die Fußraumtiefe (s. o.) soll voll nutzbar sein, also hinter dem Ladeflächenabschluss liegen, um das Fahrzeug auch vorwärts verlassen zu können.
  • Die Trittfläche muss aus rutschhemmendem Rostmaterial (mit Verdrängungsraum für Schnee, Eis u. a.) bestehen, auch geeignet ist Lochblech. Kunststoff-Trittflächen, die nur mehr oder weniger profiliert sind und keine durchgehenden Öffnungen (im Sinne von Rosten) oder lediglich kleine Regenablauflöcher haben, sind nicht geeignet.
  • Riffelbleche o. Ä. sind ebenfalls als außenliegende (bewitterte) Aufstiege gänzlich ungeeignet.
  • In Verbindung mit Kupplungskugeln haben die Fahrzeughersteller bis heute nur selten taugliche Lösungen im Angebot. Für bestimmte Fahrzeugtypen gibt es aber Nachrüstlösungen auf dem freien Markt: Es sollte die Anbringung von ausziehbaren Auftritten in Erwägung gezogen werden.

4.4   Haltegriffe an Laderaumzugängen

Haltegriffe nutzen
Haltegriffe nutzen
Jedem Zugang zum Laderaum sollte ein geeigneter Haltegriff zugeordnet sein. Dieser muss so angebracht sein, dass er sowohl vom Boden aus wie auch von der Ladefläche her in ergonomisch akzeptabler Höhe nutzbar ist, und zwar von großen wie auch von kleinen Personen. Das macht im Allgemeinen einen längeren Griff oder eine Haltestange erforderlich. Der lichte Abstand zwischen Griff und Befestigungsfläche sollte ausreichend groß sein (mindestens 50 mm), um den Griff sicher umfassen zu können und auch nicht mit einer kräftigen Hand mit Handschuh festzuklemmen. Dabei sollte der Durchmesser der Griffstange 25 mm betragen.
Die Befestigung muss so stabil sein, dass auch schwergewichtige Personen sich „schwungvoll“ daran hochziehen können.

4.5   Komfort-Fahrersitz, gefedert, mit Lendenwirbelstütze

Ein guter, ergonomisch gestalteter und richtig eingestellter Sitz trägt dazu bei, vorzeitige Ermüdung zu vermeiden. Der Fahrersitz muss einen Verstellbereich haben, der so groß ist, dass auch sehr große Menschen eine bequeme und ergonomisch vernünftige Sitzposition finden. Zu dicht hinter dem Sitz positionierte Trennwände stellen hier leider zu oft ein Hindernis dar.
Sitze sollen guten Seitenhalt bieten, jedoch ohne einzuengen. Gerade beim häufigen Ein- und Aussteigen im Auslieferungsverkehr können zu stark ausgeprägte Seitenkonturen lästig sein. Hier gilt es, den richtigen Kompromiss zu finden.
Wichtig ist auch, dass der Sitzbezug „atmungsaktiv“ ist. So unempfindlich und pflegeleicht Kunststoffbezüge sein mögen – für diejenigen, die fahren, sind sie unangenehm, denn man schwitzt darauf sehr schnell.
Wirklich „schlechte“ Sitze gibt es heute nicht mehr. Dass sich noch immer viele darüber beschweren, hat meistens eine ganz einfache Ursache: Die Fahrerinnen und Fahrer wissen gar nicht, wie sie den Sitz richtig einstellen können, oder sie nehmen sich nicht die Zeit dazu. Die vorhandenen Einstellmöglichkeiten bleiben – nach Beobachtungen der BG Verkehr – sehr häufig ungenutzt.
So ist Ihr Sitz richtig eingestellt:
  • Beine sind bei durchgetretenen Pedalen noch leicht angewinkelt
  • Abstand von Sitzkante zu Kniekehle beträgt etwa 5 cm
  • Sitzfläche ist leicht nach hinten geneigt, beim Pedal bedienen ist von der Sitzvorderkante kein Druck zu spüren
  • Rücken liegt leicht zurückgelehnt ganz an Lehne an, Bauchbereich ist nicht beengt
  • Lenkrad ist mit leicht angewinkelten Armen zu umfassen
  • Lendenwirbel werden – ohne unangenehmen Druck – fühlbar unterstützt
  • Oberkante der Kopfstütze schließt mit Kopfhöhe ab

4.6   Beifahrer-Einzelsitz

Wenn nicht die Notwendigkeit besteht, zwei weitere Personen mitzunehmen, dann verzichten Sie auf eine Beifahrer-Doppelbank zugunsten eines Einzelsitzes. Darauf sitzt es sich auch weitaus besser als auf einer konturlosen Bank. Mittlere Sitze sind in der Regel ohnehin kritisch zu sehen: Dort sitzende Personen sind zum Teil nur durch Beckengurte statt Dreipunktgurte geschützt, haben überwiegend keine Airbags vor sich, können sich nicht vernünftig festhalten, müssen oft mit eingeschränktem Fußraum auskommen, quetschen sich mit dem oder der rechts Sitzenden auf zu enger Bank, geraten zu leicht an den Schalthebel usw.

4.7   Lenkrad, verstellbar in Neigung und axial

Ein guter Fahrersitz alleine stellt noch keinen ergonomischen Fahrerarbeitsplatz dar. Dazu gehören noch verschiedene andere Elemente, insbesondere die Bedienelemente Lenkrad, Schaltung, Pedale, die Armaturen, die direkte Sicht nach außen, die indirekte Sicht (auf die Spiegel) und die Sicht auf Instrumentierung und Displays.
Was jede Fahrerin und jeder Fahrer subjektiv für sich beurteilen kann, ist die Einstellbarkeit des Fahrersitzes im Zusammenspiel mit der Lenkung. Ausgangs- und Fixpunkt stellt dabei die Pedalerie dar, denn die ist bei allen bekannten Transportern unveränderbar. Danach richtet sich zunächst die Sitzeinstellung, anschließend die Positionierung des Lenkrades. Zur Optimierung der Sitzhaltung bedarf es der Einstellung des Lenkrades in Neigung und in axialer Richtung.

4.8   Fensterheber, elektrisch (links und rechts)

Elektrische Fensterheber können vorrangig als Komfortmerkmal betrachtet werden, weisen aber auch Sicherheitsaspekte auf. Viele Transporter besitzen heute schon serienmäßig dieses Ausstattungsdetail. So ist während der Fahrt ein Fenster auf der linken Seite sicherer zu öffnen und zu schließen, wenn dies mit Tastendruck möglich ist. Beim herkömmlichen Kurbeln kann es zu unbeabsichtigten Lenkbewegungen kommen.
Auch wenn man die Absicht hat, jemanden nach dem Weg zu fragen, ist es mit elektrischem Fensterheber weitaus einfacher. Das Fenster lässt sich dann bequem aus der normalen Fahrersitzposition heraus öffnen und schließen.

4.9   Durchstiegsmöglichkeit

Wer eine gute Durchstiegsmöglichkeit hat, um vom Fahrerplatz aus ohne Verrenkungen auf die rechte Kabinenseite zu gelangen, kann von dort aus zur sicheren Straßenseite hin aussteigen, anstatt sich in den Gefahrenbereich des fließenden Verkehrs zu begeben. In dieser Hinsicht bieten Fahrzeuge mit „Joystick-Schaltungen“ statt konventionellen Schaltstöcken Vorteile.

4.10   Heizung/Lüftung

Das „Mikroklima“ im Fahrzeug hat wesentlichen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit. Eine gut regulierbare, weitgehend zugfreie Frischluftzufuhr und ausreichende Erwärmung der Fahrerkabine auch an extrem kalten Tagen sind Grundvoraussetzungen für die klimatische Behaglichkeit.
Bei der Mehrzahl der modernen Transporter gibt es da kaum gravierende Defizite, wohl aber manchmal im Detail. So muss bei einigen Fahrzeugtypen auf eine Umluftschaltung verzichtet werden, die doch heute, wo wir immer öfter und länger im Stau stehen, so wichtig ist. An dieser Stelle sei auch auf die Bemerkungen unter dem Abschnitt 3.1 „Trennwand“ und die folgenden unter dem Abschnitt „Klimaanlage“ hingewiesen.

4.11   Klimaanlage

Die zuvor erwähnte klimatische Behaglichkeit, die auch als thermisches Wohlbefinden bezeichnet werden kann, lässt sich an Tagen mit hoher Lufttemperatur und intensiver Sonneneinstrahlung (vor allem auf dunkle Außenflächen) im Innenraum durch Lüftung alleine nicht erreichen.
Nach einer Untersuchung der Bergischen Universität Wuppertal ist die Wärmebelastung des Fahrers neben der Sichtweite und der nassen Fahrbahn der drittgrößte Faktor in der Unfallhäufigkeit.
Mit steigender Umgebungswärme nimmt die Ermüdbarkeit zu, steigen Herzfrequenz und Blutdruck, erhöht sich die Schweißproduktion. Ohne auf weitere physiologische Zusammenhänge einzugehen, lässt sich zusammenfassen: Die Leistungsfähigkeit nimmt stark ab.
Dem lässt sich nur entgegenwirken durch Einsatz einer Klimaanlage, die man aber vernünftig handhaben muss. Bei sehr häufigem Ein- und Aussteigen („Haus-zu-Haus-Verkehr“) sollte auch an heißen Tagen auf das Einschalten der Klimaanlage verzichtet werden, weil der ständige Wechsel zwischen kalt und heiß sehr schnell zu einer Erkältung führen kann.
Auch in anderer Hinsicht ist die Klimaanlage von Nutzen: Sie entfeuchtet die Innenraumluft und wirkt so dem Beschlagen der Scheiben entgegen.

4.12   Standheizung, Standklimaanlage

Wenn öfter längere Standzeiten anfallen oder die Fahrerin bzw. der Fahrer im Fahrzeug die Pause verbringt, bedarf es einer ausreichenden Erwärmung, besser noch Klimatisierung der Kabine. Da der Fahrzeugmotor aus Umweltschutzgründen im Stand nicht betrieben werden darf, ist die nötige Erwärmung bzw. Klimatisierung nur über eine Standheizung bzw. Standklimaanlage zu erzielen.

4.13   Navigationssystem

Navigationssysteme sind äußerst nützlich, wenn nicht stets dieselben, sondern ständig unbekannte Be- und Entladestellen angefahren werden müssen. Sie können den lästigen und während der Fahrt gefährlichen Umgang mit Straßenkarten und Stadtplänen ersparen. Aber nicht alle Navigationssysteme sind gleichermaßen „Nutzfahrzeug-tauglich“ (z. B. Berücksichtigung von Höhen- oder Gewichtsbeschränkungen). Unabhängig davon berücksichtigen moderne Systeme Verkehrsinformationen in Echtzeit.
Für alle Systeme gilt:
  • Zieleingaben dürfen nur bei stehendem Fahrzeug vorgenommen werden!
  • Das Navigationsgerät darf nicht im Hauptsichtbereich der Frontscheibe angebracht sein.

4.14   Staufächer in der Kabine

Stauraum in der Kabine: Davon kann es erfahrungsgemäß nie genug geben. Stauraum soll auch dazu beitragen, dass Gegenstände nicht auf den Armaturenträger gelegt werden und dort die Sicht behindern. Denn im Fahrzeug ist viel unterzubringen: Kartenmaterial, Dokumente, Frachtpapiere, Betriebsanleitung, Verbandkasten, Warnweste, Notfall-Set, Warndreieck, Bordwerkzeug, Wagenheber, Laptop, Brotzeit, Getränkedosen und -flaschen, Eiskratzer, Handfeger und vieles mehr. Alles muss jedoch so sicher verstaut sein, dass die Gegenstände beim Bremsen und beim Unfall nicht zu gefährlichen Flugobjekten werden. Manches davon soll auch direkt aus der Sitzposition heraus gefahrlos erreichbar sein können.
Staufächer für Verbandkasten und für Warnweste(n) sollten mit entsprechenden Hinweiszeichen gekennzeichnet sein, denn nicht jeder findet sich beim Fahrzeugwechsel auf Anhieb zurecht – und diese Gegenstände müssen im Bedarfsfall schnell griffbereit sein.

4.15   Schreibunterlage, „Laptop-Staufach“

Fast jeder, der mit einem Transporter gewerblich unterwegs ist, muss – unabhängig von der Branche – schriftliche Aufzeichnungen machen, Lieferscheine, Frachtpapiere und Zolldokumente ausfüllen. Dazu sollte eine geeignete Schreibunterlage zur Verfügung stehen.
Da die herkömmlichen Schreibarbeiten zunehmend durch Daten-Eingaben ersetzt werden, muss für eine taugliche Unterbringung des mitzuführenden elektronischen Eingabegerätes gesorgt werden.
Tauglich ist eine Unterbringung, wenn sie folgenden Kriterien genügt:
  • Das Gerät darf sich nicht verlagern/wegfliegen – auch nicht bei hohen Bremsverzögerungen und beim Unfall.
  • Es soll bequem erreichbar, entnehmbar und verstaubar sein.
  • Die Betätigung muss aus der Sitzposition heraus ergonomisch akzeptabel sein.
  • Die Beleuchtungsverhältnisse müssen ausreichend sein und die Lichtquellen sollen sich nicht auf dem Bildschirm spiegeln.
  • Das Gerät soll bei Nichtbenutzung den Blicken Außenstehender entzogen sein, um die Diebstahlgefahr zu minimieren.
Dennoch: Der Fahrerarbeitsplatz ist kein geeigneter Arbeitsplatz für Büroarbeiten. Diese Tätigkeiten sollten im Büro erledigt werden.

4.16   Kabinenbeleuchtung

Die Kabinenbeleuchtung sollte für Schreib- und Lesetätigkeiten ausreichend hell sein, darf aber nicht blenden.

4.17   Türfeststeller und Entriegelbarkeit (90°/270°-Position)

Um die Türflügel von der normalen (90°-)Öffnungsstellung in die 270°-Position schwenken zu können, so dass sie an den Seitenwänden parallel anliegen, müssen sie in den meisten Fällen mit Halter, Riegel o. Ä. ausgelegt werden. Das muss ohne Gefahr, sich die Finger zu verletzen oder zu beschmutzen, möglich sein.
In den jeweiligen Öffnungsstellungen müssen die Türflügel gegen unbeabsichtigtes Zuschlagen – z. B. durch Windkräfte – gesichert sein.

4.18   Schiebetürbetätigung und -sicherung

Eine Schiebetür muss sich von innen und von außen gleichermaßen leicht öffnen und auch wieder schließen lassen. Die Griffe müssen ausreichend groß und grifffreundlich sein und dürfen keine Klemm- und Quetschstellen aufweisen.
Die geöffnete Schiebetür muss mittels einer selbsttätigen Verriegelung gegen Rücklauf gesichert sein. Die Verriegelung soll zum Zuziehen durch erhöhte Betätigungskraft überwunden werden können – ohne weiteres Zutun, z. B. Betätigung eines Hebels oder einer Taste.
Der äußere Zuziehgriff muss in der Nähe der Tür-Vorderkante (Hauptschließkante) angebracht sein. Ist das nicht der Fall – wie bei relativ alten Fahrzeugen – greifen außenstehende Personen erfahrungsgemäß zum Zuziehen um die Schließkante herum zum inneren Griff, ziehen die Tür schwungvoll zu – und können Hand bzw. Arm nicht schnell genug aus der Gefahrenstelle zwischen den Schließkanten herausziehen. Hierdurch hat es früher sehr viele schwere Hand-/Unterarm-Verletzungen gegeben.
Die BG Verkehr hatte damals auf die Hersteller eingewirkt, die Griffe nach vorne zu verlegen. Dadurch sind diese Unfälle fast völlig verschwunden.

4.19   Zentralverriegelung (Fernbedienung)

Nicht jede Tür einzeln auf- und zuschließen zu müssen, hat große Vorteile. Zentralverriegelungen setzen sich auch bei Transportern durch. Auch dies ist ein Beitrag zur Arbeitserleichterung.
Noch besser und leichter ist es für das Fahrpersonal – vor allem dann, wenn die Ladung von Hand transportiert wird – wenn die Zentralverriegelung mittels Funkschlüssel oder Transpondersystemen geöffnet und geschlossen werden kann. Eine getrennte Verriegelungsmöglichkeit für Kabinen- und Laderaumzugang kann dabei vorteilhaft sein, vor allem deshalb, weil die jeweiligen Zugänge beim Kastenwagen nicht gleichzeitig zu überblicken sind und sich Unbefugte unbeobachtet Zugang verschaffen könnten.

4.20   Stehhöhe Laderaum

Wenn der Laderaum sehr häufig begangen wird (z. B. in der KEP-Branche) oder wenn dort andere Arbeiten verrichtet werden (z. B. Werkstattarbeiten), sollte eine aufrechte Körperhaltung eingenommen werden können. Das entspricht einer lichten Höhe (Stehhöhe) von 1,90 m oder mehr.

4.21   Beleuchtung Laderaum

Der Laderaum muss ausreichend hell beleuchtet werden können. Für unterschiedliche Beladungszustände bedarf es dazu wenigstens zweier Lichtquellen – eine vorne, die andere hinten im Laderaum.
Die Beleuchtung soll sich beim Öffnen der Schiebetür und der Hecktür automatisch einschalten. Zusätzliche Lichtschalter sollen ein davon unabhängiges Ein- und Ausschalten ermöglichen.

4.22   Motorhaube (Aufstellwinkel, Anstoßgefahr, Sicherung angehoben)

Zur Kontrolle von Ölstand, Scheibenwaschwasser, Kühlflüssigkeit oder der Batterie muss gelegentlich die Motorhaube geöffnet werden. Dabei kann die Fahrerin bzw. der Fahrer gegen die geöffnete Haube, deren Kanten oder gegen den Verschlusshaken stoßen und sich dabei unter Umständen die Kopfhaut verletzen. In Kfz-Werkstätten ist das eine durchaus häufig vorkommende Verletzungsursache.
Um solche Verletzungsgefahren zu vermeiden, muss der Hauben-Öffnungswinkel groß genug und die Sicherung (einlegbare Stange oder Gasdruckfedern) wirksam sein. Der Verschlusshaken darf nicht weit herausragen, andernfalls muss er geschützte Kanten (z. B. mit Kunststoff ummantelt) aufweisen.

4.23   Kupplungskugel

Ein Gespann hat eine Menge Nachteile:
  • Man darf nur noch 80 km/h (unter bestimmten Voraussetzungen 100 km/h) fahren, unterliegt vielen Überholverboten und ggf. dem Sonntagsfahrverbot.
  • Frontantriebsfahrzeuge, die mit Anhänger mit hoher Stützlast gekuppelt sind, haben oft Traktionsprobleme, vor allem bergauf und im Winter.
  • Gespanne sind manchmal sehr problematisch zu fahren, vor allem bei falscher Beladung, widrigen Witterungsverhältnissen (Seitenwind!) oder fehlender Stabilisierungseinrichtung an der Anhänger-Zugkugelkupplung.
Auch eine Kupplungskugel hat Nachteile:
  • Beim heckseitigen Verlassen des Kastenwagens bleibt man leicht an der Kugel hängen und stürzt heraus. Diese Unfälle kommen sehr häufig vor und enden teils mit schweren Verletzungen.
  • Bei Vorhandensein einer Kupplungskugel am Fahrzeug muss bei vielen Fahrzeugtypen wegen der nötigen Freiräume (Winkelbeweglichkeit für den Kurvenlauf) auf einen von der Höhe der Ladefläche her an sich erforderlichen (und vorgeschriebenen) Auftritt verzichtet werden (siehe ausziehbarer Auftritt). Hier sind die Fahrzeughersteller aufgerufen, vernünftige Lösungen zu entwickeln. Für einige wenige Fahrzeugtypen gibt es bereits ausziehbare Auftritte, die bei Anhängerbetrieb eingeschoben werden können und so den Kurvenlauf des Anhängers nicht beeinträchtigen. Diese Auftritte, von Betreiberseite in Eigeninitiative entwickelt, werden zur Nachrüstung angeboten.