12   Persönliche Schutzmaßnahmen (9) (28) (75) (123) (79)

Wenn eine Gefährdung der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit den in dieser Schrift genannten Stoffen, vor allem durch Isocyanate, durch technische Maßnahmen allein nicht ausgeschlossen werden kann, müssen geeignete persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt, in gebrauchsfertigem, hygienisch einwandfreiem Zustand gehalten und bei Bedarf benutzt werden.
Das Tragen von Atemschutz und Vollschutzanzügen darf keine ständige Maßnahme sein. (28)
Es ist festzulegen, nach welcher Einsatzzeit bzw. Tragedauer persönliche Schutzausrüstungen ersetzt werden müssen und welche Wartungen und Funktionsprüfungen durchzuführen sind. Die Beschäftigten haben die persönlichen Schutzausrüstungen vor jeder Benutzung auf Mängel zu prüfen.

12.1   Atemschutz (127)

Besteht die Gefahr des Einatmens von Isocyanaten oder weiteren bei der PU-Herstellung verwendeten Gefahrstoffen, sind geeignete Atemschutzgeräte bereitzustellen und zu benutzen. Die Bereitstellung und Benutzung muss erfolgen, wenn Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) oder Biologische Grenzwerte (BGW) nicht eingehalten werden können. Die Gefahr des Einatmens dieser Stoffe in gefährlichen Konzentrationen besteht, z. B. bei der Beschichtung größerer Flächen, auch im Freien, häufig auch bei Arbeiten mit PU-Beschichtungsstoffen sowie bei Probenahme, Reparaturarbeiten und bei unkontrollierten Betriebszuständen. (28) (52) (53)
Atemschutzgeräte werden nach ihrer Wirkungsweise in
  • Isoliergeräte (unabhängig von der Umgebungsatmosphäre wirkend) und
  • Filtergeräte (abhängig von der Umgebungsatmosphäre wirkend) unterteilt.
Geeignete Filtergeräte sind:
  • Gasfilter (Schadstoffe liegen nur gasförmig vor)
    • Filtertyp A, Kennfarbe braun, oder auch
    • Filtertyp B, Kennfarbe grau
  • Partikelfilter (Schadstoffe liegen nur als feste oder flüssige Aerosole vor):
    • Filterklasse P2 oder P3, Kennfarbe weiß
  • Kombinationsfilter (Schadstoffe liegen sowohl gasförmig als auch als feste oder flüssige Aerosole vor):
    • A P2 oder A P3, Kennfarbe braun/weiß, oder auch
    • B P2 oder B P3, Kennfarbe grau/weiß
    jeweils als filtrierende Halbmaske, oder in Verbindung mit einer Halb- oder Vollmaske.
Die Einsatzgrenzen der jeweiligen Filter in Verbindung mit dem verwendeten Atemanschluss sind zu beachten.
Die Herstellerangaben in den Sicherheitsdatenblättern sind zu berücksichtigen.
Es ist zu beachten, dass die Filter durch Aerosole schnell verstopfen können.
Die verwendeten Filter müssen spätestens nach Ablauf der vorgesehenen Tragezeit ersetzt werden. Filter, die im benutzten Zustand nicht gelagert werden dürfen, sind spätestens zum Schichtende zu ersetzen.
Geeignete Isoliergeräte sind:
  • Schlauchgeräte mit Helm oder Haube
  • Schlauchgeräte mit Halb- oder Vollmaske
  • Pressluftatmer mit Vollmaske
Die Einsatzgrenzen der Isoliergeräte in Verbindung mit dem verwendeten Atemanschluss sind zu beachten.
Wenn keine Kenntnisse über die Gefahrstoff- und Sauerstoffkonzentrationen in der Umgebungsatmosphäre vorliegen, sind grundsätzlich Isoliergeräte mit einer Vollmaske und Lungenautomat zu verwenden.
Bei Arbeiten mit PU-Beschichtungsstoffen in engen oder schlecht belüfteten Räumen, Tanks, Kesseln und anderen Behältern darf nur mit Isoliergeräten gearbeitet werden.
Da das Tragen von Atemschutzgeräten (abhängig vom Gerätetyp) in der Regel eine körperliche Belastung darstellt, gibt die DGUV Regel 112-190 „Benutzung von Atemschutzgeräten“ Tragezeitbegrenzungen vor. Als Anhaltspunkt kann davon ausgegangen werden, dass bei Vorliegen einer Tragezeitbegrenzung auch eine arbeitsmedizinische Vorsorge entsprechend der Einteilung nach Arbeitsmedizinischer Regel AMR 14.2 angeboten oder veranlasst werden muss. (127) (14)
Gebläsefiltergeräte mit einer Haube mit einem Gesamtgewicht unter 3 kg sind keiner Tragezeitbegrenzung unterworfen. Deshalb sind derartige Filtergeräte wo möglich zu bevorzugen.
Atemschutzgeräte sind außerhalb der gefährdeten Bereiche, jedoch für die Beschäftigten schnell erreichbar, aufzubewahren.

12.2   Augenschutz (129)

Bei Tätigkeiten mit Isocyanaten und isocyanathaltigen Gemischen, mit Aminen, Halogenalkanen, zinnorganischen Verbindungen und gebrauchsfertigen Polyolgemischen muss ausreichender Augenschutz getragen werden.
Das sind z. B. Gestellbrillen mit Seitenschutz (bei Überwachungstätigkeiten in Betrieb und Labor), Korbbrillen (wenn mit verspritzenden Flüssigkeiten zu rechnen ist, z. B. beim Beseitigen von Störungen mit MDI), Vollmasken (wenn augenschädigende Dämpfe oder Aerosole auftreten können, z. B. beim Beseitigen von Störungen mit TDI).
Schutzschirme sollten nur zusammen mit Gestellbrillen mit Seitenschutz oder Korbbrillen (vor allem bei Arbeiten über Kopf) getragen werden.

12.3   Körperschutz

12.3.1   Allgemeines

Zum Schutz des Gesichtes sind Schutzschirme und Vollmasken geeignet. In Abhängigkeit von dem Ausmaß der möglichen Gefährdung sind zusätzlich Schürzen, Stiefel und Vollschutzanzüge aus geeigneten Materialien zu tragen; Hinweise gibt die DGUV Regel 112-189 „Benutzung von Schutzkleidung“. Es ist darauf zu achten, dass keine Gefahrstoffe in die Stiefel gelangen können. Arbeitskleidung, einschließlich der Unterwäsche, sollte wie bei Tätigkeiten mit anderen brennbaren Stoffen nicht aus Textilien bestehen, die im Brandfall ein gefährliches Schmelzverhalten zeigen können. (129) (126)

12.3.2   Handschutz (85) (129)

Isocyanate reagieren bei Hautkontakt mit Bestandteilen der Haut und führen so zu schlecht entfernbaren Verschmutzungen. Darüber hinaus können Irritationen sowie Allergien hervorgerufen werden. Deshalb sind bei Tätigkeiten mit Isocyanaten geeignete Schutzhandschuhe zu tragen, wenn Hautkontakt nicht sicher ausgeschlossen ist.
Da Gefahrstoffe unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, ist eine allgemeine Angabe von geeigneten Handschuhmaterialien nicht möglich. Die geeigneten Handschuhmaterialien sind deshalb immer dem vom Hersteller bereitgestellten Sicherheitsdatenblatt für den jeweiligen Gefahrstoff zu entnehmen. In den Datenbanken GESTIS (ausführlich), GisChem und WINGIS werden die jeweils geeigneten Handschuhmaterialien angegeben. (165) (158) (168)
Schutzhandschuhe müssen den Spezifikationen der Verordnung (EU) 2016/425 (4) und den harmonisierten Normen genügen.
Bei der Auswahl der Schutzhandschuhe sind die mechanische und thermische Belastung, die Dauer der Einwirkung und die Möglichkeit der Benetzung zu berücksichtigen. Die Durchbruchzeit (Permeationszeit) in Minuten kann den Informationen der Hersteller der Schutzhandschuhe entnommen werden. Empfohlen wird, die Schutzhandschuhe nur für ein Drittel der angegebenen Durchbruchzeit zu tragen. (32)
Treten bei den Tätigkeiten mit Isocyanaten nur gelegentlich Spritzer auf oder muss nur mit kurzfristigem Hautkontakt gerechnet werden, können Schutzhandschuhe verwendet werden, deren Durchbruchzeit unter einer Stunde liegt.
Kontaminierte Schutzhandschuhe sind zu entsorgen.
Für Tätigkeiten mit festen PU-Produkten reichen in der Regel beschichtete Baumwollhandschuhe.
Bei lösemittelhaltigen Systemen hängt die Handschuhauswahl wesentlich von der Art des Lösemittels ab.
Bei der Herstellung und Verarbeitung heißer PU-Produkte sind thermisch beständige Arbeitshandschuhe zu verwenden (z. B. Lederhandschuhe beim Entnehmen heißer PU-Formteile).
Weitere Hinweise zu geeigneten Schutzhandschuhen sind den Sicherheitsdatenblättern der PU-Hersteller zu entnehmen. Unter Berücksichtigung der Informationen der Schutzhandschuh-Hersteller hat die Unternehmerin oder der Unternehmer eine Betriebsanweisung (und einen Hand- und Hautschutzplan) zu erstellen.
Benetzte Schutzhandschuhe müssen so ausgezogen werden, dass Hautkontakt mit der kontaminierten Außenfläche vermieden wird. Das richtige An- und Ausziehen von Schutzhandschuhen ist im Rahmen der Unterweisung zu üben. Für Unterweisungen kann das Sicherheitskurzgespräch SKG 033 „Handschutz“ oder die kurz & bündig-Schrift KB 002 „Hand- und Hautschutz“ verwendet werden. (85) (122) (89)
Die DGUV Regel 112-192 „Benutzung von Schutzhandschuhen“ ist zu beachten. (129)