11.4   Arbeitsmedizinische Vorsorge (10)

Arbeitsmedizinische Vorsorge ist eine individuelle Arbeitsschutzmaßnahme, um Beeinträchtigungen der Gesundheit rechtzeitig zu erkennen und ihnen vorbeugen zu können. Sie ergänzt die getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz.
Die arbeitsmedizinische Vorsorge beinhaltet eine individuelle arbeitsmedizinische Aufklärung und Beratung der Beschäftigten sowie ein ärztliches Beratungsgespräch mit Anamnese, einschließlich Arbeitsanamnese. Körperliche und klinische Untersuchungen erfolgen nach ärztlichem Ermessen, sofern der oder die Beschäftigte diese nicht ablehnt.
Mit der Durchführung können Arbeitsmediziner und Arbeitsmedizinerinnen oder Ärzte und Ärztinnen mit der Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ beauftragt werden. Die betriebliche Gefährdungsbeurteilung legt Anlässe für die arbeitsmedizinische Vorsorge fest, die in den Anhängen der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) aufgeführt sind. In der arbeitsmedizinischen Vorsorge können sich die Beschäftigten zu den Wechselwirkungen zwischen ihrer Arbeit und Gesundheit informieren und beraten lassen. Als Arten arbeitsmedizinischer Vorsorge werden Pflichtvorsorge, Angebotsvorsorge, Wunschvorsorge und nachgehende Vorsorge unterschieden.
Bei Tätigkeiten mit Exposition gegenüber Isocyanaten ist mindestens eine arbeitsmedizinische Angebotsvorsorge erforderlich, wenn ein Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann oder auch eine Luftkonzentration von 0,05 mg/m3 unterschritten oder erreicht wird. Wenn ein regelmäßiger Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann oder eine Luftkonzentration von 0,05 mg/m3 überschritten wird, ist arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge zu veranlassen.
Mit den Grundsätzen für arbeitsmedizinische Untersuchungen stellt die DGUV den Betriebsärzten und Betriebsärztinnen eine Arbeitshilfe zur arbeitsmedizinischen Vorsorge zur Verfügung. Die DGUV-Grundsätze beschreiben für bestimmte Einwirkungen oder Gefährdungen den existierenden Stand der Arbeitsmedizin und Wissenschaft als Basis für die Beratung und Untersuchung. Sie sind Empfehlungen, die nicht rechtsverbindlich sind. Die Entscheidung, wie die Vorsorge durchgeführt wird, obliegt der Ärztin oder dem Arzt. Der Grundsatz G 27 „Isocyanate“ gibt Anhaltspunkte für gezielte arbeitsmedizinische Vorsorge, um Erkrankungen, die durch Isocyanate entstehen können, zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen. (157)
Aufgrund der Gefährdungsbeurteilung ist gegebenenfalls das Tragen von Atemschutzgeräten erforderlich. Nach der ArbMedVV Anhang Teil 4 ist bei Verwendung von Atemschutzgeräten der Gerätegruppe 1 Angebotsvorsorge anzubieten (z. B. anhand G 26 „Atemschutzgeräte“), bei den Gerätegruppen 2 und 3 ist Pflichtvorsorge zu veranlassen. Gebläseunterstützte Atemschutzhauben unter 3 kg Gewicht sind keiner Gerätegruppe zuzuordnen, für sie ist keine arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich. (14)
Falls aufgrund der Gefährdungsbeurteilung das Tragen von Chemikalienschutzhandschuhen über mehr als 2 Stunden am Tag notwendig ist (Feuchtarbeit), ist arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten (Angebotsvorsorge, z. B. anhand G 24 „Hauterkrankungen mit Ausnahme von Hautkrebs“). Bei Feuchtarbeit von regelmäßig 4 Stunden oder mehr pro Tag ist arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge zu veranlassen.
Weitere Informationen beantwortet die Schrift aus der kurz & bündig-Reihe der BG RCI KB 011-1 „Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV – Teil 1: Grundlagen und Hinweise zur Durchführung“. (93)
Bei der Auswahl der Vorsorge unterstützt die kurz & bündig-Schrift KB 011-2 „Arbeitsmedizinische Vorsorge nach ArbMedVV – Teil 2: Ermittlung der Vorsorgeanlässe“. (94)