11.1   Betriebsanweisungen und Unterweisung der Beschäftigten (28) (43)

Tätigkeiten mit Stoffen oder Gemischen, die als akut toxisch Kategorie 1, 2 oder 3, spezifisch zielorgantoxisch Kategorie 1, krebserzeugend Kategorie 1A oder 1B oder keimzellmutagen Kategorie 1A oder 1B eingestuft sind, dürfen nur von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen ausgeführt werden. (28) § 8 Abs. 7
Die Beschäftigten müssen deshalb auf mögliche Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Isocyanaten und weiteren bei der PU-Herstellung verwendeten Gefahrstoffe aufmerksam gemacht und über die zu treffenden Schutzmaßnahmen eingehend unterrichtet werden. Teil der Unterweisung ist zudem eine allgemeine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beratung. (28) § 14 Abs. 2 (12)
Grundlage für die Unterweisung ist die arbeitsbereichs- und stoffbezogene Betriebsanweisung nach Gefahrstoffverordnung. Sie muss genaue Angaben über die im Einzelfall für Mensch und Umwelt möglichen Gefahren sowie die zu deren Abwehr erforderlichen Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln enthalten. Auf die sachgerechte Entsorgung gefährlicher Abfälle, das Verhalten im Gefahrenfall und Erste-Hilfe-Maßnahmen ist ebenfalls einzugehen. Die Betriebsanweisung ist in verständlicher Form und Sprache abzufassen und an geeigneter Stelle in der Arbeitsstätte, möglichst in Arbeitsplatznähe, bekanntzumachen. Die Betriebsanweisung muss jederzeit für die Beschäftigten einsehbar sein.
Abbildung 14: Betriebsanweisung an einem Isocyanat-Tank
Abbildung 14:
Betriebsanweisung
an einem Isocyanat-Tank
Hilfestellung für die Erstellung von Betriebsanweisungen gibt die DGUV Information 213-051 „Betriebsanweisungen für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ (Merkblatt A 010 der BG RCI). (80)
Entwürfe für Betriebsanweisungen können, z. B. bei GisChem oder WINGIS oder den zuständigen Unfallversicherungsträgern, abgerufen werden. (158) (168) (169)
Die Unterweisungen müssen vor Beginn der Beschäftigung und danach mindestens einmal jährlich (bei Jugendlichen zweimal im Jahr) mündlich und arbeitsplatzbezogen auf Basis der Betriebsanweisungen erfolgen. Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisung sind schriftlich festzuhalten und von den Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen. Der Nachweis der Unterweisung ist zwei Jahre aufzubewahren. (86) (9) (75) (123) (61)
Es kann erforderlich sein, die Unterweisung durch praktische Vorführung einzelner Maßnahmen vor Ort und durch Einüben seitens der Beschäftigten unter fachkundiger Anleitung zu ergänzen, z. B. durch Anlegen von Schutzanzügen, von Atemschutzgeräten, durch Übungen für den Schadensfall und Feuerlöschübungen. Weiterhin kann eine eingehende Arbeits- und Sicherheitsabsprache vor Ort erforderlich sein. Sinnvoll ist auch eine Erfolgskontrolle, z. B. durch Beantworten eines arbeitsplatzbezogenen Fragebogens. (70) (75) (123) (119)
Betriebsanweisungen und Unterweisungen sind auch bei Tätigkeiten mit kraftbetriebenen Arbeitsmitteln, z. B. Extrudern und Farbwalzwerken, erforderlich.
Die Isocyanathersteller haben Trainingsprogramme für den sicheren Umgang und Informationen zu Gefahren von Isocyanaten entwickelt. Diese Materialien können im Internet in jeder EU-Sprache abgerufen werden. Sie sind zur Durchführung von Unterweisungen geeignet und online verfügbar unter isopa.org als „Walk the Talk“ (für aromatische Isocyanate wie MDI und TDI) und alipa.org als „We care that you care“ (für aliphatische Isocyanate wie HDI und IPDI) zu finden. (177) (178)
Ein Foliensatz für Unterweisungen mit dem Schwerpunkt einer möglichen Sensibilisierung durch Isocyanate ist im Praxishilfe-Ordner „Aus Berufskrankheiten lernen“ der BG RCI enthalten. (118)
Zu zukünftig notwendigen Schulungen/Trainings siehe Abschnitt 7.1 Absatz a Nr. iii.