10.15.3   Maßnahmen bei Auslaufen von Isocyanat

Ob das Auslaufen von Isocyanaten als leichter oder schwerwiegender Unfall zu bewerten ist, lässt sich nur von den Umständen des Ereignisses, von den spezifischen Eigenschaften des Isocyanats und den Folgen für die im betroffenen Bereich anwesenden Personen und die Umwelt ableiten.
Als Leitlinie kann gelten: Ein Auslaufen von Isocyanat mit großflächiger Ausbreitung ist, unabhängig von den Produkteigenschaften, immer als schwerwiegender Vorfall einzuordnen. Ebenso muss jegliches Auslaufen akut-toxischer flüchtiger Isocyanate (z. B. HDI, TDI, IPDI) oder von erhitzten Isocyanat-Produkten als schwerwiegender Vorfall gewertet werden, und zwar sowohl im Freien als auch in Gebäuden.
Es dürfen nur diejenigen Personen im betroffenen Bereich bleiben, deren Anwesenheit für in diesem Zusammenhang notwendige Tätigkeiten unbedingt erforderlich ist. Der Gefahrenbereich darf nur mit ausreichenden persönlichen Schutzausrüstungen betreten werden (z. B. mit von der Umgebungsatmosphäre unabhängig wirkenden Atemschutzgeräten, Gasschutzanzug).
Das ausgelaufene Isocyanat ist möglichst einzudämmen und mit einem Adsorbens (kann auch Sand sein) zu bedecken. Der kontaminierte Bereich wird anschließend mit Vernichterlösung (siehe Abschnitt 10.12) eingesprüht. Gegebenenfalls wird diese mit einem Besen eingearbeitet, um die Reaktion zu beschleunigen. Nach der Reaktion wird die Mischung aus Bindemittel, Vernichterlösung, Reaktionsprodukten und möglichen Isocyanatresten in einen geeigneten Behälter überführt. Wenn die Reaktion abgeklungen ist, kann der Inhalt einer geregelten Entsorgung zugeführt werden.