10.15   Betriebliche Störungen, Notfälle

Bei allen auftretenden Notfällen ist als erste Schutzmaßnahme der Gefahrenbereich angemessen abzusperren sowie organisatorische Maßnahmen nach Kapitel 11 zu treffen. In dem abgesperrten Bereich dürfen sich nur Personen aufhalten, die beauftragt sind, Störungen zu beheben und zu helfen.
Bei der Beseitigung der im Folgenden beschriebenen Störungen sind geeignete persönliche Schutzausrüstungen (siehe Kapitel 12) zu benutzen.
Es sollten Szenarien zum Auftreten unerwarteter Ereignisse aufgestellt werden. Sicherheitsübungen sind in regelmäßigen Abständen durchzuführen; sinnvoll ist mindestens eine Übung pro Jahr.
Es ist empfehlenswert, neben dem Arbeitsschutzmanagement auch das Notfallmanagement in die betrieblichen Managementsysteme systematisch zu integrieren. (115) (116)

10.15.1   Druckaufbau in Gebinden (Fässer, Kannen)

Durch Vorhandensein oder Eintritt von Wasser – auch schon in sehr geringen Mengen – und nachfolgender Bildung von Kohlendioxid kann sich in Isocyanatgebinden Druck aufbauen. Meist wird dies durch Bombierung der Behälter erkannt. Da nicht ohne Weiteres feststellbar ist, ob direkte Berstgefahr besteht, sollte ein unter Druck stehendes Gebinde an seinem bisherigen Ort verbleiben.
Je nach Stärke der Ausbeulung ist zu entscheiden, mit welcher Maßnahme der Gebindedruck entspannt wird:
  • durch Öffnen der Belüftungsöffnung des Gebindes oder
  • durch Lochen des Gebindes mit einem geeigneten Werkzeug (siehe Abbildung 13), das Arbeiten aus Deckung oder sicherer Entfernung erlaubt.
Abbildung 13: Vorrichtung zum Anstechen bombierter Gebinde
Abbildung 13: Vorrichtung zum Anstechen bombierter Gebinde
Sofern es sich um in brennbaren Lösemitteln gelöste Isocyanate handelt, sind Zündquellen im Arbeitsbereich strikt zu vermeiden (siehe Kapitel 13).
Vom Produktlieferanten sind im Einzelfall Empfehlungen zur Entsorgung einzuholen.

10.15.2   Undichte Isocyanatbehälter

Der Austritt von Isocyanat ist schnellstmöglich abzustellen.
Ausgelaufenes Isocyanat muss gemäß Abschnitt 10.15.3 behandelt werden. Beschädigte Behälter können provisorisch abgedichtet werden, z. B. mit geeigneten Bandagen, bis der Inhalt in einen sauberen trockenen Behälter überführt werden kann. Beschädigte Fässer sollten in Überfässer gestellt werden. Bevor beschädigte Behälter verschrottet werden, müssen Isocyanatreste unschädlich gemacht werden (siehe Abschnitt 10.12).

10.15.3   Maßnahmen bei Auslaufen von Isocyanat

Ob das Auslaufen von Isocyanaten als leichter oder schwerwiegender Unfall zu bewerten ist, lässt sich nur von den Umständen des Ereignisses, von den spezifischen Eigenschaften des Isocyanats und den Folgen für die im betroffenen Bereich anwesenden Personen und die Umwelt ableiten.
Als Leitlinie kann gelten: Ein Auslaufen von Isocyanat mit großflächiger Ausbreitung ist, unabhängig von den Produkteigenschaften, immer als schwerwiegender Vorfall einzuordnen. Ebenso muss jegliches Auslaufen akut-toxischer flüchtiger Isocyanate (z. B. HDI, TDI, IPDI) oder von erhitzten Isocyanat-Produkten als schwerwiegender Vorfall gewertet werden, und zwar sowohl im Freien als auch in Gebäuden.
Es dürfen nur diejenigen Personen im betroffenen Bereich bleiben, deren Anwesenheit für in diesem Zusammenhang notwendige Tätigkeiten unbedingt erforderlich ist. Der Gefahrenbereich darf nur mit ausreichenden persönlichen Schutzausrüstungen betreten werden (z. B. mit von der Umgebungsatmosphäre unabhängig wirkenden Atemschutzgeräten, Gasschutzanzug).
Das ausgelaufene Isocyanat ist möglichst einzudämmen und mit einem Adsorbens (kann auch Sand sein) zu bedecken. Der kontaminierte Bereich wird anschließend mit Vernichterlösung (siehe Abschnitt 10.12) eingesprüht. Gegebenenfalls wird diese mit einem Besen eingearbeitet, um die Reaktion zu beschleunigen. Nach der Reaktion wird die Mischung aus Bindemittel, Vernichterlösung, Reaktionsprodukten und möglichen Isocyanatresten in einen geeigneten Behälter überführt. Wenn die Reaktion abgeklungen ist, kann der Inhalt einer geregelten Entsorgung zugeführt werden.

10.15.4   Maßnahmen bei Auslaufen sonstiger Stoffe

Die Informationen der Betriebsanweisung und Sicherheitsdatenblätter sind zu beachten.
Kleinere Mengen von Polyolen und Hilfsstoffen können mit geeigneten Bindemitteln (z. B. Kieselgur, Sand, Glimmer) aufgenommen werden.
Größere Mengen sind, z. B. mit Sand, einzudämmen und abzupumpen. Es ist darauf zu achten, dass die genannten Stoffe nicht in die Kanalisation gelangen.
Zu Hinweisen zur ordnungsgemäßen Abfallbeseitigung siehe Abschnitte 10.12 und 10.13.
Bei der Beseitigung tertiärer Amine sind aufgrund deren hoher Flüchtigkeit besondere Maßnahmen, z. B. Körperschutz und Atemschutz, umzusetzen.

10.15.5   Berstende Schlauchleitungen

Eine Gefährdung geht von umherschlagenden und platzenden Schlauchleitungen aus, wie z. B. rohstofffördernden Schlauchleitungen beim Hochdruckverfahren (siehe auch Abschnitt 10.14). Dies kann zu einer erheblichen Gefahrstoffexposition führen.
Zur Auswahl und Verwendung von Schlauchleitungen siehe Abschnitt 10.14 und DGUV Information 213-053 (Merkblatt T 002 der BG RCI). (105)