10.1   Allgemeines

Es müssen geeignete Maschinen und Anlagen verwendet werden. Diese sind derart auszulegen, dass auch bei maximaler Verarbeitungskapazität die Exposition der Beschäftigten so niedrig wie möglich gehalten wird. Dies gilt auch für Kurzzeitexpositionen, wie sie z. B. beim Öffnen von Reaktionsbehältern, Formen oder beim Gebindewechsel auftreten.
Es sind vorzugsweise geschlossene Maschinen und Anlagen, insbesondere bei der Gefahr einer erhöhten Isocyanatexposition, zu realisieren. Anderenfalls sind wirksame Lüftungs- und Absaugeinrichtungen zu installieren, wobei alle Emissionsquellen zu berücksichtigen sind (z. B. auch das Umfüllen von Aminen). Bei der Installation von Absaugungen ist zu berücksichtigen, dass Gefahrstoffe möglichst direkt an der Entstehungsstelle erfasst und ohne Gefährdung Dritter abgeführt werden. Die abgesaugte Luft ist durch Frischluft zu ersetzen. Die Wirksamkeit der Absauganlagen ist regelmäßig zu prüfen. (28) (33) (125)
Es können ergänzende Maßnahmen zur Expositionsminimierung notwendig werden. Dies sind beispielsweise Abdunst- und Abkühlzonen für heiße, noch nicht vollständig ausgehärtete Produkte, gesonderte Teilabsaugungen oder eine Frischluftzufuhr in schlecht durchlüfteten Bereichen. Vorhänge, Sichtscheiben, halboffene und geschlossene Kabinen sind weitere Maßnahmen, mit denen Bereiche höherer Exposition räumlich von den Beschäftigten getrennt werden können.
Um den Trennmittelverbrauch und somit die Exposition der Beschäftigten erheblich zu senken, eignet sich beim Aufbringen des Trennmittels das Ionisationsverfahren.
Die Dosierung bzw. Zuführung der Isocyanate ist derart zu gestalten, dass ein Hautkontakt vermieden wird. Beispiele hierfür sind selbstreinigende Dosierköpfe, Abdeckungen, Spritzschutz oder Probenahmesysteme, bei denen ein Hautkontakt vermieden wird. (111) (100)
Abbildung 6: Moderne Mischköpfe mit integrierter Auftragseinheit
Abbildung 6: Moderne Mischköpfe mit integrierter Auftragseinheit
Maschinen und Anlagen müssen so gestaltet sein, dass auch bei Fehlbedienungen schwerwiegende Konsequenzen ausgeschlossen oder zumindest gemildert werden. Tankanlagen, Pumpen und andere Aggregate sind zum Schutz der Umwelt in Auffangwannen zu stellen.
Beheizte Maschinen, Anlagen und Dosiereinrichtungen müssen eine von der Temperaturregelung unabhängig arbeitende Begrenzung der Verarbeitungstemperatur besitzen, die eine Temperaturüberschreitung signalisiert oder die Anlage in den sicheren Zustand fährt.
Falls bei einer technischen Störung Spitzenexpositionen von Isocyanaten möglich sind, müssen Einrichtungen vorhanden sein, die solche Störungen erkennen, anzeigen und bei Gefahr die Anlage oder Maschine in einen sicheren Zustand bringen. Für Nach- und Nebenarbeiten, Arbeiten zur Störungsbeseitigung sowie für das Reinigen sind Expositionen von Beschäftigten durch technische und oder organisatorische Maßnahmen so niedrig wie möglich zu halten.
Anlagen, Maschinen und Tankanlagen für Isocyanate mit hoher Gefährdung für die Atemwege müssen so ausgelegt sein, dass auch bei Ausfall eines Bauteils oder Aggregats die Freisetzung von Isocyanaten an Arbeitsplätzen verhindert wird. Zudem ist durch weitere Maßnahmen, wie die Begrenzung der Lager- und Verarbeitungsmengen, die Exposition bei einer unvermeidbaren Freisetzung so zu begrenzen, dass keine Personen gefährdet werden. Für die Lagerung in ortsbeweglichen Behältern ist die TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern“ zu beachten. (41) (103)
Tätigkeiten mit hoher Hautgefährdung müssen derart gestaltet werden, dass ein Hautkontakt mit Isocyanaten wirksam vermieden wird. (32)
Funktion und Wirksamkeit der technischen Schutzmaßnahmen sind gemäß Gefahrstoffverordnung regelmäßig, mindestens jedoch jedes dritte Jahr, zu überprüfen. Auch andere Vorschriften, wie die Betriebssicherheitsverordnung, geben Prüffristen vor, die gegebenenfalls kürzer sein können. Für viele technische Arbeitsmittel haben sich in der Praxis kürzere Prüfzyklen bewährt, z. B. für Absaugungen, die zum Schutz vor hohen Gefährdungen eingesetzt werden. Die isocyanatführenden Behälter und Anlagenteile sind auf Beschädigungen und Leckagen zu prüfen. (28) (22–27)
Das Ergebnis der Prüfungen ist zu dokumentieren, festgestellte Mängel sind zu beseitigen.