8.3   Schutzmaßnahmen

Unter Berücksichtigung der bei der Gefährdungsbeurteilung ermittelten Gefahren sind geeignete Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten festzulegen. Das Ziel dieser Schutzmaßnahmen ist es, eine Gesundheitsgefährdung durch Roh- und Hilfsstoffe bei der PU-Herstellung zu verhindern.
Wesentlich ist das Vermeiden von Hautkontakt und das Einhalten der Grenzwerte.
Die Schutzmaßnahmen sind nach den geltenden Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften sowie nach den allgemein anerkannten Regeln der Sicherheitstechnik, der Arbeitsmedizin und der Hygiene, dem Stand der Technik und den sonstigen gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu treffen. Weitere Hinweise sind in den Kapiteln 10 bis 14 enthalten.
Die Festlegung der Schutzmaßnahmen ist abhängig vom Grad der Gefährdung, die von den jeweiligen Stoffen und Arbeitsverfahren ausgehen.
In den folgenden Absätzen wird erklärt, welche Grundpflichten nach § 7 der Gefahrstoffverordnung immer durchzuführen sind und welche (28)darüber hinaus zu ergreifen sind.
Grundpflichten für die Verhütung von Gefährdungen
  • Aufnahme der Tätigkeit erst nach Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und Festlegung der erforderlichen Schutzmaßnahmen.
  • Substitution durch einen weniger gefährlichen Stoff, soweit dies möglich ist, oder Verwendung eines anderweitigen, besser geeigneten Arbeitsverfahrens.
  • Festlegung von Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge:
    • Gestaltung geeigneter Verfahren, geeigneter Arbeitsmittel und Materialien nach dem Stand der Technik.
    • Durchführung kollektiver Schutzmaßnahmen technischer Art an der Gefahrenquelle (z. B. angemessene Be- und Entlüftung) sowie die Durchführung geeigneter organisatorischer Maßnahmen, wie die Erstellung von Betriebsanweisungen und Durchführen von Unterweisungen.
    • Durchführung individueller Schutzmaßnahmen, z. B. die Bereitstellung, Prüfung, sachgerechte Aufbewahrung und Reinigung geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen.
  • Benutzung der bereitgestellten persönlichen Schutzausrüstungen durch die Beschäftigten.
  • Regelmäßige Überprüfung der technischen Schutzmaßnahmen.
  • Sicherstellen der Einhaltung der AGW, z. B. durch fachkundig durchgeführte Messungen.
Allgemeine Schutzmaßnahmen
  • Geeignete Gestaltung des Arbeitsplatzes und Bereitstellen geeigneter Arbeitsmittel und Arbeitsmethoden.
  • Begrenzen der Anzahl der Beschäftigten, die mit Gefahrstoffen tätig sind.
  • Begrenzen der Dauer und des Ausmaßes der Exposition.
  • Angemessene Hygienemaßnahmen, insbesondere zur Vermeidung der Kontamination sowie die regelmäßige Reinigung des Arbeitsplatzes.
  • Begrenzung der am Arbeitsplatz vorhandenen Menge an Gefahrstoffen.
  • Kennzeichnung der verwendeten Stoffe und Gemische.
  • Ess- und Trinkverbot in Bereichen, in denen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ausgeführt werden.
  • Geeignete Lagerung von Gefahrstoffen. Auf flüssigkeitsdichte Lagerung achten. Das ungehinderte Ausbreiten von Flüssigkeitsleckagen verhindern. Hierzu können Auffangeinrichtungen, wie Wannen, dienen.
  • Geeignete Entsorgung von Abfällen.
  • Verschüttete und ausgelaufene Gefahrstoffe auf geeignete Weise umgehend beseitigen.
  • Beim Umfüllen von Gefahrstoffen, die Gase, Dämpfe oder Aerosole freisetzen können, sicherstellen, dass
    • die Freisetzung durch sachgerechte Arbeitstechniken vermieden wird,
    • Gebinde stets geschlossen gehalten und nur zum Umfüllen geöffnet werden,
    • beim Umfüllen eine ausreichende Lüftung und geeignete Luftführung gewährleistet sind.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen
Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich, wenn die Grundpflichten und allgemeinen Schutzmaßnahmen nach §§ 7 und 8 der Gefahrstoffverordnung nicht ausreichend sind. Dies ist z. B. der Fall, wenn Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) oder biologische Grenzwerte (BGW) überschritten sind oder wenn bei haut- oder augenschädigenden Stoffen eine Gefährdung besteht. (52) (53) Diese sind:
  • Verwendung von Gefahrstoffen im geschlossenen System, wenn eine Substitution nicht möglich ist und eine erhöhte Gefährdung der Beschäftigten durch Inhalation besteht. Ist die Anwendung eines geschlossenen Systems technisch nicht möglich, ist die Exposition so weit als möglich zu minimieren.
  • Erneute Durchführung der Gefährdungsbeurteilung bei Überschreiten von AGW und Festlegung geeigneter zusätzlicher Schutzmaßnahmen.
  • Schaffung getrennter Aufbewahrungsmöglichkeiten für Arbeits- und Schutzkleidung einerseits und Straßenkleidung andererseits.
  • Zutrittsverbot für Beschäftigte und Dritte, die nicht unmittelbar mit der Ausführung der Tätigkeiten betraut sind.
  • Festlegung zusätzlicher Schutzmaßnahmen bei der Durchführung von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durch einen Beschäftigten allein oder Sicherstellung einer angemessenen Aufsicht.
  • Beim Abfüllen toxischer Flüssigkeiten:
    • Gebinde direkt am Spundloch absaugen.
    • Bei größeren Abfüllstellen eine Gaspendelung vorsehen.
    • Große Mengen werden am besten durch fest verlegte, dichte Rohrleitungen zugeführt.
Besondere Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, keimzellmutagenen und reproduktionstoxischen Gefahrstoffen
Bei Einhaltung des Luftgrenzwertes sowie des Ausschlusses von Hautkontakt oder Anwendung verfahrens- und stoffspezifischer Kriterien nach TRGS 420 „Verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) für die Ermittlung und Beurteilung der inhalativen Exposition“ sind besondere Schutzmaßnahmen nicht erforderlich, anderenfalls: (36)
  • Arbeitsplatzmessung, insbesondere zur frühzeitigen Ermittlung erhöhter Expositionen durchführen.
  • Gefahrenbereiche abgrenzen, Warn- und Sicherheitszeichen anbringen.
  • Abgesaugte Luft nur in den Arbeitsbereich zurückführen, wenn sie mit behördlich oder von den Trägern der Unfallversicherung (Berufsgenossenschaften, Unfallkassen) anerkannten Verfahren oder Geräten ausreichend von krebserzeugenden, keimzellmutagenen oder reproduktionstoxischen Gefahrstoffen der Kategorien 1A oder 1B gereinigt wurde.
Gemäß TRGS 430 „Isocyanate – Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen“ sind die Schutzmaßnahmen entsprechend des Grads der Gefährdung (gering, mittel, hoch) auszuwählen. (37)
In den erweiterten Sicherheitsdatenblättern sind bereits Schutzmaßnahmen beschrieben, die anzuwenden sind. Außerdem können dort Gefahrstoff-Konzentrationen beschrieben sein, die für bestimmte Tätigkeiten unter Anwendung der beschriebenen Schutzmaßnahmen beispielhaft ermittelt wurden. Weiterhin können die Erkenntnisse aus Gefährdungsbeurteilungen, die von Dritten geliefert werden, genutzt werden, soweit diese auf die eigenen Verhältnisse übertragbar sind.