8.2.3.1   Inhalative Gefährdung (33) (37)

Die Einstufung, die Verarbeitungsmenge und Konzentration im Gemisch, der temperaturabhängige Dampfdruck sowie die Möglichkeit der Aerosolbildung bestimmen den Grad der Gefährdung für die Atemwege.
Der Grad der Penetration von Isocyanat-Aerosolteilchen in die Luftwege und Alveolen ist abhängig von der Größe der Aerosolteilchen. Je größer diese sind, desto geringer ist deren Potenzial zum Eindringen in die tiefen Atemwege.
Es sind je nach Verfahren zu unterscheiden:
  • gasförmige Emissionen bei Raumtemperatur,
  • gasförmige Emissionen bei erhöhter Temperatur (entweder durch Reaktionswärme oder benötigte Reaktionstemperatur) (80–250 °C),
  • Verfahren mit der Bildung von Aerosolen (Sprühverfahren oder Rekondensation).
Es wird unterschieden zwischen geringer, mittlerer und hoher Gefährdung.
Eine geringe Gefährdung ist beispielsweise anzunehmen bei der Verwendung von polymeren Isocyanaten oder Isocyanaten mit einem sehr niedrigen Dampfdruck, wie MDI bei Raumtemperatur. Voraussetzung für die Annahme einer geringen Exposition ist der Ausschluss der Bildung von Aerosolen (fest und flüssig). Für höhere Verarbeitungstemperaturen entwickelte monomerreduzierte polymere Isocyanate, z. B. emissionsarme Schmelzklebstoffe, führen zu vernachlässigbaren Expositionen.
Werden die Tätigkeiten in Behältern oder engen Räumen ausgeführt, kann nicht mehr von einer geringen Gefährdung ausgegangen werden. Hierfür ist dann eine mittlere Gefährdung anzunehmen.
Eine mittlere Gefährdung kann bei Tätigkeiten mit Isocyanaten vorliegen, die hinsichtlich ihrer akut toxischen Eigenschaften in die Kategorie 4 eingestuft sind. Hierzu zählen beispielsweise MDI, NDI und p-MDI. Auch Anwendungen mit polymeren Isocyanaten, bei denen Aerosole auftreten können (z. B. Spritzapplikation, Folienkaschierung), sind dem Bereich der mittleren Gefährdung zuzuordnen.
Eine hohe Gefährdung ist für Tätigkeiten mit Isocyanaten, die hinsichtlich ihrer akut toxischen Eigenschaften in die Kategorien 1, 2 und 3 eingestuft sind, anzunehmen. Dies sind z. B. Tätigkeiten mit TDI, HDI, IPDI sowie auch Tätigkeiten aus dem Bereich der mittleren Gefährdung, bei denen jedoch infolge einer Aerosolbildung oder Erwärmung hohe Konzentrationen an Isocyanaten in die Atemluft gelangen.