6.2   Weitere PU-Roh- und Hilfsstoffe

6.2.1   Polyole

Polyole sind nach dem derzeitigen Erkenntnisstand im Allgemeinen toxikologisch weitgehend unbedenklich.
Eine Exposition der Haut, insbesondere der Schleimhäute, kann, z. B. bei Aminopolyethern, zu mäßigen Reizungen führen.
Eine Aufnahme der Polyole über die Atemwege und eine damit verbundene Gefährdung ist aufgrund der außerordentlich niedrigen Dampfdrücke bei Normalbedingungen nicht möglich.
Bei Polyol-Gemischen (oft nur als Polyol oder Polyolkomponente bezeichnet) können die toxikologischen Eigenschaften durch die enthaltenen Hilfsstoffe (Katalysatoren, Emulgatoren, Stabilisatoren, Flammschutzmittel und Lösemittel) beeinflusst werden.

6.2.2   Amine

Vielen bei der Polyurethan-Herstellung verwendeten Aminen ist eine starke Basizität und eine gute Fettlöslichkeit gemeinsam. Sie sind in flüssiger Form häufig ätzend und zeigen aufgrund ihrer Fettlöslichkeit eine ausgeprägte Tiefenwirkung im Organismus. Bei Exposition, insbesondere gegenüber aliphatischen Aminen, kann es an Haut und Schleimhäuten schnell zu Reizungen bis hin zu tiefgehenden Verätzungen kommen.
Gelangen Amine in die Augen, treten starke Reizungen und Verätzungen des äußeren Auges auf, die unter Umständen eine Hornhauttrübung bis hin zur Erblindung zur Folge haben können. In einigen seltenen Fällen traten Blauschleier- und Hofsehen bei Beschäftigten auf, die Entgratungsarbeiten an nicht vollständig ausgehärteten PU-Produkten ausführten.
Amine haben einen intensiven, äußerst unangenehmen Eigengeruch, der eine deutliche Warnwirkung ausübt. Werden Amine eingeatmet, so können Reizungen, Verätzungen, Entzündungen und schwere Schädigungen der Atemwege die Folge sein.

6.2.3   Zinnverbindungen

Für die eingesetzten Zinn(II)- und Zinn(IV)-Verbindungen wurden Arbeitsplatzgrenzwerte festgelegt (siehe TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“). Sie werden durch die Haut aufgenommen. Bei Haut- und Schleimhautkontakt (insbesondere Augen) können mit Verzögerung auch Reizungen auftreten. Einige Zinn(IV)-Verbindungen sind als vermutlich oder wahrscheinlich reproduktionstoxisch eingestuft. Auch Trennmittel können zinnorganische Verbindungen enthalten. Weitere Informationen können den Sicherheitsdatenblättern und Datenbanken entnommen werden. (52) (97) (158) (165) (168)

6.2.4   Sonstige

Die toxikologischen Eigenschaften von Flammschutzmitteln, Füllstoffen, Verstärkern, farbgebenden Komponenten, Lösemitteln, Schaumstabilisatoren, Trennmitteln, Alterungsschutzmitteln und Verkappungsmitteln sind den entsprechenden Sicherheitsdatenblättern und Datenbanken zu entnehmen, da eine Beschreibung dieser Stoffe den Rahmen dieser Schrift sprengen würde. (158) (165) (168)
Bei der Verwendung von mineralischen Verstärkern und der Nachbearbeitung der Polyurethanprodukte ist der allgemeine Staubgrenzwert von 1,25 mg/m3 für die alveolengängige Fraktion (A-Staub) und 10 mg/m3 für die einatembare Fraktion (E-Staub) einzuhalten. (52)
Weiterführende Informationen zu Lösemitteln können der DGUV Information 213-072 „Lösemittel“ (Merkblatt M 017 der BG RCI) entnommen werden. (96)

6.2.5   Berufskrankheiten

Folgende Erkrankungen durch Isocyanate sind meldepflichtige Berufskrankheiten nach der Anlage zur Berufskrankheitenverordnung (BKV) (Reihenfolge nach Relevanz und Häufigkeit): (57)
  • Nr. 1315 „Erkrankungen durch Isocyanate, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein konnten“.
  • Nr. 5101 „Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können“.
  • Nr. 4301 „Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie), die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können“.
  • Nr. 4302 „Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können.“
  • Nr. 4201 „Exogen-allergische Alveolitis“.