14   Ausgewählte Beispiele für die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung

Ein wesentlicher Aspekt der Gefährdungsbeurteilung ist die Informationsermittlung bezüglich der Eigenschaften der verwendeten Stoffe. Hierzu sind unter anderem die Sicherheitsdatenblätter der verwendeten Stoffe heranzuziehen.
Tätigkeiten dürfen nur dann ausgeübt werden, wenn sie im erweiterten Sicherheitsdatenblatt als „safe use“ ausgewiesen sind.
Im Rahmen der Stoffsicherheitsbewertung hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Verfahrenskategorien (PROC: Process categories) beschrieben und Empfehlungen zu Maßnahmen bei Tätigkeiten mit Isocyanaten gegeben. (171) (175)
Bezüglich der Thematik „Gefahrstoffe“ sind folgende wesentlichen Gefährdungen relevant:
  • Unkenntnis über die Eigenschaften von Gefahrstoffen
  • Freisetzung von Gefahrstoffen in die Atmosphäre und Einatmen dieser Stoffe
  • Hautkontakt zu Gefahrstoffen
  • Unkontrollierte Reaktionen von Gefahrstoffen miteinander
  • Bildung von explosionsfähiger Atmosphäre
Für die einzelnen Tätigkeiten und Arbeitsprozesse sind die in den Abschnitten 14.1–14.9 aufgeführten Maßnahmen geeignet, die Gefährdung zu beseitigen oder zu minimieren. Weitere Hinweise können den Sicherheitsdatenblättern entnommen werden.
Im Rahmen der durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung sind die Schutzmaßnahmen zu beschreiben.
Beispiele dokumentierter Gefährdungsbeurteilungen aus der Praxis zeigen die Anhänge 2–6.

14.1   Lagern und Bereitstellen von Rohstoffen, Umfüllen

Transfer von Stoffen oder Gemischen in Behälter mit Tätigkeiten, wie Füllen, Abladen, Probenahme (PROC 8a, 8b, 9).
Maßnahmen:
  • Verwendung geschlossener Behälter
  • Umfüllen nach dem Gaspendelverfahren
  • Ausschließen von Verwechslungen (Flansche und Schläuche eindeutig zuordnen und kennzeichnen)
  • Verwenden von Überfüllsicherungen
  • Gefahrstoffaustritt vermeiden
  • Verwenden von Absaugeinrichtungen
  • Vorhalten von Auffangeinrichtungen
  • Ausgelaufene und verschüttete Stoffe unverzüglich aufnehmen und vernichten
  • Bildung von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre verhindern oder Zündquellen ausschließen
  • Verwendung geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen

14.2   Mischen und Formulieren

Automatisiertes und manuelles Mischen oder Vermengen in Chargen zur Formulierung von Gemischen und Erzeugnissen in einem oder mehreren Schritten (PROC 4, 5).
Maßnahmen:
  • Nach Erfordernis geschlossene Systeme verwenden
  • Verspritzen von Stoffen vermeiden
  • Absaugeinrichtungen verwenden
  • Geeignete Mischköpfe verwenden
  • Verwendung geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen

14.3   Geschlossene Herstellungsprozesse

Herstellen in geschlossenen kontinuierlichen oder diskontinuierlichen Verfahren ohne oder nur mit geringer Expositionsmöglichkeit (PROC 1, 2, 3).
Maßnahmen:
  • Beim Öffnen des Prozesses Absaugeinrichtungen und geeignete persönliche Schutzausrüstungen verwenden
  • Störungsbeseitigung unter Nutzung geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen
  • Unter Druck stehende Anlagen vor dem Öffnen sicher entlasten

14.4   Offene Herstellungsprozesse

Tätigkeiten, wie Sprühen, Auftragen durch Rollen oder Streichen sowie Tauchen und Gießen (PROC 7, 10, 11, 13).
Maßnahmen:
  • Nach Erfordernis Absaugeinrichtungen verwenden
  • Räumliche Trennung von anderen Produktionsbereichen
  • Verwenden energiearmer Beschichtungs-, Vernebelungs- und Tauchtechnologien
  • Ausschließen von Zündquellen
  • Verwenden geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen

14.5   Nachbearbeitung

Tätigkeiten, wie manuelles Schneiden, Montieren (PROC 21).
Maßnahmen:
  • Verwenden geeigneter Absaugeinrichtungen, gegebenenfalls explosionsgeschützt
  • Verwenden geeigneter Messer
  • Verwenden geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen
  • Berücksichtigung ergonomischer Fragestellungen

14.6   Abfallentsorgung

Transfer von Stoffen in Behälter (PROC 8a, 8b).
Maßnahmen:
  • Vernichten nicht ausreagierter Isocyanate
  • Verwenden geeigneter Absaugeinrichtungen
  • Sammlung von Abfällen in geeigneten Behältnissen
  • Behälter abdecken
  • Verwenden geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen

14.7   Reinigung

Reinigen von Arbeitsgeräten (PROC 0a, 0b, 0c).
Maßnahmen:
  • Absaugen entstehender Dämpfe
  • Verwenden geeigneter persönlicher Schutzausrüstungen

14.8   Qualitätssicherung/Laborarbeiten

Verwendung von Stoffen und Gemischen im Labor, Durchführung von Qualitätsprüfungen (PROC 15).
Maßnahmen:
  • Durchführen der Arbeiten unter einem Abzug bei möglichst geschlossenem Frontschieber
  • Minimieren der Gefahrstoffmenge (möglichst < 1 kg bzw. 1 Liter)
  • Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstungen

14.9   Wartungs- und Reparaturarbeiten

Maßnahmen:
  • Soweit möglich, Absaugeinrichtungen verwenden
  • Falls erforderlich Druckentlastung durchführen
  • Behälter, Leitungen, Pumpen usw. vor dem Ausbau spülen und dekontaminieren
  • Absperren und Kennzeichnen des Wartungs- und Reparaturbereichs bei möglicher Freisetzung von Isocyanaten
  • Vor Wiederinbetriebnahme der Anlagen ordnungsgemäße Funktionstüchtigkeit prüfen
  • Reaktion von Isocyanaten mit anderen Prozessmedien verhindern