4   Prüfung von Flanschdichtungen in gasförmigem Sauerstoff

Die Prüfapparatur besteht im Wesentlichen aus zwei je etwa 1 m langen Stahlrohren, an die entsprechende Normflansche angeschweißt sind. Unter Verwendung des zu prüfenden Dichtungswerkstoffs in Form einer Scheibe werden die beiden Rohrabschnitte gasdicht geflanscht. Die Apparatur wird mit Sauerstoff bis zum Prüfdruck gefüllt und durch eine entsprechende Heizvorrichtung auf eine Prüftemperatur erwärmt, die mindestens 50 °C unter der Zündtemperatur des zu prüfenden Materials liegt. Unter Verwendung eines elektrischen Glühdrahts wird der ins Rohrinnere hineinragende Teil der Dichtungsscheibe dann absichtlich gezündet.
Beurteilungskriterium:
Maßgebend ist bei dieser Prüfung das Verhalten des Dichtungsmaterials nach dessen Zündung. Verbrennt die Dichtung mit einer derartig heißen Flamme, dass der Brand auf den Stahl des Flansches oder sogar auf die Rohrleitung übertragen wird, ist das Material von vornherein ungeeignet. Bei einem positiven Prüfergebnis verbrennen nur die ins Rohrinnere hineinragenden Teile der Dichtung ohne zwischen den Flanschen weiterzubrennen. Wird dieses Ergebnis auch bei viermaliger Wiederholung des Versuchs bestätigt, bestehen in sicherheitstechnischer Hinsicht keine Bedenken gegen den Einsatz der Dichtung bis zum Prüfdruck und bis zur Prüftemperatur.
Wird die Flanschverbindung undicht, weil das Dichtungsmaterial zwischen den Flanschen weiterbrennt oder erweicht, muss die Prüfung bei niedrigeren Temperaturen oder Sauerstoffdrücken fortgesetzt werden, bis letztlich bei fünf Versuchen ein positives Prüfergebnis erhalten wird.