4   Gefahrgutbeförderung ohne Erleichterungen

Wenn keine Freistellung oder Kleinmengenregelung bei der Beförderung gefährlicher Güter in Anspruch genommen werden, sind die Gefahrgutvorschriften in vollem Umfang einzuhalten. Das bedeutet z. B.:
  • Es müssen bauartgeprüfte Verpackungen verwendet werden, die entsprechend der Herstellerangaben verschlossen werden.
  • Die Versandstücke müssen korrekt gekennzeichnet werden.
  • Es müssen folgende Begleitpapiere74) mitgeführt werden:
    • Lichtbildausweis für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung75)
    • Beförderungspapier
    • Schriftliche Weisungen
    • Bescheinigung über die Schulung der Fahrerin/des Fahrers („ADR-Schulungsbescheinigung“) – auch wenn das Fahrzeug ein zulässiges Gesamtgewicht ≤ 3,5 t hat
    • ggf. Zulassungsbescheinigung
    • ggf. Container- oder Fahrzeugpackzertifikat
    • ggf. eine Kopie der Genehmigung der zuständigen Behörde
    • ggf. Ausnahmen (§ 5 GGAV76))
  • Die Beförderungseinheit muss mit der erforderlichen Kennzeichnung versehen sein:
    • vorn und hinten mit zwei orangefarbenen Warntafeln (40 cm x 30 cm); wenn wegen der Größe und des Baus des Fahrzeugs die verfügbare Fläche nicht ausreicht, darf die Warntafel auf 30 cm x 12 cm verkleinert werden. Die orangefarbenen Warntafeln sind am Fahrzeug zu befestigen.
    • ggf. Großzettel (Placards), Kennzeichen für erwärmte Stoffe und Kennzeichen für umweltgefährdende Stoffe.
  • Die Ausrüstung der Beförderungseinheit mit Feuerlöschern ist abhängig von der höchstzulässigen Masse der Beförderungseinheit. Es werden in jedem Fall mindestens zwei tragbare Feuerlöscher für die Brandklassen A, B und C benötigt. Das Mindestfassungsvermögen der Feuerlöscher je Beförderungseinheit zeigt Tabelle 4. Die Prüffrist für in Deutschland hergestellte Feuerlöscher beträgt zwei Jahre.
Tabelle 4: Mindestfassungsvermögen der Feuerlöscher
Höchst­zu­lässige Masse der Be­för­de­rungs­ein­heitMindest­an­zahl der Feuer­lösch­geräteMindest­gesamt­fassungs­ver­mögen je Be­för­de­rungs­ein­heitge­eig­netes Feuer­lösch­gerät für einen Motor-/Fahrer­haus­brand; min­destens eines mit einem Min­dest­fassungs­ver­mögen von:ein oder mehrere zu­sätz­liche Feuer­lösch­geräte; min­destens eines mit einem Mindest­fassungs­ver­mögen von:
≤ 3,5 Tonnen24 kg2 kg2 kg
> 3,5 Tonnen
≤ 7,5 Tonnen
28 kg2 kg6 kg
> 7,5 Tonnen212 kg2 kg6 kg
Das Fassungsvermögen bezieht sich auf Feuerlöschgeräte mit Pulver (bei anderen geeigneten Löschmitteln muss das Fassungsvermögen vergleichbar sein).
  • Folgende Ausrüstungsgegenstände und persönliche Schutzausrüstungen müssen mitgeführt werden:
    • mindestens ein geeigneter Unterlegkeil je Fahrzeug
    • zwei selbststehende Warnzeichen (z. B. Warndreiecke, reflektierende Kegel oder orangefarbene Warnblinkleuchten)
    • Augenspülflüssigkeit77)
    • eine Warnweste für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung
    • ein tragbares Beleuchtungsgerät (z. B. Handlampe) für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung
    • ein Paar Schutzhandschuhe und einen Augenschutz (z. B. Schutzbrille) für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung
    • für Gefahrgüter der Gefahrzettelmuster 2.3 und 6.1: Notfallfluchtmaske für jedes Mitglied der Fahrzeugbesatzung
    • für Gefahrgüter der Gefahrzettelmuster 3, 4.1, 4.3, 8 und 9: Schaufel, Kanalabdeckung und Auffangbehälter.
Bei der Durchführung der Beförderung besonders zu beachten:
  • Es müssen geeignete Vorrichtungen für die Ladungssicherung vorhanden sein, sodass die Ladung ordnungsgemäß gesichert werden kann (siehe Abschnitt 2.12).
  • Nur unbeschädigte Verpackungen dürfen verladen werden.
  • Bestimmte Gefahrgüter müssen getrennt von Nahrungs-, Genuss- und Futtermitteln gehalten werden (siehe Abschnitt 2.9).
  • Bei der Beförderung von Gasen muss für ausreichende Belüftung gesorgt werden.
  • Es dürfen nur Personen mitfahren, die zur Fahrzeugbesatzung gehören.78)
  • Bei der Be- und Entladung darf weder im Fahrzeug noch in dessen Nähe geraucht werden. Auch die Verwendung elektronischer Zigaretten und ähnlicher Geräte ist untersagt.
Fußnote 74)
Teil 8 ADR, siehe Literaturverzeichnis Nr. (24)
Fußnote 75)
Zur Fahrzeugbesatzung gehören Fahrer/in und Personen, die diese/n aus Sicherheits-, Sicherungs-, Ausbildungs- oder Betriebsgründen begleiten.
Fußnote 76)
Siehe Literaturverzeichnis Nr. (13)
Fußnote 77)
Nicht erforderlich bei Gefahrzettelmustern 1, 1.4, 1.5, 1.6, 2.1, 2.2, 2.3
Fußnote 78)
Zur Fahrzeugbesatzung gehören Fahrer/in und Personen, die diese/n aus Sicherheits-, Sicherungs-, Ausbildungs- oder Betriebsgründen begleiten.