2.11   Gibt es besondere Anforderungen an Fahrer und Fahrerinnen?

Grünes Auto Ja. Wenn keine Freistellungen oder Kleinmengenregelungen angewendet werden, müssen Fahrer bzw. Fahrerinnen im Besitz einer ADR-Schulungsbescheinigung sein. Diese „ADR-Card“ wird nach einer Erstschulung (Basiskurs) mit anschließender Prüfung ausgestellt. Für die Beförderung von Stoffen in Tanks, von explosiven Stoffen und Gegenständen mit Explosivstoff (Klasse 1) und von radioaktiven Stoffen (Klasse 7) sind zusätzlich Aufbaukurse erforderlich.
Dieser „Gefahrgut-Führerschein“ ist fünf Jahre gültig und wird durch eine Auffrischungsschulung mit Prüfung verlängert.
Seit 2013 wird die Schulungsbescheinigung im Scheckkartenformat ausgestellt und entspricht dem Muster in Abbildung 12.
Abbildung 12: Bescheinigung über die Fahrzeugführerschulung
Abbildung 12: Bescheinigung über die Fahrzeugführerschulung
(Eine Übersicht der derzeit gültigen ADR-Bescheinigungen verschiedener Länder ist hier aufgelistet: https://www.unece.org/trans/danger/publi/adr/adr_certifi cates.html)
Personen, die auf öffentlichen Straßen Kraftfahrzeuge führen, benötigen eine gültige Fahrerlaubnis (Führerschein)22).
Personen sind zum Führen von Fahrzeugen geeignet, wenn sie körperlich und geistig in guter Verfassung sind, d. h., wenn sie durch ihre Vorbildung, Kenntnisse, Berufserfahrung und persönlichen Eigenschaften, z. B. Seh- und Hörvermögen, Zuverlässigkeit geeignet sind.23)
Der Auftrag zum beruflichen Führen von Fahrzeugen sollte schriftlich erteilt werden.24)
Rotes Auto Nein. Eine ADR-Schulungsbescheinigung ist nicht erforderlich, wenn Freistellungen oder Kleinmengenregelungen in Anspruch genommen werden.
Alle Fahrer, Fahrerinnen und sonstige Beteiligte müssen eine Unterweisung erhalten25). Die Unterweisung muss in folgender Form erfolgen:
Inhalte der Unterweisung nach 1.3 ADR
Unterweisung in Bezug auf das allgemeine Sicherheitsbewusstsein
Vertraut machen mit den allgemeinen Bestimmungen der Gefahrgutvorschriften
Aufgabenbezogene Unterweisung
Aufzeigen der Aufgaben und Verantwortlichkeiten aufgrund der Vorschriften; sichere Handhabung; bei Bedarf auch Hinweis auf die für andere Verkehrsträger (z. B. Luftverkehr) geltenden Vorschriften
Sicherheitsunterweisung
Informationen über die von den gefährlichen Gütern ausgehenden Risiken und Gefahren und über Notfallmaßnahmen beim Be- und Entladen und bei der Beförderung
Die Unterweisung muss vor der Übernahme von Pflichten erfolgen. Sie kann durch eine Gefahrgutbeauftragte, einen Gefahrgutbeauftragten, eine andere geeignete Person oder einen Schulungsveranstalter erfolgen. Aufzeichnungen über die Unterweisung sind anzufertigen und fünf Jahre aufzubewahren. Die Unterweisung ist in regelmäßigen Abständen zu ergänzen, um Änderungen in den Vorschriften Rechnung zu tragen.
Unabhängig von der Unterweisung nach Gefahrgutrecht ist bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen die Unterweisung anhand der Betriebsanweisung gemäß der Gefahrstoffverordnung durchzuführen26), d. h. vor Aufnahme der Beschäftigung und danach mindestens einmal jährlich, mündlich und mit allgemeiner arbeitsmedizinisch-toxikologischer Beratung.
Zur Unterstützung und Ausgestaltung von Unterweisungen kann der Film „Gefahrgut und Gefahrstoff: Sicher transportieren – sicher arbeiten“ herausgegeben von der IVSS Sektion Chemie und der BASF SE, genutzt werden. Das Video ist kostenfrei erhältlich unter www.ivss-chemie.de → Medien → Filme
Fußnote 22)
§ 2 StVG, siehe Literaturverzeichnis Nr. (21)
Fußnote 23)
Die körperliche Eignung kann durch arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem DGUV Grundsatz für arbeitsmedizinische Vorsorge G 25 „Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten“ festgestellt werden. Siehe Literaturverzeichnis Nr. (30) und (45)
Fußnote 24)
Siehe Literaturverzeichnis Nr. (30)
Fußnote 25)
nach den Abschnitten 8.2.3 ADR und 1.3 ADR, siehe Literaturverzeichnis Nr. (24)
Fußnote 26)
§ 1 Abs. 3 GefStoffV und § 14 Abs. 2 GefStoffV, siehe Literaturverzeichnis Nr. (5)