4   Durchführen der Arbeiten

4.1   Arbeiten am Fahrzeug

Zu den Arbeiten am Fahrzeug gehören je nach Betrieb:
  • die Einweisung der Fahrzeuge
  • die manuelle (Vor-)Wäsche mittels Hochdruckreiniger und evtl. vorbereitende Tätigkeiten/Hilfstätigkeiten für die Reinigung von Spezialfahrzeugen
  • die manuelle Nachbehandlung.

4.1.1   Einweisen der Fahrzeuge

Beim Einweisen der Fahrzeuge halten sich Ihre Beschäftigten in unmittelbarer Nähe zu bewegten Fahrzeugen auf. Dabei besteht die Gefahr angefahren oder überrollt zu werden. Berücksichtigen Sie daher folgende Verhaltensregeln:
  • Halten Sie Blickkontakt mit den Fahrzeugführenden um sich deren Aufmerksamkeit zu vergewissern.
  • Halten Sie sich im Sichtbereich der Fahrzeugführenden auf, d. h. vermeiden Sie es, sich z. B. vor dem Fahrzeug zu bücken.
  • Halten Sie sich ohne das Wissen der Fahrzeugführenden nicht hinter dem Fahrzeug auf.
Sicherungspfosten, Leitplanken oder sonstige Abweiser erhöhen die Sicherheit zusätzlich, indem sich die Beschäftigten dahinter aufhalten, z. B. beim Einweisen der Fahrzeuge oder Kassieren der Kundinnen und Kunden im Fahrzeug. Arbeitskleidung in leuchtenden Farben oder mit reflektierenden Flächen verbessert die Erkennbarkeit der Beschäftigten.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 3.2.1 „Betriebsgelände, Betriebshof, Ein- und Ausfahrten“.
Durch Nässe, Bodenfahrschienen, Fördereinrichtungen oder Ähnliches kann es im Bereich der Einweisungszone für die Fahrzeuge zu Stolper- und Rutschunfällen kommen. Beachten Sie daher:
  • Treten Sie nicht auf die Auslaufstelle der Fördereinrichtung oder die Fördereinrichtung selbst.
  • Achten Sie darauf, dass die Bereiche, in denen Fahrzeuge eingewiesen werden, ausreichend beleuchtet und dass Fußboden und Sicherheitsschuhe (mindestens der Kategorie S1) Ihrer Beschäftigten rutschhemmend ausgeführt sind.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 3.1.1 „Vorwaschplatz und Waschhalle“.
Abb. 16 Verhaltensregel beim Einweisen: Stehen Sie beim Einweisen seitlich vom Fahrzeug und geben Sie eindeutige Handzeichen.
 Verhaltensregel beim Einweisen: Stehen Sie beim Einweisen seitlich vom Fahrzeug und
geben Sie eindeutige Handzeichen.
Schutz vor Witterungseinflüssen
Findet das Einweisen der Fahrzeuge unter freiem Himmel statt, beachten Sie die folgenden Hinweise.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Beschäftigte geschlossene Kleidung tragen und nicht von der Kleidung bedeckte Körperstellen durch Hautschutzmittel (Sonnencreme) schützen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Beschäftigten vor allem in der warmen Jahreszeit die Möglichkeit haben ausreichend zu trinken.
  • Ermöglichen Sie Ihren Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge, wenn sie häufig und lange natürlicher UV-Strahlung während der Arbeit ausgesetzt sind.
Für das Arbeiten im Freien bei kalter Witterung gelten z. B. folgende Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen:
  • Sorgen Sie, um Ausrutschunfälle zu vermeiden, für einen Winterdienst und eisfreie Arbeitsbereiche.
  • Organisieren Sie die Arbeiten so, dass sich Ihre Beschäftigten regelmäßig im Warmen regenerieren können, stellen Sie ggf. warme Getränke zur Verfügung.
  • Achten Sie darauf, dass Beschäftigte warme Kleidung und bei Nässe Regenschutz-Kleidung tragen.
Beachten Sie, dass Menschen individuell unterschiedlich auf niedrige oder hohe Temperaturen reagieren und passen Sie Ihre Maßnahmen entsprechend an. Auf Grundlage Ihrer Gefährdungsbeurteilung müssen Sie eventuell weitere Maßnahmen festlegen.
Umgang mit schwierigen Kunden und Kundinnen
In zwischenmenschlichen Beziehungen, so auch zwischen Kundschaft und Beschäftigten, kann es zu Konfliktsituationen kommen, beispielsweise wegen langer Wartezeit zu Stoßzeiten. Einige Menschen werden aggressiv und reagieren mit verbaler und körperlicher Gewalt, wenn sie sich gekränkt oder angegriffen fühlen.
Menschen wenden eher Gewalt an,
  • wenn sie selbst Gewalt erlebt haben
  • wenn sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen, die Gewalt anwendet und gewalttätiges Verhalten in dieser Gruppe als normal angesehen wird
  • wenn sie der Überzeugung sind, dass sie durch Gewalt ihre Ziele besser erreichen können
  • wenn sie keinen Ausweg mehr wissen, ihnen z. B. die Worte fehlen und sie nicht mehr wissen, was sie sagen sollen.
Für einen sicheren Umgang mit schwierigen Kunden bietet sich z. B. ein Deeskalationstraining für Beschäftigte an. Zusätzlich gilt: Lassen Sie sich nicht provozieren, wenden Sie nicht selbst Gewalt an und denken Sie an den Eigenschutz. Ziehen Sie, wenn nötig, die Polizei hinzu.

4.1.2   Vorwäsche und manuelle Wäsche mit dem Hochdruckreiniger

Sichere Verwendung handgeführter Hochdruckreiniger
Je nach Düsengeometrie besteht Verletzungsgefahr, wenn der Sprühstrahl aus sehr kurzer Distanz auf den Körper oder das Gesicht gerichtet wird. Verwenden Sie zur Minimierung des Verletzungsrisikos Flachstrahldüsen in der Sprühlanze. Beachten Sie zusätzlich die Beschäftigungsbeschränkungen bei Betriebsdrücken über 25 bar.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 3.3.3 „Flüssigkeitsstrahler (Hochdruckreiniger)“.
Durch den Rückstoß des Gerätes bei gleichzeitig unsicherem Standplatz oder durch herumliegende Schläuche und Kabel kann es zu Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen kommen. Verwenden Sie Hochdruckreiniger daher nur von einem sicheren Standplatz, z. B. von einem ebenen und festen Untergrund aus, bei Leitern möglichst von einer Podestleiter aus.
Durch eine Schlauchführung, z. B. über einen Galgen, kann das Stolperrisiko deutlich gesenkt werden. Zusätzlich können die Schläuche nicht durch Fahrzeuge überfahren, geklemmt und ggf. beschädigt werden.
Bei andauerndem Halten der Hochdrucklanze besteht durch Hand-Arm-Vibration die Gefährdung von Durchblutungsstörungen der Hände, mit kalten Fingern und Händen als Warnsignal. Zur Reduzierung von Hand-Arm-Schwingungen gibt es schwingungsgedämpfte Sprühlanzen (Herstellerangaben beachten). Zusätzlich kann organisatorisch durch Abwechslung in den Tätigkeiten die Arbeitszeit mit der Sprühlanze reduziert werden. Statten Sie Ihre Beschäftigten mit griffsicheren Schutzhandschuhen, im Winter auch mit zusätzlichen wärmenden Eigenschaften aus.
Abb. 17 Sichere Verwendung handgeführter Hochdruckreiniger
 Sichere Verwendung handgeführter
Hochdruckreiniger
Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung bieten zum Thema Hand-Arm-Vibration nähere Beratung sowie die Durchführung einer Vibrationsmessung an.
Durch Hochdruckreiniger können zuvor auf das Fahrzeug aufgebrachte Reinigungsmittel bzw. Gefahrstoffe in die Luft gewirbelt werden. Das kann die Atemwege reizen. Auch durch biologische Verunreinigungen im Waschwasser, z. B. bei unzureichender Wasseraufbereitung, können die Atemwege gereizt werden oder sich langfristig Allergien entwickeln. Achten Sie daher darauf, die manuelle Vorwäsche nur mit Frischwasser zu betreiben und nicht im Sprühnebel zu stehen. Achten Sie bei Hochdruckreinigern besonders auf den schnellen und ungehinderten Abzug des Sprühnebels ohne weitere Arbeitsplätze zu beeinflussen.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 4.2 „Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ und
→  Kap. 4.3 „Tätigkeiten mit Kontakt zu Biostoffen“.
Hochdruckreinigungsgeräte dürfen grundsätzlich nicht in der Nähe von Gleisen mit unter Spannung stehenden Fahrleitungen (Oberleitungen und Stromschienen) eingesetzt werden. Abweichend davon ist der Einsatz möglich, wenn auf Grund der Arbeitsrichtung und der Reichweite der Flüssigkeitsstrahl die unter Spannung stehenden Fahrleitungen nicht erreichen. Beschäftigte müssen über die besonderen Gefährdungen durch Fahrleitungen unterwiesen sein.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 4.5 „Arbeiten in der Nähe von Fahrleitungen“.
Lärmschutz
Lärmbelastung durch den Hochdruckreiniger selbst oder beim Auftreffen des Sprühstrahls auf das Fahrzeug, z. B. auf Felgen oder durch in der Nähe des Hochdruckreinigerarbeitsplatzes laufende Maschinen (z. B. Hauptwaschbogen, Hochdruckbogen oder Gebläsetrockner), kann eine erhöhte Lärmbelastung vorhanden sein. Betreiben Sie daher Lärmschutz. Dieser beginnt bereits mit der Maschinenauswahl:
  1. Beschaffen Sie lärmgeminderte Maschinen, setzen Sie lärmarme Sprühdüsen (z. B. Flachstrahl statt Punktstrahl) ein oder arbeiten Sie mit geringerem Druck. Richten Sie Bedienplätze in ausreichendem Abstand von den Lärmquellen ein.
    Schotten Sie den Arbeitsplatz der Beschäftigten durch Rolltore oder Schnelllauftore ab.
    Setzen Sie bauliche Lärmminderungsmaßnahmen um, z. B. Einbau schallabsorbierender Deckenelemente.
  2. Setzen Sie organisatorischen Maßnahmen um, wie die zeitliche Beschränkung von Tätigkeiten in lauter Umgebung.
  3. Statten Sie Ihre Beschäftigten mit Persönlichen Schutzausrüstungen, d. h. Gehörschutz, aus und kontrollieren Sie das Trageverhalten. Gehörschutz gibt es in vielen Ausführungen, u. a. mit der Möglichkeit, trotz eingelegtem Gehörschutz dennoch Warnsignale wahrnehmen zu können.
Die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung bieten hier nähere Beratung sowie die Durchführung einer Lärmmessung an.
Ab einem Tageslärmexpositionspegel von 80 dB(A) sind Maßnahmen erforderlich, wie z. B. die Angebotsvorsorge beim Betriebsarzt zum Thema Lärm oder die Bereitstellung von Gehörschutz.
Für weitere Informationen siehe
→  zur Auswahl der Hochdruckreiniger siehe Kap. 3.3.3 „Flüssigkeitsstrahler (Hochdruckreiniger)“
→  zu Lärm siehe Technische Regeln zur Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung (TRLV-Lärm)
→  zu Lärm siehe Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR A3.7) „Lärm“.
Reinigung von Spezialfahrzeugen oder Entfernung besonderer Verunreinigungen
Denken Sie bei der Reinigung von Spezialfahrzeugen daran, dass auch durch die Verunreinigungen selbst Gefährdungen entstehen können.
Bei der Reinigung von Baumaschinen können Gefährdungen durch grobe Verunreinigungen, z. B. Wegfliegen von anhaftenden Steinen oder Erdbrocken, entstehen. In diesem Fall sind zusätzliche Schutzmaßnahmen, wie z. B. eine Schutzbrille erforderlich.
Bei der Reinigung von Müllsammelfahrzeugen oder Viehtransportern beispielsweise können erhöhte Mengen von Fäkalverunreinigungen auftreten. Zusätzlich zu den normalen Hygienemaßnahmen nach Kap. 4.3 „Arbeiten mit Kontakt zu Biostoffen“ können weitere Maßnahmen nach Gefährdungsbeurteilung erforderlich werden.
Bei besonderen Anbauten an Fahrzeugen, wenn hydraulisch bewegliche Anbauten zur Reinigung geöffnet, angehoben, geschwenkt oder verfahren werden müssen, z. B. bei Straßenunterhaltsfahrzeugen, ist darauf zu achten, dass diese während der Reinigung gesichert sind z. B. mit einem Deckenkran, sodass sie sich nicht unbeabsichtigt bewegen können.
Feuchtarbeit
Durch den Umgang bzw. den Kontakt mit hautbelastenden Stoffen, z. B. mit konzentrierten Reinigungsmitteln zur Vorwäsche oder Insektenlöser, sowie durch Tragen feuchtigkeitsdichter Handschuhe können langfristig Hauterkrankungen und Allergien entstehen.
Beim Umgang mit hautbelastenden Stoffen kann es notwendig sein, Schutzhandschuhe zu tragen. Zu beachten ist, dass die Schutzhandschuhe nur während der unmittelbar hautgefährdenden Tätigkeit getragen werden. Diese Intervalle unvermeidbarer Feuchtarbeit sind auf ein Minimum zu reduzieren oder auf mehrere Beschäftigte zu verteilen um die Exposition für den einzelnen Beschäftigten zu verringern.
Hautschutzplan:
Für hautgefährdende Tätigkeiten sind Sie als Unternehmerin oder Unternehmer verpflichtet, einen Hautschutzplan zu erstellen. Im Hautschutzplan werden die zu verwendenden Schutzhandschuhe, Hautschutzmittel, Hautreinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Hautpflegemittel aufgeführt.
Hautschutzmaßnahmen:
Hautbelastung durchWirkungSchutzmaßnahmen
Kontakt mit Reinigungsmitteln, häufiges und intensives Reinigen der HändeIrritation der Haut, Entfettung und AustrocknungÄnderung der Arbeitsverfahren, Tragen geeigneter Schutzhandschuhe, Verzicht auf Kombipräparate, Verwendung von Hautschutz-, -reinigungs und -pflegemitteln
Tragen von flüssigkeitsdichten HandschuhenWärme- und Feuchtigkeitsstau, Aufquellen der Haut, Verringerung der BarrierewirkungVerzicht auf flüssigkeitsdichte Handschuhe, kontaktvermeidende Arbeitstechniken anwenden
Händedesinfektion:
An den Waschbecken sollten separate Spender für Hautreinigungsmittel und evtl. Desinfektionsmittel vorhanden sein und klar festgelegt werden, wann eine Händedesinfektion erforderlich ist. Eine alleinige Händedesinfektion ist in der Regel hautschonender als die Reinigung. Es wird daher empfohlen, keine kombinierten Hautreinigungs- und Desinfektionsmittel zu verwenden.
Schutz vor Witterungseinflüssen
Findet die Vorwäsche unter freiem Himmel statt, beachten Sie die Hinweise aus Kap. 4.1.1 „Einweisen der Fahrzeuge“.

4.1.3   Nachbehandlung

Bei der manuellen Nachbehandlung der Fahrzeuge halten sich Ihre Beschäftigten in unmittelbarer Nähe zu bewegten Fahrzeugen auf. Dabei besteht die Gefahr angefahren oder überrollt zu werden. Beachten Sie die Verhaltensregeln analog zum Arbeitsplatz Einweiser (Kap. 4.1.1 „Einweisen der Fahrzeuge“).
Als Besonderheit bei Waschstraßen ist die rückwärtige Ausfahrt durch eine selbsttätig wirkende Abschalteinrichtung, z. B. eine richtungsabhängige Doppellichtschranke, zu sichern. Der unbefugte Eintritt von Personen in die Waschstraße ist so zu verhindern. Alternativ dazu kann auch eine ständige Überwachung der Waschanlagenausfahrt durch eine Person sichergestellt werden.
Durch die laufenden Maschinen, z. B. Hauptwaschbogen, Hochdruckbogen oder auch Gebläsetrockner, kann eine erhöhte Lärmbelastung vorhanden sein. Als Rangfolge der Maßnahmen zum Lärmschutz gilt:
  • Technische Maßnahmen, wie lärmgeminderte Maschinen, Einrichtung des Bedienplatzes in ausreichendem Abstand von den Lärmquellen oder Abschottung des Arbeitsplatzes der Beschäftigten durch Rolltore
  • Organisatorischen Maßnahmen, wie der zeitlichen Beschränkung von Tätigkeiten in lauter Umgebung
  • Persönliche Maßnahmen, d. h. Tragen von Gehörschutz.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 4.1.2 „Vorwäsche und manuelle Wäsche mit dem Hochdruckreiniger“, Absatz Lärmschutz.

4.2   Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

In allen Fahrzeugwaschanlagen werden Gefahrstoffe gehandhabt, meist in Form von Waschchemie. Die Behältnisse sind z. B. wie folgt gekennzeichnet.
Gesundheitsgefahren durch Gefahrstoffe entstehen durch direkten Kontakt bzw. durch Aufnahme in den Körper. Dies kann durch Einatmen von Dämpfen, Verschlucken oder Aufnahme über die Haut erfolgen.
Substitutionsprinzip
Verschaffen Sie sich einen Überblick über alle im Betrieb vorhandenen Gefahrstoffe. Gehen Sie regelmäßig den Bestand durch und prüfen Sie, ob stark ätzende oder sehr giftige Stoffe durch weniger gefährliche Gefahrstoffe ersetzt werden können. Dokumentieren Sie diese Prüfung (Substituierungsprüfung).
Ausrufungszeichen
WICHTIG!
Auf den Einsatz von Fluss-Säure in der Fahrzeugwäsche ist nach heutigem Stand der Reinigungschemie und der großen Gesundheitsgefahr, die von diesem Stoff ausgeht, ganz zu verzichten.
Entsorgen Sie nicht mehr benötigte Gefahrstoffe sachgerecht und umweltverträglich.
Beschaffen von Informationen zu den Gefahrstoffen
Fordern Sie zu Gefahrstoffen in Ihrem Betrieb aktuelle Sicherheitsdatenblätter der Hersteller an, und archivieren Sie diese. So können die Sicherheitsdatenblätter leicht zur Informationsbeschaffung herangezogen werden.
Stoffdatenbanken liefern Hinweise zu Reinstoffen:
www.gischem.de
Erstellen Sie ein Gefahrstoffverzeichnis (Gefahrstoffkataster) und aktualisieren Sie dieses regelmäßig.
Sicherer Umgang mit Gefahrstoffen
Durch technische und organisatorische Maßnahmen, z. B. technische Absaugung, Lüftungsanlage, muss die Exposition von Beschäftigten gegenüber Gefahrstoffen grundsätzlich verhindert werden. Kann bei Freisetzung eines Gefahrstoffs, z. B. bei Dosierung oder Leckage, eine kurzzeitige hohe Exposition nicht ausgeschlossen werden, sind Sie als Unternehmerin oder Unternehmer dazu verpflichtet den Beschäftigten geeignete persönliche Schutzausrüstungen (PSA) zu stellen und für deren Benutzung zu sorgen.
Stellen Sie bei Bedarf zusätzliche Ausstattung zur Ersten Hilfe zur Verfügung (z. B. Augenspüleinrichtungen).
Veranlassen Sie bzw. bieten Sie arbeitsmedizinische Vorsorge an, wenn Tätigkeiten durchgeführt werden, die dies erfordern oder wenn Erkrankungen auf Tätigkeiten mit Gefahrstoffen zurückzuführen sind. Für weitere Informationen siehe auch Kap. 2.6 „Arbeitsmedizinische Vorsorge“.

4.3   Tätigkeiten mit Kontakt zu Biostoffen

Ausrufungszeichen
DEFINITION BIOSTOFFE
Für den Geltungsbereich dieser DGUV Information versteht man unter Biostoffen/biologischen Arbeitsstoffen im Wesentlichen Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten, die beim Menschen Infektionen, sensibilisierende und toxische Wirkungen verursachen können.
Bei Tätigkeiten in Fahrzeugwaschanlagen kommt es über das Fahrzeugwaschwasser zu einem Kontakt mit Biostoffen, denn Biostoffe kommen unter normalen Betriebsbedingungen im Waschwasser sowie in der Umgebungsluft vor. Zu den Tätigkeiten in Fahrzeugwaschanlagen zählen auch Reinigungs-, Wartungs- oder Instandsetzungsarbeiten. Es handelt sich hierbei um Tätigkeiten nach Biostoffverordnung, die keiner Schutzstufe zuzuordnen sind (BioStoffV § 6). Mögliche Gefährdungen durch Infektionserreger oder aufgrund sensibilisierender oder toxischer Wirkungen sind unabhängig voneinander zu beurteilen und zu einer Gesamtbeurteilung zusammenzuführen, auf deren Grundlage die Schutzmaßnahmen festzulegen und zu ergreifen sind. (BioStoffV § 4).
In Anhang 5.1 „Ergebnisse aus mikrobiologischen Untersuchungen“ finden Sie eine Auswertung der Analysen von Luft- und Waschwasserproben an Fahrzeugwaschanlagen. Diese können als Bewertungshilfe herangezogen werden, wenn in einem Betrieb Messergebnisse zu Biostoffen vorliegen.
Für weitere Informationen siehe
→  „Ergebnisbericht der mikrobiologischen Untersuchungsreihen von Betriebswasser in Fahrzeugwaschanlagen“ (Juli 2003), Seite 28, Abb. 8. Herausgeber: damalige Süddeutsche Metall-Berufsgenossenschaft, Mainz.
→  ÖNORM B 5107, Ausgabe: 2004-12-01 „Wasserrecyclinganlagen für Fahrzeug-Waschanlagen“.
Als Unternehmerin oder Unternehmer sind Sie verpflichtet, allgemeine Hygienemaßnahmen festzulegen. Bei allen Tätigkeiten mit Kontakt zu Biostoffen sind daher mindestens die allgemeinen Hygienemaßnahmen nach § 9, Absatz 1 der BioStoffV festzulegen. Weitergehende Schutzmaßnahmen sind nach der jeweiligen betrieblichen Situation auszuwählen und stoff- und arbeitsplatzbezogen anzupassen (siehe Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 500).
Zu den Hygiene- und Schutzmaßnahmen gehören insbesondere:
  • Reinigungsarbeiten nur in Arbeitskleidung und, gegebenenfalls, mit Persönlichen Schutzausrüstungen ausführen.
  • Vermeidung von Tätigkeiten und Arbeitsverfahren mit Staub- oder Aerosolbildung, ggf. Atemschutzmaske FFP2 tragen.
  • Manuelle Hochdruckreinigung nur mit Frischwasser ausführen.
  • Gründliches Reinigen der Hände vor Eintritt in die Pausen und nach Beenden der Tätigkeit.
  • Bei Tätigkeiten mit Kontakt zu Biostoffen nicht essen, trinken, rauchen oder Kosmetika benutzen.
  • Arbeitskleidung und Persönliche Schutzausrüstungen regelmäßig und bei Bedarf reinigen oder wechseln.
  • Straßenkleidung getrennt von Arbeitskleidung und Persönlichen Schutzausrüstungen aufbewahren.
  • Sanitär-, Pausen- und Arbeitsräume regelmäßig und bei Bedarf feucht reinigen.
  • Pausenräume nicht mit verschmutzter Arbeitskleidung oder persönlichen Schutzausrüstungen betreten.
  • Durchnässte Arbeitskleidung unverzüglich tauschen.
  • Vor Tätigkeitsbeginn, bei Arbeitsunterbrechungen und nach Beenden der Tätigkeit Hautschutzmaßnahmen nach Hautschutzplan durchführen.

4.4   Wartung und Instandhaltung

Abb. 18 Fahrzeugwaschanlagen können nur sicher betrieben werden, wenn sie regelmäßig gewartet und instandgehalten werden.
 Fahrzeugwaschanlagen können nur sicher betrieben
werden, wenn sie regelmäßig gewartet und instandgehalten
werden.
Aufgrund der Komplexität dieser Anlagen bedarf es einer gründlichen Einweisung und Schulung, wobei Instandhaltungsarbeiten am besten durch Fachpersonal durchgeführt werden sollte.
Abb. 19 Bei Betreten der Anlage z. B. für Reparaturen ist vorher der Hauptschalter zu betätigen und gegen Wiedereinschalten zu sichern, z. B. mittels abschließbarem Hauptschalter.

Bei Betreten der Anlage
z. B. für Reparaturen ist
vorher der Hauptschalter
zu betätigen und
gegen Wiedereinschalten
zu sichern, z. B.
mittels abschließbarem
Hauptschalter.
Das bloße Betätigen des Not-Aus gilt nicht als ausreichende Sicherung gegen Wiedereinschalten.
Unser Tipp: Tragen Sie den Schlüssel des Hauptschalters bei sich, solange Sie sich in der Anlage aufhalten. So können nur Sie diese auch wieder in Gang setzen.
Bei Arbeiten an Portalen oder anderen hochgelegenen Teilen der Waschanlage sind, wie in Kap. 3.3.5 „Aufstiege, Leitern“ beschrieben, geeignete Aufstiegshilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Sorgen Sie bei Arbeiten in der Höhe auch für eine adäquate Absturzsicherung. Dabei sind technische Lösungen, wie z. B. Gerüste mit Geländern, vorrangig zu Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz zu verwenden.
Nach der Reinigung des Schlammfanges sind umgehend die Abdeckungen wiedereinzusetzen um der Stolpergefahr entgegenzuwirken.
Arbeiten in Behältern und engen Räumen sind gefährlich, z. B. durch den möglichen Sauerstoffmangel aufgrund mangelhafter Durchlüftung und dem Vorhandensein von Fäulnisgasen. Bei einem Unfall ist die Rettung schwierig durch den engen Zugang und den zu überwindenden Höhenunterschied bei der Rettung.
Arbeiten in Behältern und engen Räumen und fachgerechte Entsorgung des Schlammfanginhaltes sollten daher nur durch Fachfirmen durchgeführt werden.
Für weitere Informationen siehe
→  „DGUV Regel 113-004 „Behälter, Silos und enge Räume“.

4.5   Arbeiten in der Nähe von Fahrleitungen

Bei Arbeiten zur Wäsche von Schienenfahrzeugen in der Nähe von Oberleitungen oder bei seitlicher Stromschiene müssen die Beschäftigten speziell über Gefährdungen aus dem elektrischen Bahnbetrieb unterwiesen werden. Zu den Unterweisungsinhalten gehört insbesondere:
  • Das sicherheitsgerechte Verhalten in der Nähe von Fahrleitungsanlagen
  • Welche Arbeitsverfahren in Gleisen mit Oberleitungen und Stromschienen zulässig sind
  • Welche Anlagenteile unter Spannung stehen oder stehen können
  • Mit welcher Nennspannung die Anlagen betrieben werden
  • Welche Maßnahmen beim Erkennen von offensichtlichen Schäden oder Unregelmäßigkeiten durchzuführen sind
  • Wie groß der einzuhaltende Schutzabstand ist
Die Unterweisung darf nur von Personen durchgeführt werden, die aufgrund ihrer Ausbildung, Kenntnisse und Erfahrungen die Gefahren durch Fahrleitungsanlagen kennen und beurteilen können. Elektrofachkräfte aus den Bereichen Oberleitungsanlagen und Stromschienenanlagen erfüllen diese Anforderungen.
Für weitere Informationen siehe
→  DGUV Vorschrift 73 „Schienenbahnen“
→  VBG Fachinformation „Reinigen von Eisenbahnfahrzeugen zur Personenbeförderung“, Herausgeber: Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG).

4.6   Arbeiten mit handgeführten Einbürsten-Waschanlagen

Handgeführte Einbürsten-Waschanlagen können mit verschiedenen Antriebsarten ausgestattet sein. Bei dieselbefeuerten ist auf eine ausreichende Zu- und Abluft zu achten, bei elektrisch betriebenen auf die Kabelführung und die mögliche Stolpergefahr.
Achten Sie bei der Beschaffung darauf, dass der Hersteller mittels EG-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung bescheinigt, dass die Maschine die grundlegenden Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz erfüllt.
Jeder Maschine muss eine Betriebsanleitung in der Sprache des Landes, in dem die Maschine in Betrieb genommen wird, beigefügt sein.
Achten Sie darauf, dass Ihnen bei Auslieferung alle diese Dokumente zur Verfügung gestellt werden.
Bei der Auswahl von Betriebsmitteln müssen Sie vor der Anschaffung eine Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung erstellen. Beziehen Sie ggf. Fachleute im Betrieb mit ein.
Für Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bleibt grundsätzlich die Pflicht, für die sichere Verwendung von Arbeitsmitteln und Maschinen zu sorgen. Prüfen Sie Ihren Aufbewahrungsort, ob die Einbürsten-Waschanlage dort gegen Wegrollen gesichert und windgeschützt gelagert werden kann. Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten, bevor Sie die Maschine in Betrieb nehmen an Hand Ihrer Betriebsanweisung für diese Maschine, z. B. im Verbot der Nutzung bei Wind oder auf abschüssigen Geländen.

4.7   Verwaltungstätigkeiten

4.7.1   Büroarbeiten

Gestalten Sie Ihre Büroarbeitsplätze ergonomisch, indem Sie z. B. Arbeitstische mit genügend Ablagefläche und individuell einstellbare Bürodrehstühle beschaffen. Richten Sie die Arbeitsplätze so ein, dass das Licht von der Seite kommt und achten Sie bei der Beschaffung von Bildschirmen auf die Blendfreiheit um störende Reflexionen zu vermeiden. Die Bildschirmarbeit sollte durch andere Tätigkeiten unterbrochen werden können (Mischtätigkeit). Achten Sie auf eine sichere Kabelführen zu diversen elektrischen Geräten um Stolperstellen zu vermeiden.
Für weitere Informationen siehe
→  DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze“.

4.7.2   Umgang mit Zahlungsmitteln, Verhalten bei Raubüberfall

Ein griffbereiter Geldbestand kann einen Anreiz zum Überfall darstellen. Sorgen Sie als Unternehmerin oder Unternehmer dafür, dass der Geldbestand in der Kasse einen Höchstbetrag, der sich z. B. am erforderlichen Wechselgeldbetrag orientiert, nicht übersteigt. Schöpfen Sie regelmäßig den Geldbestand ab und verwahren Sie die Einnahmen sicher in einem Tresor, z. B. mit Möglichkeit des Geldeinwurfes.
Führen Sie die Bearbeitung des Bargeldes, z. B. zählen, sortieren, bündeln, in einem Raum durch, der währenddessen nicht durch Unbefugte betreten oder eingesehen werden kann.
Der Geldtransport zur Bank sollte durch ein Werttransportunternehmen erfolgen. Ist dies nicht möglich, sollten beim Geldtransport folgende Regeln beachtet werden:
  • Gehen Sie möglichst zu zweit, setzen Sie nur Personen über 18 Jahren ein
  • Der Geldtransport soll möglichst nicht als solcher erkennbar sein, d. h. tragen Sie keine Firmenkleidung und verwenden Sie keine klassischen Geldbehältnisse, z. B. Geldkassette
  • Führen Sie keine Geldtransporte bei Dunkelheit durch
  • Variieren Sie Zeiten und Routen, nutzen Sie dabei möglichst belebte Strecken
Trainieren Sie mit Ihren Beschäftigten das richtige ruhig-defensive Verhalten bei einem Raubüberfall um körperliche Verletzungen zu verhindern und erstellen Sie einen Notfallplan zum Vorgehen nach einem Raubüberfall.
Für die Betreuung von Betroffenen nach Gewaltereignissen gibt es unterschiedliche Konzepte bei den verschiedenen Unfallversicherungsträgern. Bitte informieren Sie sich über die Regelungen bei Ihrem Unfallversicherungsträger.
Für weitere Informationen siehe
→  DGUV Regel 108-001 „Umgang mit Zahlungsmitteln in Verkaufsstellen“
→  DGUV Information 206-017 „Gut vorbereitet für den Ernstfall – Mit traumatischen Ereignissen im Betrieb umgehen“
→  BGHW Faltblatt F5 „Die BGHW hilft – Psychologische Soforthilfe“.