3.3   Anlagen und Arbeitsmittel in der Fahrzeugwäsche

Achten Sie bei der Beschaffung einer Fahrzeugwaschanlage oder einer anderen Maschine darauf, dass der Hersteller mittels EG-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung bescheinigt, dass die Maschine die grundlegenden Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz erfüllt.
Jeder Maschine muss eine Betriebsanleitung in der Sprache des Landes, in dem die Maschine in Betrieb genommen wird, beigefügt sein. Achten Sie darauf, dass Ihnen bei Auslieferung alle diese Dokumente zur Verfügung gestellt werden.
Ausrufungszeichen
UNSER TIPP
Bei der Anschaffung empfiehlt es sich, Arbeitsmittel oder speziell Maschinen zu kaufen, für die von einem unabhängigen Prüfinstitut das Prüfzeichen GS (Geprüfte Sicherheit) zuerkannt wurde. Solche Anlagen gelten bei bestimmungsgemäßer Verwendung als sicher.
Für weitere Informationen siehe
http://www.dguv.de, webcode: d5229
Für alle Arbeitsmittel generell, egal ob z. B. Waschanlage oder Leiter, muss vor der Anschaffung eine Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung erstellt werden. Beziehen Sie ggf. Fachleute im Betrieb mit ein. Für Sie als Unternehmerin oder Unternehmer bleibt grundsätzlich die Pflicht, für die sichere Verwendung von Arbeitsmitteln zu sorgen. Prüfen Sie ihren Aufstellungsort, z. B. die Waschhalle, ob dort ein sicheres Arbeiten durch genügend Freiraum und ausreichende Sicherheitsabstände zu Verkehrswegen und anderen Maschinen oder Arbeitsmitteln möglich ist. Der Steuerplatz der Anlage muss außerhalb des Spritzwasser- bzw. Fahrbereichs der Fahrzeugwaschanlage liegen.
Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten, bevor Sie neue Arbeitsmittel in Betrieb nehmen (siehe Kap. 2.7 „Unterweisung“), z. B. an Hand Ihrer Betriebsanweisung für diese Maschine (siehe Kap. 2.9 „Betriebsanweisungen“).
Durch die Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme und im Weiteren durch die regelmäßigen Prüfungen auf betriebssicheren Zustand schaffen Sie beste Voraussetzungen für sicheres und unfallfreies Arbeiten (siehe Kap. 2.16 „Regelmäßige Prüfung der Arbeitsmittel“).
Durch Mitwirkung der Beschäftigten – etwa indem sie die Betriebsanleitungen beachten, die Unterweisungen befolgen, Schäden sofort melden und auch sonst ihrer Mitwirkungspflicht nachkommen – wird das Risiko einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zu erleiden auf ein Minimum reduziert.

3.3.1   Waschanlage, Wascheinrichtungen

Fahrzeugwaschanlagen, wie z. B. Waschstraßen oder Portalwaschanlagen, sind komplexe Maschinen, die für Personen gefahrbringende Bewegungen ausführen, sofern diese in den Bewegungsbereich bzw. Gefahrenbereich der Maschinen gelangen.
Gefahrstellen und passende sicherheitstechnische Maßnahmen
Eine Vielzahl an bewegten Teilen an Fahrzeugwaschanlagen führt zu einer Vielzahl an Gefahrenstellen z. B. Quetsch- und Scherstellen für Füße oder den Körper.
Zur Sicherung dieser Gefahrenstellen, beispielsweise zwischen kraftbetriebener Fahrzeugverschiebeeinrichtung und den Schienen des Waschportals oder zwischen dem Waschportal und dem Hallenboden, sind bereits in der Konstruktion der Waschanlage durch den Hersteller Lösungen vorzusehen. Zum Teil werden gefährliche Stellen durch minimale Abstände entschärft, durch Anbringen einer Verkleidung oder durch Abschrägungen.
Abb. 9 Halten Sie bis zu einer Höhe von 2 m über der jeweiligen Standfläche von Beschäftigten mindestens 0,5 m Sicherheitsabstand ein.

Halten Sie bis zu
einer Höhe von 2 m
über der jeweiligen
Standfläche
von Beschäftigten
mindestens 0,5 m
Sicherheitsabstand
ein.
Abb. 10 Selbsttätig wirkende Einrichtungen sind z. B. Schaltleisten, Schaltstangen, Seilzüge oder Lichtschranken.

Selbsttätig wirkende
Einrichtungen
sind z. B. Schaltleisten,
Schaltstangen,
Seilzüge oder
Lichtschranken.
Für Sie als Betreiber ist es wichtig, nur Waschanlagen, Waschstraßen oder von Hand verfahrbare Waschanlagen zu betreiben, die ein CE-Zeichen tragen, und für die der Hersteller die Konformität u. a. gegenüber DIN 24446 „Fahrzeugwaschanlagen“ erklärt hat.
Für weitere Informationen siehe
→  Kap. 3.3 „Anlagen und Arbeitsmittel in der Fahrzeugwäsche“
→  DIN 24446 „Fahrzeugwaschanlagen“.
Sicherheitsabstände zwischen beweglichen Portalwaschanlagenteilen und Einrichtungen der Waschhalle
Zwischen bewegten Teilen der Portalanlage, wie z. B. Bürsten- Schwenkarme oder zustellbare Seitendüsen, und festen Teilen der Umgebung, z. B. Wänden, Stützen und Geländern, dürfen keine Quetsch- und Scherstellen sein.
Dieser Sicherheitsabstand von 0,5 m gilt auch zwischen zwei Waschportalen für den Fall, dass diese unabhängig voneinander verfahren werden können.
In manchen Fällen verringern Einbauten, wie z. B. Waschbecken, Heißwasserbereiter oder Kabeltrassen an den Wänden, den notwendigen Sicherheitsabstand von 0,5 m. In diesen Fällen müssen Quetsch- und Scherstellen zwischen kraftbetriebenen Teilen der Portalanlage und festen Teilen der Umgebung durch besondere, selbsttätig wirkende Einrichtungen gesichert sein. Diese Einrichtungen müssen bei Berührung oder Auslösung durch eine Person die gesamte Anlage unverzüglich zum Stillstand bringen; Bei der Auswahl der Schutzeinrichtung ist ein eventuell vorhandener Anhalteweg zu berücksichtigen.
Not-Aus-Taster müssen bewusst betätigt werden und sind daher keine selbsttätig wirkenden Einrichtungen.
Zum Wiederanlauf der stillgesetzten Anlage ist ein bewusstes Betätigen eines hierfür vorgesehenen Schalters zwingend vorgeschrieben. Ein automatisches Wiederanlaufen der Anlage durch Entriegelung, Rückkehr oder Rückstellung der Sicherheitseinrichtungen in ihre Ausgangslage ist nicht zulässig.
Eine Funktionsprüfung dieser Sicherheitseinrichtung sollte arbeitstäglich durchgeführt werden, da sie vielen schädigenden Umgebungsbedingungen, wie Nässe und Waschchemie, ausgesetzt ist.

3.3.2   Kettenförderer, Plattenbandförderer

Schwere Verletzungen entstehen immer wieder, wenn Arme oder Beine in die Fördereinrichtung der Fahrzeuge oder die Mitnehmerrollen eingezogen werden.
Kettenförderer
Dabei ist zu beachten, dass mindestens einmal täglich – vor Betriebsbeginn – kontrolliert wird, ob die Abweiser vor allen Mitnehmerrollen vorhanden sind und beschädigte sofort ausgewechselt, gelockerte sofort wieder befestigt werden.
Aus- und Einlauföffnungen für die Mitnehmerrollen sind üblicherweise durch Bodenklappen gesichert. Das ordnungsgemäße Öffnen und Schließen dieser Klappen, sollte arbeitstäglich kontrolliert werden, da diese Schutzeinrichtung schnell verschmutzen und unwirksam werden kann.
Abb. 11 An den Mitnehmerrollen von Fahrzeug-Fördereinrichtungen treten in Fahrtrichtung Einzugsstellen auf, diese sind z. B. durch Abweiser vor den Mitnehmerrollen zu sichern.

An den Mitnehmerrollen von Fahrzeug-Fördereinrichtungen treten in Fahrtrichtung
Einzugsstellen auf, diese sind z. B. durch
Abweiser vor den Mitnehmerrollen zu sichern.
Abb. 12 Abdeckungen an Aus- und Einlauföffnungen haben Schutzfunktion, und dürfen daher nicht verändert, festgesetzt oder manipuliert werden.

Abdeckungen an Aus- und Einlauföffnungen haben
Schutzfunktion, und dürfen daher nicht verändert,
festgesetzt oder manipuliert werden.
Plattenbandförderer
Bei Plattenbandförderern besteht die Gefahr, dass z. B. Füße gequetscht werden, wenn das Spaltmaß an der Eintauchstelle des Mitnehmerkamms zwischen Förderband und Abdeckplatte nicht den Vorgaben des Herstellers entspricht. Das Spaltmaß ist deshalb stets nachzustellen.
Abb. 13 Mitnehmer und Einlaufstelle eines Plattenbandförderers
 Mitnehmer und Einlaufstelle eines
Plattenbandförderers

3.3.3   Flüssigkeitsstrahler (Hochdruckreiniger)

Hochdruckreiniger kommen handgeführt an vielen Fahrzeugwaschanlagen zum Einsatz. Für Hochdruckreiniger mit Betriebsdrücken ab 25 bar (2,5 MPa), ab einem Druckförderprodukt von 10 000 und mehr oder bei Flüssigkeiten, die mit mehr als 50 °C zur Anwendung kommen sollen, beschreibt DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“ im Kap. 2.36 „Arbeiten mit Flüssigkeitsstrahlern“ Vorgaben zum sicheren Umgang mit diesen Geräten.
Unter anderem dürfen Hochdruckreiniger nur von Beschäftigten, die 18 Jahre oder älter sind, benutzt werden, es sei denn, sie haben das 16. Lebensjahr vollendet und benutzen den Hochdruckreiniger im Zuge Ihrer Ausbildung, d. h. unter Aufsicht.
Achten Sie bei der Wahl des Aufstellungsortes neben den ausreichenden Sicherheitsabständen zu Verkehrswegen und anderen Maschinen (siehe Kap. 3.3 „Anlagen und Arbeitsmittel in der Fahrzeugwäsche“) auf die möglichen Lärmemissionen von Hochdruckreinigern und stellen Sie diese in ausreichendem Abstand zu den Arbeitsplätzen auf.
Bei ölbefeuerten Hochdruckreinigern werden Dieselmotoremissionen freigesetzt. Diese sind ins Freie zu führen oder der Hochdruckreiniger ist im Freien aufzustellen.
Hochdruckreiniger sind vor der Inbetriebnahme auf Schäden an Druckleitungen oder der Sprühlanze zu kontrollieren. Schäden und Undichtigkeiten sind zu beseitigen. Bei allen Wartungs- und Reparaturarbeiten ist das Gerät auszuschalten und drucklos zu machen.
Weitere Hinweise zur manuellen Wäsche mit dem Hochdruckreiniger enthält Kap. 4.1.2 „Vorwäsche und manuelle Wäsche mit dem Hochdruckreiniger“.
Für weitere Informationen siehe
→  DGUV Regel 100-500 und 100-501 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, Abschnitt 2.36 „Arbeiten mit Flüssigkeitsstrahlern“.

3.3.4   Elektrische Anlagen

Trag- oder fahrbare Hochdruckreiniger fallen unter die mobilen elektrischen Betriebsmittel und sind regelmäßig auf elektrische Sicherheit zu prüfen. Bei der Ermittlung der Prüffristen gemäß DGUV Vorschrift 3 und 4 sind mobile Werkzeuge als ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel einzustufen. Je nach Beanspruchung sind die Prüfzyklen anzupassen. Dokumentieren Sie die Prüfungen. Achten Sie darauf, dass die Betriebsmittel nicht zweckentfremdet eingesetzt werden. Die Herstellerangaben sind zu beachten, ggf. muss PSA getragen werden.
Wenn sich elektrische Anlagen im Bereich der Waschhalle oder der Waschplätze befinden, müssen diese zusätzlichen Schutz gegen Nässe aufweisen, z. B.
Für weitere Informationen siehe
→  DGUV Information 203-005 „Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbedingungen“.
Durch die Umgebungsbedingungen in der Fahrzeugwäsche, wie z. B. die hohe Luftfeuchtigkeit, ist es besonders wichtig, dass die Türen von Schaltschränken immer verschlossen gehalten werden.
Elektrische Zuleitungen dürfen nicht unter Zug stehen, über scharfe Kanten geführt werden oder, z. B. an Türen, gequetscht werden.
Tätigkeiten BeispieleElektro-
technischer Laie
Elektrotechnisch unterwiesene Person (unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft)Elektrofachkraft
LeuchtmittelwechselXXX
Prüfen des Fehlerstromschutzschalters (FI) mit PrüftasteXXX
Wechseln von Sicherungen XX
Durchführung von Prüfungen an ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln nach DGUV Vorschrift 3 und 4 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ (bisher BGV A3 und GUV-V A3) X
(in Unterstützung der Elektro­fach­kraft und unter Verwendung geeigneter Prüf­ge­räte, z. B. mit Ja/Nein-­Aussage)
X
Planen, Errichten, Ändern und Instandsetzen von elektrischen Anlagen  X
Verwenden Sie keine defekten oder beschädigten Leitungen und Steckvorrichtungen, sondern entziehen Sie diese sofort der weiteren Benutzung um Sie instand setzen zu lassen oder zu entsorgen.
Beauftragen Sie Fachfirmen, wenn Ihnen im Unternehmen keine Beschäftigten mit den erforderlichen Fachkenntnissen zur Verfügung stehen.
Bei Arbeiten an Maschinen oder Anlagen sind die Angaben des Herstellers zu beachten. Eine Einweisung der Errichterfirma hat zu erfolgen, um einen gefahrlosen Umgang zu ermöglichen.
Abb. 14 Arbeiten an elektrischen Anlagen sind Elektrofachkräften vorbehalten
 Arbeiten an elektrischen Anlagen sind
Elektrofachkräften vorbehalten

3.3.5   Aufstiege, Leitern

Sollen hohe Fahrzeuge gewaschen werden oder sind Montage-, Reparatur- oder Wartungsarbeiten an hochgelegenen Teilen der Waschanlage notwendig, müssen Sie Ihren Beschäftigten geeignete Aufstiege zur Verfügung stellen, z. B. Podeste, (Roll-)Gerüste, Podestleitern. Diese sind gegenüber Steh- oder Anlegeleitern bevorzugt zu verwenden.
Arbeiten auf Leitern sind nur bis zu einer Standhöhe von 2 m zulässig oder bis zu einer Standhöhe von 5 m, sofern die Arbeiten nur zeitweilig, d. h. bis maximal 2 Std. Dauer ausgeführt werden.
Dabei dürfen Arbeiten auf Leitern nur ausgeführt werden, wenn man mit beiden Beinen auf einer Stufe oder Plattform steht; für Sprossenleitern ist die Nutzung von sogenannten Einhängepodesten erlaubt. Von tragbaren Sprossenleitern aus darf nur in besonders begründeten Einzelfällen gearbeitet werden, z. B. bei Arbeiten in engen Schächten. Diese besondere Begründung ist von Ihnen als Unternehmerin oder Unternehmer in der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.
Dient die Leiter lediglich als Verkehrsweg, um z. B. auf ein Rollgerüst zu gelangen, darf die Sprossenleiter weiterhin eingesetzt werden.
Abb. 15 Beispiel für ein Einhängepodest an einer Sprossenleiter
 Beispiel für ein Einhängepodest
an einer Sprossenleiter
Bei der Verwendung von Leitern ist besonders zu beachten, dass sie für nasse Böden geeignet sein müssen. Das Auftreten von gleitfördernden Stoffen am Boden, wie z. B. Reiniger oder Seifenlösungen, kann die Nutzung von Aufstiegen, insbesondere von Anlegeleitern, sehr gefährlich machen, da diese nur sehr schwer standsicher aufgestellt werden können. Nutzen Sie daher Anlegeleitern nur, wenn der Boden trocken und frei von Reinigerrückständen ist. Eine Einhakvorrichtung für Anlegeleitern erhöht die Standsicherheit.
Für weitere Informationen siehe
→  TRBS 2121 Teil 2 „Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern“
→  DGUV Information 208-016 „Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten“.