Anhang 4

Beispiele für Rettungskonzepte

Einleitung
Im Folgenden werden Beispiele für Rettungskonzepte ausgehend von verschiedenen Rettungssituationen an Steigleitern mit Steigschutzeinrichtung dargestellt.
Bei den Rettungskonzepten ist zu berücksichtigen, dass durch längeres bewegungsloses Hängen im Auffanggurt die Gefahr des Hängetraumas besteht.
Generell gilt beim Vorliegen der Symptome eines Hängetraumas die Durchführung folgender Maßnahmen:
  • Bestehen keine massiven Blutungen und ist die Person nicht bewusstlos oder liegt kein Atemstillstand vor, so sollte der/die Verunfallte nach der Rettung mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden (sitzende oder hockende Stellung). Alle beengenden Gurte und Kleidungsstücke sind zu öffnen.
  • Ist die gerettete Person bewusstlos, aber atmet normal, ist die stabile Seitenlage herzustellen. Die Vitalfunktionen sind engmaschig zu kontrollieren.
  • Ist die gerettete Person bewusstlos und hat keine normale Atmung, so sind die üblichen Maßnahmen der Wiederbelebung durchzuführen.
Grundvoraussetzungen für alle Rettungskonzepte sind:
  • der Einsatz von fachlich, körperlich geeignetem und trainiertem Personal,
  • die Vorhaltung von geeigneten Rettungsausrüstungen an der Einsatzstelle,
  • die Absetzung des Notrufs im Rettungsfall,
  • die Sicherstellung der Erstversorgung/Betreuung des/der Verunfallten an der Unfallstelle.
Dargestellte Situationen
1.
Rettung einer Person von einer Steigleiter mit Steigschutzeinrichtung an einem Mast
2.
Rettung einer Person von einer Steigleiter mit Steigschutzeinrichtung aus einem Kontrollschacht eines Hochwasserpumpwerks
In diesen beiden Situationen werden die einzelnen Rettungsmaßnahmen, unabhängig von der Höhenposition der zu rettenden Person, dargestellt.
Hinweis: Die fotografischen Darstellungen sind im Rahmen von Übungen erstellt worden.
3.
Besonderheiten für Rettungskonzepte bei größeren Höhen
Hier wird der Einfluss der Höhe und des Zeitfensters der Rettung auf die Positionierung der Rettungsausrüstung sowie der zur Rettung durch eine oder zwei Personen erforderlichen Seillänge des Rettungsgerätes dargestellt.
zu 1: Rettung einer Person von einer Steigleiter mit Steigschutzeinrichtung an einem Mast
Ausgangssituation und Methode
Der oder die Steigende rutscht von einer Sprosse der Steigleiter ab und wird durch das Steigschutzsystem aufgefangen. Er ist daraufhin handlungsunfähig und befindet sich in einer Höhe von 25 m (Abb. A1).
Abb. A1
Die verunglückte Person muss nun innerhalb von 20 Minuten in eine sichere, den Körper entlastende Stellung gebracht werden. Dazu muss die Rettungsausrüstung und eine im Umgang mit dieser Rettungsausrüstung geschulte Person (Retterin bzw. Retter) am Einsatzort zur Verfügung stehen. Der Retter bzw. die Retterin muss zudem über eine geeignete Schutzausrüstung (z. B. mitlaufendes Auffanggerät und Auffanggurt) verfügen.
Zur Rettung aus der Steigschutzeinrichtung sind in der dargestellten Situation Rettungsgeräte (Abseilgerät mit Rettungshubeinrichtung) erforderlich.
Bei der Rettung kann wie folgt verfahren werden:
Der Retter bzw. die Retterin steigt gesichert zur hilflosen Person (Abb. A2), positioniert sich mittels Halteseil (Abb. A3) und befestigt danach das Rettungsgerät oberhalb der Person (Abb. A4). Das Rettungsgerät und der Auffanggurt (hintere Auffangöse) der zu rettenden Person werden miteinander verbunden (Abb. A5).
Abb. A2
Abb. A3
Abb. A4
Abb. A5
Abb. A6
Abb. A7
Mit Hilfe der Rettungshubeinrichtung wird die zu rettende Person angehoben und danach von der Steigschutzeinrichtung gelöst (Abb. A6). Anschließend erfolgt ein kontrolliertes Ablassen der zu rettenden Person (Abb. A7).
zu 2: Rettung einer Person von einer Steigleiter mit Steigschutzeinrichtung aus einem Kontrollschacht eines Hochwasserpumpwerks
Ausgangssituation und Methode
Die steigende Person befindet sich auf der Steigleiter, rutscht von einer Sprosse ab, wird durch das Steigschutzsystem aufgefangen und ist daraufhin handlungsunfähig (Abb. A8).
Abb. A8
Die hilflose Person muss nun innerhalb von 20 Minuten in eine sichere, den Körper entlastende, Stellung gebracht werden. Dazu muss die Rettungsausrüstung und eine im Umgang mit dieser Rettungsausrüstung geschulte Person (Retter/-in) am Einsatzort zur Verfügung stehen.
Zur Rettung aus der Steigschutzeinrichtung sind in der dargestellten Situation Rettungsgerät (Höhensicherungsgerät mit Rettungshubeinrichtung) und Anschlageinrichtung (Ausleger) sowie eine geeignete Schutzausrüstung für den Retter bzw. die Retterin (Auffanggurt, Verbindungsmittel mit Längeneinstellvorrichtung und Falldämpfer) erforderlich.
Zur Gewährleistung der Einleitung einer unverzüglichen Rettung wird vor dem normalen Einstieg in den Kontrollschacht die Anschlageinrichtung (Ausleger) bereits montiert und mit dem Rettungsgerät bestückt. Dazu wird der Ausleger in die stationär vorhandene Montagehülse gesteckt und gesichert. Danach wird das Rettungsgerät an der dafür vorgesehenen Halterung des Auslegers befestigt (Abb. A9).
Die einsteigende Person führt bereits vor dem Einstieg das mitlaufende Auffanggerät in die Steigschutzschiene ein und verbindet das Rettungshubgerät mit der hinteren Auffangöse seines Auffanggurtes (Abb. A10).
Abb. A9
Abb. A10
Damit wird vermieden, dass die Retterin bzw. der Retter zur verunfallten Person hinabsteigen muss. Dies spart Zeit und vermeidet die zusätzliche Gefährdung der Retterin bzw. des Retters, z. B. durch unvorhersehbare Gasentwicklung im Kontrollschacht. Voraussetzung ist hierbei, dass das Auffanggerät während des Hubvorgangs mitläuft. Dies ist im Rahmen von Übungen zu prüfen.
Abb. A11
Abb. A12
Abb. A13
Die gleichzeitige Verwendung des Steigschutzes mit dem Höhensicherungsgerät reduziert zudem die Verletzungsgefahr, die durch das Pendeln beim Auffangvorgang mit dem Höhensicherungsgerät sowie bei der Rettung besteht.
Bei der Rettung kann wie folgt verfahren werden:
Der Retter bzw. die Retterin sichert sich selbst unter Verwendung des Verbindungsmittels mit Falldämpfer an dem Ausleger.
Danach aktiviert er oder sie an dem Höhensicherungsgerät den Rettungshubmechanismus und zieht die verunfallte Person mit dem Rettungshubgerät nach oben bis über die Gitterrostoberkante des Kontrollschachtes (Abb. A11).
Nach dem Lösen von dem mitlaufenden Auffanggerät wird die zu rettende Person mittels Drehen des Auslegers zur Seite gezogen, so dass diese auf den Boden abgesetzt werden kann (Abbildungen A12 und A13).
Zu 3: Besonderheiten für Rettungskonzepte bei größeren Höhen
Bei der Gestaltung der Rettungskonzepte sind folgende Parameter zu berücksichtigen:
  • erforderliche Seillänge für das Rettungsgerät
  • zumutbare Steighöhe
  • erforderliche Anzahl der Retter bzw. der Retterinnen
  • sinnvolle Positionierung der Rettungsausrüstung
Unter Berücksichtigung dieser Parameter ist eine Höhe von ca. 50 Metern in einer Zeit von acht bis zehn Minuten zu erreichen. Damit kann das Zeitfenster für die Rettung (ca. 20 Minuten) eingehalten werden.
Daraus ergibt sich, dass der Gesamtweg, den der Retter bzw. die Retterin von der Arbeitsposition aus zum Rettungsgerät und zur verunfallten Person zurücklegen muss, 50 m nicht überschreiten soll. Demzufolge sollte die Verteilung/Positionierung der Rettungsgeräte wie folgt sein:
Abb. A14
Abb. A15