1   Allgemeines

1.1   Übersicht über die Kassentisch-Arten

Unterschiedliche Arbeitsanforderungen an der Kasse erfordern unterschiedliche Arten von Kassentischen. Zu unterscheiden sind:
  • Der Sitz-Kassenarbeitsplatz
  • Der kombinierte Sitz-Steh-Kassenarbeitsplatz
  • Der Steh-Kassenarbeitsplatz mit Stehhilfe
  • Der Steh-Kassenarbeitsplatz
Eine Übersicht über Kriterien, die bei der Entscheidung für eine Hauptarbeitshaltung helfen, finden Sie hier:
Abb. 1 Dieses Schaubild kann helfen, die richtige Hauptarbeitshaltung zu ermitteln
 Dieses Schaubild kann helfen, die richtige Hauptarbeitshaltung zu ermitteln
Gut gestaltete Kassenarbeitsplätze können einen großen Beitrag leisten, um das Ziel zu erreichen, mit freundlichem Kassenpersonal zügig und fehlerfrei zu kassieren.
Sitz-Kassenarbeitsplatz
Kombinierter Sitz-Steh-Kassen­arbeitsplatz
Vorkommen z. B.: Lebensmitteleinzelhandel, Drogerie, Elektronikmarkt
Vor- und Nachteile:
Vor- und Nachteile:
Symbol: grünes Pluszeichen
beim Sitzen ermüdet man nicht so schnell
Symbol: grünes Pluszeichen
es gelten dieselben Vorteile wie beim Sitz-Kassenarbeitsplatz
Symbol: grünes Pluszeichen
unterschiedliche Körpergrößen können über die individuelle Einstellung des Arbeitsstuhles zum Teil ausgeglichen werden
Symbol: grünes Pluszeichen
zusätzlich können Beschäftigte frei wählen, wie lange sie bei der Arbeit stehen und wie lange sie sitzen möchten
Symbol: rotes Minuszeichen
Arbeitsbereich ist begrenzt
Symbol: rotes Minuszeichen
Der Arbeitsstuhl ist in der Regel weniger leicht beweglich
Symbol: rotes Minuszeichen
Körperkraft kann im Sitzen schlecht eingesetzt werden
Symbol: rotes Minuszeichen
Risiko, beim Besteigen des Arbeitsstuhls zu fallen
Symbol: rotes Minuszeichen
Risiko auf längere Sicht falsche Körperhaltung einzunehmen
  
Anforderungen:
  • Ausstattung mit Arbeitsdrehstuhl verpflichtend, ggf. Fußstütze
  • Auf eine ausreichende Beinraumhöhe ist besonders zu achten
  • Abwechslung mit anderen Tätigkeiten wird empfohlen
Anforderungen:
  • Ausstattung mit Arbeitsdrehstuhl mit verlängerter Gasdruckfeder und mit separater Fußstütze verpflichtend
  • Auf eine ausreichende Beinraumtiefe in Knie- und Fußhöhe achten
  • Es muss genügend Raum vorhanden sein, um den Arbeitsstuhl wegsetzen zu können
Steh-Kassenarbeitsplatz mit Stehhilfe
Steh-Kassenarbeitsplatz
Vorkommen z. B.:
Baumarkt, Getränkehandel, Tankstelle, Kiosk
Vorkommen z. B.:
Textilhandel, Warenhaus, Tankstelle, Kiosk
Vor- und Nachteile:
Vor- und Nachteile:
Symbol: grünes Pluszeichen
es kann leicht zum Stehen gewechselt werden
Symbol: grünes Pluszeichen
großer Bewegungsradius
Symbol: grünes Pluszeichen
die Stehhilfe entlastet beim Stehen
Symbol: grünes Pluszeichen
Körperkraft kann im Stehen voll eingesetzt werden
Symbol: rotes Minuszeichen
eine Stehhilfe ist keine vollwertige Sitzgelegenheit
Symbol: rotes Minuszeichen
Stehen ist belastend für Beine und Rücken
Symbol: rotes Minuszeichen
die Stehhilfe lässt nur eine Sitz- bzw. Arbeitshaltung zu, dies kann evtl. zu Druckschmerzen an den Oberschenkeln bei längerer Benutzung führen
Symbol: rotes Minuszeichen
Pedale, z. B. zur Steuerung eines Kassenförderbandes, können nicht bedient werden, da einbeiniges Stehen notwendig wäre
Symbol: rotes Minuszeichen
unterschiedliche Körpergrößen können nicht ausgeglichen werden, d.h. die Arbeitshöhe kann nicht für alle Beschäftigten gleich gut sein
Symbol: rotes Minuszeichen
unterschiedliche Körpergrößen können nicht ausgeglichen werden, d.h. die Arbeitshöhe kann nicht für alle Beschäftigten gleich gut sein
Anforderungen:
  • Auf eine ausreichende Beinraumtiefe in Knie- und Fußhöhe achten
  • Es muss genügend Raum vorhanden sein, um die Stehhilfe wegsetzen zu können
  • Vorgaben aus dem Mutterschutzgesetz und Jugendarbeitsschutzgesetz beachten
Anforderungen:
blaues Dreieck über blauem Balken
Für weitere Informationen siehe
Bei der Auswahl von Steh-Kassentischen müssen Sie vor der Anschaffung eine Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) erstellen. Beziehen Sie ggf. Fachleute im Betrieb mit ein.
Für Sie als Unternehmer bleibt grundsätzlich die Pflicht, für die sichere Verwendung von Steh-Kassentischen zu sorgen. Wählen Sie einen Aufstellungsort, der ein sicheres Arbeiten durch genügend Freiraum und ausreichende Abstände zu Verkehrswegen und anderen Einbauten, wie z. B. rückwärtigen Regalen, ermöglicht.

In dieser Schrift werden hauptsächlich die Kassentisch-Arten „Steh-Kassenarbeitsplatz mit Stehhilfe“ und „Steh-Kassen­arbeitsplatz“ betrachtet.
Sie haben weitergehende Fragen zum Thema Sicherheit und Gesundheit an Kassenarbeitsplätzen? Wenden Sie sich an die Expertinnen und Experten Ihres Unfallversicherungsträgers. Als Mitgliedsunternehmen haben Sie Anspruch auf eine umfassende Beratung und vielfältige Informationen.

1.2   Betriebsanweisung

Für die Arbeit am Steh-Kassentisch enthält die Betriebsanweisung komprimiert Hinweise auf Gefahren, Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln.
Inhalte sind z. B.
  • Arbeitsabläufe und Benutzung der Arbeitsmittel, z. B. (Hand-)Scanner, Drucker, Stehhilfe,
  • Verhalten bei Sicherheitsmängeln (z. B. Springblech am Ende des Förderbandes fehlt) und Betriebsstörungen (z. B. Ausfall des Kassenrechners),
  • Hinweise zur arbeitstäglichen Inbetriebnahme, Funktionskontrolle, Reinigung.
Eine wichtige Grundlage bei der Erstellung einer Betriebsanweisung sind die Betriebsanleitungen und andere Informationen der Hersteller oder Lieferanten zu den einzelnen Arbeitsmitteln am Steh-Kassentisch (für Steh-Kassentische mit Förderband siehe Kapitel 4 „Besonderheiten bei Kassentischen mit Förderband“).
Die Betriebsanweisung gilt als verbindliche Anweisung des Unternehmers und kann z. B. per Unterschrift in Kraft gesetzt werden. Bei der Erstellung können Betriebsärztin oder Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit oder andere fachkundige Personen, z. B. Kassenaufsicht, unterstützen.
Eine gute Betriebsanweisung kann als roter Faden bei der Unterweisung der Beschäftigten dienen. Betriebsanweisungen müssen leicht verständlich formuliert und für die Beschäftigten griffbereit ausgelegt/-gehängt werden. Abbildungen helfen, Sachverhalte zu veranschaulichen.

1.3   Unterweisung der Beschäftigten

Ihre Beschäftigten können nur dann sicher und gesund arbeiten, wenn sie über die Gefährdungen am Steh-Kassenarbeitsplatz informiert sind und die erforderlichen Maßnahmen kennen. Deshalb ist es wichtig, dass Ihre Beschäftigten eine Unterweisung möglichst direkt am Steh-Kassenarbeitsplatz erhalten, z. B. an Hand Ihrer zugehörigen Betriebsanweisung. Zusätzlich soll die Unterweisung möglichst viele praktische Anteile enthalten, d. h. Ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht.
Themen für die Unterweisung sind z. B.:
  • Scan-Prozess – Ware möglichst ziehen und schieben, bei fest eingebautem Scanner nicht über den Scanner heben.
  • Richtige Einstellung von Arbeitsdrehstuhl oder Stehhilfe.
  • Umgang mit Zahlungsmitteln, um keine Anreize für einen Raubüberfall zu bieten.
  • Freihalten von Beinraum bzw. Fußraum und Zugang zur Kasse von Gegenständen.
  • Bei Kassentischen mit Förderband Maßnahmen bei Notfällen oder Störungen am Band.
Die Unterweisung kann durch Sie selbst oder durch eine von Ihnen beauftragte zuverlässige und fachkundige Person, wie z. B. die Kassenaufsicht, erfolgen. Setzen Sie Beschäftigte aus Zeitarbeitsunternehmen ein, müssen Sie diese so unterweisen wie Ihre eigenen Beschäftigten. Betriebsärztin bzw. Betriebsarzt oder Fachkraft für Arbeitssicherheit können hierbei unterstützen. Die Unterweisung muss mindestens einmal jährlich erfolgen und dokumentiert werden. Bei Jugendlichen ist dies halbjährlich erforderlich. Zusätzlich müssen Sie für Ihre Beschäftigten eine Unterweisung sicherstellen u. a. vor Aufnahme der Tätigkeit oder bei Veränderungen in den Arbeitsabläufen.
blaues Dreieck über blauem Balken
Für weitere Informationen siehe