3   Anforderungen an den Kassentisch

3.1   Freie Bewegungsfläche

Wählen Sie den Bewegungsraum so, dass die Beschäftigten sich bei Durchführung ihrer Arbeitsabläufe ungehindert bewegen können.
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Für weitere Informationen siehe
  • LV 20 „Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedin­gungen an Kassenarbeitsplätzen“.
Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.2 fordert eine Bewegungsfläche von 1,50 m2 bzw. bei betriebstechnischen Gründen stattdessen diese Fläche in der Nähe des Arbeitsplatzes. Gleichzeitig darf die Tiefe oder Breite an keiner Stelle des Arbeitsplatzes 1 m unterschreiten.
Es ist grundsätzlich zulässig für reine Steh-Kassenarbeitsplätze auch kleinere Flächen zum Stehen zu planen. Dabei ist zu beachten, dass bei Einsatz einer Stehhilfe genügend Raum zum Wegsetzen dieser vorhanden sein muss, sodass sie den Arbeitsablauf nicht behindert oder den Zugang einengt. Für Arbeitsplätze, an denen die Kassiertätigkeit mit anderen Tätigkeiten (z. B. Lottoannahme, Tabakwaren aus einem rückwärtigen Regal verkaufen, Retourenabwicklung, Geschenkkorbservice) kombiniert wird, gilt diese Ausnahme nicht.
Bei einem Tandem-Steh-Kassentisch muss ein Mindestabstand von 0,9 m zwischen den Arbeitsplätzen eingehalten werden. Ein ungehindertes Betreten und Verlassen des Steh-Kassentischs muss für beide Personen möglich sein.
Der Zugang zum Kassenbereich muss mind. 0,60 m breit sein.
Kommen in der Betriebsstätte Einkaufswagen zum Einsatz, muss das Kassenpersonal gegen Anfahren durch Einkaufswagen geschützt sein. Dies kann durch eine bis in Arbeitsplattenhöhe geschlossene Kassenbox erfolgen. Durch die Lage des Zugangs bzw. durch eine Tür zum Kassentisch kann die Gefährdung gemindert werden.
Bei der Beschäftigung, insbesondere von Personen mit körperlicher Behinderung, ist individuell zu klären, ob sämtliche Mindestflächen nach Arbeitsstättenrecht ausreichen oder zusätzliche Flächen zu berücksichtigen sind.
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Für weitere Informationen siehe

3.2   Fußboden

Anforderungen an den Fußboden in Steh-Kassenarbeitsplätzen sind:
  • Oberflächentemperatur von mind. 18 °C
  • Ausreichende Wärmeisolierung, Fußbodenmaterial mit einer Wärmeleitzahl von max. 0,6 W/m K
Dabei kann im Steh-Kassentisch ein separater Fußboden verlegt sein oder es kann sich um den normalen Fußboden der Betriebsstätte handeln.
Der Fußboden muss frei von Stolperstellen sein. Das gilt insbesondere für den Fall, dass eine elastische Fußbodenmatte verlegt ist, die grundsätzlich die Arbeitsbedingungen am Steh-Kassenarbeitsplatz verbessern kann.
In manchen Fällen stehen Kassentische auf einem Podest, sodass bei Betreten und Verlassen eine Ausgleichsstufe überwunden werden muss. Solch eine Stufe ist grundsätzlich zulässig. Die Stufenhöhe sollte jedoch zur Minimierung der Stolpergefahr so weit wie möglich minimiert werden oder besser, die Stufe sollte komplett entfallen.
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Für weitere Informationen siehe

3.3   Arbeitshöhe

Die Arbeitsfläche soll in Höhe der Ellbogen liegen. Die Ellbogenhöhe variiert jedoch bei Beschäftigten unterschiedlicher Körpergröße. Während bei einem Sitz-Kassenarbeitsplatz der Größenunterschied durch die Einstellung des Arbeitsstuhls ausgeglichen werden kann, ist dies beim Steh-Kassenarbeitsplatz nicht möglich. Die nicht höhenverstellbare Arbeitsfläche wird daher nicht für alle Beschäftigten eine optimale Arbeitshaltung ermöglichen.
Die Arbeitshöhe soll 960 mm betragen, wobei Höhen zwischen 950 und 1060 mm toleriert werden, wenn hierdurch eine günstigere Arbeitshaltung angenommen werden kann.
Werden hauptsächlich größere oder schwerere Objekte gehandhabt, ist die oben genannte Arbeitsflächenhöhe je nach Artikelgröße zu verringern. Üblicherweise erfolgen Absenkungen zwischen 100 und 300 mm.

Beste Praxis
Nutzung von Kassenarbeitsplätzen mit höhenverstellbarer Arbeitsfläche.

3.4   Arbeitsbereich/Armreichweite

Der Arbeitsbereich darf keine scharfen Ecken und Kanten und keine rauen Oberflächen aufweisen, die zu Verletzungen führen können.
Die Arbeitsfläche soll so gestaltet sein, dass Warenzuführung, Warenbearbeitung und Warenabfluss auf einer Ebene angeordnet sind und keine Hebearbeit durch das Kassenpersonal nötig ist.
Besonders häufige Tätigkeiten (Frequenz mehr als 10/min) sind im bevorzugten Arbeitsbereich auszuführen. Dieser hat eine Tiefe von maximal 450 mm ab Arbeitsflächenvorderkante. Andere Tätigkeiten (Frequenz maximal 10/min) können im maximalen Arbeitsbereich ausgeführt werden. Dieser hat eine Tiefe von maximal 570 mm.
Sollen auch Einkaufswagen kontrolliert werden, ist dies so zu organisieren, dass die übliche Arbeitshaltung beim Kontrollieren nicht wesentlich verändert werden muss. Gegebenenfalls muss die Einsichtnahme durch Spiegel, Kamerasysteme erfolgen.
Abb. 2 Armreichweite im Stehen bei einer Arbeitsflächenhöhe von 960 mm.
 Armreichweite im Stehen bei einer Arbeitsflächenhöhe von 960 mm.

3.5   Beinraum und Fußraum

Um an die Tischkante heranrücken bzw. herantreten zu können, ist ein Beinraum bzw. Fußraum notwendig. Dieser darf keine Stolperstellen aufweisen, z. B. lose Kabel, und er darf nicht zugestellt werden. Im Rahmen der Arbeitsorganisation ist festzulegen, welche Gegenstände im Kassenarbeitsplatz unbedingt benötigt werden. Für z. B. Mülleimer, Reiniger, Aktionspräsente ist ausreichend Stauraum einzuplanen.
Beim Steh-Kassenarbeitsplatz mit Stehhilfe ist über die Breite des Hauptarbeitsbereiches, mind. jedoch über eine Breite von 790 mm ein Beinraum notwendig. Die Beinraumtiefe in Kniehöhe beträgt mind. 285 mm, in Fußhöhe mind. 570 mm.
Abb. 3 Beinraummaße beim Steh-Kassenarbeitsplatz mit Stehhilfe
 Beinraummaße beim Steh-Kassenarbeitsplatz mit Stehhilfe
Beim reinen Steh-Kassenarbeitsplatz ist im gesamten Arbeitsbereich ein Fußraum notwendig. Die Fußraumhöhe beträgt mind. 226 mm, die Fußraumtiefe beträgt mind. 210 mm.
Abb. 4 Fußraummaße beim Steh-Kassenarbeitsplatz
 Fußraummaße beim Steh-Kassenarbeitsplatz

3.6   Elektrische Leitungen

An Steh-Kassenarbeitsplätzen können viele Komponenten verbaut sein, die elektrisch betrieben werden, z. B. Beleuchtungselemente, Kassenrechner, Heizung. Beachten Sie, dass Planen, Errichten, Ändern und Instandsetzen von elektrischen Anlagen Elektrofachkräften vorbehalten sind. Alle elektrischen Betriebsmittel, mobile genauso wie ortsunveränderliche, müssen regelmäßig auf elektrische Sicherheit geprüft werden. Beauftragen Sie Fachfirmen, wenn Ihnen im Unternehmen keine Beschäftigten mit den erforderlichen Fachkenntnissen zur Verfügung stehen.
Aber auch als elektrotechnisch unbedarfte Person können Sie einen Beitrag zur elektrischen Sicherheit leisten. Achten Sie darauf, dass elektrische Leitungen so verlegt sind, dass sie vor Beschädigungen geschützt sind, z. B. nicht über scharfe Kanten geführt oder gequetscht werden. Prüfen Sie regelmäßig den gebäudeseitigen Fehlerstromschutzschalter (FI) mit der Prüftaste.