6   Kontrolle der Rutschhemmung unter Betriebsbedingungen

Um Veränderungen der rutschhemmenden Eigenschaften von verlegten Böden bestimmen zu können, wird empfohlen, Vergleichswerte zu ermitteln, die für die rutschhemmende Wirkung des Bodenbelages charakteristisch sind.

6.1   Anlässe für Kontrollmessungen

Anlässe, eine Kontrolle durchzuführen, sind z. B.:
  • beim Begehen als „rutschig“ erscheinende Zustände des Bodensystems,
  • Ursachenprüfung bei Unfällen/Beinaheunfällen,
  • Vorher-/Nachher-Prüfungen bei
    • vor Ort hergestellten Oberflächen
    • nachträglicher Bodenbeschichtung im Anschluss an eine Nachbehandlung
    • der Optimierung des Reinigungsverfahrens
  • Soll-/Ist-Vergleichsprüfungen zur Feststellung von Unterschieden zwischen dem Neuzustand und dem im Betrieb befindlichen Boden; hierfür wird empfohlen, Rückstellproben bereitzuhalten,
  • Nutzungsänderung,
  • Wirksamkeitskontrolle der getroffenen Maßnahmen.

6.2   Prüfgrundlage

Hierfür eignet sich z. B. das in der DGUV Information 208-041 „Bewertung der Rutschgefahr unter Betriebsbedingungen“ im Kapitel 5 beschriebene Messverfahren mit Bezug zur DIN 51131 „Prüfung von Bodenbelägen – Bestimmung der rutschhemmenden Eigenschaft – Verfahren zur Messung des Gleitreibungskoeffizienten“.

6.3   Kurzbeschreibung des Prüfverfahrens zur Bestimmung der rutschhemmenden Eigenschaft von Bodenbelägen nach DIN 51131

Ein Gleitmessgerät nach DIN 51131, z. B. GMG 200, wird geräteunterseitig mit Gleitern ausgerüstet und parallel zur Oberfläche eines Bodenbelages mit konstanter Geschwindigkeit gezogen. Die erforderliche Zugkraft wird über die Messstreckenlänge ermittelt. Die Zugkraft wird durch die vertikal wirkende Kraft dividiert und ergibt den Gleitreibungskoeffizienten.

6.4   Anwendungsfälle

Abb. 1 Einzelne Schritte zur Kontrolle bzw. präventiven Überwachung von Bodenbelagsoberflächenveränderungen
 Einzelne Schritte zur Kontrolle
bzw. präventiven Überwachung
von Bodenbelagsoberflächenveränderungen

6.4.1   Neu verlegte Bodenbeläge

Es wird empfohlen eine Nullmessung bei neu verlegten Bodenbelägen vor der Bauendreinigung durchzuführen. Die erste Kontrollmessung nach Bauendreinigung ermöglicht eventuelle Oberflächenveränderungen festzustellen (siehe Abb. 1).
Weitere Kontrollmessungen erlauben die regelmäßige Beurteilung der Rutschhemmung im weiteren Betrieb (Monitoring).
Bei einer Abweichung der Messwerte in einer Größenordnung von mehr als 10 % sind weitergehende Maßnahmen zu prüfen.

6.4.2   Messung von bereits in Nutzung befindlichen Bodenbelägen

Sofern keine Nullmessung vorhanden ist, wird folgendes Vorgehen empfohlen:
  • Vergleichsmessungen zwischen in Nutzung befindlichem Bodenbelag und einer Rückstellprobe
  • Vergleichsmessungen zwischen viel und wenig frequentierten Flächen eines in Nutzung befindlichen Bodenbelages
Die Vergleichsmessungen müssen unter gleichen Prüfbedingungen durchgeführt werden.

6.4.3   Vorher/Nachher-Prüfungen

Bei folgenden möglichen Maßnahmen werden Vergleichsmessung von Bodenbelagsflächen vor und nach Abschluss der Maßnahmen zur Wirksamkeitskontrolle empfohlen:
  • Kontrolle und Optimierung der Reinigungsverfahren
  • Chemotechnische Bearbeitung des Bodenbelages, z. B. Aufsäuerung
  • Mechanische Bearbeitung des Bodenbelages wie z. B. Schleifen, Strahlen, etc.
  • Aufbringen einer Beschichtung/Versiegelung
Dabei sind die Messungen an den gleichen Messstellen und unter gleichen Prüfbedingungen durchzuführen.