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DGUV Information

Anleitung zur Ersten Hilfe

DGUV Information 204-006
Stand: November 2017

1   Aushang zur Ersten Hilfe

Diese „Anleitung zur Ersten Hilfe“ ergänzt das Plakat „Erste Hilfe“ (DGUV Information 204-001) und gibt weitergehende Hinweise zur Ersten Hilfe im Betrieb. Ausführliche Informationen enthält das „Handbuch zur Ersten Hilfe“ (DGUV Information 204-007).

2   Allgemeine Verhaltensweisen beim Auffinden einer Person

3   Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Ablaufschema bei lebensbedrohlichen Situationen

4   Herzdruckmassage

  • Rückenlage auf harter Unterlage
  • Oberkörper freimachen
  • Handballen einer Hand auf die Mitte der Brust legen
  • Handballen der zweiten Hand auf die erste Hand legen und die Finger verschränken
  • Mit gestrecktem Arm das Brustbein 5 bis 6 cm nach unten drücken
  • Brustbein nach jedem Druck entlasten
  • 30 x Herzdruckmassage (Arbeitstempo: 100–120/min) im Wechsel mit 2 x beatmen
  • Wiederbelebung bis Atmung einsetzt oder Rettungsdienst übernimmt

5   Beatmung

  • Kopf nackenwärts beugen
  • 2 x beatmen im Wechsel mit 30 x Herzdruckmassage
  • Mund zu Mund (Nase zuhalten)
    siehe Abbildung
    oder
  • Mund zu Nase (Mund zuhalten)
  • 1 Sekunde lang gleichmäßig Luft einblasen

6   Seitenlage

  • Beine der bewusstlosen Person strecken
  • Nahen Arm angewinkelt nach oben legen, die Handinnenfläche zeigt dabei nach oben
  • Ferne Hand der bewusstlosen Person fassen und Arm vor der Brust kreuzen, Hand nicht loslassen
  • Mit der anderen Hand an den fernen Oberschenkel (nicht im Gelenk!) der bewusstlosen Person greifen und Bein beugen
  • Bewusstlose Person zu sich herüber ziehen
  • Hals überstrecken und Mund leicht öffnen
  • An der Wange liegende Hand so ausrichten, dass der Hals überstreckt bleibt
  • Ständige Atemkontrolle

7   Blutungen

Erkennen
  • Blutende Wunden können durch Kleidungsstücke oder durch die Lage der verletzten Person verdeckt sein
Maßnahmen
  • Einmalhandschuhe tragen
  • Wunden keimfrei bedecken
  • Gegebenenfalls Schocklagerung
  • Gegebenenfalls Anlegen eines Druckverbandes
Anlegen eines Druckverbandes
  • Wundauflage auf Wunde legen und mit 2 bis 3 Bindengängen fixieren
  • Druckpolster, z. B. zweites Verbandpäckchen, auf Wundauflage platzieren
  • Mit weiteren Bindengängen stramm befestigen
Bei Abriss von Körperteilen
  • Abgetrennte Körperteile suchen
  • In keimfreiem Verbandmaterial kühl verpackt der verletzten Person oder Rettungsdienst mitgeben (z. B. Replantat-Beutel)

8   Schock

Erkennen
  • Frieren/Zittern
  • Blasse, kalte Haut
  • Schweiß auf der Stirn
Diese Anzeichen treten nicht immer alle und nicht immer gleichzeitig auf.
Maßnahmen
  • Für Ruhe sorgen
  • Gegebenenfalls Blutungen stillen
  • Vor Wärmeverlust schützen (Decke unterlegen, zudecken)
  • Schocklage herstellen
  • Zuwendung, Betreuung
  • Ständige Kontrolle von Bewusstsein und Atmung

9   Knochenbrüche, Gelenkverletzungen

Erkennen
  • Schmerzen
  • Abnorme Lage/Beweglichkeit
  • Verkürzung der Gliedmaßen
  • Funktionsverlust
  • Schonhaltung
Maßnahmen
  • Ruhigstellung des verletzten Körperteils in vorgefundener Lage
  • Prellungen und Verrenkungen der Gelenke kühlen
  • Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung Lage der verletzten Person möglichst nicht ändern
  • Bei offenen Knochenbrüchen Wunden mit sterilem Material bedecken

10   Verbrennungen

Maßnahmen
  • Brennende Person ablöschen
  • Mit heißen Stoffen behaftete Kleidung sofort entfernen
  • Auf der Haut festhaftende Kleidungsstücke nicht entfernen
  • Kleinere Verbrennungen mit fließendem Wasser bis Schmerz nachlässt
    (einige Minuten)
  • Brandwunden keimfrei bedecken
  • Vor Wärmeverlust schützen

11   Verätzungen

Erste-Hilfe-Maßnahmen sind bereits bei Verdacht auf eine Verätzung durchzuführen, da die Wirkung von ätzenden Stoffen mit zeitlicher Verzögerung auftreten kann.
Allgemeine Maßnahmen
  • Auf Selbstschutz achten (z. B. Schutzhandschuhe, Atemschutz)
  • Für Körperruhe sorgen
  • Vor Wärmeverlust schützen
  • Ärztliche Behandlung veranlassen
  • Erbrechen nicht herbeiführen
Augen
  • Auge unter Schutz des unverletzten Auges sofort ausgiebig (ca. 10 Minuten) bei geöffneten Augenlidern mit Wasser spülen
  • Im Auge verbliebene feste Stoffe mechanisch, z. B. mit einem feuchten Tupfer, entfernen
  • Steriler Schutzverband
Haut
  • Verunreinigte Kleidung, auch Unterwäsche und Schuhe, sofort ausziehen
  • Haut mit viel Wasser spülen
  • Wunden keimfrei bedecken
Verschlucken
  • Sofortiges kräftiges Ausspülen des Mundes
  • Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen (Verdünnungseffekt)
Atmungsorgane
Bei Gefahr von Verätzungen durch Reizgase, z. B. Chlor, nitrose Gase, sind spezielle Erste-Hilfe-Maßnahmen durch den Betriebsarzt bzw. Betriebsärztin festzulegen und die Ersthelfer und Ersthelferinnen entsprechend zu schulen.

12   Vergiftungen

Erkennen
  • Angaben des Verletzten und anwesender Personen
  • Anzeichen im Umfeld für das Einwirken giftiger Stoffe
Allgemeine Maßnahmen
  • Vergiftete Personen unter Selbstschutz (z. B. Schutzhandschuhe, Atemschutz) aus dem Gefahrbereich bringen
  • Für Körperruhe sorgen, vor Wärmeverlust schützen
  • Gifteinwirkung ermitteln (Giftstoff, Konzentration, Menge und Dauer der Einwirkung)
  • Erbrechen nicht herbeiführen
  • Gegebenenfalls Giftreste sichern
  • Ärztliche Behandlung veranlassen
Haut
  • Verunreinigte Kleidung, auch Unterwäsche und Schuhe, sofort ausziehen
  • Haut mit viel Wasser spülen
  • Wunden keimfrei bedecken
Verschlucken
  • Sofortiges kräftiges Ausspülen des Mundes
Atmungsorgane
Bei Gefahr durch giftige Stoffe sind spezielle Erste-Hilfe-Maßnahmen durch den Betriebsarzt bzw. die Betriebsärztin festzulegen, z. B. Sauerstoff, Antidote, und die Ersthelfer und Ersthelferinnen entsprechend zu schulen*).
Fußnote *)
Hinweise zur Toxikologie und zur Ersten Hilfe in Sicherheitsdatenblättern, den Stoffmerkblättern der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie und Stoffdatenbanken (z. B. www.gischem.de, www.dguv.de, WebCode d11892) sind ggf. zusätzlich zu beachten.

13   Unfälle durch elektrischen Strom

Bei jedem Stromunfall muss mit Kreislaufstillstand gerechnet werden.
Allgemeine Maßnahmen
  • Auf Selbstschutz achten
  • In jedem Fall zunächst für Stromunterbrechung sorgen
Niederspannung
(üblich im Haushalt und Gewerbe bis maximal 1000 Volt):
  • Stecker ziehen
  • Ausschalten
  • Sicherung/Sicherungsautomat betätigen
Hochspannung
(durch Warnschild mit Blitzpfeil gekennzeichnete Anlagen über 1000 Volt):
  • Abstand halten (5 m Abstand) und sofort Notruf „Elektrounfall“ veranlassen
  • Fachpersonal herbeirufen (zwecks Ausschalten)
  • Rettung aus Hochspannungsanlagen nur durch Fachpersonal!
  • Hilfeleistung erst nach Eingreifen von Fachpersonal
Maßnahmen an verunfallter Person
  • Bei jedem Elektrounfall ständige Kontrolle von Bewusstsein und Atmung (Kreislauf)
  • Versorgung der verletzten Person je nach Zustand (Verbrennung)
  • Ärztliche Behandlung veranlassen

14   Dokumentation von Erste-Hilfe-Leistungen

Die Aufzeichnungen sind mindestens 5 Jahre lang aufzubewahren und müssen mindestens nachfolgende Angaben enthalten:
Wenn das herausnehmbare Plakat „Erste Hilfe“ (DGUV Information 204-003) fehlt, dann können Sie es bei Ihrem zuständigen Unfallversicherungsträger oder unter www.dguv.de/publikationen bestellen.