Schülerinnen und Schüler mit Sehbehinderung im Sportunterricht

Ohne damit Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, sollen an dieser Stelle einige allgemeine Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern im inklusiven Sportunterricht gegeben werden, die eine hochgradige Sehbehinderung haben oder blind sind. Weil solchen Handlungsempfehlungen der Charakter eines Rezeptbuches anhaftet, sei explizit erwähnt, dass diese Handlungsempfehlungen nicht so zu verstehen sind, dass sich inklusiver Sportunterricht einfach mit ein paar „Tricks“ realisieren ließe. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Inklusive Unterrichtssettings sind in den seltensten Fällen einfach. Sie bedürfen neben einer hohen fachlichen Expertise einem beständigen – manchmal auch widerständigen – Abstimmungsprozess zwischen allen Beteiligten, wobei neben den Unterrichtsprinzipien der Differenzierung und der Individualisierung die Handlungsempfehlungen ggf. Hilfen geben können.
Das sollte vorab in der Sportfachschaft geklärt werden …
 
  • Einheitliche Bezeichnungen für die unterschiedlichen Seitenwände bzw. Eingänge in den Hallen absprechen, damit die Schülerinnen und Schüler mit Sehbehinderung einen sprachlich verlässlichen Orientierungsrahmen haben.
  • Einheitliche Absprachen treffen, wo in den Sportstätten beispielsweise Musikquellen positioniert werden.
  • Einheitliche Absprachen treffen, wie beispielsweise im Schwimmbad das Ende des Beckens angekündigt wird (z. B. Gymnastikmatten vom Rand ins Wasser legen).
  • Eine Absprache treffen, wer sich in die Belange von Schülerinnen und Schülern mit einer Sehschädigung einarbeitet.
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  • Wichtig: Blinde Schülerinnen und Schüler müssen sich (Sport-)Räumlichkeiten systematisch in unterschiedlichen Bewegungsformen erschließen, um sich während des sportlichen Handelns so gut wie möglich orientieren zu können. Es müssen entsprechende Absprachen getroffen werden, wie und wo für diese Orientierungsleistungen Räume und Zeit bereitgestellt werden.
Das sollte ich als Lehrkraft beachten …
  
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  • Wichtig: Mit den Lernenden besprechen, was sie sehen und wie viel Licht in der Sporthalle nötig ist. Die Sehleistung kann sich mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen stark verändern und heller ist nicht automatisch besser.
 
  • Klären, ob der Schule ein augenärztliches Gutachten vorliegt, das Aussagen zu Sportempfehlungen macht oder Sportverbote ausspricht. Das Gutachten ist bindend (im Zweifel Kontakt mit dem sonderpädagogischen Dienst und/oder den Eltern suchen).
  • Ein Klima schaffen, das Schülerinnen und Schüler ermutigt, mitzuteilen, ob bzw. in welchen Situationen Hilfe benötigt wird und wie diese konkret aussehen könnte.
  • Orientierungshilfen im Bewegungsraum in Absprache mit den Lernenden nutzen, z. B. markante Punkte (Türen etc.) oder Schallquellen (z. B. Musikplayer).
 
  • Geräteaufbau, Hindernisse und objektive Gefahren vorab benennen und/oder ggf. aus der Nähe visuell oder taktil erkunden lassen.
  • Gefahrenquellen systematisch beseitigen: keine offenen Türen, keine Taschen im Bewegungsraum, Bänke sichern oder zur Seite räumen etc.
  • Wenn eine Teilnahme an bestimmten Unterrichtsinhalten (z. B. schnelle Ballspiele)nicht möglich ist, ggf. individuelle Alternativen im Rahmen einer Kleingruppe schaffen (ggf. über eine zweite Lehrkraft oder mit Unterstützung einer Integrationskraft).
  • Ggf. sind Formen des direkten Führens hilfreich: In Absprache mit den Lernenden sind Handfassung, Staffelstab, ein kurzes Seil oder z. B. das Halten am Ellbogen des Sehenden etc. möglich.
  • Vorab überlegen, ob Schülerinnen und Schüler mit Sehschädigung alle Rollen im Spiel übernehmen können oder – beispielsweise aus Sicherheitsaspekten – nur bestimmte Aufgaben möglich erscheinen (z. B. Brenner beim Brennball).
  • Bei der Verwendung von Bällen, Matten, Materialien etc. – in Absprache mit den Lernenden – auf einen möglichst hohen Kontrast zum Hallenboden achten.
  • Für die Kennzeichnung von Mannschaften keine Parteibänder, sondern (neon-)farbige Shirts verwenden.
Das sollte ich als Lehrkraft vermeiden (Unfallgefahr) …
  • Bewegungssituationen mit sehr vielen, sich durcheinander bewegenden Kindern auf engem Raum: Dies kann Zusammenstöße provozieren.
  • Die Verwendung von harten und schnellen Bällen bei Ballspielen.
  • Freie und schnelle Bewegung der Lernenden im Raum (z. B. Fang- oder Laufspiel), wenn z. B. schon Gerätestationen aufgebaut sind.
  • Auf Schnelligkeit ausgerichtete Wettkampfsituationen, wenn Lernende mit Sehbeeinträchtigung geführt werden. (Die Führenden könnten im Wettkampf „vergessen“, dass sie auch die Laufwege der Mitschülerinnen und Mitschüler beachten müssen!)
  • Eine (zu) hohe Geräuschkulisse.
Das sollte ich als Lehrkraft fördern …
  • Das Bewusstsein für die Veränderungsmöglichkeiten von Spielen stärken:
    • Laufspiele: Nur Lernende mit Sehbehinderung oder ggf. alle Lernenden spielen mit Partnerin bzw. Partner.
    • Spiel zu schnell: Ballgröße verändern.
    • Spiel zu langsam: Mehr Bälle ins Spiel bringen oder Ballgröße verändern.
    • Ball kann nicht gesehen werden: Farbe der Bälle verändern.
    • Mit Reiskörnern gefüllte Pezzibälle oder Blindenfußbälle verwenden.
  • Mit den Lernenden neue Regeln entwickeln, die für Alle oder ggf. nur für Lernende mit Sehschädigung gelten:
    • Lernende werden erst mit Namen gerufen und dann angespielt.
    • Lernende dürfen nicht angegriffen werden, während sie dribbeln.
    • Lernende dürfen den Ball beim Tischtennis zweimal aufprallen lassen.
  • Beim Basketball oder Handball: Anspiel über Bodenpass.
  • Beim Fußball: Hohe Bälle verbieten.
  • Beim Brennball: Allein gelaufene Runden geben mehr Punkte usw.