Einleitung – Inklusion im Sportunterricht

Inklusion verfolgt das Ziel, die volle gesellschaftliche Teilhabe von Menschen, die von Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind, zu fördern. Rechtsgrundlage ist dabei das 2009 von der Bundesregierung ratifizierte Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen. Zu überwinden sind in diesem Sinne Exklusionsprozesse, die beispielsweise durch den sozialen Status, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die religiöse Zugehörigkeit, die Ethnizität oder durch eine Behinderung bedingt sind. Im schulischen Kontext geht es üblicherweise darum, mehr Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderungen länger gemeinsam zu unterrichten. Im Unterschied zu anderen schulischen Reformprojekten handelt es sich beim Inklusionsprozess also nicht um eine unverbindliche bildungspolitische Willensbekundung, sondern um eine juristisch verbindliche völkerrechtliche Verpflichtung.
Lag der sogenannte Inklusionsanteil im Schuljahr 2008/09 in diesem Sinne noch bei 18,4 Prozent, ist er bis zum Schuljahr 2013/14 bereits auf 31,4 Prozent angestiegen. Der Inklusionsanteil gibt dabei an, wie viele Schülerinnen und Schüler (Primarbereich und Sek. I) in Bezug auf die Gesamtheit aller Schulkinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf auf einer allgemeinbildenden Schule unterrichtet werden. Da gleichzeitig allerdings auch die Anzahl an Schülerinnen und Schülern, bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert wurde, um 13 Prozent gestiegen ist, hatte die Steigerung des Inklusionsanteils bisher allerdings noch keine nennenswerten Auswirkungen auf die absolute Zahl an Kindern, die auf einer Förderschule unterrichtet werden.
Insbesondere für die Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen bedeutet Inklusion, dass sie u. a. im Kontext von Behinderung mit einer neuen Dimension von Heterogenität konfrontiert werden, für die sie ggf. nicht situationsadäquat ausgebildet sind. Diese Situation konstruktiv zu wenden, könnte bedeuten, zunehmende Heterogenität als pädagogische Herausforderung zu verstehen, der es sich – auch aus Gründen der eigenen Lehrergesundheit – positiv anzunehmen lohnt. In diesem Sinne möchte das vorliegende Unterrichtsmaterial, das exemplarisch den Sportunterricht von Schulkindern mit Sehschädigung in den Fokus nimmt, am Beispiel der paralympischen Sportart Goalball Mut machen, sich in kleinen Schritten auf den Weg zu begeben und das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen zu begrüßen.