Baustein IV: „Weg mit dem Ball?“ – Würfe auf das Tor

Ein schneller und platzierter Wurf ist die Voraussetzung für den Torerfolg. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Wurf ist das Ballgefühl, also die Fähigkeit des situationsbedingten optimalen Krafteinsatzes. Somit ist der Torwurf keineswegs eine reine Kraft-, sondern ebenso eine Koordinationsaufgabe. Innerhalb der Unterrichtseinheit sollte deswegen auch mit größeren und kleineren Bällen gearbeitet werden, um das Ballgefühl zu schulen. Zusätzlich können spezielle Zielwürfe sowohl innerhalb des Spiels als auch in separaten Übungseinheiten zur Verbesserung der Wurfgenauigkeit beitragen. Natürlich kann die Wurftechnik auch in Form einer Partnerübung, bei der sich die Schülerinnen und Schüler beispielsweise einen Ball zuwerfen, geübt werden. Die folgenden Übungsformen sollen Alternativen aufzeigen, wie die Wurftechnik auch auf spielerischem Wege gefestigt werden kann.
Ähnlich wie beim Sportkegeln muss der Goalball nach einem kurzen Anlauf recht nah über dem Boden abgeworfen werden, damit das Regelwerk eingehalten wird und der Ball vor der 6-Meter-Linie mindestens einmal den Boden berührt. Analog zu den leichtathletischen Würfen sollte hierbei das dem Wurfarm entgegengesetzte Bein während der Wurfbewegung vorne sein. Geübtere Werfer sollten versuchen, den maximal möglichen Anlaufweg zu nutzen, um den Ball maximal beschleunigen zu können.
Spiel 1: Haltet das Feld frei
Je nach Gruppengröße wird die Halle in zwei Hälften oder vier Viertel unterteilt. Damit die Schülerinnen und Schüler die Wurftechnik bereits einbauen müssen, können entweder Seile gespannt oder Turnbänke auf kleine Kästen gestellt werden, so dass die Bälle darunter durchgeworfen werden müssen. Ziel des Spiels ist es, dass die im eigenen Spielfeld liegenden Bälle in die gegnerischen Felder gespielt werden. Dabei können verschiedene Ziele formuliert werden, wie man das Spiel gewinnt:
  • Welche Gruppe schafft es, nach Ablauf der Spielzeit die wenigsten Bälle im Feld zu haben?
  • Die Gruppe, die am Ende die meisten Bälle im Feld hat, setzt aus!
  • Welche Gruppe schafft es zuerst, drei Durchgänge zu gewinnen?
Spiel 2: Brennball
Auch das zweite Spiel dieses Bausteins sollte zum Teil noch ohne Augenbinden gespielt werden. Um das feste und gezielte Werfen zu üben, eignet sich das beliebte Spiel Brennball. Die Regeln sollten dabei so verändert werden, dass die werfende Mannschaft sehend den Goalball mit der sportartspezifischen Wurftechnik ins Spiel bringen muss. Da der Ball wahrscheinlich keine weiten Strecken zurücklegen wird, kann die verteidigende Mannschaft ggf. mit Augenbinden spielen. Dies garantiert zum einen, dass der Werfende eine weitere Strecke zurücklegen kann. Zum anderen kann die verteidigende Mannschaft Aspekte der Bausteine II und III nochmals unter den Druckbedingungen Zeit- und Präzisionsdruck üben, da der Ball schnell gefunden und zum „Brenner“ gepasst werden muss.
Spiel 3: Dosenkegeln
Nachdem die Spiele 1 und 2 noch ohne Augenbinden gespielt wurden, sollen die Schülerinnen und Schüler in der nächsten Spielform das Werfen ohne optische Rückmeldungen üben. Dazu werden auf der Torlinie Wurfziele (Kästen, Eimer, Hütchen etc.) platziert, die von den Schülerinnen und Schülern gezielt getroffen werden sollen. Um diese überhaupt anvisieren zu können, müssen sie nicht nur deren Standort kennen, sondern sich auch ihrer eigenen Position im Raum bewusst sein. Neben der Orientierung am Tor (Turnbank) wären hier taktile Linien sinnvoll. Damit die Schüler ein Feedback über ihre Würfe bekommen und ggf. Korrekturmaßnahmen vollziehen können, sollten sie nach jedem Wurf eine akustische Rückmeldung (siehe Kapitel Zielzonen) erhalten. Je nach Größe des Ziels kann der Präzisionsdruck bei dieser Übung von einfach bis schwer variieren. Zudem kann man in Form von Einzel- und Teamwettbewerben die Spielidee an die Bedürfnisse der Gruppe anpassen.
Spiel 4: Biathlon
Um die Idee des gezielten Wurfes in einer weiteren Spielform zu realisieren, eignet sich ein Goalball-Biathlon. Bei diesem Kombinationsspiel müssen die Schülerinnen und Schüler zunächst eine bestimmte Strecke zurücklegen, bevor sie am Wurfstand mit einer bestimmten Anzahl von Versuchen ein oder mehrere Ziele treffen müssen. Je nach Anzahl der Treffer muss im Anschluss eine Zusatzstrecke absolviert werden. Spätestens am Wurfstand sollten die Schülerinnen und Schüler die Zielwürfe blind durchführen. Ob auch die Laufstrecke und die Strafrunde mit Augenbinde absolviert werden müssen, um hier wieder ein Element aus Baustein I zu thematisieren, ist der Entscheidung der Lehrkraft überlassen. Allgemein sollte der genaue Aufbau der Wurf- und Laufstationen hierbei natürlich den Rahmenbedingungen vor Ort angepasst werden.
Spiel 5: Schiffe versenken
Beim letzten Spiel dieses Bausteins wird das spätere Zielspiel bereits teilweise aufgegriffen, denn zum ersten Mal in der Unterrichtseinheit stehen sich zwei Mannschaften mit je drei Personen gegenüber, die auf das Tor des gegnerischen Teams werfen. Einziger Unterschied ist, dass die ankommenden Würfe noch nicht verteidigt werden. Auf einem vorher festgelegten Spielfeld werden drei kleine Kästen ins jeweilige Tor gestellt. Werden Turnbänke als Tore genutzt, können diese auch mit einem DIN-A3- oder Zeitungspapier markiert werden, so dass beide Mannschaften in ihrem Tor drei Zielsektoren haben. Die beiden Teams bestimmen selbst, welche Ziele sie in ihrem eigenen Tor markieren. Der Standort dieser Ziele darf dem gegnerischen Team nicht mitgeteilt werden. Nun versuchen die beiden Mannschaften abwechselnd, auf das gegnerische Tor zu werfen, um die Zielsektoren zu finden. Da beide Mannschaften Augenbinden tragen, sollte die werfende Person bei einem erfolgreichen Versuch seinen Mannschaftsmitgliedern mitteilen, auf welchen Bereich des gegnerischen Tores gezielt wurde (Zielsektoren 1 bis 7), um den Trefferpunkt einordnen zu können.
Zusammenfassung Baustein IV
In verschiedenen Spielformen wird im Baustein IV zunächst sehend (Spiel 1 und 2) und später mit Augenbinde die goalballspezifische Wurftechnik geübt. Dabei geht es anfangs primär darum, dass der geworfene Ball möglichst schnell (Spiel 1) oder möglichst weit (Spiel 2) rollt. Mit Hinzunahme der Augenbinde und den Zielen der Spiele 3 bis 5 spielt das präzise Werfen auf bestimmte Ziele eine immer wichtigere Rolle, wobei das Prinzip vom Einfachen zum Schweren dafür sorgen sollte, dass die Schülerinnen und Schüler zunächst größere Zielflächen anvisieren und sich je nach Fortschritt immer feineren Wurfzielen zuwenden. Damit eventuelle Fehlversuche korrigiert werden können, ist eine akustische Rückmeldung über den Verlauf des Wurfes notwendig (siehe Übersicht Zielzonen). Am Ende dieses Bausteins sollten die Lernenden in der Lage sein, sich im Raum mit Hilfe von fühlbaren Linien oder des eigenen Tores so zu orientieren, dass sie den Ball regelkonform auf bestimmte Zielsektoren werfen können.