Baustein III: „Wohin mit dem Ball?“ – Passen

Die Fähigkeit des zielgenauen Zuspiels ist in Mannschaftsballsportarten unerlässlich und spielt auch beim Goalball eine zentrale Rolle. Beim Passen muss der Spieler bzw. die Spielerin wissen, wie stark der Ball gespielt werden kann und wo dieser landen muss, um dem Mitspielenden eine möglichst problemlose Ballannahme zu ermöglichen. Hierfür sollte sich der Passempfänger akustisch bemerkbar machen (Klatschen, Rufen), damit der Passgebende die Distanz einschätzen kann. Anders als beispielsweise beim Basketball ist hier nicht etwa der kürzeste Weg in die Hände des Mitspielenden der einfachste Weg, da der Ball in der Luft kaum hörbar ist. Um einen möglichst fehlerfreien Pass zu spielen, sollte im Goalball der Ball kurz vor dem Mitspielenden auf den Boden treffen, damit dieser den Ball dadurch hören und sicher aufnehmen kann. Ein sicheres Zupassen kann sowohl innerhalb des Spiels als auch in Form von Staffeln und kleinen Spielen im Sportunterricht im Hinblick auf das Zielspiel thematisiert werden.
Spiel 1: Kreisball
Die Schülerinnen und Schüler stellen sich in einem Kreis auf, der Abstand zwischen ihnen sollte zwischen vier und sechs Metern betragen, um realistische Pässe spielen zu können. Die Lernenden passen sich den Ball zunächst im Kreis zu. Hier können die Druckbedingungen Zeit- und Präzisionsdruck eingebaut werden. Stehen die Lernenden beispielsweise in einem Reifen, muss der Pass so präzise geworfen werden, dass er den Mitspielenden so erreicht, dass dieser den Reifen nicht verlassen muss. Bei größeren Gruppen können auch zwei Kreise gebildet werden. Hier kann der Zeitdruck eingebaut werden, indem eine Gruppe versucht, innerhalb einer bestimmten Zeit mehr Pässe als die andere Gruppe zu spielen.
Spiel 2: Uhrenball
Eine Person steht in der Mitte eines Kreises und beispielsweise zwölf Mitschülerinnen und Mitschüler stehen in einem Kreis im Abstand von vier bis sechs Metern um sie herum. Alle haben Augenbinden auf. Jedem Lernenden im Kreis wird eine Uhrzeit zugeteilt. Auf Zuruf der Spielleitung muss die Person mit der entsprechenden Uhrzeit klatschen und die Person in der Mitte versuchen, sich in dessen Richtung zu drehen, um ihm den Ball sicher zuzupassen. Im Vergleich zum „Kreisball“ wird hier somit noch die Orientierungsfähigkeit mit eingebaut. Bei einem erfolgreichen Pass darf die Person in der Mitte bleiben, bei einem Fehlpass kommt eine neue Person in die Mitte. Wer schafft die meisten sicheren Pässe? Als Variation kann die Übung auch innerhalb einer bestimmten Zeitdauer durchgeführt werden, wobei die Zahl der erfolgreichen Pässe gezählt wird.
Spiel 3: Fließband
Anders als bei den Spielformen 1 und 2 stehen die Schülerinnen und Schüler nun in gleichen Abständen in einer Reihe und nicht im Kreis. Um die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit, in diesem Fall das Ballgefühl, zu schulen, müssen sie beispielsweise verschiedene Bälle (Goalball, Volleyball, Basketball, Handball) von einer Seite entlang der Kette zur anderen Seite passen, um diese dort in eine Kiste zu legen. Nur die Bälle, die am Ende der Passkette ankommen, ohne dass sie unterwegs verloren gegangen sind, werden gezählt. Auch hier können Wettkämpfe gegen andere Gruppen den Zeitdruck erhöhen und feste Positionen dafür sorgen, dass die Pässe präzise kommen müssen.
Spiel 4: Passbrücke
Zwei Lernende starten „blind“ an einer Linie am Ende der Halle. Während die Person mit dem Ball (Passgeber) am Ausgangsort stehen bleibt, versucht die andere Person (Passempfänger) so weit nach vorne zu gehen, dass ein sicherer Pass zustande kommt und der Passempfänger den ankommenden Ball sicher aufnehmen kann, ohne hierbei seinen Standort zu ändern. Ist dies der Fall, so ist der erste Pass gesichert und die Rollen werden gewechselt. Die Person mit dem Ball wird nun zum Passgeber und die andere Person läuft an ihr vorbei wieder so weit in das Feld, dass erneut ein sicherer Pass möglich ist. Ziel ist es, dass der Ball durch diese Form der Pässe irgendwann am anderen Ende der Halle (Linie als festes Ziel) ankommt. Sollte ein Pass misslingen, müssen beide Lernenden wieder von vorne anfangen. Bei diesem Spiel können unterschiedliche Ziele formuliert werden:
  • Welche Gruppe schafft es ohne Fehlpass auf die andere Seite?
  • Welche Gruppe kann mit den wenigsten Pässen sicher den Ball zur anderen Seite bringen?
  • Welche Gruppe schafft es ohne Fehlpass am schnellsten auf die andere Seite?
Spiel 5: Rebound
Im letzten Spiel dieses Bausteins werden Elemente aus dem Zielspiel in spielnahen Situationen geübt. Eine Person hockt auf einer fühlbaren Linie und eine Person steht mit einem Goalball dahinter. Nun wird der Goalball leicht ein paar Meter nach vorne geworfen, um einen abgeprallten Ball zu simulieren. Die hockende Person läuft nun los, um den Ball zu holen. Danach dreht sie sich um und passt den Goalball zum Werfenden zurück. Anschließend sucht sie seine Ausgangsposition wieder und wartet auf den nächsten Ball. Gelingt dies regelmäßig, kann diese Übung auch unter Zeitdruck oder im Wettkampf gegen eine andere Gruppe ausgeführt werden.
Zusammenfassung Baustein III
In diesem Baustein steht das Gefühl für den richtigen Krafteinsatz beim Passen im Vordergrund. Wird diese koordinative Fähigkeit zunächst unter standardisierten Bedingungen (feste Distanzen) geübt, so soll im Laufe der Zeit das Passen des Balles unter variablen Bedingungen erfolgen. Zeitdruck (schnelles Passen) oder Präzisionsdruck (genaues Passen) ermöglichen zudem, dass die Schülerinnen und Schüler das Passen des Goalballs oder anderer Bälle in spielnahen Situationen üben. Zudem können Elemente des Bausteins II (Orientierung im Raum) mit in die Spielformen integriert und somit gefestigt werden.