Baustein I: Sensibilisierung mit Eigenerfahrungen unter der Augenklappe

Um über das Thema Goalball auch ein Verständnis für Menschen mit einer Sehbehinderung zu erreichen und das individuelle Verhalten im Umgang mit Menschen mit Behinderungen zu reflektieren, steht am Anfang der Unterrichtseinheit eine Doppelstunde zur Sensibilisierung mit Eigenerfahrungen unter der Augenklappe. Dazu bekommt maximal die Hälfte der Lernenden eine Augenklappe (Simulation von Blindheit) oder eine Simulationsbrille (Simulation einer Sehbehinderung) und zieht diese noch vor dem Betreten der Sporthalle auf. Simulationsbrillen können bei den sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren ausgeliehen werden.
Es hat sich bewährt, sich mit den Schülerinnen und Schülern vor dem Eingang der Halle oder auf dem Pausenhof zu verabreden und die Brillen bereits während des Umkleidens zu tragen. Existieren Ängste gegenüber dem Bewegen unter der Augenklappe, sollen diese ernst genommen werden, und niemand sollte zum Tragen einer Augenklappe oder einer Simulationsbrille gezwungen werden.
Jede „sehbehinderte“ Person sucht sich eine zweite Person, die für ihre Sicherheit mitverantwortlich ist und bei Bedarf Führungsaufgaben übernimmt. Wie eng diese Führung ist, ob verbale Hinweise ausreichen oder eine enge Führung mit ständiger Handfassung nötig ist, müssen die Pärchen in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe selbstständig entscheiden. Ziel ist, für die Schülerinnen und Schüler erfahrbar zu machen, dass sich die Lernenden mit „Sehbehinderung“ die Halle nicht oder kaum visuell erschließen können und es deshalb zwingend notwendig ist, die Halle entlang der Seitenwände abzugehen.
Hinweise und Erläuterungen
  • Fordern Sie die Zweierteams auf, einen Rundgang entlang der Seitenwände der Halle zu machen und Orientierungspunkte zu suchen.
  • Fragen Sie die Orientierungspunkte ab (Fensterfront, Türen, Empore, Sprossenwände usw.) und versuchen Sie zu klären, wodurch eine Orientierung jeweils möglich ist.
  • Vereinbaren Sie eine einheitliche Benennung für die vier Seitenwände (z. B. Geräteraumseite, Fensterseite, Eingangsseite, Empore usw.).
  • Befinden sich in unserer Halle noch gefährliche Stolperfallen? Was müssen wir tun, um diese zu beseitigen?
  • Unter Umständen kann es hilfreich sein, an einem festen Platz Musik laufen zu lassen, die zusätzliche Orientierung gibt. Die Musikanlage darf aber nicht zur Stolperfalle werden.
In der Reflexion zeigen sich erste sehbehindertenspezifische Aspekte zur Sensibilisierung:
  • Manche Dinge brauchen mehr Zeit (z. B. Orientierungsleistungen).
  • Die „Qualität“ des Führens, was auch die Verbalisierung von (Spiel-)Situationen beinhaltet, ist wichtig.
  • Entscheidend sind direkte Absprachen mit den Schülerinnen und Schülern mit Sehbehinderung. Die Behinderung darf nicht totgeschwiegen oder ignoriert werden.
  • Ob sich Schülerinnen und Schüler mit Sehbehinderung in einer Halle bewegen können, hängt stark davon ab, ob ihnen Zeit zum Erkunden der Umgebung gegeben wurde.
Um die Eigenerfahrungen zu vertiefen und die restliche Stunde zu füllen, haben sich weitere Spiele bewährt, die gut geeignet sind, um Gesprächsanlässe zu schaffen und Eigenerfahrungen unter der Augenklappe zu sammeln.
Spiel 1: Atomspiel
Bewegt euch so lange selbstständig in der Sporthalle, bis die Musik aufhört. Die Lehrkraft ruft dann drei Zahlen. Die erste Zahl gibt an, wie viele Personen zusammenkommen sollen, die zweite Zahl, wie viele Hände den Boden berühren müssen, und die dritte Zahl gibt an, wie viele Füße den Boden berühren müssen. Die Kleingruppe muss dabei Kontakt untereinander halten. Wenn die Musik wieder beginnt, löst sich die Gruppe wieder auf und die nächste Runde beginnt.
Spiel 2: Dreierkettenfangen
Zu Beginn wird ein Fänger bestimmt. Dieser fängt jemanden aus der Gruppe und nimmt diese Person an der Hand. Zu zweit fangen sie eine dritte Person und nehmen diese ebenfalls an der Hand. Wird eine weitere Person gefangen, wird diese auch an der Hand genommen. Ab der vierten Person teilt sich die Gruppe in zwei Zweiergruppen, so dass die Fängergruppe nie aus mehr als drei Personen besteht. Wer übrig bleibt, kann als Fänger im nächsten Durchgang beginnen.
Augenbinde
Spiel 3: Kettenfangen
Das Spiel funktioniert genauso wie Dreierkettenfangen, allerdings wird die Fängerkette immer länger, sie wird nicht geteilt.
Augenbinde
Spiel 4: Sitzbankfußball (falls Blindenfußbälle oder ähnliche Klingelbälle vorhanden sind)
Ziel des Spiels ist es, einen Blindenfußball unter der gegnerischen Bank hindurchzuschießen. Zum Spielfeldaufbau werden drei Bänke in Dreiecksform aufgestellt. Je eine Bank dient zwei Sportlern als Tor und gleichzeitig als Orientierungspunkt. Die Spieler müssen auf ihrer Bank sitzen, dürfen sich aber zur Ballverteidigung oder zum Angriff auf dieser nach links und rechts bewegen.
Augenbinde
Zusammenfassung Baustein I
Im ersten Baustein sollen die Schülerinnen und Schüler an das Thema Blindheit und Sehbehinderung herangeführt werden. Augenklappen und Simulationsbrillen sorgen dafür, dass die Lernenden selbst ein Gefühl dafür bekommen, sich ohne eine visuelle Orientierung im Raum zurechtzufinden. Gleichzeitig übernehmen die Schülerinnen und Schüler auch selbst Verantwortung, indem sie den nicht sehenden Schülerinnen und Schülern helfen, Wege innerhalb der Sporthalle zurückzulegen. Kleine Spiele sorgen außerdem dafür, die eigenen Erfahrungen zu vertiefen. Zusätzlich entwickeln die Schülerinnen und Schüler Verständnis für sehbehindertenspezifische Aspekte.