Gesundheitsverständnis der guten gesunden Schule

Was ist unter Gesundheit zu verstehen? Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen alle Menschen dieser Erde – unabhängig von ihrer sozialen Schicht, Nationalität und Religion – in ihrem Alltag mit all seinen Lebensbereichen ihr Leben gesund und konstruktiv gestalten und in Frieden, Gerechtigkeit und wechselseitiger Achtung zusammenleben können; sie sollen dabei durch entsprechende Lebensbedingungen unterstützt werden.
Menschen fühlen sich dann gesund, wenn sie ihre Umwelt als verstehbar und bewältigbar erleben und sie ihr Tun als sinnvoll bewerten. Laut WHO ist Gesundheit damit ein Zustand, der mit Lebensfreude verknüpft ist. Jeder Mensch ist dabei mitverantwortlich für seine Gesundheit und muss selbst aktiv mitwirken, Gesundheit im täglichen Leben herzustellen.
Gesundheit ist das Stadium des Gleichgewichts von Anforderungen und Ressourcen, das eintritt, wenn einem Menschen eine Bewältigung sowohl der inneren (körperlichen und psychischen) als auch äußeren (sozialen und materiellen) Anforderungen gelingt. Über welche Ressourcen Personen verfügen, ist unterschiedlich und hängt sowohl von der Person und deren Bewertung der Anforderungen als auch von der Umwelt ab. Lehrkräfte in einem Kollegium mit ausgeprägter sozialer Unterstützung, wertschätzender Schulleitung und guter Zusammenarbeit bezüglich des Unterrichts zeigen z. B. messbar weniger gesundheitliche Beanspruchungen durch Arbeitsanforderungen als Lehrkräfte in Kollegien, die nicht über diese Ressourcen verfügen. Das Erleben von Belastungen und die gesundheitliche Beanspruchung hängen also maßgeblich von den zur Verfügung stehenden Ressourcen, aber auch von den eigenen Ansprüchen und Zielen ab. Gründe für das unterschiedliche Erleben können fehlende Kompetenzen sein, aber auch andere Ansprüche, Wertvorstellungen und Motive. So ist es der einen Person vielleicht wichtig, im Team zu arbeiten, der anderen aber nicht. Genauso kann es sein, dass eine Lehrerin oder ein Lehrer aufgrund der personalen Voraussetzungen oder Lebensumstände besondere Unterstützungsangebote benötigt. Für die einen sind sportliche Aktivitäten zur Stressreduzierung und Entlastung das Allheilmittel, während andere lieber Entspannungstechniken anwenden oder Fortbildungen besuchen.
Fragen zur Diskussion:
  • Wissen Sie im Kollegium voneinander, was Sie unter Gesundheit verstehen und was Ihnen Gesundheit bedeutet?
  • Wissen Sie, wie Stress entsteht und was man tun kann, damit es nicht zu langanhaltenden Stressfolgen kommt?
  • Sprechen Sie in Ihrem Kollegium darüber, wie Sie sich Ihre Arbeitsumgebung wünschen?
  • Tauschen Sie sich darüber aus, was Sie belastet? Kennen Sie die Stressoren im Alltag, die im gesamten Kollegium am meisten beklagt werden?
  • Kennen Sie die besonderen gesundheitlichen Belastungen der Schülerinnen und Schüler?
Für die Entwicklung guter gesunder Schulen sollten Schulen auch wissen, welche organisationalen Merkmale zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden der Mitglieder führen. Was können die Schulen tun, damit Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler die Anforderungen der Arbeits- und Lernumwelt als verstehbar, bewältigbar und für sie persönlich sinnvoll erfahren? Was können die einzelnen Lehrkräfte dazu beitragen, was die Schulleitung? Eine nachhaltige Gesundheitsförderung braucht sowohl Strategien zur Entwicklung von gesundheitsfördernden Haltungen und Verhaltensweisen der Lehrkräfte (Verhaltensprävention, z. B. Erholungsstrategien, Stressmanagement und Distanzierungsfähigkeit) als auch Strategien zur Reduzierung von Gesundheitsrisiken in den Arbeitsbedingungen und im Schulumfeld (Verhältnisprävention). Der vorliegende Leitfaden liefert Hilfestellungen für eine gesundheitsförderliche Schulentwicklung, die sowohl Maßnahmen der Verhaltens- als auch der Verhältnisprävention beinhaltet.
Tipp
Wenn Sie für sich persönlich oder gemeinsam mit dem Kollegium Hilfen beim Thema Stressmanagement oder Entspannung suchen: Internet-basierte Gesundheits­programme finden Sie unter http://www.geton-training.de.