GELINGENSBEDINGUNG 24

Strategien für die Stabilisierung von neuem Verhalten anwenden
Bei der zeitlich befristeten praktischen Umsetzung der Stabilisierungsmaßnahmen nach dem offiziellen Projektende tritt ein typisches Problem auf: Die motivationale Interferenz. Damit wird folgendes Problem beschrieben: Eine neue Verhaltensweise benötigt mehr Disziplin und Anstrengung als eingeübtes Routineverhalten. Daher wird das gewohnte Verhalten zumeist als weniger anstrengend und somit attraktiver erlebt (Fries, 2006). Daher kommt es in der Stabilisierungsphase darauf an, die neuen Verhaltensweisen zu stärken und die konkurrierenden bequemeren Routinen so lange abzuwehren, bis auch die Neuerungen in Fleisch und Blut übergegangen sind.
Für die gezielte Änderung des eigenen Verhaltens haben sich bestimmte Strategien bewährt, die vornehmlich in therapeutischen Kontexten entwickelt wurden. Mit Hilfe dieser Strategien steigt die Chance, dass neues Verhalten gezeigt und verstetigt und schließlich zur Routine wird.
Die folgende Tabelle zeigt im Überblick die Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung neuer Verhaltensweisen.
Bedingungen für die Umsetzung und Stabilisierung von Neuerungen aus Veränderungsprozessen
  • Motivationskontrolle: D. h., dass Sie sich die Dringlichkeit und Bedeutsamkeit der Neuerungen und Ihre Zielbindung an die Neuerungen immer wieder bewusst machen (Was bedeutet die Neuerung für Sie, was für die Schule?).
  • Aufmerksamkeitskontrolle: D. h., dass Sie erfolgversprechende Anwendungssituationen erkennen und aufsuchen und zugleich alternative Verhaltenstendenzen abwehren.
  • Stimmungskontrolle: D. h., dass Sie sich in Bezug auf die Neuerung sich in eine positive Stimmung versetzen bzw. negative Stimmungen erfolgreich bekämpfen können (z. B. sich belohnen, wenn etwas gut gelungen ist). Denn diese Stimmungskontrolle ist für die Umsetzung von ungewohnten Neuerungen, also für den täglichen Mut, etwas Ungewohntes zu wagen, besonders wichtig.
  • Handlungskontrolle: D. h., dass Sie zur Anwendung bereit sind und etwaige Misserfolge effektiv bewältigen, indem Sie Ihre Ziele und Methoden überprüfen, wenn etwas nicht optimal gelaufen ist und nicht einfach die Flinte ins Korn werfen. Dazu ist es hilfreich, andere Lehrkräfte zur Unterstützung zu haben.
  • Umweltkontrolle: D. h., dass Sie in der Umwelt/in der Schule jene Veränderungen vornehmen, die die Anwendung begünstigen und Ablenkungen vermeiden.
  • Sparsamkeit der Informationsverarbeitung: D. h., dass Sie in der Anwendungssituation kein langwieriges Abwägen: „Soll ich heute oder nicht?“ durchführen, sondern sich für eine fast automatische Umsetzung entscheiden. Hier helfen klare Zeitvorgaben mit Kontrolle durch Kolleginnen und Kollegen.
Während die oben genannten Strategien Bedingungen für den Erhalt der Motivation und des Engagements, die Neuerung umzusetzen und beizubehalten, darstellen, zielen die folgenden Maßnahmen darauf, die Umsetzung der Neuerung zu kontrollieren.
Kontrollmaßnahmen für die Stabilisierung neuer Verhaltensweisen und Einführung neuer Routinen
  • Eine Schaffung günstiger Anwendungssituationen, in denen Kolleginnen und Kollegen die neuen Verhaltensweisen umsetzen können. Dies ist von zentraler Bedeutung, denn ohne zeitnahe Gelegenheiten zur Anwendung des neuen Verhaltens schwinden die Chancen für eine Verstetigung der Neuerungen.
  • Ein Erinnerungssystem für die Anwendung: Z. B. (1) ein Zeichen im Lehrerzimmer, das an Würdigung erinnert, (2) ein vereinbartes Zeichen von Kolleginnen oder Kollegen, das daran erinnert, das neue Verhalten nicht aus dem Blick zu verlieren, (3) eine SMS, die einen in der ersten Woche per Vibrationsalarm an den Anwendungsauftrag erinnert.
  • Ein Selbst-Kontrollsystem: Etwa durch eine Häufigkeitskurve, die wiedergibt, wie häufig Sie an jedem Tag oder in jeder Woche das neue Verhalten gezeigt haben oder durch grüne und rote Punkte für gute und weniger gute Erfahrungen…
  • Ein Fremdkontrollsystem: Etwa durch ein Peer-Coaching. Damit man sich wechselseitig an die Umsetzung erinnert; ein Supervisionsgespräch zu den Effekten des neuen Verhaltens, aber auch zu möglichen Hindernissen bei dessen Realisierung.
  • Eine Erfolgs- und Folgenkontrolle: Hier geht es um die Reflexion der kurz- und langfristigen Folgen der neuen Anwendung. Dadurch soll die Wirksamkeit neuer Verhaltensweisen, Prozesse und Strukturen deutlich werden.
Praxistool
Zur Gelingensbedingung 24 finden Sie zwei Instrumente, die Sie bei der Erprobung und vor allem Stabilisierung neuen Verhaltens unterstützen.
Wer ist verantwortlich?
Verantwortlich sind alle Personen, die sich entschieden haben, an der Sicherung ihrer eigenen und der Entwicklungsfortschritte der Schule mitzuwirken. Jeder ist aufgerufen, sich mit den Bedingungen für die Umsetzung und Stabilisierung von Neuerungen aus Veränderungsprozessen auseinander zu setzen und das Mögliche zu tun, diese Bedingungen zu erfüllen. Gefordert ist aber auch die Schulleitung bzw. der Steuerkreis, wenn es darum geht, Lehrerinnen und Lehrer bzw. andere Beteiligte bei ihrer Auseinandersetzung mit den Bedingungen für die Stabilisierung von Verhalten zu unterstützen. Dies gilt vor allem für die Förderung der Motivation, z. B. die Dringlichkeit und Bedeutsamkeit der Neuerungen für die Schule herauszustellen.
Grafik: Gelingensbedingung 24, Instrument 1
Gelingensbedingung 24, Instrument 1
Sechs Bedingungen für die Stabilisierung der Neuerung prüfen
Ziel: Bedingungen für die Stabilisierung der Neuerung prüfen und Verhaltensweisen überdenken
So gehen Sie vor:
In der Gelingensbedingung 24 wurden Ihnen Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung und Stabilisierung von Neuerungen aus Veränderungsprozessen vorgestellt. Überlegen Sie, ob Sie die Bedingungen bereits erfüllen bzw. was Sie dafür tun können.
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Das Instrument wird von allen Personen bearbeitet, die von der Neuerung betroffen sind. Sie sollten die Tabelle in Einzelarbeit ausfüllen lassen und über die Ergebnisse ins Gespräch kommen. Was können Sie gemeinsam tun? Wo können Sie sich wechselseitig unterstützen?
Strategien zur ...Bereits erfolg­reich verwendetTrai­nings­be­darfUn­ter­stüt­zungs­be­darf
Motivationskontrolle   
Aufmerksamkeitskontrolle   
Stimmungskontrolle   
Handlungskontrolle   
Umweltkontrolle   
Sparsamkeit der Informations­verarbeitung   
Grafik: Gelingensbedingung 24, Instrument 2
Gelingensbedingung 24, Instrument 2
Kontrollmaßnahmen für die Stabilisierung von Neuerungen einführen
Ziel: Kontrollmaßnahmen für Stabilisierungs- und Sicherungsaufträge bewusst durchführen
So gehen Sie vor:
Informieren Sie die Verantwortlichen für die Sicherung der verschiedenen Ergebnisse/Neuerungen darüber, durch welche Maßnahmen sie die Stabilisierung von neuem Verhalten unterstützen können. Dies können Sie z. B. tun, indem Sie die oben stehende Tabelle „Kontrollmaßnahmen für die Stabilisierung neuer Verhaltensweisen und Einführung neuer Routinen“ kopieren und an alle verteilen.
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Lassen Sie die folgende Checkliste in Einzelarbeit ausfüllen und diskutieren Sie dann in Arbeitsgruppen oder im Plenum über die Ergebnisse. Was folgt daraus? Welche Maßnahmen können zur Stabilisierung der Neuerungen umgesetzt werden?
Kontrollmaßnahmen für eine nachhaltige Stabilisierung neuen VerhaltensErfüllt? Was kann konkret getan werden?
Anwendungssituationen klar 
Erinnerungssystem vor Anwendung 
Selbstkontrolle der Umsetzung 
Fremdkontrolle der Umsetzung 
Erfolgs- und Folgenkontrolle