GELINGENSBEDINGUNG 23

Wichtige Neuerungen für eine gezielte Stabilisierung auswählen
Wenn die oben aufgeführten Fragen nach den Neuerungen, die erhalten werden sollen, oft „vergessen“ werden, kann das verschiedene Gründe haben:
  • Man will die Freude über das Erreichte nicht durch eine Zwangswahl darüber trüben, was weiter gefördert werden soll und was fallen gelassen wird.
  • Die Optimisten hoffen darauf, dass gute Neuerungen ohnehin Bestand haben.
Diese Fragen sind aber nicht nur notwendig angesichts der knappen Transfersicherungsressourcen. Sie zu stellen macht auch klar, dass man bei knappen Ressourcen manches erreicht hat und nun die noch verfügbaren Kräfte für die Verstetigung auf das Wesentliche konzentrieren muss.
Die Auswahl verlangt also eine Wertentscheidung und eine Prioritätensetzung möglichst durch das gesamte Kollegium sowie durch jede Lehrperson für sich selbst.
Aus der Liste der Ergebnisse sind daher einige auszuwählen, die für besonders erhaltenswert erachtet werden. Diese müssen benannt werden. Darüber hinaus sind Ideen zu entwickeln, wie diese Ergebnisse nach Projektende lebendig erhalten werden können: Wer kümmert sich zukünftig um den Ruheraum, wer begleitet im ersten Jahr den bewegten Pausenhof, wer kümmert sich um die Fallbesprechungsgruppe…?
Die Auswahl von Ergebnissen, die langfristig stabilisiert werden sollen, kann anhand von drei Kernfragen konkretisiert werden, wie die folgende Tabelle zeigt. Hierbei kann auch geschaut werden, welche Kompromisse bei der Stabilisierung möglich sind.
Kernfragen für die Transfersicherungsplanung
KriteriumKernfragenKompromisse
VerstehbarkeitWas genau soll wie lange durch Maßnahmen stabilisiert werden?Geht auch etwas weniger? Können wir z. B. einen Testlauf machen und danach entscheiden?
MachbarkeitIst die Stabilisierung bei unserer Ressourcenlage machbar?Wer kann sich wie lange darum kümmern? Wie groß ist der Aufwand? Was kostet das?
SinnhaftigkeitWarum, wozu und für wen investieren wir den Stabilisierungsaufwand?Wie viele und wie wichtige Gründe sind ausreichend?
Letztlich ist diese Auswahl ein „Treueschwur“ zur Durchführung eines Transfersicherungsexperimentes, um die ausgewählten Ergebnisse wenigstens für einen definierten Zeitraum zu stabilisieren. Die folgende Tabelle gibt einen Eindruck von vier Experimenten mit unterschiedlicher Laufzeit.
Vier Beispiele für eine Transfersicherungsplanung
 Für LehrkräfteFür LehrkräfteFür Lehrkräfte und Schülerinnen und SchülerFür Lehrkräfte und Schülerin­nen und Schüler
Was sichern?RuheraumFall­be­sprech­ungs­gruppeSozial-emotionales TrainingAcht­sam­keits­trai­ning im Unterricht
Warum sichern?Langfristig immer wieder im Schul­alltag abschalten
zur Ruhe kommen
Kollegiale Selbst­wirksamkeit stär­ken
Probleme aus­drücken und bearbeiten
Stärkung der sozialen und emotionalen KompetenzenPräsens stärken;
Im Hier und Jetzt sein
Durch wen sichern?Frau SchindlerHerr Müller + Frau OsterFrau Breit, Herr VollmerFrau Rolf
Wie sichern?Evaluation der NutzungTermine, Themen­sammlung5-Minutentraining in festem ZeittaktÜbungen aus dem Netz kopieren
Res­sour­cen­auf­wand für Sicherung?1 Stunde/Monat3 Stunden/Monat, Kosten für externe Beratung15 Minuten/Tag, Kosten für TrainingsmanualKosten für Fortbildung
Wie lange sichern?
Danach Siche­rungs­bedarf erneut prüfen
12 Monate6 Monate2 Monate1 Monat
Transferbemühungen scheitern meist nicht an der Wünschbarkeit der Anliegen, sondern an der verfügbaren Zeit der Engagierten. Hier gilt die Reziprozitätsregel: Wer Zusatzaufgaben übernimmt, muss deren Zeitbedarf abschätzen und festlegen, wo er die benötigte Zeit an anderer Stelle einsparen kann. So soll eine Überbelastung verhindert werden. Das gilt für die Schulleitung, für die Schulgemeinschaft wie für jedes einzelne Mitglied.
Diese Umschichtung muss von den Personen selbst gewollt, aber auch von anderen eingefordert und ermöglicht werden. Daher ist es notwendig, wenn sie sich nicht nur selbst beauftragen, sondern die befristete Umschichtung der Ressourcen offiziell bestätigt wird.
Beispielplan
Mein persönlicher Beitrag zur Sicherung der Neuerungen:
Für die nächsten acht Wochen möchte ich mich für die Ergebnissicherung von XX engagieren:
Ich kann pro Woche 90 Minuten zusätzlich investieren.
Die spare ich ein durch Unterstützung bei der Unterrichtsvorbereitung und Aufschieben von ZZ.
Meine Umschichtung wird befürwortet durch…
Praxistool
Nachfolgend finden Sie drei unterschiedliche Instrumente, die Ihnen helfen zu bestimmen, welche Ergebnisse ihres Schulentwicklungsprojekts Sie mit welchen Maßnahmen stabilisieren wollen und können.
Wer ist verantwortlich?
Die Transfersicherung ist Aufgabe der Schulleitung. Die Schulleitung trägt die Verantwortung für die Verstetigung der Maßnahmen und Ergebnisse und stellt dafür Ressourcen zur Verfügung. Sie muss auch nach außen (z. B. gegenüber der Schulbehörde oder den Eltern) hin vertreten, wenn sich Neuerungen in der Schule durchsetzen. Das alles tut sie nicht alleine, sondern in Abstimmung mit der Steuergruppe und denjenigen, die aktiv im Projekt mitgearbeitet haben.
Grafik: Gelingensbedingung 23, Instrument 1
Gelingensbedingung 23, Instrument 1
Rückfallgefährdete Neuerungen identifizieren
Ziel: Zwischen schon stabilisierten Ergebnissen und solchen, die man noch mit speziellen Maßnahmen gegen Rückfall absichern muss, unterscheiden
So gehen Sie vor:
Holen Sie sich nach Projektabschluss eine Rückmeldung dazu ein, welche Ergebnisse nach Meinung des Kollegiums „Selbstläufer“ sind und welche noch mit speziellen Maßnahmen abgesichert werden sollten. Hierzu soll jede Lehrkraft für die verschiedenen Ziele des Schulentwicklungsprojekts zunächst angeben, inwieweit diese aus ihrer Sicht erreicht wurden. Zudem sollen die Lehrkräfte bewerten, ob weitere Entwicklungsmaßnahmen notwendig sind und inwieweit erreichte Ergebnisse gegen Rückfälle abgesichert werden müssen.
Sie können diese Umfrage entweder als kleinen Fragebogen kopiert an die aktiven Personen geben oder auf ein Flipchart/eine Metaplanwand im Lehrerzimmer übertragen. Stellen Sie sicher, dass die Einschätzung anonym erfolgen kann (z. B. durch ein Flipchart, das nur in einer Ecke eingesehen werden kann). Bitten Sie anschließend die Kolleginnen und Kollegen, ihre Einschätzung bis zu einem vorgegebenen Termin vorzunehmen. Sie können auch noch ein freies Feld für Wünsche und Anregungen einfügen. Stellen Sie durch einführende Worte sicher, dass alle wissen, warum diese Einschätzung wichtig ist. Wenn das Instrument als Fragebogen in Einzelarbeit bearbeitet wird, sollte auch dieses anonym geschehen. Die Daten sollten von der Steuergruppe ausgewertet werden.
Drucker-Icon
Die Ergebnisse werden dem Kollegium vorgestellt. Anschließend wird ein Aktionsplan für jede der zu sichernden Neuerungen aufgestellt.
(Teil-)Ziele der Schulentwicklung 
(Teil-)Zielenicht erreichtteilweise erreichterreichtWelche weiteren Schritte sind zur Entwicklung und Rückfallsicherung notwendig?
1.    
2.    
3.    
Ergebnis:    
Bitte füllen Sie im Anschluss für die Teilziele, die weitere Schritte zur Rückfallsicherung benötigen, folgenden Aktionsplan aus.
Aktionsplan „Stabilisierung der Ergebnisse“
Was tun wir? Womit begin­nen wir?Wer tut es? Wer ist verant­wort­lich?Wer ist betei­ligt?Wann tun wir es?Was brauchen wir dafür?Wie stellen wir fest, ob wir erfolgreich sind?
      
Grafik: Gelingensbedingung 23, Instrument 2
Gelingensbedingung 23, Instrument 2
Brainstorming zu geeigneten Maßnahmen zur Rückfallsicherung durchführen
Ziel: Maßnahmen für das weiterführende Change-Controlling auswählen und Verantwortlichkeiten festlegen
So gehen Sie vor:
Folgende Frage soll durch die Verwendung dieses Instruments beantwortet werden:
  • Welche Maßnahmen sind ökonomisch und effektiv für die Stabilisierung der Neuerungen und wer kontrolliert sie?
Zeigen Sie allen Kolleginnen und Kollegen per Flipchart oder per Folie die folgende Tabelle und bitten Sie um eine Einschätzung mit Diskussion. So kann die Zweckmäßigkeit von Maßnahmen beurteilt sowie ggf. vereinbart werden (das Setzen eines X in der zweiten Tabellenspalte steht für „verabredet“), dass die Maßnahme durchgeführt wird und wer für die Einhaltung verantwortlich ist. Wenn mehrere Maßnahmen durchgeführt werden, muss die Tabelle für jede Maßnahme einzeln bearbeitet werden.
MaßnahmeZweckmäßig? (ja/nein)VerabredetVerantwortliche Person
X
Laufende Erinnerungen an den Sinn und Zweck der zu stabilisierenden Maßnahme.   
Aktuelle Infos über das Engagement und den Umsetzungsgrad der Maßnahmen.   
Dank und Würdigung für die, die die Sicherungsmaßnahmen durchführen.   
Neuentscheidung bei Zielkonflikten mit konkurrierenden Zusatzaufgaben.   
Periodische Treffen der an der Maßnahme Beteiligten.   
Vorbereitung von Konferenzbeschlüssen zur weiteren Nutzung der Maßnahme.   
Ressourcenplanung für Stabilisierungs­maßnahmen.   
Weitere Vorschläge zur Stabilisierung aus dem Kollegium:
...
   
Grafik: Gelingensbedingung 23, Instrument 3
Gelingensbedingung 23, Instrument 3
Neuerungen mit passenden Sicherungsstrategien kombinieren
Ziel: Passende Sicherungsstrategien für erfolgreiche Neuerungen planen
So gehen Sie vor:
Bearbeiten Sie in der Schulleitung bzw. Steuergruppe das folgende Formular. Tragen Sie ein, was zur Sicherung der Maßnahme getan werden muss und prüfen Sie, welche Lehrkräfte zur Erfüllung dieser Aufgaben in Frage kommen, z. B. Expertinnen und Experten im Thema oder Lehrkräfte, die noch über ausreichende Zeitressourcen verfügen. Stellen Sie die Ergebnisse dem Kollegium vor.
Drucker-Icon
Anschließend werden die Maßnahmen umgesetzt, für die sich genügend Ressourcen finden. Machen Sie dabei klar, dass es eine große Leistung ist, Neues unter Alltagsdruck zu bewahren!
 Sicherungsplanung für ein Ergebnis
Fragen:Ihre Antworten:
Was sichern? 
Wogegen absichern? 
Warum sichern? 
Für wen sichern? 
Durch wen sichern? 
Wie sichern? Aufwand? 
Wie lange sichern? Danach Sicherungsbedarf erneut prüfen 
Wie geht es weiter?
Wenn Sie dem Leitfaden in der Evaluations- und Stabilisierungsphase bis hierhin gefolgt sind, haben Sie die Ergebnisse Ihres Evaluationsvorhabens umfänglich ausgewertet. Sie haben bestimmt, welche Ergebnisse Ihres Projekts Sie verstetigen wollen und wissen, was Sie dafür an Ressourcen benötigen. Nun geht es in der letzten Gelingensbedingung in diesem Leitfaden um gezielte Strategien zur Realisierung und Stabilisierung von neuem Verhalten. Wenn Sie das bearbeitet haben, haben Sie sich mit der am häufigsten vernachlässigten Phase in Entwicklungsprozessen auseinander gesetzt. Es spricht vieles dafür, dass Ihre Schule und alle Beteiligten den Entwicklungsprozess gesund und erfolgreich durchlaufen haben. Mit Hilfe der Gelingensbedingungen in diesem Leitfaden haben Sie sich ausreichend Zeit genommen, aus dem abgeschlossenen Projekt zu lernen, Neuerungen in den Schulalltag zu integrieren und sich auf zukünftige Entwicklungsvorhaben vorzubereiten. Sie wissen nun sehr viel darüber, wie Schulentwicklung in Ihrer Schule gelingen kann – und was sie behindert oder sogar unmöglich macht. Mit diesem Leitfaden haben wir verdeutlicht, dass jedes Projekt – sei es von oben angeordnet oder aus der Schule entwickelt – einen angemessenen Zeitrahmen, vielfältige Ressourcen und ein qualifiziertes Projektmanagement braucht, bei dem Gelingensbedingungen guter gesunder Schulentwicklung systematisch berücksichtigt werden sollten.