Schritt 8: Wie sichern wir den Transfer und beugen Rückfällen vor?

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In den vorherigen Schritten der Evaluations- und Stabilisierungsphase wurde gezeigt, dass ein Bewusstmachen erzielter Ergebnisse und deren Würdigung wichtig sind, um Motivation und Zuversicht für die Stabilisierung der Ergebnisse, aber auch für das Starten neuer Schulentwicklungsprojekte zu tanken. Um diese zukünftigen Projekte möglichst erfolgreich gestalten zu können, sollte eine Schule aus bisherigen Projekten lernen. Das wurde im Schritt 7 thematisiert. Im Schritt 8 geht es um die konkrete Gestaltung der Evaluations- und Stabilisierungsphase: Was kann getan werden, damit erzielte Ergebnisse dauerhaft gesichert werden und neue wirksame Lösungen und Vorgehensweisen in der Schule streuen und von bisher nicht beteiligten Kolleginnen und Kollegen genutzt werden.
Die zentralen Fragen in diesem letzten Schritt des Schulentwicklungsprozesses lauten:
  • Gegen welche Rückfallrisiken müssen wir die Ergebnisse unserer Verhaltens- und Verhältnisprävention schützen?
  • Bei welchen bedeutsamen Ergebnissen ist mit Rückfallrisiken zu rechnen?
  • Was können wir tun, um Rückfälle zu vermeiden?
  • Wie lange müssen wir Neuerungen davor schützen, wieder von alten Routinen verdrängt zu werden? Welche Ressourcen sind dafür notwendig, wer kümmert sich darum?
Fortschritte im Bereich der Selbst- und Schulentwicklung wurden gegen innere und äußere Widerstände erkämpft. Diese Widerstände gelten fort. Deshalb werden neue Verhaltensweisen, Aufgaben, Regeln oder Zusatztermine, trotz guter Absichten, oft von den gewohnten Prioritäten schnell wieder verdrängt.
Eine Reihe von Fragen kann helfen, das jeweilige Rückfallrisiko einzuschätzen und so die wenigen für die Stabilisierungsphase zur Verfügung stehenden Ressourcen auf die wirklich gefährdeten Aspekte zu lenken.
Innere Widerstände
  • Wer befolgt bzw. unterstützt diese Neuerung schon und findet sie profitabel? Wer muss sich noch dazu zwingen und willentlich motivieren? Welche Befriedigung bringt das Befolgen bzw. Umsetzen der Neuerung jetzt schon mit sich – und für wen ist das spürbar?
  • Wie viele aus dem Kollegium identifizieren sich so mit der Neuerung, dass sie ohne Zusatzmaßnahmen deren Umsetzung sicherstellen? Wie vielen aus dem Kollegium ist die Neuerung so wichtig, dass sie sich für deren Erhalt einsetzen und engagieren?
  • Wie viele aus dem Kollegium garantieren für sich, dass sie die Neuerung zunächst für drei Monate strikt praktizieren trotz aller anderweitigen Verpflichtungen und Ziele?
  • In welchen Fällen rechnen die Kolleginnen und Kollegen damit, dass die Neuerung nicht realisiert wird? Welche Entschuldigungen werden dabei den Verzicht auf die Durchführung erleichtern?
  • Welche anderen wichtigen Ziele der Kolleginnen und Kollegen würden eventuell gefährdet, wenn sie sich für die Neuerung einsetzen?
Für Antworten auf diese Fragen darf man sich nicht nur auf die Wichtigkeit der Anliegen konzentrieren. Genauso wichtig ist es, auf individueller wie kollektiver Ebene den Zeitbedarf und die Kraftreserven realistisch einzuschätzen. Nicht nur guter Wille zählt – die Stabilisierungsanstrengungen müssen auch zu leisten sein.
Äußere Widerstände
  • Mit welchen Reaktionen rechnen die Lehrkräfte von Seiten ihrer Kolleginnen und Kollegen, wenn sie sich an die Neuerung halten? Eher Unterstützung oder eher Abwehr?
  • Mit welchen Reaktionen rechnen sie von Seiten des privaten Umfelds, wenn sie die Entwicklungen weiter forcieren möchten?
  • Welche organisationalen Bedingungen (z. B. notwendige Umbaumaßnahmen, Krankenstände, Personalwechsel, Zusatzaufgaben von oben…) erschweren die Umsetzung?
In der folgenden Gelingensbedingung geht es zunächst darum zu entscheiden, welche der im Projekt erzielten Ergebnisse stabilisiert werden müssen und für welche Ergebnisse dies überhaupt zu leisten ist. Nachdem die Projektergebnisse bestimmt wurden, die durch spezifische Maßnahmen verstetigt werden sollen, muss diese Stabilisierung geplant werden.

GELINGENSBEDINGUNG 23

Wichtige Neuerungen für eine gezielte Stabilisierung auswählen
Wenn die oben aufgeführten Fragen nach den Neuerungen, die erhalten werden sollen, oft „vergessen“ werden, kann das verschiedene Gründe haben:
  • Man will die Freude über das Erreichte nicht durch eine Zwangswahl darüber trüben, was weiter gefördert werden soll und was fallen gelassen wird.
  • Die Optimisten hoffen darauf, dass gute Neuerungen ohnehin Bestand haben.
Diese Fragen sind aber nicht nur notwendig angesichts der knappen Transfersicherungsressourcen. Sie zu stellen macht auch klar, dass man bei knappen Ressourcen manches erreicht hat und nun die noch verfügbaren Kräfte für die Verstetigung auf das Wesentliche konzentrieren muss.
Die Auswahl verlangt also eine Wertentscheidung und eine Prioritätensetzung möglichst durch das gesamte Kollegium sowie durch jede Lehrperson für sich selbst.
Aus der Liste der Ergebnisse sind daher einige auszuwählen, die für besonders erhaltenswert erachtet werden. Diese müssen benannt werden. Darüber hinaus sind Ideen zu entwickeln, wie diese Ergebnisse nach Projektende lebendig erhalten werden können: Wer kümmert sich zukünftig um den Ruheraum, wer begleitet im ersten Jahr den bewegten Pausenhof, wer kümmert sich um die Fallbesprechungsgruppe…?
Die Auswahl von Ergebnissen, die langfristig stabilisiert werden sollen, kann anhand von drei Kernfragen konkretisiert werden, wie die folgende Tabelle zeigt. Hierbei kann auch geschaut werden, welche Kompromisse bei der Stabilisierung möglich sind.
Kernfragen für die Transfersicherungsplanung
KriteriumKernfragenKompromisse
VerstehbarkeitWas genau soll wie lange durch Maßnahmen stabilisiert werden?Geht auch etwas weniger? Können wir z. B. einen Testlauf machen und danach entscheiden?
MachbarkeitIst die Stabilisierung bei unserer Ressourcenlage machbar?Wer kann sich wie lange darum kümmern? Wie groß ist der Aufwand? Was kostet das?
SinnhaftigkeitWarum, wozu und für wen investieren wir den Stabilisierungsaufwand?Wie viele und wie wichtige Gründe sind ausreichend?
Letztlich ist diese Auswahl ein „Treueschwur“ zur Durchführung eines Transfersicherungsexperimentes, um die ausgewählten Ergebnisse wenigstens für einen definierten Zeitraum zu stabilisieren. Die folgende Tabelle gibt einen Eindruck von vier Experimenten mit unterschiedlicher Laufzeit.
Vier Beispiele für eine Transfersicherungsplanung
 Für LehrkräfteFür LehrkräfteFür Lehrkräfte und Schülerinnen und SchülerFür Lehrkräfte und Schülerin­nen und Schüler
Was sichern?RuheraumFall­be­sprech­ungs­gruppeSozial-emotionales TrainingAcht­sam­keits­trai­ning im Unterricht
Warum sichern?Langfristig immer wieder im Schul­alltag abschalten
zur Ruhe kommen
Kollegiale Selbst­wirksamkeit stär­ken
Probleme aus­drücken und bearbeiten
Stärkung der sozialen und emotionalen KompetenzenPräsens stärken;
Im Hier und Jetzt sein
Durch wen sichern?Frau SchindlerHerr Müller + Frau OsterFrau Breit, Herr VollmerFrau Rolf
Wie sichern?Evaluation der NutzungTermine, Themen­sammlung5-Minutentraining in festem ZeittaktÜbungen aus dem Netz kopieren
Res­sour­cen­auf­wand für Sicherung?1 Stunde/Monat3 Stunden/Monat, Kosten für externe Beratung15 Minuten/Tag, Kosten für TrainingsmanualKosten für Fortbildung
Wie lange sichern?
Danach Siche­rungs­bedarf erneut prüfen
12 Monate6 Monate2 Monate1 Monat
Transferbemühungen scheitern meist nicht an der Wünschbarkeit der Anliegen, sondern an der verfügbaren Zeit der Engagierten. Hier gilt die Reziprozitätsregel: Wer Zusatzaufgaben übernimmt, muss deren Zeitbedarf abschätzen und festlegen, wo er die benötigte Zeit an anderer Stelle einsparen kann. So soll eine Überbelastung verhindert werden. Das gilt für die Schulleitung, für die Schulgemeinschaft wie für jedes einzelne Mitglied.
Diese Umschichtung muss von den Personen selbst gewollt, aber auch von anderen eingefordert und ermöglicht werden. Daher ist es notwendig, wenn sie sich nicht nur selbst beauftragen, sondern die befristete Umschichtung der Ressourcen offiziell bestätigt wird.
Beispielplan
Mein persönlicher Beitrag zur Sicherung der Neuerungen:
Für die nächsten acht Wochen möchte ich mich für die Ergebnissicherung von XX engagieren:
Ich kann pro Woche 90 Minuten zusätzlich investieren.
Die spare ich ein durch Unterstützung bei der Unterrichtsvorbereitung und Aufschieben von ZZ.
Meine Umschichtung wird befürwortet durch…
Praxistool
Nachfolgend finden Sie drei unterschiedliche Instrumente, die Ihnen helfen zu bestimmen, welche Ergebnisse ihres Schulentwicklungsprojekts Sie mit welchen Maßnahmen stabilisieren wollen und können.
Wer ist verantwortlich?
Die Transfersicherung ist Aufgabe der Schulleitung. Die Schulleitung trägt die Verantwortung für die Verstetigung der Maßnahmen und Ergebnisse und stellt dafür Ressourcen zur Verfügung. Sie muss auch nach außen (z. B. gegenüber der Schulbehörde oder den Eltern) hin vertreten, wenn sich Neuerungen in der Schule durchsetzen. Das alles tut sie nicht alleine, sondern in Abstimmung mit der Steuergruppe und denjenigen, die aktiv im Projekt mitgearbeitet haben.
Grafik: Gelingensbedingung 23, Instrument 1
Gelingensbedingung 23, Instrument 1
Rückfallgefährdete Neuerungen identifizieren
Ziel: Zwischen schon stabilisierten Ergebnissen und solchen, die man noch mit speziellen Maßnahmen gegen Rückfall absichern muss, unterscheiden
So gehen Sie vor:
Holen Sie sich nach Projektabschluss eine Rückmeldung dazu ein, welche Ergebnisse nach Meinung des Kollegiums „Selbstläufer“ sind und welche noch mit speziellen Maßnahmen abgesichert werden sollten. Hierzu soll jede Lehrkraft für die verschiedenen Ziele des Schulentwicklungsprojekts zunächst angeben, inwieweit diese aus ihrer Sicht erreicht wurden. Zudem sollen die Lehrkräfte bewerten, ob weitere Entwicklungsmaßnahmen notwendig sind und inwieweit erreichte Ergebnisse gegen Rückfälle abgesichert werden müssen.
Sie können diese Umfrage entweder als kleinen Fragebogen kopiert an die aktiven Personen geben oder auf ein Flipchart/eine Metaplanwand im Lehrerzimmer übertragen. Stellen Sie sicher, dass die Einschätzung anonym erfolgen kann (z. B. durch ein Flipchart, das nur in einer Ecke eingesehen werden kann). Bitten Sie anschließend die Kolleginnen und Kollegen, ihre Einschätzung bis zu einem vorgegebenen Termin vorzunehmen. Sie können auch noch ein freies Feld für Wünsche und Anregungen einfügen. Stellen Sie durch einführende Worte sicher, dass alle wissen, warum diese Einschätzung wichtig ist. Wenn das Instrument als Fragebogen in Einzelarbeit bearbeitet wird, sollte auch dieses anonym geschehen. Die Daten sollten von der Steuergruppe ausgewertet werden.
Drucker-Icon
Die Ergebnisse werden dem Kollegium vorgestellt. Anschließend wird ein Aktionsplan für jede der zu sichernden Neuerungen aufgestellt.
(Teil-)Ziele der Schulentwicklung 
(Teil-)Zielenicht erreichtteilweise erreichterreichtWelche weiteren Schritte sind zur Entwicklung und Rückfallsicherung notwendig?
1.    
2.    
3.    
Ergebnis:    
Bitte füllen Sie im Anschluss für die Teilziele, die weitere Schritte zur Rückfallsicherung benötigen, folgenden Aktionsplan aus.
Aktionsplan „Stabilisierung der Ergebnisse“
Was tun wir? Womit begin­nen wir?Wer tut es? Wer ist verant­wort­lich?Wer ist betei­ligt?Wann tun wir es?Was brauchen wir dafür?Wie stellen wir fest, ob wir erfolgreich sind?
      
Grafik: Gelingensbedingung 23, Instrument 2
Gelingensbedingung 23, Instrument 2
Brainstorming zu geeigneten Maßnahmen zur Rückfallsicherung durchführen
Ziel: Maßnahmen für das weiterführende Change-Controlling auswählen und Verantwortlichkeiten festlegen
So gehen Sie vor:
Folgende Frage soll durch die Verwendung dieses Instruments beantwortet werden:
  • Welche Maßnahmen sind ökonomisch und effektiv für die Stabilisierung der Neuerungen und wer kontrolliert sie?
Zeigen Sie allen Kolleginnen und Kollegen per Flipchart oder per Folie die folgende Tabelle und bitten Sie um eine Einschätzung mit Diskussion. So kann die Zweckmäßigkeit von Maßnahmen beurteilt sowie ggf. vereinbart werden (das Setzen eines X in der zweiten Tabellenspalte steht für „verabredet“), dass die Maßnahme durchgeführt wird und wer für die Einhaltung verantwortlich ist. Wenn mehrere Maßnahmen durchgeführt werden, muss die Tabelle für jede Maßnahme einzeln bearbeitet werden.
MaßnahmeZweckmäßig? (ja/nein)VerabredetVerantwortliche Person
X
Laufende Erinnerungen an den Sinn und Zweck der zu stabilisierenden Maßnahme.   
Aktuelle Infos über das Engagement und den Umsetzungsgrad der Maßnahmen.   
Dank und Würdigung für die, die die Sicherungsmaßnahmen durchführen.   
Neuentscheidung bei Zielkonflikten mit konkurrierenden Zusatzaufgaben.   
Periodische Treffen der an der Maßnahme Beteiligten.   
Vorbereitung von Konferenzbeschlüssen zur weiteren Nutzung der Maßnahme.   
Ressourcenplanung für Stabilisierungs­maßnahmen.   
Weitere Vorschläge zur Stabilisierung aus dem Kollegium:
...
   
Grafik: Gelingensbedingung 23, Instrument 3
Gelingensbedingung 23, Instrument 3
Neuerungen mit passenden Sicherungsstrategien kombinieren
Ziel: Passende Sicherungsstrategien für erfolgreiche Neuerungen planen
So gehen Sie vor:
Bearbeiten Sie in der Schulleitung bzw. Steuergruppe das folgende Formular. Tragen Sie ein, was zur Sicherung der Maßnahme getan werden muss und prüfen Sie, welche Lehrkräfte zur Erfüllung dieser Aufgaben in Frage kommen, z. B. Expertinnen und Experten im Thema oder Lehrkräfte, die noch über ausreichende Zeitressourcen verfügen. Stellen Sie die Ergebnisse dem Kollegium vor.
Drucker-Icon
Anschließend werden die Maßnahmen umgesetzt, für die sich genügend Ressourcen finden. Machen Sie dabei klar, dass es eine große Leistung ist, Neues unter Alltagsdruck zu bewahren!
 Sicherungsplanung für ein Ergebnis
Fragen:Ihre Antworten:
Was sichern? 
Wogegen absichern? 
Warum sichern? 
Für wen sichern? 
Durch wen sichern? 
Wie sichern? Aufwand? 
Wie lange sichern? Danach Sicherungsbedarf erneut prüfen 
Wie geht es weiter?
Wenn Sie dem Leitfaden in der Evaluations- und Stabilisierungsphase bis hierhin gefolgt sind, haben Sie die Ergebnisse Ihres Evaluationsvorhabens umfänglich ausgewertet. Sie haben bestimmt, welche Ergebnisse Ihres Projekts Sie verstetigen wollen und wissen, was Sie dafür an Ressourcen benötigen. Nun geht es in der letzten Gelingensbedingung in diesem Leitfaden um gezielte Strategien zur Realisierung und Stabilisierung von neuem Verhalten. Wenn Sie das bearbeitet haben, haben Sie sich mit der am häufigsten vernachlässigten Phase in Entwicklungsprozessen auseinander gesetzt. Es spricht vieles dafür, dass Ihre Schule und alle Beteiligten den Entwicklungsprozess gesund und erfolgreich durchlaufen haben. Mit Hilfe der Gelingensbedingungen in diesem Leitfaden haben Sie sich ausreichend Zeit genommen, aus dem abgeschlossenen Projekt zu lernen, Neuerungen in den Schulalltag zu integrieren und sich auf zukünftige Entwicklungsvorhaben vorzubereiten. Sie wissen nun sehr viel darüber, wie Schulentwicklung in Ihrer Schule gelingen kann – und was sie behindert oder sogar unmöglich macht. Mit diesem Leitfaden haben wir verdeutlicht, dass jedes Projekt – sei es von oben angeordnet oder aus der Schule entwickelt – einen angemessenen Zeitrahmen, vielfältige Ressourcen und ein qualifiziertes Projektmanagement braucht, bei dem Gelingensbedingungen guter gesunder Schulentwicklung systematisch berücksichtigt werden sollten.

GELINGENSBEDINGUNG 24

Strategien für die Stabilisierung von neuem Verhalten anwenden
Bei der zeitlich befristeten praktischen Umsetzung der Stabilisierungsmaßnahmen nach dem offiziellen Projektende tritt ein typisches Problem auf: Die motivationale Interferenz. Damit wird folgendes Problem beschrieben: Eine neue Verhaltensweise benötigt mehr Disziplin und Anstrengung als eingeübtes Routineverhalten. Daher wird das gewohnte Verhalten zumeist als weniger anstrengend und somit attraktiver erlebt (Fries, 2006). Daher kommt es in der Stabilisierungsphase darauf an, die neuen Verhaltensweisen zu stärken und die konkurrierenden bequemeren Routinen so lange abzuwehren, bis auch die Neuerungen in Fleisch und Blut übergegangen sind.
Für die gezielte Änderung des eigenen Verhaltens haben sich bestimmte Strategien bewährt, die vornehmlich in therapeutischen Kontexten entwickelt wurden. Mit Hilfe dieser Strategien steigt die Chance, dass neues Verhalten gezeigt und verstetigt und schließlich zur Routine wird.
Die folgende Tabelle zeigt im Überblick die Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung neuer Verhaltensweisen.
Bedingungen für die Umsetzung und Stabilisierung von Neuerungen aus Veränderungsprozessen
  • Motivationskontrolle: D. h., dass Sie sich die Dringlichkeit und Bedeutsamkeit der Neuerungen und Ihre Zielbindung an die Neuerungen immer wieder bewusst machen (Was bedeutet die Neuerung für Sie, was für die Schule?).
  • Aufmerksamkeitskontrolle: D. h., dass Sie erfolgversprechende Anwendungssituationen erkennen und aufsuchen und zugleich alternative Verhaltenstendenzen abwehren.
  • Stimmungskontrolle: D. h., dass Sie sich in Bezug auf die Neuerung sich in eine positive Stimmung versetzen bzw. negative Stimmungen erfolgreich bekämpfen können (z. B. sich belohnen, wenn etwas gut gelungen ist). Denn diese Stimmungskontrolle ist für die Umsetzung von ungewohnten Neuerungen, also für den täglichen Mut, etwas Ungewohntes zu wagen, besonders wichtig.
  • Handlungskontrolle: D. h., dass Sie zur Anwendung bereit sind und etwaige Misserfolge effektiv bewältigen, indem Sie Ihre Ziele und Methoden überprüfen, wenn etwas nicht optimal gelaufen ist und nicht einfach die Flinte ins Korn werfen. Dazu ist es hilfreich, andere Lehrkräfte zur Unterstützung zu haben.
  • Umweltkontrolle: D. h., dass Sie in der Umwelt/in der Schule jene Veränderungen vornehmen, die die Anwendung begünstigen und Ablenkungen vermeiden.
  • Sparsamkeit der Informationsverarbeitung: D. h., dass Sie in der Anwendungssituation kein langwieriges Abwägen: „Soll ich heute oder nicht?“ durchführen, sondern sich für eine fast automatische Umsetzung entscheiden. Hier helfen klare Zeitvorgaben mit Kontrolle durch Kolleginnen und Kollegen.
Während die oben genannten Strategien Bedingungen für den Erhalt der Motivation und des Engagements, die Neuerung umzusetzen und beizubehalten, darstellen, zielen die folgenden Maßnahmen darauf, die Umsetzung der Neuerung zu kontrollieren.
Kontrollmaßnahmen für die Stabilisierung neuer Verhaltensweisen und Einführung neuer Routinen
  • Eine Schaffung günstiger Anwendungssituationen, in denen Kolleginnen und Kollegen die neuen Verhaltensweisen umsetzen können. Dies ist von zentraler Bedeutung, denn ohne zeitnahe Gelegenheiten zur Anwendung des neuen Verhaltens schwinden die Chancen für eine Verstetigung der Neuerungen.
  • Ein Erinnerungssystem für die Anwendung: Z. B. (1) ein Zeichen im Lehrerzimmer, das an Würdigung erinnert, (2) ein vereinbartes Zeichen von Kolleginnen oder Kollegen, das daran erinnert, das neue Verhalten nicht aus dem Blick zu verlieren, (3) eine SMS, die einen in der ersten Woche per Vibrationsalarm an den Anwendungsauftrag erinnert.
  • Ein Selbst-Kontrollsystem: Etwa durch eine Häufigkeitskurve, die wiedergibt, wie häufig Sie an jedem Tag oder in jeder Woche das neue Verhalten gezeigt haben oder durch grüne und rote Punkte für gute und weniger gute Erfahrungen…
  • Ein Fremdkontrollsystem: Etwa durch ein Peer-Coaching. Damit man sich wechselseitig an die Umsetzung erinnert; ein Supervisionsgespräch zu den Effekten des neuen Verhaltens, aber auch zu möglichen Hindernissen bei dessen Realisierung.
  • Eine Erfolgs- und Folgenkontrolle: Hier geht es um die Reflexion der kurz- und langfristigen Folgen der neuen Anwendung. Dadurch soll die Wirksamkeit neuer Verhaltensweisen, Prozesse und Strukturen deutlich werden.
Praxistool
Zur Gelingensbedingung 24 finden Sie zwei Instrumente, die Sie bei der Erprobung und vor allem Stabilisierung neuen Verhaltens unterstützen.
Wer ist verantwortlich?
Verantwortlich sind alle Personen, die sich entschieden haben, an der Sicherung ihrer eigenen und der Entwicklungsfortschritte der Schule mitzuwirken. Jeder ist aufgerufen, sich mit den Bedingungen für die Umsetzung und Stabilisierung von Neuerungen aus Veränderungsprozessen auseinander zu setzen und das Mögliche zu tun, diese Bedingungen zu erfüllen. Gefordert ist aber auch die Schulleitung bzw. der Steuerkreis, wenn es darum geht, Lehrerinnen und Lehrer bzw. andere Beteiligte bei ihrer Auseinandersetzung mit den Bedingungen für die Stabilisierung von Verhalten zu unterstützen. Dies gilt vor allem für die Förderung der Motivation, z. B. die Dringlichkeit und Bedeutsamkeit der Neuerungen für die Schule herauszustellen.
Grafik: Gelingensbedingung 24, Instrument 1
Gelingensbedingung 24, Instrument 1
Sechs Bedingungen für die Stabilisierung der Neuerung prüfen
Ziel: Bedingungen für die Stabilisierung der Neuerung prüfen und Verhaltensweisen überdenken
So gehen Sie vor:
In der Gelingensbedingung 24 wurden Ihnen Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung und Stabilisierung von Neuerungen aus Veränderungsprozessen vorgestellt. Überlegen Sie, ob Sie die Bedingungen bereits erfüllen bzw. was Sie dafür tun können.
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Das Instrument wird von allen Personen bearbeitet, die von der Neuerung betroffen sind. Sie sollten die Tabelle in Einzelarbeit ausfüllen lassen und über die Ergebnisse ins Gespräch kommen. Was können Sie gemeinsam tun? Wo können Sie sich wechselseitig unterstützen?
Strategien zur ...Bereits erfolg­reich verwendetTrai­nings­be­darfUn­ter­stüt­zungs­be­darf
Motivationskontrolle   
Aufmerksamkeitskontrolle   
Stimmungskontrolle   
Handlungskontrolle   
Umweltkontrolle   
Sparsamkeit der Informations­verarbeitung   
Grafik: Gelingensbedingung 24, Instrument 2
Gelingensbedingung 24, Instrument 2
Kontrollmaßnahmen für die Stabilisierung von Neuerungen einführen
Ziel: Kontrollmaßnahmen für Stabilisierungs- und Sicherungsaufträge bewusst durchführen
So gehen Sie vor:
Informieren Sie die Verantwortlichen für die Sicherung der verschiedenen Ergebnisse/Neuerungen darüber, durch welche Maßnahmen sie die Stabilisierung von neuem Verhalten unterstützen können. Dies können Sie z. B. tun, indem Sie die oben stehende Tabelle „Kontrollmaßnahmen für die Stabilisierung neuer Verhaltensweisen und Einführung neuer Routinen“ kopieren und an alle verteilen.
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Lassen Sie die folgende Checkliste in Einzelarbeit ausfüllen und diskutieren Sie dann in Arbeitsgruppen oder im Plenum über die Ergebnisse. Was folgt daraus? Welche Maßnahmen können zur Stabilisierung der Neuerungen umgesetzt werden?
Kontrollmaßnahmen für eine nachhaltige Stabilisierung neuen VerhaltensErfüllt? Was kann konkret getan werden?
Anwendungssituationen klar 
Erinnerungssystem vor Anwendung 
Selbstkontrolle der Umsetzung 
Fremdkontrolle der Umsetzung 
Erfolgs- und Folgenkontrolle