GELINGENSBEDINGUNG 21

Engagement und Leistungen würdigen und feiern
In der Gelingensbedingung 17 wurde die Würdigung von Engagement und Leistung bereits als wichtige Erfolgsbedingung der Interventionsphase vorgestellt. Nun geht es um die Würdigung von Engagement und Leistung zum Projektabschluss. Warum spielt die Würdigung des Erreichten auch in der Evaluations- und Stabilisierungsphase eine zentrale Rolle? Würdigung bedeutet eine Verstärkung für gezeigtes Verhalten und kann somit helfen, neues Verhalten zu stabilisieren. Dies ist gerade in der Evaluations- und Stabilisierungsphase von entscheidender Bedeutung. Die Schulgemeinschaft sollte daher neues Verhalten durch Würdigung und Anerkennung verstärken.
Das Erreichte zu erkennen und es wertzuschätzen, fördert zudem den Stolz auf die eigene und die Leistung der Schule und motiviert auf diesem Wege dazu, Neuerungen beizubehalten. Nicht zuletzt wird die kollektive Selbstwirksamkeit für neue Projekte gestärkt (Wenn wir es bei diesem Projekt geschafft haben, produktiv und effektiv zusammen zu arbeiten, schaffen wir das auch in Zukunft.).
Warum kommt die Würdigung in Schulentwicklungsprojekten oft zu kurz? Selbst- und Fremdwürdigung hat in den Augen vieler Erwachsener etwas Peinliches an sich. Viele sind mit Regeln geimpft worden wie: „Eigenlob stinkt“, „Nicht geschimpft ist gelobt genug!“. Sie neigen zu Reaktionen wie: „Ist doch selbstverständlich!“, „Nicht dafür!“ Deshalb wird auch der Entwicklungsbedarf bezüglich der Würdigungskultur einer Schule häufig ignoriert. Dabei ist die Würdigung innerhalb und zwischen den Bezugsgruppen einer Schule gemeint: Lehrkräfte, Schulleitung, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und nicht-pädagogisches Personal.
Jede Schule hat aber eine Art kollektives Leistungsgedächtnis, gespeist aus den Erinnerungen der Mitglieder der Schulgemeinschaft. Hier sind auch Emotionen wie Stolz, Dankbarkeit und Respekt, Enttäuschung und Verletzung, Hoffnung und Sehnsucht verankert. Negative Erinnerungen an Menschen, Beziehungen oder Projekte graben sich meist schnell und nachhaltig in das kollektive Gedächtnis der Schule ein und sind dann eine Hypothek für die Zukunft. Daher gilt es die positiven Erinnerungen sorgsam zu pflegen. Ähnlich den privaten Urlaubsfotos sollten bildhafte Erinnerungen an Anstrengungen und Erfolge so platziert werden, dass die Mitglieder der Schulgemeinschaft sich häufiger daran erinnern können. Tipps zur Würdigung und Erinnerungspflege finden Sie in der Gelingensbedingung 17.
Erinnerungspflege soll Folgendes unterstützen:
  • Stolz und Freude über das Geleistete und Erreichte
  • Würdigung des Engagements von Einzelnen und Gruppen
  • Verdeutlichung der Anstrengungen und der Zusatzbelastungen durch das Projekt
  • Dank an die Toleranten, die trotz gegenteiliger Meinung wenig blockiert haben
  • Erinnerung an gemeisterte Herausforderungen und Krisen
  • Verdeutlichung des Wertes und der Wirksamkeit realisierter Maßnahmen (z. B. bewegter Schulhof = Stressabbau, Förderung von Geschicklichkeit, Gesundheit)
Grundsätzlich kann man zwischen individuell-interner und kollektiv-externer Würdigungskultur unterscheiden. Bei der individuell-internen Würdigungskultur geht es darum, darauf zu schauen, was man selbst aus eigener Anstrengung heraus erreicht hat und dies zu würdigen. Die daraus resultierende Selbstwirksamkeitserwartung ist eine wertvolle Kraftquelle in Zeiten, in denen Misserfolge verarbeitet werden müssen. Die kollektiv-externe Würdigungskultur bezieht sich auf die Würdigung des gemeinsam Erreichten und der Arbeit anderer und fördert die Fremdwertschätzung (d. h. die Wertschätzung durch andere Personen), das Kooperationsklima sowie die kollektive Selbstwirksamkeit im Kollegium.
Würdigen durch Feiern
Ging es in der Interventionsphase um das Mittel Feiern zur Förderung der Motivation und des Engagements zur Weiterarbeit im Entwicklungsvorhaben, geht es beim Feiern im Projektabschluss vor allem um den Dank an Einzelpersonen, Teilgruppen und an das gesamte Kollegium. Feiern lenkt zudem die Aufmerksamkeit auf das Bemerkenswerte. Dazu muss eine Projektmaßnahme (z. B. einen Ruheraum schaffen) mit Werten in Verbindung gebracht werden, z. B.: „Wir haben nicht einfach einen Ruheraum eingerichtet, sondern eine Oase der Erholung mitten im Alltagsstress und letztlich eine dauerhafte Struktur für unsere Gesunderhaltung geschaffen. Unser Ruheraum ist zugleich ein Zeichen für unsere Kooperationsfähigkeit und eine Erinnerung an die Pflicht zur kollektiven Selbstfürsorge im laufenden Alltagsgeschäft.“ Damit diese gemeinsame Feier der Schulgemeinschaft lange in Erinnerung bleibt, sollten Impressionen der Veranstaltung, z. B. in Form von Fotos auf der Homepage der Schule, öffentlich gemacht werden.
Zum Abschluss der Interventionsphase und Beginn der Transferphase gilt es auch zu prüfen, wie die Würdigung während des Projekts ausgesehen hat, um daraus für zukünftige Projekte zu lernen. Hierzu können Sie das nachfolgend vorgestellte Praxistool nutzen.
Praxistool
Im Praxistool zur Gelingensbedingung 21 finden Sie ein Instrument zur Analyse und Förderung der projektbezogenen und der übergreifenden internen und externen Würdigungskultur.
Wer ist verantwortlich?
Für die Würdigungskultur sind neben der Schulleitung und der Steuergruppe letztlich alle Mitglieder der Schulgemeinschaft verantwortlich. Alle müssen Sorge tragen, dass diese Kultur individuell sowie innerhalb und zwischen den Schulklassen, dem Schulpersonal und der Elternschaft gepflegt und gefördert wird.
Grafik: Gelingensbedingung 21, Instrument 1
Gelingensbedingung 21, Instrument 1
Aus der Würdigungskultur im Projekt für Zukünftiges lernen
Ziel: Die Würdigungskultur im Projekt analysieren und das eigene Würdigungsverhalten stärken
So gehen Sie vor:
Reservieren Sie einen Termin innerhalb oder außerhalb einer Konferenz zur Aussprache über die Würdigungskultur im abgeschlossenen Projekt.
Bitten Sie die Lehrerinnen und Lehrer, die beiden folgenden Tabellen vorher in Einzelarbeit zu bearbeiten. Um sowohl die individuell-interne als auch die kollektiv-externe Würdigungskultur zu erfassen, ist es sinnvoll, dass das Instrument neben den Projektaktiven auch von nicht am Projekt beteiligten Mitgliedern der Schulgemeinschaft bearbeitet wird. Bilden Sie Arbeitsgruppen und diskutieren Sie, ob Sie mehrheitlich mit der erlebten Würdigungskultur im Projekt zufrieden sind und was Sie zukünftig in Bezug auf die Würdigungskultur verändern möchten. Folgende Fragen können Sie dabei unterstützen:
  • Ist die Rückmeldung zur Kultur der Anerkennung eindeutig oder gibt es große Unterschiede? Wer gibt besonders positive/negative Rückmeldungen – und was sind die Gründe dafür?
  • Wie unterscheiden sich Selbstwahrnehmung (der Projektaktiven) und Fremdwahrnehmung (der nicht am Projekt Beteiligten?) Wie lassen sich die Unterschiede erklären?
  • Warum haben Personen in Ihrer Schule Probleme damit, Lob und Anerkennung für ihre Arbeit anzunehmen? Gibt es dafür Gründe in der Schulkultur oder im Kollegium?
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Tabelle 1,
Kultur der Anerkennung analysieren
Was für eine Kultur der Anerkennung bzw. Würdigung habe ich im abgeschlossenen Projekt erlebt?
 Wie habe ich es im Projekt erlebt?Was wünsche ich mir für die Zukunft? Was sollten wir verändern?
Wofür wird bei uns jemand gewürdigt – wofür nicht?  
Wie wird jemand gewürdigt (kommt das bei der Zielperson an?)?  
Wer erhält viel bzw. wenig Anerkennung?  
Was gilt als selbstverständlich und wird deshalb kaum gewürdigt?  
Welche Formen der Anerkennung/Würdigung wünschen sich die Mitglieder der Schule – welche nicht?  
Welche Formen von Anerkennung haben wir außerhalb der Schule erlebt, die uns positiv aufgefallen sind? Welche davon würden wir gern einmal an unserer Schule ausprobieren?  
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Tabelle 2, Schwächen der internen und zwischenmenschlichen Würdigungskultur verstehen
Welche Schwächen der internen und zwischenmenschlichen Würdigungskultur haben sich im Projekt gezeigt? Wie können wir diese verstehen?
 Was trifft auf das abge­schlossene Projekt zu?Was können wir zukünftig tun?
Neigten die am Projekt Beteiligten zu einer Bagatellisierung ihrer Erfolge?  
Waren die Erfolgsindikatoren im Projekt realistisch und erreichbar?  
Waren die Projektaktiven überhaupt genussfähig?  
Fehlte es der Schule an einer Kultur, an Ritualen und Strukturen zum Feiern?